„Prämenstruelles Syndrom“ (PMS)

Frau, die an Bauchschmerzen leidet
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Jeden Monat das Gleiche: Auch ohne einen Blick in den Kalender weiß Amelie schon, dass sie ihre Monatsblutung bekommt. Die kündigt sich zuverlässig schon Tage vorher an. Ein leichtes Ziehen im Unterleib, Müdigkeit, Gereiztheit und ein regelrechter Heißhunger auf Süßkram. Alles nicht wirklich schlimm, aber eben auch nicht gerade angenehm. Kann sie da was tun?

Was ist das Prämenstruelle Syndrom (PMS)?

Unter dem Prämenstruellen Syndrom (kurz: PMS; prämenstruell = vor der Menstruation; Syndrom = Kombination verschiedener Symptome) versteht man das regelmäßige Auftreten von körperlichen und/oder psychischen Beschwerden vor der Regelblutung. Die Symptome beginnen also abhängig vom Menstruationszyklus immer in der Zeit zwischen Eisprung und Menstruation, (also maximal zwei Wochen vor der Blutung) und enden – mehr oder weniger abrupt – sobald die Regelblutung einsetzt und ein neuer Zyklus beginnt. Erst nach dem nächsten Eisprung treten sie dann erneut in Erscheinung.

Vom PMS sind etwa 20-40 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter betroffen. Vor allem Frauen über 35 Jahren leiden häufig unter dem

Prämenstruellen Syndrom und den damit verbundenen Beschwerden.

Art und Ausmaß der Symptome sind individuell sehr verschieden und können von Mal zu Mal variieren. Etwa 5 Prozent der betroffenen Frauen sind durch die Störung stark in ihrem Alltagsleben eingeschränkt, da ihr normaler Tagesablauf, ihr Familien- oder Berufsleben davon deutlich beeinträchtigt werden.

Eine Sonderform des Prämenstruellen Syndroms mit im Vordergrund stehender schwerer psychisch-emotionaler Symptomatik ist die Prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS): Niedergeschlagenheit, Depressionen, Reizbarkeit, innere Unruhe oder Stimmungsschwankungen bestimmen das Bild.

Das PMS kann viele Symptome aufweisen, die auch Zeichen anderer Erkrankungen sein können. Möglich sind z.B. (alphabetisch):

  • Blähungen
  • Gewichtszunahme und geschwollene Gliedmaßen durch Wassereinlagerung
  • Heißhungerattacken oder Appetitlosigkeit
  • Hitzewallungen
  • Konzentrationsprobleme
  • Kopfschmerzen, Migräne
  • Kreislaufprobleme
  • Lustlosigkeit
  • Müdigkeit, Antriebslosigkeit, allgemeine Erschöpfung
  • Rückenschmerzen
  • Schlafstörungen
  • Schweißausbrüche
  • Schwindel
  • Spannungsgefühl in den Brüsten (Mastodynie, s. u.)
  • Stimmungsschwankungen, depressive Verstimmungen
  • Reizbarkeit, Ängstlichkeit
  • Unreine Haut
  • Unterleibsschmerzen
  • Verstopfung
  • Völlegefühl
  • v. m.

Ursachen

Was genau das prämenstruelle Syndrom verursacht, ist nicht bekannt. Vermutlich spielen verschiedene Faktoren eine Rolle bei der Entstehung (multifaktorielle Genese). Es wird davon ausgegangen, dass Hormone eine wichtige Rolle für das PMS spielen, vor allem eine Störung des Progesteron-Stoffwechsels. Progesteron ist das Hormon, das die Gebärmutter auf die Schwangerschaft „vorbereitet“ und der Aufrechterhaltung der Schwangerschaft dient. Die erste Zyklushälfte wird von dem Hormon Östrogen dominiert, die zweite Hälfte dann vom Progesteron. Ist das natürliche hormonelle Verhältnis gestört und es wird zu wenig Progesteron produziert, kann das PMS entstehen.

