„Akne“ (Acne vulgaris)

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Und noch ein Pickel… Dabei ist Toms Stirn, sein Kinn und die Wangenpartie ohnehin schon ganz schön entzündet. Übersät mit vielen kleinen und großen Pickeln und Pusteln in unterschiedlichen Reifestadien. Am liebsten würde er die jetzt sofort alle ausdrücken, aber beim letzten Mal ist es danach nur noch schlimmer geworden. Am Rücken ist es gerade wieder etwas besser, aber das ist ihm gar nicht so wichtig. Auf dem Rücken sieht den Ausschlag niemand, im Gesicht schon. Das ist ihm so peinlich! Sein bester Freund hat das gar nicht. Warum ausgerechnet er?

Was ist Akne?

Akne ist eine der am häufigsten auftretenden Hautkrankheiten, die, bedingt durch die hormonellen Veränderungen während der Pubertät, hauptsächlich bei Jugendlichen ab dem 11. Lebensjahr auftritt und in den meisten Fällen harmlos verläuft. Je nach Schweregrad entwickeln sich im Gesicht und am Körper neben "fettiger Haut“ Mitesser, die sich entzünden und so zu Papeln und eitrigen Pusteln bis hin zu Abszessen, Knoten und Narbenbildung führen können. Ihre maximale Ausprägung erreicht die Akne i. d. R. zwischen dem 17. und 19. Lebensjahr und heilt in den meisten Fällen bis zum 25. /30. Lebensjahr von alleine wieder ab. Einige Betroffene leiden aber auch noch im Erwachsenenalter unter ihr.

 

Da die Akne häufig ausgerechnet in der Pubertät auftritt – einer Zeit, die ohnehin von Unsicherheiten und Neuorientierung geprägt ist – stellt sie für viele Jugendliche besonders bei den schweren Verlaufsformen eine große Belastung auch der Seele dar. Vor allem, wenn die entzündeten Papeln, Pusteln oder Knoten im Gesicht auftreten. Das wird häufig nicht nur als kosmetisch störend empfunden, sondern kann zu einer ernsten Beeinträchtigung des Selbstwertgefühls führen.

Akne entsteht hauptsächlich dort, wo sich viele Talgdrüsen befinden: im Gesicht, Nacken, auf der Brust (Dekolleté), am Rücken, an Oberarmen und Schultern.

Es gibt verschiedene Formen der Akne, die wichtigsten sind:

  • Acne vulgaris
    die „normale“ Akne. Ihre leichte Verlaufsform heißt Acne comedonica, die schwerere Acne papulopustulosa.
  • Acne comedonica
    mit Mitessern vor allem in der Nasen-, Kinn- und Stirnzone, die sich meist ohne Entzündung von selbst wieder zurückbilden.
  • Acne papulopustulosa
    mit entzündlichen Pusteln und kleinen Knötchen v. a. im Gesicht, an Brust, Rücken und Oberarmen, die Narben bilden können.
  • Acne conglobata
    eine schwere Form der Akne, von der hauptsächlich Männer betroffen sind und bei der sich tiefgehende, hochentzündliche und schmerzhafte Knoten bzw. Abszesse bilden, die nach dem Abheilen der Entzündungen charakteristische Akne-Narben hinterlassen.

Ursachen

Die typische Pubertätsakne entsteht durch das Zusammenwirken mehrerer Faktoren. Durch die hormonelle Umstellung in der Pubertät kommt es auf Basis einer genetischen Veranlagung zu einer Talgdrüsenüberfunktion (Seborrhoe) mit einer Verhornungsstörung der Talgdrüsengänge. Auch Bakterien können eine Rolle spielen.

Da die Fett- und Hornzellproduktion durch männliche Geschlechtshormone stärker stimuliert wird, ist Akne bei Männern und Jungen etwas häufiger und meist deutlicher ausgeprägt als bei Mädchen und Frauen, bei denen diese Hormone nur in geringerem Maße vorhanden sind.

In der Pubertät vergrößern sich unter dem Einfluss männlicher Sexualhormone (Androgene) die  Talgdrüsen und produzieren mehr Talg, der normalerweise ungehindert über die Talgdrüsenkanäle nach außen abfließt. Bei Akne kommt es jedoch zusätzlich zu einer gesteigerten Bildung von Hornmaterial, das diese Ausführungsgänge verstopft.

So entstehen dann Mitesser (Komedonen), zunächst geschlossen und kaum sichtbar, dann offen, erkennbar am schwarzen Punkt in der Mitte.

Diese schwärzlich verfärbte Stelle besteht nicht aus Schmutz, sondern entsteht durch oberflächliche, sauerstoffbedingte Oxidation des Horn-Talg-Pfropfes und aus Melanin (dunkler Farbstoff der Haut). Aufgrund der Überaktivität der Talgdrüsen findet zudem ein bestimmtes Bakterium (Propionibacterium acnes) im Talgdrüsenausführungsgang besonders gute Wachstumsbedingungen und kann dann vermehrt zu Entzündungen führen. Auch deshalb sollten Mitesser nicht einfach ausgedrückt werden – das kann die Entzündung noch verstärken!

Bei einer nicht pubertär bedingten Akne können u. a. bestimmte Medikamente (z. B. Kortikoide (Nebennierenrindenhormone (ohne Sexualhormone)), Antiepileptika (Arzneimittel gegen Krampfanfälle), chemische Giftstoffe wie Mineralöle oder Schmiermittel, bei Frauen die Hormonschwankungen im Rahmen der Menstruation sowie Rauchen und psychische Faktoren wie Kummer und Stress eine Akne begünstigen oder hervorrufen. Bei der (anhaltenden) Akne erwachsener Frauen könnten auch Ernährungsfaktoren (z. B. Nahrungsmittel mit hohem glykämischen Index) eine Rolle spielen.

Konventionelle Behandlung

Je nach Schwere und Ausprägung kann die Akne äußerlich mit Cremes, Gelen und verschiedenen Lösungen behandelt werden. Diese vermindern die weitere Entzündung und Ausbreitung der Akne. Bei schwereren Verlaufsformen kann es nötig sein, Medikamente zu verabreichen. Verordnet werden können z. B. Vitamin-A-Säure-Präparate, bei Frauen Hormonpräparate, bei schweren Entzündungen Antibiotika (Arzneimittel gegen (bakterielle) Infektionen) u. a.

 

Was können Heilpraktiker für Sie tun?

Ihre Heilpraktikerin oder Ihr heilpraktiker setzt sich für ein Behandlungskonzept auf ganzheitlicher Ebene ein. Berücksichtigt werden neben dem Schweregrad der Ausprägung einer Akne auch die individuellen Voraussetzungen und der Leidensdruck jedes einzelnen Patienten. Dabei kann es bei sehr leichter Akne schon genügen, Möglichkeiten aufzuzeigen, Pickeln mit entsprechender Hautpflege vorzubeugen. Bei mittelschweren oder schwereren Verläufen ist es Ziel der naturheilkundlichen oder komplementären Medizin, die Hauterscheinungen möglichst zum Ausheilen zu bringen, zumindest aber deutlich zu lindern und ggf. Medikamente einzusparen.

Neben der Pflege der Haut und der Vorbeugung bzw. Behandlung der Ausschläge kommt auch den möglichen Ursachen der Akne eine große Bedeutung zu. Da die Haut ein Entgiftungsorgan des Körpers ist, kann es erfahrungsgemäß hilfreich sein, die Haut in dieser Funktion zu entlasten. Dazu wird Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker beispielsweise versuchen, dem Körper andere Wege für die Ausleitung bestimmter Stoffe anzubieten, z. B. durch die Stärkung der Entgiftungs- und Ausscheidungsfunktionen von Leber, Nieren oder Lymphsystem. Je nachdem wie Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker arbeitet, kann das beispielsweise mittels diverser Ab- und Ausleitungsverfahren, phytotherapeutisch, spagyrisch, homöopathisch o. a. geschehen.

Kamillenblüten
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Bei einer Akne können auch die Bakterien im Darm eine Rolle spielen – ist die Darmflora nicht im Gleichgewicht, kann das negative Auswirkungen auf die Gesundheit und z. B. auch das Hautbild haben. Deshalb liefert u. U. auch eine Stuhlanalyse durch ein Labor Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker wichtige Informationen für die Behandlung Ihrer Akne. Je nach Befund können dann Darmsymbiosetherapien (Therapien, die das Zusammenspiel der Bakterien im Darm unterstützen) die Darmflora stärken oder ein dort vorhandenes Ungleichgewicht wieder in eine gesunde Balance bringen.

Andere Therapieansätze wiederum bestehen darin, die hormonelle Regulation zu unterstützen, den Fettstoffwechsel günstig zu beeinflussen oder bestimmte Nährstoffe (z. B. mit Hilfe der orthomolekularen Medizin) zu verabreichen, zum Beispiel das Spurenelement Zink. Alle diese Methoden stehen hier jedoch nur beispielhaft für die vielen Möglichkeiten, die Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker zur Verfügung stehen. Die richtige Auswahl ist ein individueller Prozess, der Sie als Person mit Ihren persönlichen Voraussetzungen und Wünschen in die Therapie mit einbezieht. Ein solcher ganzheitlicher Ansatz berücksichtigt den ganzen Menschen, um seine Einheit aus Körper, Geist und Seele, alle Teile sind miteinander verbunden und stehen miteinander in Kommunikation.

