Patientensicherheit: Ganz nah an unserem Praxisalltag

28.09.2026 - „Da stimmt doch etwas nicht.“ – „Ich habe mehrfach nachgefragt, aber niemand hat mir richtig zugehört.“ – „Nach der Entlassung wusste ich plötzlich nicht mehr, welches Medikament ich eigentlich weiternehmen sollte.“ Solche Sätze kennen viele von uns aus der Praxis. BDH-Beirätin Elvira Bierbach war für uns beim Welttag der Patientensicherheit in Berlin – und hat neben vielen Eindrücken auch ganz konkrete Tipps und hilfreiche Informationen für unsere Praxen und unsere Patientinnen und Patienten mitgebracht.

Am 17. und 18. September trafen sich in Berlin beim diesjährigen Welttag der Patientensicherheit Akteure aus Gesundheitswesen, Politik und Patientenvertretungen mit einem Schwerpunkt, der unseren Praxisalltag unmittelbar berührt: die sichere Versorgung chronisch erkrankter Menschen.

Viele haben eine lange Krankengeschichte, werden von verschiedenen Behandelnden betreut und bewegen sich über Jahre zwischen Arztpraxen, Kliniken, Therapie und Reha. An diesen Schnittstellen können Missverständnisse, Informationsverluste und Kommunikationsprobleme entstehen.

Ein Tipp, den Sie Ihren Patientinnen und Patienten weitergeben können

Deshalb möchten wir Ihnen eine Website ans Herz legen, die auch für Ihre Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige hilfreich sein kann:

www.mehr-patientensicherheit.de

Das Angebot der Ersatzkassen (vdek) enthält neben Erfahrungsberichten ganz konkrete Informationen und Hilfestellungen. Dazu gehört beispielsweise ein „Eskalationsschema, wenn es nicht so läuft, wie es soll“: Was kann ich als Patientin, Patient oder Angehöriger tun, wenn ich mich in einer Behandlungssituation unsicher fühle oder den Eindruck habe, nicht ausreichend gehört zu werden?

Sehr praxisnah sind auch die Informationen zur sicheren Gesundheitsversorgung von Kindern. Eltern werden darin ausdrücklich ermutigt, Veränderungen bei ihrem Kind anzusprechen, konkrete Fragen zu stellen und auch ein „ungutes Bauchgefühl“ ernst zu nehmen. Gerade Eltern kennen ihr Kind schließlich besonders gut und bemerken häufig früh, wenn „etwas anders ist als sonst“.

Hilfreich können außerdem die Tipps zur Kommunikation bei schwerwiegenden Erkrankungen sowie Erklärfilme und weitere Patienteninformationen sein.

Vielleicht ist das eine Internetadresse, die Sie sich für Ihre Praxis gleich einmal abspeichern.

Chronisch krank – da gibt es noch mehr

In diesem Jahr lautete das Motto: „Sichere Versorgung chronisch erkrankter Menschen – für ein gutes Leben!“ Eine interessante Beobachtung bei der Tagung: Wenn über chronische Erkrankungen gesprochen wurde, standen vor allem Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes im Mittelpunkt. Neurologische und psychische Erkrankungen wurden ebenfalls thematisiert. Über andere Patientengruppen, die uns in Heilpraktikerpraxen häufig begegnen – beispielsweise über Menschen mit chronischen Schmerzen, Hauterkrankungen und Allergien oder chronischen Erkrankungen des Verdauungstraktes oder des Bewegungsapparates – wurde kaum gesprochen.

Für uns Heilpraktiker:innen ist das ein Thema mitten aus dem Praxisalltag. Denn gerade Menschen mit chronischen Erkrankungen suchen häufig unsere Praxen auf. Wir begleiten viele von ihnen über längere Zeit, kennen ihre Krankengeschichte und erleben dabei auch, wo Versorgung gut funktioniert – und wo Patient:innen Unterstützung, Orientierung oder einfach jemanden brauchen, der ihnen zuhört. Gerade hier sind gute Kommunikation, eine sorgfältige Anamnese und der Blick auf den ganzen Menschen wichtig.

Für uns ist das auch ein Auftrag: Diese Patientengruppen und ihre Bedürfnisse sollten wir in der Diskussion um chronische Erkrankungen und Patientensicherheit stärker sichtbar machen. Denn was gesundheitspolitisch weniger im Rampenlicht steht, kann den Alltag und die Lebensqualität der Betroffenen dennoch erheblich bestimmen.

Warum der BDH beim Aktionsbündnis Patientensicherheit mitarbeitet

Der Bund Deutscher Heilpraktiker ist seit 2020 Mitglied im Aktionsbündnis Patientensicherheit e. V. (APS). Denn Patientensicherheit, Patientenschutz und Qualitätssicherung gehören selbstverständlich zu unserem Berufsverständnis. Wir wollen die Perspektive der Heilpraktikerschaft dort einbringen, wo über eine sichere Gesundheitsversorgung diskutiert wird.
Deshalb war der BDH auch in diesem Jahr bei der zentralen Veranstaltung zum Welttag der Patientensicherheit in Berlin vertreten. Für unsere berufspolitische Arbeit ist es aufschlussreich, aus erster Hand zu hören, welche Themen Politik und andere Akteure des Gesundheitswesens beschäftigen – beispielsweise im Grußwort des neuen Bundesgesundheitsministers Dr. Carsten Linnemann, der die Schirmherrschaft über das APS übernommen hat, oder im Statement des Präsidenten der Bundesärztekammer Dr. Klaus Reinhardt.

Natürlich geht es auch um den persönlichen Austausch: Kontakte knüpfen und pflegen, zuhören und lernen. Dabei machen wir immer wieder deutlich, dass in unseren Praxen täglich kompetent und verantwortungsvoll gearbeitet wird und dass Patientensicherheit und Qualitätssicherung für uns zentrale Themen sind.

Die Mitgliedschaft im APS ist keine Mitgliedschaft „auf dem Papier“. Wir bringen die Heilpraktikerschaft in den Austausch mit Politik, Patientenvertretungen und anderen Akteuren des Gesundheitswesens ein und nehmen zugleich Wissen, Anregungen und praktische Hilfen für unsere Mitglieder mit.

Denn letztlich muss der Weg von einer solchen Tagung wieder dorthin zurückführen, wo Patientensicherheit jeden Tag ganz konkret gelebt wird: in unsere Praxen und zu unseren Patient:innen.