Vermutet wird außerdem, dass PMS-Betroffene eventuell sensibler auf die Wechselwirkungen zwischen Progesteron und bestimmten Botenstoffen des Gehirns, z.B. Serotonin, reagieren. Außerdem können Faktoren wie ein niedriger Melatonin-Spiegel (das „Schlafhormon“ wird in der Zirbeldrüse des Gehirns produziert), eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

oder einige hormonelle Verhütungsmittel eine Rolle spielen können.

Es wird außerdem davon ausgegangen, dass die weiblichen Sexualhormone Östrogen und Progesteron und deren Schwankungen im Verlauf des Menstruationszyklus eine wichtige Rolle spielen: Die Zeit vom Beginn einer Regelblutung bis zum Eisprung (1. Zyklushälfte) wird von Östrogen, die Zeit vom Eisprung bis zur nächsten Menstruation (2. Zyklushälfte) von Progesteron (Gelbkörperhormon) dominiert. Nach heutiger Erkenntnis sind diese zyklischen Hormonveränderungen wahrscheinlich ein wesentlicher (Auslöse-) Faktor, da die PMS-Symptome während einer Schwangerschaft und nach der Menopause verschwinden.

Des Weiteren werden, vor allem aus naturheilkundlicher Sicht, die Beteiligung anderer Hormone (besonders Prolaktin, Schilddrüsenhormone, Melatonin u.a.), eine genetische Veranlagung und weitere Faktoren diskutiert wie das Rauchen, vermehrtet Stress, Problemen in Partnerschaft oder Beruf, einseitige Ernährung, Bewegungsmangel u.a.

Konventionelle Behandlung

Da das PMS mit der hormonellen Umstellung in der zweiten Zyklushälfte (s.o.) zu tun hat, reduzieren sich die Beschwerden manchmal oder verschwinden ganz, wenn diese unterdrückt wird – zum Beispiel durch manche Anti-Baby-Pillen. Andere Anti-Baby-Pillen verschlechtern die Symptomatik allerdings sogar. Deshalb gehen die Behandlungsempfehlungen auch z.T. weit auseinander und die symptomatische Therapie sollte sich danach richten, welche Symptome im Vordergrund stehen.

Das gilt auch für weitere Medikamente, die nur bei schweren PMS-Symptomen zum Einsatz kommen sollten wie z. B. Schmerzmittel, Diuretika (harntreibende Arzneimittel) und bei einer prämenstruellen dysphorischen Störung (PDS, s. o.) Antidepressiva (Arzneimittel gegen krankhaft niedergedrückte Stimmung).

Was können Heilpraktiker für Sie tun?

Ob die Beschwerden behandlungsbedürftig sind, ist von Frau zu Frau, manchmal sogar von Monat zu Monat unterschiedlich und hängt von deren Stärke bzw. Ausprägung und dem persönlichen Leidensdruck ab. Ein ganzheitliches, naturheilkundliches Behandlungskonzept eignet sich sowohl zur Behandlung der individuellen Beschwerden als auch zur Regulierung des hormonellen Geschehens. Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker sehen den Menschen als Körper-Geist-Seele-Einheit, die es in größtmögliche Balance zu bringen gilt.

Individuelle Beschwerden und belastende Zustände sollen schonend mit naturheilkundlichen Mitteln gelindert werden. Welche Maßnahmen für Sie die richtigen sind, hängt von vielen Faktoren ab. Leiden Sie in erster Linie unter körperlichen Beschwerden oder unter psychischen?

Viele unterschiedliche naturheilkundliche Arzneimittel sind oftmals in der Lage, die Regulationskräfte des Körpers anzuregen und so das PMS positiv zu beeinflussen. So bietet z.B. schon allein die Homöopathie sehr viele, sehr unterschiedliche Mittel, die aus homöopathischer Sicht auf die ganz persönlichen Erfordernisse der einzelnen Frau abgestimmt werden können. Ebenso mögen eine Anpassung der Ernährung und die Veränderung ungünstiger Lebensgewohnheiten, der gezielte Einsatz bestimmter Mikronährstoffe mit Hilfe der orthomolekularen Medizin u.v.a.m. notwendig und hilfreich sein. Ist es möglich, dass Ihre Beschwerden mit Blockaden der Lendenwirbelsäule oder des Ileosacralgelenks (Kreuz-Darmbein-Gelenk) zusammenhängen? Dann wird Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker z.B. eine chiropraktische oder osteopathische Behandlung in Erwägung ziehen.

