pAVK der oberen Extremitäten sind häufig schlecht versorgt

25.02.2025 - Schmerzen und Missempfindungen in den Armen können ein Zeichen für die „periphere arterielle Verschlusskrankheit“, kurz pAVK, sein, die vor allem als Problem der Beine bekannt ist. Eher selten – und daher noch relativ unerforscht und in der Breite schlecht versorgt – ist die Symptomatik im Bereich der oberen Extremitäten. Dort haben sich Forschende im Rahmen einer Studie mit den noch vielen offenen Fragen rund um diesen Typ der pAVK befasst.

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Als „Schaufensterkrankheit“ ist die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) schon längst bekannt. Wegen gravierender Gefäßverengungen schmerzen den Betroffenen die Beine mitunter so stark, dass sie – daher der Name – regelmäßig vor beispielsweise Schaufenstern pausieren müssen. Dass die Krankheit in seltenen Fällen auch die oberen Extremitäten betreffen kann, ist hingegen noch weitgehend unerforscht und weniger bekannt. Eine rechtzeitige Diagnose und richtige Versorgung sind aus diesem Grund häufig nicht gegeben – auch, weil die Erkrankung für die Betroffenen (zunächst, und vor allem bei Frauen) asymptomatisch verläuft.

pAVK der oberen Extremitäten

„Im Gegensatz zur peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) der unteren Extremitäten (lower extremity artery disease; LEAD) sind die Daten über die Prävalenz, Behandlung und Prognose von Patient*innen mit pAVK der oberen Extremitäten (upper extremity artery disease; UEAD) nur sehr spärlich vorhanden. Die wenigen Analysen dazu basieren auf kleinen Kohorten-Studien oder auf deskriptiven Analysen aus einzelnen Zentren. Dadurch gibt es bis heute kaum Evidenz bei der Behandlung von Patient*innen mit einer UEAD und dementsprechend fehlen bisher evidenz-basierte, einheitliche Leitlinien-Empfehlungen dazu“, bemängelt PD Dr. Nasser Malyar, Leiter der Sektion Angiologie der Klinik für Kardiologie I am Universitätsklinikum Münster.

Ein Studien-Team aus Münster hat nun das therapeutische Management sowie die Langzeit-Prognose hinsichtlich Amputation und Mortalität der UEAD untersucht. Die Autor*innen der Studie haben für die Analyse Daten aller stationär behandelten Patient*innen mit der Hauptdiagnose UEAD der AOK Krankenkasse aus den Jahren 2010 bis 2017 einbezogen (n=2437). Obwohl Patient*innen mit einer UEAD im Vergleich zu Patient*innen mit einer LEAD im Rutherford Stadium 4-6 (chronic limb threatening ischemia; CLTI) zehn Jahre jünger waren, litten sie häufiger an zusätzlichen kardiovaskulären Komorbiditäten wie Diabetes mellitus, Hypertonie, aktiver Raucherstatus, chronische Herzinsuffizienz oder chronische Nierenerkrankung und/oder entzündlichen Erkrankungen wie Raynaud Syndrom, rheumatoide Arthritis, Thromangitis obliterans oder Sjörgen Syndrom. Im Verlauf von 30 Tagen erlitten 15 % der UEAD-Patient*innen eine Amputation der oberen Extremität. Die Amputationsrate stieg nach einem Jahr auf 20 % und erreichte hier ein Plateau, wobei die Mortalitätsrate während der Beobachtungsphase stetig anstieg und nach fünf Jahren bei 45% lag. Bemerkenswert war, dass sowohl die Amputations- als auch die Mortalitätsrate bei Männern höher war als bei Frauen.

„Die hohen Amputations- und Mortalitätsraten – in dem vergleichsweise sehr jungen Kollektiv – spiegeln die äußerst schlechte Prognose in dem eher heterogenen und jungen Patientenkollektiv von UEAD-Patient*innen wider. Obwohl es für die UEAD keine Einteilung nach Schwergrad gibt, wie es für die LEAD der Fall ist, ist die Prognose unabhängig ihrer zugrundeliegenden Erkrankung sogar schlechter als im Vergleich zu Patient*innen mit LEAD im Stadium der CLTI“, erläutert Dr. Lena Makowski, Erstautorin der Studie.

Erkrankte schlecht versorgt

Die Ergebnisse der vorliegenden Studie belegen, dass erstens die Erkrankung häufiger ist als angenommen und zweitens, dass die Versorgung von Patient*innen mit einer UEAD hinsichtlich Diagnostik, Therapie und Sekundärprävention sogar noch schlechter ist als die Versorgung der Patient*innen mit LEAD. So erhielten während des Index Krankenhausaufenthaltes nur etwa die Hälfte der UEAD-Patient*innen eine diagnostische Angiographie (intraarterielle DSA/CT-/MRT-Angiographie). Auch die Rate an Revaskularisationen (endovaskulär oder gefäßchirurgisch) war mit etwa einem Drittel der Patient*innen sehr niedrig.

Deshalb ist es wichtig, dass auch einfache Hinweise auf eine mögliche Erkrankung (der Puls ist an einer Seite des Arms schlechter tastbar, oder der Blutdruck unterscheidet sich bei einer Messung an beiden Armen um mehr als 20 bis 30 mmHG) frühzeitig erkannt und auch weitgehend asymptomatische Patient*innen rechtzeitig versorgt werden. Häufig reichen dann Blutverdünner und cholesterinsenkende Medikamente für eine Behandlung aus; und auf einen interventionellen Eingriff kann verzichtet werden. Allerdings: Trotz bekannter Diagnose erhielten nur knapp die Hälfte der UEAD-Patient*innen vor dem Krankenhausaufenthalt Statine oder Antithrombotika, wobei Männer diese evidenzbasierten Medikamente häufiger erhielten als Frauen.

Weitere Studien sind notwendig

„Die Ergebnisse dieser Studie sind wichtig und hilfreich, um die Bedeutung der Erkrankung, die Epidemiologie, die derzeitigen therapeutischen Unzulänglichkeiten und die Determinanten der schlechten Prognose der UEAD besser zu verstehen. Weitere, prospektive klinische Studien sind dringend notwendig für eine zukünftige, evidenz-basierte und leitlinien-gerechte Versorgung von Betroffenen und damit für eine Verbesserung der aktuell schlechten Prognose der Patient*innen mit einer UEAD“, so PD Dr. Malyar.

Originalpublikation

Makowski L, Engelbertz Ch, Köppe J et al. Hospitalized upper extremity artery disease patients: treatment and long-term outcomes. European Heart Journal, 2024;, ehae904, https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehae904

Quelle: Universitätsklinikum Münster und Deutsche Gesellschaft für Angiologie