Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn sind weit verbreitet. Die Behandlungsmöglichkeiten sind bisher jedoch unzureichend. Ob eine zeitlich begrenzte Ernährung, das sogenannte Intervallfasten, positive Effekte auf chronisch-entzündliche Darmerkrankungen haben kann, testeten Forschungsteams der Universität Hohenheim an Mäusen. Zur Hälfte nutzten sie dabei Versuchstiere, die gentechnisch so verändert waren, dass sie eine Kolitis entwickelten.
Die Mäuse – mit und ohne Genveränderung – teilten die Forschenden in je zwei Gruppen ein: Die eine Gruppe hatte unbegrenzt Zugang zu Nahrung. Bei der zweiten Gruppe begrenzten sie die Fütterung auf acht Stunden täglich.
Intervallfasten zeigt bei allen Tieren positive Wirkung
Das Intervallfasten wirkte sich bei allen Mäusen positiv auf die Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms aus. Bei den Mäusen mit einer experimentell ausgelösten Darmerkrankung zeigte sich eine zusätzliche Verbesserung der Lebensqualität. Das Intervallfasten verzögerte den Ausbruch der Kolitis und reduzierte die Entzündungsmarker im Darm. Eine zeitlich begrenzte Nahrungsaufnahme könnte somit eine Möglichkeit sein der Krankheit entgegenzuwirken.
Störung der inneren Uhr könnte mit Darmerkrankungen einhergehen
Außerdem wollten die Forschenden den Zusammenhang mit der sogenannten inneren Uhr untersuchen, denn viele zelluläre, biochemische und physiologische Funktionen folgen einem 24-Stunden-Rhythmus. Auch die Zusammensetzung der Darmflora ändert sich im Laufe des Tages. Die innere Uhr wird über das Gehirn unter Einbindung von Umweltfaktoren wie Licht sowie durch die Ernährung gesteuert. Mäuse sind normalerweise für zwölf Stunden in der Nacht aktiv. Die Ruhephase findet in den restlichen zwölf Stunden des Tages statt, wenn es hell ist.
Im Versuch wurde je ein Teil der Tiere – mit und ohne Veranlagung für Kolitis – unter diesen Normalbedingungen gehalten und ein Teil einem veränderten Lichtrhythmus ausgesetzt: Bei ihnen war es jeweils im Wechsel vier Stunden hell und vier Stunden dunkel. Mit diesem Versuchsaufbau konnten die Forschenden testen, ob Mäuse, die einem veränderten Lichtrhythmus ausgesetzt waren, schneller Kolitis entwickeln.
Das überraschende Ergebnis: Die Studie lieferte keine eindeutigen Hinweise, dass eine Störung der inneren Uhr das Auftreten von Kolitis fördert. Dafür konnten die Forschenden beobachten, dass das Intervallfasten auch hier positive Effekte zeigte. Durch das Intervallfasten konnte die gestörte innere Uhr der Mäuse wieder verbessert werden.
Für Menschen könnten die Ergebnisse insofern relevant sein, als unsere innere Uhr oft durch unseren Lebensstil gestört wird – etwa weil wir Schichtarbeit leisten oder spät am Abend noch etwas essen.
Früherkennung von Darmerkrankungen möglich
Eine weitere Beobachtung könnte helfen, Darmerkrankungen künftig bereits im Frühstadium zu erkennen.
Bisher lässt sich nicht vorhersagen, was zum Ausbruch einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung führt oder wann diese in Risikopatient:innen auftritt, erklären die Forschenden. Sie haben allerdings festgestellt, dass es in Mäusen bereits vor dem Auftreten erster Symptome zu Veränderungen in der Zusammensetzung des Mikrobioms und Störungen der inneren Uhr kommt, die auf eine bevorstehende Erkrankung hinweisen: Diese Veränderungen im Darm folgten einem Muster, so dass die Wissenschaftler*innen vorhersagen konnten, wann sich die ersten Symptome der Erkrankungen zeigen.
Das Forscherteam hofft nun, dass sich ein solches Vorhersagemodell künftig auch für den Menschen entwickeln lässt. Vorbeugende Therapiemaßnahmen könnten dann vielleicht schon vor dem Auftreten erster Symptome eingeleitet werden.
Originalpublikation
Ruple HK, Haasis E, Bettenburg A et al. The gut microbiota predicts and time-restricted feeding delays experimental colitis. Gut Microbes. 2025 Dec; 17(1): 2453019
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