Die Bevölkerung in Deutschland hat – wie in vielen anderen Ländern auch –hat in den vergangenen Jahren die Folgen diverser Krisen und Stressoren wie die COVID-19-Pandemie, der Russland-Ukraine-Krieg und der Nahost-Konflikt sowie die wirtschaftlichen Konsequenzen mit Arbeitslosigkeit, Rezessionen und Rekordinflationen erlebt. Dies hat offensichtlich Auswirkungen auf die Gesundheit, wie die GEDA-Studie (Gesundheit in Deutschland aktuell) des Robert Koch-Instituts (RKI) nun gezeigt hat. Sie wurde vom RKI gemeinsam mit der Charité in Berlin durchgeführt und analysierte Daten aus den Jahren 2019 bis 2024 von insgesamt 94.274 zufällig ausgewählten Personen. Monatlich wurden 1000 (2019–2021) bzw. 2000 bis 4000 Personen (2022–2024) befragt.
Ausgewertet wurde einerseits der sozioökonomische Status – erfasst über Einkommen und Bildungsstand – und andererseits die Belastung durch depressive Symptome gemessen mittels Patient-Health-Questionnaire-2 (PHQ-2), einem international verwendeten und für Bevölkerungsstudien validierten Screening-Instrument für depressive Störungen. Für die Bewertung der depressiven Symptome lagen somit keine klinisch-diagnostizierten Diagnosen zugrunde, sondern Selbstauskünfte der Proband*innen über die Häufigkeit des Auftretens der Kernsymptome einer Depression („depressive Stimmung“ und „Interessenverlust“) innerhalb der vergangenen zwei Wochen.
Ergebnisse
Über den gesamten Erfassungszeitraum hinweg war die Belastung für Menschen mit niedrigerem sozioökonomischem Status durch depressive Symptome am höchsten. Während diese Belastung in den ersten beiden Pandemiejahren (2020 und 2021) in allen sozioökonomischen Gruppen gleichermaßen zunahm, war der Anstieg ab 2022 in den niedrigeren Statusgruppen besonders ausgeprägt. Über den gesamten Beobachtungszeitraum lag der Bevölkerungsanteil mit auffälliger Belastung durch depressive Symptome umso höher, je niedriger der Bildungsstand und das Einkommen waren . 2019 hatten 13,3 % der Personen mit niedriger, 10,7 % mit mittlerer und 5,6 % mit hoher Bildung eine auffällige Belastung durch depressive Symptome sowie 16,0 % der Personen mit niedrigem, 10,3 % mit mittlerem und 6,0 % mit hohem Einkommen. 2024 hatten 29,3 % der Personen mit niedriger, 21,9 % mit mittlerer und 11,2 % mit hoher Bildung eine auffällige Belastung durch depressive Symptome sowie 32,9 % der Personen mit niedrigem, 22,1 % mit mittlerem und 8,4 % mit hohem Einkommen. Ab 2022 zeigte sich insbesondere in den niedrigen Bildungs- und Einkommensgruppen ein deutlicher Anstieg der Prävalenzzahlen. Einkommensunterschiede hatten im Vergleich zu Bildungsunterschieden einen größeren Einfluss auf das Vorkommen depressiver Symptomatik.
Fazit
Die Ergebnisse zeigen einen Anstieg sozioökonomischer Ungleichheiten in der psychischen Belastung Erwachsener in Deutschland in den zurückliegenden Jahren 2020–2024. Personen in sozioökonomisch benachteiligten Verhältnissen sind besonders vulnerabel für die psychischen Folgen von allgemeinen Krisen und Stressoren.
Originalpublikation
Kersjes C, Junker S, Mauz E, Beese F, Walther L, Müters S, Schnitzer S, Hoebel J: Income, educational level, and depressive symptoms in a time of multiple crises: Trends revealed by high-frequency mental health surveillance in Germany, 2019–2024. Dtsch Arztebl Int 2025; 122: 573–8. DOI: 10.3238/arztebl.m2025.0130
Weitere Informationen und Experteneinschätzungen unter: https://www.sciencemediacenter.de/angebote/soziooekonomische-ungleichheit-und-depressive-symptome-trends-in-deutschland-25184
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