Hauptursache für das Fischsterben seien Infektionskrankheiten. Dies gefährde auch die Wildlachsbestände. Solange sich die Zustände nicht verbessern, dürften Rewe, Edeka, Aldi und Lidl keine Lachsprodukte mehr aus dem Land verkaufen, so die Forderung von foodwatch. Deutschland ist eines der größten Importländer für Lachs. Jeder zweite Lachs im Supermarktregal stammt aus Norwegen.
Lachs würde gerne als ein gesundes Naturprodukt vermarktet, doch die Wahrheit sähe anders aus. Wer Lachs aus Norwegen kauft, hat mit ziemlicher Sicherheit ein Produkt im Einkaufskorb, für das Tiere und Umwelt leiden. Millionen Tiere würden in den Zuchtkäfigen sterben oder seien von Läusen zerfressen. Die Lachsindustrie in Norwegen sei ein Desaster – und die deutschen Supermarkketten trügen als einer der Hauptabnehmer von norwegischem Lachs eine große Mitverantwortung, so foodwatch. Die Verbraucherorganisation startete eine Online-Protestaktion an die vier großen deutschen Supermarkt-Ketten Rewe, Edeka, Aldi und Lidl unter: www.foodwatch.org/de/mitmachen/keine-faulen-fische-lachsleid-stoppen
Auch Siegel wie ASC seien keine Garantie für Umweltschutz und gute Tierhaltung, kritisierte die Verbraucherorganisation in ihrem Report „Faule Fische“. Ein Test zeige, dass die versprochene Rückverfolgbarkeit kaum funktioniert: Von zehn ASC-Produkten in einer Stichprobe konnte foodwatch gerade einmal zwei zu einer konkreten Lachsfarm zurückverfolgen. Hinzu käme, dass die hohen Zertifizierungsquoten die eklatanten Missstände offensichtlich nicht verhindern. ASC zertifiziert nach eigenen Angaben 42 Prozent, das gelbe GGN-Siegel angeblich sogar 90 Prozent der norwegischen Lachsaquakultur – trotzdem verenden und erkranken jedes Jahr Millionen Tiere. In der Vergangenheit kam es immer wieder zu Skandalen in der norwegischen Lachsindustrie, betroffen waren auch zum Beispiel von ASC zertifizierte Betriebe.
Industrie fordert regelwidrigen Export von verletzten Lachsen
Statt die Zustände zu verbessern, dränge die norwegische Lachsindustrie darauf, die Exportregeln für verletzte und kranke Lachse zu lockern, warnte foodwatch. Der norwegische Branchenriese MOWI, einer der größten Lachsproduzenten weltweit, fordert Ausnahmegenehmigungen für den Export solcher Fische. Mehr als jeder zehnte Lachs in Norwegen hat Verletzungen oder Missbildungen. Die norwegische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat bereits mehrere Fälle aufgedeckt, in denen verletzter Fisch gesetzwidrig exportiert wurde. Nach einem Zwischenfall, bei dem anscheinend verendete Fische zu Nahrungsmitteln verarbeitet werden sollten, warnte die Behörde vor einer „unmittelbaren Gefahr für das Wohlergehen der Fische und die Lebensmittelsicherheit“.
foodwatch-Appell an deutsche Supermärkte
foodwatch appellierte an die deutschen Supermärkte, Verantwortung zu übernehmen. Es brauche klare Zielvorgaben für die Tiergesundheit und deren Überwachung, insbesondere um die Sterblichkeitsrate zu senken. Bei Verstößen müsse es strenge Strafen geben, so die Verbraucherorganisation. Zudem sei mehr Transparenz und eine funktionierende Rückverfolgbarkeit der Lachsprodukte erforderlich. Verbraucher*innen hätten ein Recht darauf zu wissen, unter welchen Bedingungen Lachs produziert wird.
Für den Report „Faule Fische“ hat foodwatch wissenschaftliche Studien, Medienberichte und Daten der norwegischen Lebensmittelüberwachung ausgewertet. Den kompletten Report zum Download gibt es hier.
Die Online-Petition an Rewe, Edeka, Lidl und Aldi läuft unter: https://www.foodwatch.org/de/mitmachen/keine-faulen-fische-lachsleid-stoppen
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