Generell können also ganz verschiedene Therapieverfahren zu Einsatz kommen, entweder als in sich geschlossene Behandlungssysteme wie z. B. in der Traditionelle Chinesische Medizin oder als Kombinationen einzelner Verfahren untereinander, häufig z. B. (alphabetisch):

Wenn Sie unter Akne leiden, sprechen Sie vertrauensvoll mit Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker –  sie beraten Sie gerne. Sollten Sie sich besonders für bestimmte Therapien interessieren, hilft Ihnen die BDH-Therapeutensuche dabei, eine Praxis in Ihrer Nähe zu finden.

Was können Sie selber tun?

Hautpflege mit Einmalpflegeartikeln
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Eine ganze Menge! Zu allererst: Jugendliche sollten – so schwer es fällt - versuchen, geduldig zu sein und die Akne als ein i. d. R. zeitlich begrenztes Phänomen und Zeichen des Erwachsenwerdens zu sehen. Die Neigung zu Akne kann nicht verändert, aber die Hauterscheinungen sehr wohl gelindert werden. Akne entsteht zwar nicht aufgrund mangelnder Hygiene, sind die Pickel aber erst einmal da, ist eine gründliche Hygiene unerlässlich. Benutzen Sie zur Reinigung alkalifreie Waschsyndets. Wichtig sind z. B. sorgfältiges Händewaschen, der tägliche Wechsel von Handtüchern und Waschlappen oder die Verwendung von Einmalartikeln sowie die häufige Reinigung von Schminkutensilien wie Pinsel oder Schwämmchen. Vermieden werden sollten auch äußere Faktoren, die die Verstopfung der Talgdrüsen-Ausführungsgänge fördern (z. B. Fette oder Öle in Pflege- und Kosmetikprodukten). Nutzen Sie deshalb spezielle, geeignete Pflege-/Kosmetikprodukte

 

(gekennzeichnet durch Hinweise wie "bei zu Akne neigender Haut" oder "bei unreiner Haut"). Stark entfettende Reinigungsmaßnahmen sind NICHT angezeigt, da sie eine reaktive Nachproduktion von Talg bewirken können. Schützen Sie Ihre Haut vor zu viel Kälte oder Wärme. Sonne kann zwar zu einer Milderung der Akne führen, aber achten Sie unbedingt auf die richtige Dosis - eine zu hohe Sonnenein-
strahlung kann zu Hautschäden führen. Ganz wichtig: Drücken Sie nicht selbst an den Aknepusteln herum! Das verschlechtert die Akne und kann zu schlimmen Entzündungen mit Narbenbildung führen. Besser, Sie besuchen regelmäßig eine geschulte Kosmetikerin oder einen Kosmetiker zwecks professioneller Entfernung der Mitesser. Besondere Vorsicht gilt bei Picken im Gesichtsbereich. Durch die Verbindung von Lymph- und Gefäßbahnen zum Gehirn drohen hier eine Verschleppung von Keimen sowie ein Verschluss bestimmter Hirngefäße (Sinusvenenthrombose).

Mann lehnt das Angebot einer Zigarette ab
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Es ist wissenschaftlich nicht sicher nachweisbar, dass bestimmte Nahrungsmittel Akne verstärken. Dennoch sollten Sie sich gut beobachten und bei individueller Verschlimmerung auf Eier, Schokolade, Schweinefleisch, Tomaten, Milchprodukte und Produkte, die den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen lassen und/oder viele gesättigte Fettsäuren enthalten (Fastfood, Weißmehlprodukte, zuckerhaltige Lebensmittel, Bier etc.) ebenso wie auf Alkohol und Nikotin verzichten.

Die Entgiftungsfunktion Ihres Körpers können Sie beispielsweise durch einen Leberwickel mit Kohl unterstützen. Dazu die äußeren Blätter eines Bio-Weißkohls waschen, mit einem Nudelholz walken bis die Rippen brechen und Saft austritt. Im Liegen 3-4 Lagen der Kohlblätter über die Leberregion auf den rechten Rippenbogen auflegen, mit einem Tuch und evtl. einer zusätzlichen Wolldecke abdecken und ca. ½ bis 1 Stunde wirken lassen und dabei ruhen. Besonders gut wirkt der Leberwickel, wenn er abends angewandt wird.

Auch Stress und Ärger verschlimmern i. d. R. die Symptome, da sie die Talgproduktion verstärken können. Achten Sie auf ausreichend Schlaf und lernen Sie Entspannungsmethoden wie z. B. Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training, Tai Qi oder Qi Gong. Auch regelmäßige Bewegung, am besten an frischer Luft, kann dazu dienen, Stress abzubauen.

Autoren und Redaktion
Autorin: Kirsten Buschmann, Heilpraktikerin
Redaktion: Ulrich Sümper, Heilpraktiker

Beratung durch
Anita Sprenger-Witte, Heilpraktikerin
Franz-Claas-Straße 6a
33428 Harsewinkel
Tel. 05247 - 40 64 07

Diese Gesundheitsinformation wurde am 30.08.2019 erstellt und wird regelmäßig aktualisiert.