Knapp 9,5 Millionen Menschen in Deutschland von Depressionen betroffen

21.10.2024 - Rund 9,49 Millionen Menschen in Deutschland waren laut dem aktuellen "Gesundheitsatlas Deutschland" des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) 2022 von Depressionen betroffen. Die Prävalenz der diagnostizierten Erkrankungen ist in den vergangenen fünf Jahren kontinuierlich gestiegen und hat zuletzt mit 12,5 Prozent einen neuen Höchststand erreicht.

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Im Verlauf der letzten fünf Jahre ist die Depressions-Prävalenz laut dem Bericht kontinuierlich angestiegen. Während 2017 noch 11,8 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner Deutschlands ab zehn Jahren eine ärztlich diagnostizierte Depression hatten, waren es im Jahr 2022 bereits 12,5 Prozent. Insbesondere bei den jüngeren (10 bis 24 Jahre) und den älteren Altersgruppen (ab 65 Jahre) gab es in den Pandemiejahren einen deutlichen Zuwachs in der Depressionsprävalenz. “Es gibt Anzeichen dafür, dass die Zunahme der Depressionsprävalenz durch einen hohen Anstieg unter den Jüngeren und einen leichten Anstieg unter den Älteren geprägt ist. Dabei sind jedoch insgesamt viel mehr ältere Menschen von Depressionen betroffen” sagt Helmut Schröder, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). “Die Zahlen spiegeln wider, dass junge und ältere Menschen die besonders vulnerablen Gruppen in der Pandemie waren. Einsamkeit ist ein Risikofaktor für das Entstehen einer Depression, und besonders Menschen in hohem Alter waren in Pandemiezeiten häufig allein und isoliert”.

Frauen sind häufiger betroffen

Laut der Analyse des Gesundheitsatlas kommen Depressionen bei Jugendlichen zwischen zehn und 14 Jahren noch selten vor. Mit zunehmendem Alter zeigt sich jedoch ein deutlicher Anstieg der Depressionshäufigkeit. In allen Altersgruppen sind Frauen häufiger betroffen als Männer. Bei den 60- bis 64-Jährigen ist mehr als jede fünfte Frau und fast jeder sechste Mann betroffen. In den Altersklassen zwischen 65 und 74 Jahren ist dann ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Nach diesem “Knick” steigen die Prävalenzen jedoch weiter deutlich an. Der Prävalenzgipfel wird bei den 80- bis 84-jährigen Frauen mit 27,7 Prozent erreicht. Bei den Männern wird die höchste Prävalenz mit 17,6 Prozent in der Altersgruppe ab 90 Jahren gemessen.

Höchster Anteil von Depressions-Diagnosen im Saarland

Auf der Ebene der Bundesländer zeigen sich große regionale Unterschiede bei der Häufigkeit von Depressions-Diagnosen. Nach der Analyse des Gesundheitsatlas Deutschland sind die Einwohnerinnen und Einwohner im Saarland (14,2 Prozent), in Hamburg (13,5 Prozent) und in Hessen (13,4 Prozent) am stärksten betroffen. Am niedrigsten ist die Krankheitshäufigkeit in Sachsen mit 11,1 Prozent, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern (11,2 Prozent) und Brandenburg (11,4 Prozent).

Hohe Produktions-Ausfallkosten durch Depressionen

Die Relevanz der Erkrankung zeigt sich auch bei den volkswirtschaftlichen Kosten, die im Gesundheitsatlas Deutschland analysiert werden. So entfielen nach der letzten vorliegenden Krankheitskosten-Statistik des Statistischen Bundesamtes 9,5 Milliarden Euro auf Depressionen. Dies entspricht 2,2 Prozent aller Krankheitskosten. Zusätzlich zu den direkten Krankheitskosten entstehen indirekte Kosten durch krankheitsbedingte Fehltage.

Der Anteil der bei der AOK versicherten Beschäftigten, die 2022 wegen einer Depression krankheitsbedingt ausgefallen sind, ist mit 2,7 Prozent vergleichsweise gering. Allerdings fehlten die Betroffenen im Vergleich zu anderen Erkrankungen überdurchschnittlich lange an ihrem Arbeitsplatz: Die Ausfalltage wegen Depression belegen mit durchschnittlich 43 Tagen je Fall einen Spitzenplatz unter den Erkrankungen, die eine Arbeitsunfähigkeit auslösen.

Regionen mit vielen Patient*innen mit Angststörungen und Rückenschmerzen stärker belastet

Zu den Risikofaktoren, die zur Entstehung von Depressionen beitragen können, gehören neben Alter und Geschlecht auch Begleiterkrankungen, kritische Lebensereignisse oder chronischer Stress. Im Gesundheitsatlas werden auch die Zusammenhänge zwischen Depressionen und Risikofaktoren in den Regionen Deutschlands untersucht. Dazu gehören Angststörungen und Rückenschmerzen. Die Analysen bestätigen die aus der wissenschaftlichen Literatur bekannten Zusammenhänge: In Regionen mit einem höheren Anteil an Patient*innen mit Angststörungen oder Rückenschmerzen sind auch mehr Menschen von Depressionen betroffen. Eine ähnliche Verteilung zeigt sich in den Regionen, in denen viele Menschen unter Rückenschmerzen leiden: Hier liegt die Depressionsprävalenz bei 13,8 Prozent. In den Regionen, in denen die Rückenschmerzhäufigkeit gering ist, liegt die Depressionsprävalenz hingegen bei 11,8 Prozent.

Weitere Informationen: https://www.gesundheitsatlas-deutschland.de/

Quelle: Wissenschaftliches Institut der AOK