Alterssurvey zeigt: Menschen in der Lebensmitte stärker einsam als im Rentenalter

21.07.2025 - Wie einsam sich ein Mensch fühlt, steht in einem statistischen Zusammenhang mit seinem Alter, seinem Einkommen und der Berufstätigkeit. Das ist das Ergebnis des Deutschen Alterssurveys, die das Deutsche Zentrum für Altersfragen (DZA) im Auftrag des Bundesfamilienministeriums zum Thema Einsamkeit vorgenommen hat. Die Ergebnisse zeigen: Etwa jede elfte befragte Person ab 43 Jahren fühlte sich „sehr einsam“. Dabei fühlen sich die ab 76-Jährigen durchschnittlich weniger einsam als die Gruppe der 43- bis 55-Jährigen.

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Wie einsam sich Menschen in der zweiten Lebenshälfte fühlen, lässt sich mit Daten des Deutschen Alterssurveys auf einer Skala von 1 bis 4 abbilden – von „gar nicht einsam“ bis „sehr einsam“. Der Mittelwert basiert auf Antworten zu sechs Fragen, die das Gefühl von sozialer Nähe und Isolation erfassen.

Einige Ergebnisse im Überblick:
  • Menschen in der zweiten Lebenshälfte zeigten im Durchschnitt ein moderates Einsamkeitsniveau (1,82 auf einer Skala von 1 bis 4). Dennoch fühlte sich etwa jede*r Elfte sehr einsam. Als sehr einsam gelten Befragte deren Einsamkeitsniveau in der oberen Hälfte des Wertebereichs der Skala liegen (über 2,5). Einsamkeit in dieser Lebensphase scheint also kein flächendeckendes, aber dennoch ein bedeutendes Problem zu sein.
  • Im hohen Erwachsenenalter war Einsamkeit geringer ausgeprägt als im mittleren Alter. Während jüngere Altersgruppen tendenziell höhere Einsamkeitswerte im Bereich von 1,81 und 1,84 aufwiesen, zeigten Personen ab 76 Jahren im Durchschnitt einen leicht niedrigeren Einsamkeitswert von 1,77. Dies deutet auf die Bedeutung stabiler, qualitativ hochwertiger sozialer Beziehungen im Alter hin.
  • Männer in der zweiten Lebenshälfte erlebten stärkere Einsamkeit als Frauen. Der Einsamkeitsunterschied war dabei eher klein (Männer: 1,85; Frauen: 1,79) und mit dem Unterschied nach Altersgruppen vergleichbar.
  • Substanzielle Unterschiede zeigen sich beim Einkommen. Personen, die als armutsgefährdet gelten, fühlen sich einsamer als Personen mit mittleren und höheren Einkommen. Die Differenz in der Einsamkeit zwischen der höchsten Einkommensgruppe und den armutsgefährdeten Personen fiel deutlich größer aus als beim Alter oder Geschlecht.
  • Ebenso deutlich sind die Unterschiede beim Erwerbsstatus: Erwerbstätige fühlen sich weniger einsam als Nicht-Erwerbstätige, allerdings nur im Erwerbsalter (43 bis 65 Jahre). Ab 66 Jahren, also dem üblichen Ruhestandsalter, gibt es keine signifikanten Unterschiede im Einsamkeitsempfinden zwischen Menschen, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen und denen, die es nicht tun.

Wer nicht erwerbstätig ist, verliert oft nicht nur Einkommen, sondern auch soziale Kontakte, Alltagsstruktur und das Gefühl, gebraucht zu werden. Hinzu kommt: Arbeitslosigkeit ist häufig stigmatisiert – das kann zu Rückzug, Schamgefühlen und in der Folge auch zu Einsamkeit führen. Bei Personen ab 66 Jahren besteht ein solches Stigma nicht mehr. Das persönliche Netzwerk, etwa aus gleichaltrigen Freundinnen und Freunden, kann den Wegfall des Kontakts zu Kollegen und Kolleginnen kompensieren.

Die detaillierten Ergebnisse sind nachzulesen in: Franz, M.-C., Stuth, S., & Huxhold, O. (2025). Einsamkeit in der zweiten Lebenshälfte – Vorkommen, Verteilung und die Rolle des Erwerbsstatus [DZA Aktuell 03/2025]. Berlin: Deutsches Zentrum für Altersfragen. https://doi.org/10.60922/e2ef-ct55

Der Deutsche Alterssurvey

Der Deutsche Alterssurvey (DEAS) ist eine repräsentative Quer- und Längsschnittbefragung von Personen in der zweiten Lebenshälfte ab 40 Jahren. Im Rahmen der Studie werden seit beinahe drei Jahrzehnten Menschen auf ihrem Weg ins höhere und hohe Alter regelmäßig befragt. Der Deutsche Alterssurvey wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend.