Entzündungskrankheiten beeinflussen den Verlauf von kreisrundem Haarausfall

13.01.2025 - Bonner Forschende haben Risikofaktoren für eine schlechte Prognose bei bei kreisrundem Haarausfall (Alopecia areata - AA) identifiziert. Demnach sind Asthma, atopische Dermatitis oder Hashimoto-Thyreoiditis Risikofaktoren, die mit einer schlechten Prognose bei kreisrundem Haarausfall verbunden sind.

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Bei Patienten, die drei atopische Erkrankungen aufweisen, nämlich atopische Dermatitis, Asthma und Rhinitis, liegt das durchschnittliche Erkrankungsalter bei Alopecia areata (AA) etwa zehn Jahre früher als bei Patienten ohne chronisch entzündlichen Komorbiditäten. Dies stellten Forschende des Universitätsklinikums Bonn (UKB) und der Universität Bonn in einer großen Kohorten-Studie mit Betroffenen fest.

Alopecia areata ist eine häufige Autoimmunerkrankung, die zu plötzlichem kreisrunden Haarausfall führt. Der klinische Verlauf der AA ist unvorhersehbar und ist individuell sehr verschieden. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass AA häufig mit komorbiden, also gleichzeitig vorkommenden, chronisch-entzündlichen Erkrankungen einhergeht, was Auswirkungen auf die Prognose und die klinische Behandlung haben kann. Es gibt jedoch nur wenige Untersuchungen über die Auswirkungen begleitender chronisch-entzündlichen Erkrankungen auf die klinischen Merkmale von AA in einer Kohorte mit angemessener Größe. Über ein kooperatives Netzwerk von Dermatologen und AA-Selbsthilfegruppen haben die Bonner Humangenetiker in den letzten 20 Jahren eine große Gruppe von etwa 3.000 Betroffenen mit genetischen Daten und umfangreichen klinischen Selbstauskünften gewonnen. Etwas mehr als die Hälfte gab an, auch unter einer zusätzlichen chronisch-entzündlichen Erkrankung zu leiden.

Zusammenhang zwischen den klinischen Merkmalen von AA und Asthma entdeckt

Die Bonner Forschenden stellten fest, dass eine Komorbidität mit einer chronischen entzündlichen Erkrankung – insbesondere atopische Dermatitis, Asthma bronchiale, Hashimoto-Thyreoiditis, Rhinitis oder Vitiligo – mit dem Erkrankungsalter, dem Schweregrad und/oder der Dauer von AA zusammenhängt. Denn AA-Patient*innen mit Asthma, atopischer Dermatitis oder Hashimoto-Thyreoiditis berichteten signifikant häufiger über einen früh einsetzenden, schweren und langanhaltenden Haarausfall. Dabei beobachteten die Wissenschaftler*innen, dass komorbides Asthma bronchiale ein stärkerer Risikofaktor für schlechte Prognosefaktoren ist als komorbide atopische Dermatitis oder Rhinitis. Es handele sich um den ersten Bericht über einen signifikanten Zusammenhang zwischen komorbidem Asthma und den klinischen Merkmalen von AA in der Literatur.

Mit zunehmender Zahl der atopischen Begleiterkrankungen bei den AA-Patient*innen stieg das Risiko eines frühen Auftretens, einer schweren und langanhaltenden AA allmählich an. Das mittlere AA-Auftretensalter lag bei Patient*innen, die gleichzeitig an drei atopischen Erkrankungen, d.h. Asthma bronchiale, atopische Dermatitis und Rhinitis leiden, etwa ein Jahrzehnt früher als bei Patient*innen ohne chronisch entzündliche Begleiterkrankungen. Die Studienautor*innen halten dies für eine indirekte Unterstützung der Hypothese, dass atopische Erkrankungen bei einer Untergruppe von Patient*innen den Ausbruch von Alopezia areata auslösen kann. Aufgrund der Ergebnisse gehen sie davon aus, dass AA-Patient*innen mit komorbiden chronisch entzündlichen Erkrankungen, insbesondere Atopische Dermatitis, Asthma bronchiale oder Hashimoto-Thyreoiditis, von einer häufigeren klinischen Überwachung und einem früheren therapeutischen Eingreifen profitieren könnten.

Originalpublikation

Friedrich A, Schmitz MT, Gossmann Y et al. Comorbid Bronchial Asthma, Atopic Dermatitis and Hashimoto’s Thyroiditis Are Risk Factors for Early-Onset, Severe and Prolonged Alopecia Areata. Allergy. 2025 Jan 8. doi: 10.1111/all.16468.

Quelle: Universitätsklinikum Bonn