Frühere Laboruntersuchungen haben gezeigt, dass sich die kognitiven Leistungen von Menschen in den Stunden nach sportlicher Aktivität verbessern, aber wie lange dieser Vorteil anhält, war bislang unbekannt. Deshalb sind Wissenschaftler*innen aus London diese Frage nun nachgegangen. Es hat sich gezeigt, dass Menschen im Alter von 50 bis 83 Jahren, die sich an einem bestimmten Tag mehr als sonst mäßig bis stark körperlich betätigten, bei Gedächtnistests am Folgetag im Durchschnitt besser abschnitten als an den Tagen mit ihrer üblichen Bewegungsintensität. Wenn sie weniger Zeit im Sitzen verbrachten und sechs oder mehr Stunden schliefen, fielen die Gedächtnistests am nächsten Tag ebenfalls besser aus. Insbesondere der Tiefschlaf scheint zu dieser Gedächtnisverbesserung beizutragen.
Sport hat vielfältige Auswirkungen auf die Hirnfunktion
Kurzfristig erhöht Bewegung die Durchblutung des Gehirns und regt die Freisetzung von Neurotransmittern wie Noradrenalin und Dopamin an, die eine Reihe von kognitiven Funktionen unterstützen. Es wird davon ausgegangen, dass diese neurochemischen Veränderungen bis zu einigen Stunden nach dem Sport anhalten. Die Forscher stellten jedoch fest, dass andere Gehirnzustände, die mit Sport in Verbindung gebracht werden, länger anhalten. So gibt es beispielsweise Hinweise darauf, dass Sport die Stimmung bis zu 24 Stunden lang verbessern kann.
In einer früheren Studie von einem anderen Forscherteam aus dem Jahr 2016 wurde bereits eine stärkere synchronisierte Aktivität im Hippocampus für 48 Stunden nach einem hochintensiven Intervalltraining (HIIT) mit dem Fahrrad festgestellt. Aus dieser Studie lässt sich jedoch nicht ableiten, ob diese kurzfristige Steigerung der kognitiven Leistung auch zu einer längerfristigen kognitiven Gesundheit beiträgt, und obwohl vieles darauf hindeutet, dass körperliche Aktivität den kognitiven Verfall verlangsamen und das Demenzrisiko verringern kann, ist dies immer noch umstritten.
Körperliche Aktivität und Schlaf verbessern kognitive Leistung
Für die neue Studie werteten die Forscher*innen die Daten von am Handgelenk getragenen Aktivitätsmessgeräten von 76 Männern und Frauen aus, um festzustellen, wie viel Zeit die Teilnehmer*innen mit sitzender Tätigkeit, leichter, mäßiger oder starker körperlicher Betätigung verbrachten. Auch die Schlafdauer und die Zeit, die sie im leichteren Schlaf (Rapid Eye Movement oder REM) und im tieferen Slow-Wave-Schlaf verbrachten, wurden gemessen. Unter mäßiger oder kräftiger Bewegung stuften sie alles ein, was die Herzfrequenz in die Höhe treibt – das kann zügiges Gehen, Tanzen oder ein paar Treppenstufen hinaufgehen sein. Es muss sich nicht um strukturierte Übungen handeln.
Bei der Untersuchung des Zusammenhangs zwischen den verschiedenen Arten von körperlicher Aktivität und der kognitiven Leistung am nächsten Tag bereinigte das Forscherteam eine Vielzahl von Faktoren, die die Ergebnisse verzerrt haben könnten, darunter auch die Menge und Grad an körperlicher Aktivität, die die Teilnehmer am Tag der Tests ausübten. Sie berücksichtigten auch das durchschnittliche Aktivitätsniveau und die Schlafqualität der Teilnehmer*innen an den acht Tagen, an denen sie beobachtet wurden. Es ist bekannt, dass Teilnehmer*innen, die gewöhnlich aktiver sind und eine bessere Schlafqualität haben, bei kognitiven Tests besser abschneiden.
Das Team fand heraus, dass die Ausübung von mehr mäßiger oder stärker körperlicher Aktivität im Vergleich zum durchschnittlichen Aktivitätsgrad einer Person mit einem besseren Arbeits- und episodischen Gedächtnis (Erinnerung an Ereignisse) am nächsten Tag verbunden war. Auch ein Mehr an Schlaf insgesamt stand im Zusammenhang mit einem besseren episodischen und Arbeitsgedächtnis sowie einer höheren psychomotorischen Geschwindigkeit (ein Maß dafür, wie schnell eine Person ihre Umwelt wahrnimmt und darauf reagiert). Längere Slow-Wave-Schlaf-Phasen wurden mit einem besseren episodischen Gedächtnis in Verbindung gebracht. Umgekehrt war eine längere sitzende Tätigkeit als üblich mit einem schlechteren Arbeitsgedächtnis am nächsten Tag verbunden.
Zu den Einschränkungen der Studie gehört, dass es sich bei den Teilnehmern um eine kognitiv gesunde Gruppe handelte, was bedeutet, dass die Ergebnisse möglicherweise nicht auf Menschen mit neurokognitiven Störungen zutreffen. Da es sich um eine kleine Studie handelt, muss sie laut der Forschenden mit einer größeren Teilnehmerzahl wiederholt werden, bevor die Ergebnisse als gesichert gelten können.
Originalpublikation
Chien-Yu Lin, Kun-Pei Lin, Ming-Chun Hsueh, Yung Liao. Associations of accelerometer-measured sedentary behavior and physical activity with sleep in older adults. Journal of the Formosan Medical Association, 2024; 123 (12): 1239 DOI: 10.1016/j.jfma.2023.08.001
Quelle: ScienceDaily
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