Gonarthrose ist eine chronische degenerative Gelenkerkrankung, die etwa ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung betrifft. Die Erkrankung entwickelt sich in der Regel schleichend und verläuft über Jahre mit wiederkehrenden entzündlichen Schüben. Dies führt zu einer stetigen Verschlechterung der Lebensqualität und Mobilität der Betroffenen. Die Patient*innen erleben zunehmend Einschränkungen in alltäglichen Bewegungsabläufen und können sich weniger frei bewegen. Besonders gefährdet sind Frauen, ältere Menschen sowie solche mit Übergewicht, Fehlstellungen des Knies oder früheren Knieverletzungen. Gonarthrose ist nicht heilbar, lässt sich aber durch eine individuell abgestimmte Therapie wirkungsvoll behandeln.
„Die neu veröffentlichte S3-Leitlinie ist ein Meilenstein für die Versorgung von Menschen mit Kniearthrose. Sie hilft Ärzten, Therapeuten und Betroffenen, gemeinsam die besten Entscheidungen für die Behandlung zu treffen – transparent, nachvollziehbar und wirksam“, betont Prof. Dr. Johannes Stöve, federführender Autor der Leitlinie. Er ist Chefarzt an der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, St. Marien- und St. Annastiftskrankenhaus Ludwigshafen.
Ein zentrales Anliegen der Leitlinie ist es, Patient*innen zu befähigen, ihre Behandlung aktiv mitzugestalten. Sie sollen dabei unterstützt werden, ihre Rolle im Therapieprozess zu verstehen und anzunehmen.
Die wichtigsten Aspekte der aktiven Patientenrolle im Überblick:
- Aufklärung und Eigenverantwortung: Patientinnen und Patienten sollen durch gezielte Aufklärung und Motivation aktiv in die Behandlung eingebunden werden. Ziel ist es, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass der Therapieerfolg maßgeblich von ihrer Mitwirkung und Eigenverantwortung abhängt.
- Informieren und Akzeptieren: Es ist wichtig, dass Betroffene sich darüber im Klaren sind, dass sie langfristig mit ihrer Erkrankung leben müssen. Sie sollen lernen, mit den damit verbundenen Herausforderungen umzugehen, ohne den Lebensmut zu verlieren. Ein realistisches Verständnis über den typischen Verlauf – geprägt von Phasen der Besserung und Verschlechterung – hilft dabei, die Erkrankung zu akzeptieren und langfristig positiv zu bewältigen.
- Therapieansatz: In vielen Fällen handelt es sich um eine chronische Erkrankung, die nicht zwingend operativ behandelt werden muss. Vorrangig kommt eine konservative Therapie zum Einsatz, insbesondere durch gezielte Physiotherapie – oftmals über viele Jahre hinweg als tragende Säule der Behandlung.
- Konservative Maßnahmen: Im Mittelpunkt stehen bewegungstherapeutische Ansätze, die Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit fördern. Diese individuellen Trainingsprogramme tragen entscheidend zur Funktionsverbesserung und Schmerzreduktion bei.
- Gesunder Lebensstil und Prävention: Ein aktives Gewichtsmanagement ist essenziell, insbesondere zur Entlastung der Gelenke bei Übergewicht. Empfohlen werden eine überwiegend pflanzliche, ausgewogene Ernährung sowie regelmäßige körperliche Aktivität – beispielsweise durch Gehen oder Radfahren.
- Vermeidung ungünstiger Belastungen: Kniebelastende und unphysiologische Bewegungen im Alltag, Beruf oder beim Sport sollten nach Möglichkeit vermieden werden, um eine zusätzliche Schädigung der Gelenkstrukturen zu verhindern.
Neben der Patientenaufklärung und Mitentscheidung gibt es folgende Neuerungen:
- Individuelle Therapie statt Einheitslösung: Alter, Lebenssituation und persönliche Ziele der Patientinnen und Patienten werden stärker berücksichtigt.
- Nachhaltigkeit im Fokus: Erstmals fließen auch umwelt- und ressourcenschonende Aspekte in die Bewertung von Behandlungsmöglichkeiten ein.
- Medikamentöse Therapie: Hier werden wissenschaftlich fundierte Hilfestellungen gegeben, die den behandelnden Ärzten helfen sollen, Wirkungsstärken realistisch einzuschätzen und die Risiken von Medikationsfehlern und Nebenwirkungen zu senken.
- Tapes und Manuelle Therapie: als neue Kapitel hinzugefügt
- Allgemeine Knieendoprothetik: In diesem neu erstellten Kapitel werden die Indikationsstellung, Risikofaktoren- und perioperatives Management (Zeitraum des operativen Eingriffs), unterstützende Technologien, Metallhypersensitivität und Mindestmengen behandelt.
- Patientenleitlinie: Erstmalig wurde eine Patientenleitlinie erstellt, um die Information der Patienten zu verbessern.
Mit der neuen S3-Leitlinie „Prävention und Therapie der Gonarthrose“ legt die DGOU gemeinsam mit über 20 Fachgesellschaften, Hausärztinnen und Hausärzten sowie Patientenvertretungen einen umfassend evidenzbasierten und patientenzentrierten Standard zur Behandlung dieser Volkskrankheit vor. Die Basis der neuen S3-Leitlinie „Prävention und Therapie der Gonarthrose“ bildete die in diesem Jahr aktualisierte veröffentlichte S2k-Leitlinie (Version 4.0). Die Leitlinie finden Sie hier.
Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (DGOU)
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