Schon am Vorabend begann die Konferenz in bewährter Tradition mit einem gemeinsamen Abendessen. Dieser Auftakt mit persönlichen Begegnungen gehört zum Charakter der Gesamtkonferenz: Sie schafft Raum für Austausch, Vertrauen und offene, oft private Gespräche jenseits der Tagesordnung. Auch die Sitzung selbst war geprägt von einer kollegialen und konstruktiven Atmosphäre. Unterschiedliche Einschätzungen wurden offen diskutiert, zugleich blieb das gemeinsame Ziel stets im Blick: die Zukunft des Heilpraktikerberufs sachlich, gut vernetzt und mit vereinten Kräften zu gestalten.
Bereits am Nachmittag vor der Gesamtkonferenz hatte sich ein Arbeitskreis getroffen, der sich mit den Themen Kommunikation, Sprache und Wording im Heilpraktikerberuf beschäftigte. Dabei ging es um die Frage, wie die Heilpraktikerschaft ihre Leistungen, ihre Rolle im Gesundheitswesen und ihre berufspolitischen Anliegen klar und anschlussfähig formulieren kann – nach innen gegenüber der Kollegenschaft ebenso wie nach außen gegenüber Politik und Öffentlichkeit.
Politische Lage und Interessenvertretung
Ein wichtiger Schwerpunkt der Konferenz war der Bericht über aktuelle politische Entwicklungen. Die Teilnehmenden befassten sich unter anderem mit der angespannten Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung und der Frage, wie Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker als Ressource im Gesundheitswesen sichtbarer gemacht werden können.
Dabei wurde erneut deutlich: Politische Interessenvertretung ist kein kurzfristiges Projekt, sondern kontinuierliche Arbeit. Kontakte müssen aufgebaut, gepflegt und mit sachlichen Argumenten hinterlegt werden. In der Diskussion wurde bewusst der Begriff „politische Interessenvertretung“ gegenüber dem oft missverständlich verwendeten Begriff „Lobbyarbeit“ bevorzugt. Ziel ist es, den Heilpraktikerberuf als konstruktiven, verantwortungsbewussten und patientenorientierten Bestandteil der Gesundheitsversorgung darzustellen.
Geplantes Osteopathiegesetz und Methodenvielfalt
Breiten Raum nahm die Diskussion um ein mögliches Osteopathiegesetz ein. In der Runde wurden erhebliche Bedenken deutlich. Ein eigenständiger Osteopathieberuf könnte Auswirkungen auf die Berufsausübung von Heilpraktikerinnen und Heilpraktikern haben, insbesondere dort, wo osteopathische Verfahren mit anderen manuellen oder naturheilkundlichen Methoden kombiniert werden. Auch die Abgrenzung beispielsweise zu Chiropraktik, Craniosacraltherapie oder Massagetechniken wurde als fachlich und rechtlich anspruchsvoll bewertet.
Die Teilnehmenden sprachen sich dafür aus, die Entwicklung aufmerksam zu begleiten und sich für die Methodenfreiheit und die Methodenvielfalt des Heilpraktikerberufs zu engagieren.
Prävention und Versorgung, Kommunikation und Medienarbeit
Ein weiteres zentrales Thema war die Rolle der Heilpraktikerschaft in Prävention, Gesundheitsförderung und Versorgung. Dabei wurde differenziert zwischen primärer, sekundärer und tertiärer Prävention. Gerade im Bereich der Begleitung von Menschen mit erhöhtem Erkrankungsrisiko, bestehenden Beschwerden oder chronischen Erkrankungen sehen viele Beteiligte ein wesentliches Arbeitsfeld der Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Kommunikation nach innen und außen. Auch gegenüber Medien und Öffentlichkeit soll die Heilpraktikerschaft ihre Themen stärker selbst setzen. Es geht darum, nicht nur auf Kritik zu reagieren, sondern den eigenen Beitrag zur Versorgung, Prävention und Gesundheitskompetenz aktiv darzustellen.
Weitere Treffen und Ausblick
Auch weiterhin wird sich dieses für alle Berufsverbände und Fachgesellschaften offene Aktionsbündnis vierteljährlich treffen. Bei Bedarf werden anlassbezogen zusätzliche Treffen anberaumt.
Diese 31. Gesamtkonferenz hat erneut gezeigt, wie wertvoll der regelmäßige Austausch der Verbände und Fachgesellschaften ist. In einer Zeit, in der berufspolitische Fragen komplexer werden, braucht es in unserem so vielfältigen Beruf abgestimmte Positionen, belastbare Kontakte und eine gemeinsame Sprache. Dabei stehen wir für die Individualität, Vielfalt und Eigenständigkeit der einzelnen Kolleginnen und Kollegen, aber auch in der Landschaft der Verbände und Fachgesellschaften.
Die Gesamtkonferenz hat sich bewährt. Sie ist ein Ort des Austauschs, der Strategie und der kollegialen Zusammenarbeit geworden. Und sie wächst in ihren Themen, in ihrer Vernetzung und in ihrer Bedeutung für die gemeinsame Zukunft der Heilpraktikerschaft.
Elvira Bierbach, gesundheitspolitische Referentin und Beirätin des BDH, Sprecherin der Gesamtkonferenz Deutscher Heilpraktikerverbände & Fachgesellschaften (GDHP)
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