Alle diese Möglichkeiten stehen hier jedoch nur beispielhaft für die vielen Methoden, die Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker zur Verfügung stehen. Die richtige Auswahl ist ein individuelle abgestimmter Prozess, der Sie als Person mit Ihren persönlichen Voraussetzungen und Wünschen in die Therapie mit einbezieht. Die Naturheilkunde und die komplementäre Medizin bieten viele Möglichkeiten, PMS-Beschwerden positiv zu beeinflussen. Dabei können verschiedene  Therapieverfahren entweder als in sich geschlossene Behandlungssysteme wie z. B. in der Traditionelle Chinesische Medizin zum Einsatz kommen oder Kombinationen einzelner Verfahren untereinander,  häufig z. B. (alphabetisch):

Wenn Sie unter PMS leiden, sprechen Sie vertrauensvoll mit Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker –  sie beraten Sie gerne. Sollten Sie sich besonders für bestimmte Therapien interessieren, hilft Ihnen die BDH-Therapeutensuche dabei, eine Praxis in Ihrer Nähe zu finden.

Was können Sie selber tun?

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Zunächst einmal: Vorausgesetzt, Sie leiden nicht unter einer schweren Symptomatik - versuchen Sie, Ihre Beschwerden als Reaktion auf eine völlig natürliche hormonelle Situation jeder gesunden Frau im gebärfähigen Alter anzunehmen. Viele Frauen fühlen sich in der Zeit vor der Regelblutung ohnehin schon schneller gereizt, überfordert oder traurig. Das wiederum kann andere PMS-Symptome wie Konzentrations- und Schlafstörungen noch verstärken. So geraten die betroffenen Frauen oft in einen Kreislauf aus negativen Emotionen. Verständnis für die Prozesse des eigenen Körpers und eine gewisse Gelassenheit können dann sehr hilfreich sein.

 

Führen Sie einen Zykluskalender mit Protokollierung aller (Zyklus-)Beschwerden und Besonderheiten über mehrere Monate. Das hilft, die Beschwerden realistisch einzuschätzen und mögliche Zusammenhänge zu erkennen.

Bei Unterleibskrämpfen wirkt Wärme oft wohltuend. Probieren Sie ein warmes Fuß- oder Vollbad oder einfach eine Wärmflasche, je nach Vorliebe auf den Bauch oder in den Rücken platziert. Sorgen Sie generell immer für warme Füße, da kalte Füße reflektorisch die Durchblutung im Unterleib vermindern können, was Krämpfe und Schmerzen begünstigen kann!

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Positive Effekte haben natürlich auch eine gesunde Lebensweise mit einem ausgewogenen Mix aus Entspannung und regelmäßiger Bewegung, am besten an frischer Luft. Das kann Unruhezustände, depressive Stimmungen und Schlafstörungen lindern. Empfehlenswert ist auch das Beckenbodentraining oder je nach persönlicher Vorliebe Saunabesuche und sanfte Bürstenmassagen.

Ebenfalls hilfreich können eine Ernährungsumstellung, der Verzicht auf Koffein und Alkohol und ein geringerer Konsum von Weißmehl und Zucker sein. Essen Sie am besten kleinere Portionen, um ein Völlegefühl zu vermeiden und sorgen Sie für ausreichenden und erholsamen Schlaf.

Autoren und Redaktion
Autorin: Kirsten Buschmann, Heilpraktikerin
Redaktion: Ulrich Sümper, Heilpraktiker

Beratung durch
Anita Sprenger-Witte, Heilpraktikerin
Franz-Claas-Straße 6a
33428 Harsewinkel
Tel. 05247 - 40 64 07

Diese Gesundheitsinformation wurde am 19.05.2020  erstellt und wird regelmäßig aktualisiert.