Achtsamkeitstraining wirksam bei Menschen mit schwer behandelbarer Depression

02.06.2025 - Eine achtsamkeitsbasierte Therapie kann Menschen, die nach einer Behandlung weiter an Depressionen leiden, erhebliche Linderung verschaffen, zeigt eine Studie aus Großbritannien.

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Die achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie (MBCT) unterscheidet sich von anderen psychologischen Therapien dadurch, dass sie neben den Prinzipien der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT), die darauf abzielt, negative Denkmuster zu verändern, auch ein intensives Training in Achtsamkeitsmeditation einsetzt. Dieses hilft Menschen dabei, Fähigkeiten zu entwickeln, mit denen sie besser auf negative Stimmungen und Stress reagieren können.

Eine neue Studie aus großbritannien ergab nun, dass MBCT die Depressionssymptome im Vergleich zur üblichen Behandlung signifikant verbesserte. Die durchschnittliche Wirkung lag im kleinen bis mittleren Bereich und war mit der Behandlung mit Antidepressiva vergleichbar. Die Studie kam darüber hinaus zu dem Schluss, dass die Bereitstellung von MBCT als Alternative zur üblichen Behandlung mit weniger als 100 Pfund pro Person kosteneffizient war.

Für die meisten Menschen mit schweren Depressionen ist es mehr als nur eine Erkrankung – es ist ein wiederkehrender Teil ihrer Lebensgeschichte. 50 Prozent der an Depressionen erkrankten Menschen leiden nach Beendigung ihrer Behandlung weiterhin noch unter einer gewissen Form von Depressionen. Bislang wurde ihnen oft gesagt, dass sie das Ende der psychologischen Behandlung erreicht hätten und dass es keine weiteren Optionen für sie gäbe. Die Studienautoren wollten prüfen, ob MBCT nicht doch eine Therapieoption für diesen Personenkreis darstellt.

An der Studie nahmen mehr als 200 Patienten teil, die eine Gesprächstherapie im Rahmen des staatlichen Gesundheitsdienstes Großbritanniens, NHS, erhalten hatten, aber weiterhin unter Depressionen litten. Sie wurden an 20 NHS-Studienstandorten rekrutiert.

Eine Gruppe von Teilnehmeenden erhielt acht wöchentliche MBCT-Sitzungen in Gruppen, die per Videokonferenz abgehalten wurden und darauf abzielten, Achtsamkeitsfähigkeiten zu entwickeln und den Teilnehmern zu vermitteln, wie sie effektiver auf schwierige Emotionen reagieren können. Die andere Gruppe erhielt die übliche Behandlung. Sechs Monate nach der Behandlung verbesserten sich die Depressionssymptome bei den Patienten, die MBCT erhalten hatten, im Durchschnitt stärker als bei denjenigen, die die übliche Behandlung erhalten hatten.

Die Studienautoren sind überzeugt, dass für gefährdete Menschen mit Depressionen MBCT aus mehreren Gründen besonders hilfreich ist. Es hilft den Menschen, negative, selbstkritische Gedanken als Gedanken und nicht als Fakten zu erkennen, und trägt so dazu bei, ihre emotionale Wirkung zu verringern. Es unterstützt die Menschen außerdem dabei, ihre schwierigen Erfahrungen besser zu akzeptieren und freundlicher zu sich selbst zu sein. MBCT hilft Menschen auch dabei, nicht in sich wiederholenden Zyklen negativen Denkens stecken zu bleiben. Erfreulicherweise könne MBCT sogar bei Menschen funktionieren, bei denen andere Formen der Gesprächstherapie wenig Wirkung gezeigt haben.

Originalpublikation

Barnhofer T et al. Mindfulness-based cognitive therapy versus treatment as usual after non-remission with NHS Talking Therapies high-intensity psychological therapy for depression: a UK-based clinical effectiveness and cost-effectiveness randomised, controlled, superiority trial. The Lancet Psychiatry 2025. www.doi.org/10.1016/S2215-0366(25)00105-1

Quelle: University of Exeter