Ashwagandha: Schlafbeeren-Präparate mit möglichen Gesundheitsrisiken

23.09.2024 - Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät in einer Mitteilung insbesondere Kindern, Schwangeren und Stillenden sowie Personen mit einer Erkrankung der Leber auf die Einnahme von Nahrungsergänzungsmittel mit Zubereitungen von Ashwagandha zu verzichten. Auch anderen Teilen der Allgemeinbevölkerung ruft das BfR zur Zurückhaltung bei der Einnahme dieser Mittel auf.

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Nahrungsergänzungsmittel mit Zubereitungen von Ashwagandha, im Deutschen auch als Schlafbeere, indischer Ginseng oder Winterkirsche bezeichnet, sind laut BfR im herkömmlichen Handel und auch im Internet als Pulver, Kapseln, Tropfen oder Tee erhältlich. Sie werden von den Herstellern mit vermeintlichen gesundheitlichen Wirkungen beworben, zum Beispiel zur Leistungssteigerung, zum besseren Einschlafen oder gegen Stress. Allerdings sind die versprochenen positiven Wirkungen wissenschaftlich nicht belegt und die gesundheitlichen Risiken, die mit der Einnahme dieser Pflanzenzubereitungen verbunden sein können, bisher nicht gut untersucht, so das BfR. Mit Blick auf die momentan verfügbaren Erkenntnisse empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) insbesondere Kindern, Schwangeren und Stillenden sowie Personen mit einer bestehenden oder früheren Erkrankung der Leber keine Ashwagandha-Präparate einzunehmen. Aufgrund mangelnder Daten und Kenntnislücken rät das BfR auch anderen Teilen der Allgemeinbevölkerung zur Zurückhaltung bei der Einnahme dieser Mittel.

Ashwangandha in der ayurvedischen Medizin und Nahrungsergänzungsmittel

Ashwangandha (lat.: Whitania somnifera), wird traditionell in der ayurvedischen Medizin genutzt. Dabei werden vor allem die Wurzel der Pflanze bzw. Zubereitungen davon verwendet. Neuerdings werden Pflanzenteile von oder pflanzliche Zubereitungen aus der Wurzel, aber auch aus Blättern von Ashwangandha, in Europa in Nahrungsergänzungsmitteln oder Teegetränken eingesetzt. Unter den vielen phytochemischen Inhaltsstoffen gelten vor allem die sogenannten Withanolide und Alkaloide als biologisch wirksam. Aufgrund der vorliegenden Daten ist es allerdings nicht möglich, eindeutig die Substanz(en) und Dosierungen zu benennen, die für die in Studien berichteten Wirkungen verantwortlich sein könnten.

Art und Gehalt variieren stark

Bisherige Untersuchungen lassen vermuten, dass sich die Art und die Gehalte der Inhaltsstoffe in einzelnen Nahrungsergänzungsmitteln stark unterscheiden. Das liegt u.a. daran, dass bei der Herstellung der Präparate vor allem die Wurzel, teilweise aber auch andere Pflanzenteile (wie Blätter) eingesetzt werden und unterschiedliche Verfahren zur Extraktion der Inhaltstoffe zum Einsatz kommen können. Sowohl die verwendeten Pflanzenteile als auch das Extraktionsverfahren kann die Konzentration der in einem Präparat enthaltenen Inhaltsstoffe beeinflussen – und damit vermutlich auch die biologische Wirkung der Präparate.

Akutfolgen der Einnahme

In den vorliegenden Studien mit Menschen wurden vor allem mögliche Nutzen von Ashwagandha-Präparaten untersucht, eventuelle unerwünschte Wirkungen wurden dagegen nicht systematisch erfasst. Zu berichteten Akutfolgen der Einnahme von Präparaten mit Ashwagandha zählen Beschwerden des Verdauungstraktes wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall sowie Benommenheit, Kopfschmerzen, Schwindel, Schläfrigkeit und Hautausschläge. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass die Präparate das Immunsystem sowie das endokrine System (Effekte auf den Cortisol- und Blutzuckerspiegel, Schilddrüsen- und Sexualhormone) beeinflussen können. Fallberichte über Leberschäden, die möglicherweise mit dem Verzehr von Ashwagandha-haltigen Präparaten in Zusammenhang stehen, geben aus Sicht der Risikobewertung Anlass zu besonderer Vorsicht. Eine abschließende Risikobewertung und präzisere Aussagen zu gesundheitlichen Risiken lässt die Datenlage derzeit allerdings nicht zu. Auch ein Richtwert für eine gesundheitlich unbedenkliche Aufnahmemenge konnte auf Basis der vorliegenden Datenlage bisher nicht abgeleitet werden.

Vorsicht bei der Einnahme

Insgesamt lassen die vorliegenden Daten jedoch darauf schließen, dass es Menschen oder Personengruppen gibt, die besonders empfindlich auf Ashwagandha reagieren können. Personen mit bestehenden oder früheren Erkrankungen der Leber scheinen dazu zu zählen.
Hinweise gibt es auch darauf, dass es Wechselwirkungen von Ashwagandha-Präparaten mit anderen Medikamenten gibt, etwa mit solchen, die den Blutzuckerspiegel (Antidiabetika), den Blutdruck (Blutdrucksenker) und das Immunsystem (Immunsuppressiva) regulieren. Aus diesem Grund sollte bei Einnahme bestimmter Arzneimittel ärztliche Rücksprache erfolgen.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)