Spiegel-Beiträge zum „Boom der Alternativmedizin“ rufen viele Reaktionen hervor – einige können Sie hier lesen

In der Spiegel-Ausgabe vom 18.08.2018 sind gleich zwei Beiträge von Veronika Hackenbroch und Marcel Pauly zum Themenspektrum Heilpraktiker, Naturheilkunde und gesundheitsbezogene Seminare an deutschen Volkshochschulen erschienen. Beide Artikel haben vor allem aufgrund ihrer Einseitigkeit viele Reaktionen von Kolleginnen und Kollegen und Fachverbänden hervorgerufen, von denen wir hier einige abdrucken möchten. Die hier veröffentlichten Leserbriefe gingen an die Redaktion des Spiegels, wurden aber nicht abgedruckt. Haben Sie die Spiegel-Artikel in Ausgabe Nr. 34 ebenfalls gelesen? Wie war Ihre Reaktion? Gerne können Sie uns Ihre Meinung an info@bdh-online.de schreiben. Wir behalten uns dann eine Veröffentlichung auf der BDH-Website nach Prüfung vor.

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Stellungnahme der AGTCM, Fachverband für Chinesische Medizin, zum Artikel „Die Macht der Heiler“ und „Wohin das Qi fließt“, Autoren Veronika Hackenbroch bzw. Veronika Hackenbroch und Marcel Pauly, im Wochenmagazin „Der Spiegel“ vom 18.08.2018 (Ausgabe Nr. 34/2018)

Der Spiegel hat am 18. August 2018 unter dem Titelthema „Hokuspokus – Geld weg! Heiler, Gurus, Scharlatane: Der Boom der Alternativmedizin“ zwei Artikel („Die Macht der Heiler“, „Wohin das Qi fließt“) veröffentlicht, die das Thema Komplementärmedizin in Deutschland thematisieren. Autorin und Autor dieser Artikel sind Veronika Hackenbroch sowie Marcel Pauly.

Die AGTCM als einer der wichtigsten deutschen Fachverbände für Chinesische Medizin, die in der Chinesischen Medizin tätige Ärzte, Heilpraktiker, Physiotherapeuten und Ernährungswissenschaftler gemeinschaftlich und interdisziplinär vertritt, nimmt zu den Artikeln insbesondere für den Bereich der Chinesischen Medizin wie folgt Stellung.

Als zentrales Thema des Hefttitels hat der Spiegel den Bereich der „Alternativmedizin“ unter dem Begriff „Hokuspokus“ zusammengefasst und dies in einen ökonomischen Rahmen gestellt. Es wird behauptet, dass „wie im Zauber“ Ausgaben für medizinische Leistungen, die sich nicht im Bereich der westlichen Medizin bewegen, verloren sind. Dabei ist der Begriff der „Alternativmedizin“ an sich schon diskussionswürdig. Es stellt sich die Frage, zu welcher übergeordneten Instanz diese „Medizin“ denn als Alternative gesehen wird. Offensichtlich ist hier die westliche klinische Medizin gemeint, die als unangetastetes und übergeordnetes wissenschaftlich-medizinisches System für die Bewertungen anderer Medizinsysteme herangezogen wird. Dies stellt aus einer wissenschaftstheoretischen Perspektive – auf wissenschaftlichen Anspruch beruft sich die Autorin wiederholt – ein Paradoxon dar, das auch im Verlauf der Ausführungen weder thematisiert noch aufgelöst wird. Die Verwendung einer solchen Terminologie zeigt zudem erhebliche medizinhistorische Unkenntnis. Wie kann ein jahrtausendealtes Medizinsystem wie die Chinesische Medizin eine Alternative zu einem Medizinsystem sein, das mit dem heutigen Anspruch nur gute 150 Jahre existiert? Hier werden historische Gegebenheiten mit einer erschreckenden Hybris auf den Kopf gestellt.

Ferner wird das Titel-Thema in einen ökonomischen Zusammenhang und die Behauptung in den Raum gestellt, dass im Bereich dieser „Medizin“ derzeit einen Boom zu verzeichnen ist. Differenzierte Angaben über Zahlen zu diesem „Boom“ werden dem Leser nicht genannt. Ein Vergleich zu Umsatzzahlen im Bereich der westlichen Medizin und den Wachstumsraten in der Pharmaindustrie findet nicht statt. Für einen differenzierten Blick auf die Verhältnismäßigkeit
dieser Aussagen wäre dies dringend notwendig gewesen.

Sollte darüberhinaus tatsächlich ein Wachstum in Form eines „Booms“ zu verzeichnen sein, vermittelt die Autorin, dass dieser durch unseriöse Vermarktungspraktiken von Therapeutenseite im Bereich der „Alternativmedizin“ den PatientInnen übergeholfen wird. Dies verunglimpft zum einen pauschal alle in diesem Bereich therapeutisch tätigen Menschen und degradiert zugleich PatientInnen zu unwissenden, meinungslosen und passiven Menschen, die nicht wissen, was sie tun. Auch dies verletzt alle Regeln einer seriösen, respektvollen und sorgfältigen journalistischen Arbeit.

Im Weiteren spricht die Autorin von „esoterischen Therapien“ und subsumiert darunter offensichtlich alles, was sich nicht im Bereich der sog. westlichen klinischen Medizin bewegt. Sie verwendet sogar den Begriff einer „esoterischen Zahnspange“, den sie in keiner Weise erklärt.
Ist der Begriff der „Esoterik“ hier völlig deplatziert, erhält der Leser zugleich den Eindruck, dass sich die Autorin über die Wortbedeutung des Begriffs nicht im Klaren ist. Ein Medizinsystem wie beispielsweise die Chinesische Medizin als „esoterisch“ zu bezeichnen, zeigt in erschreckender Weise, mit welchem journalistischen und wissenschaftlichen Unverstand hier Begriffe verwendet und zudem noch Urteile gefällt werden. Dass es für verschiedene Verfahren aus dem komplementärmedizinischen Bereich von den Ärztekammern anerkannte ärztliche Zusatzbezeichnungen gibt (z.B. Akupunktur, Homöopathie, Naturheilverfahren), steht im Gegensatz zu der implizierten Behauptung einer Unseriösität der Komplementärmedizin beziehungsweise erweckt den Eindruck, dass die Autorin die
ärztliche Weiterbildung in Deutschland grundsätzlich verunglimpft.
Der Beitrag ist Ausdruck einer hoch-aggressiven Polemik, deren Motivation und Hintergründe grundsätzliche Fragen nach einem Sinn aufwirft.

Die Autorin zitiert in ihrem Artikel „Die Macht der Heiler“ im Wesentlichen den 2011 emeritierten Professor Edzard Ernst und beruft sich auf dessen Pauschalurteile.

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Sie beruft sich damit auf seine vermeintliche Expertise im Bereich der Komplementärmedizin, informiert den Leser aber in keiner Weise, in welchem Bereich der komplementären Verfahren Edzard Ernst praktisch oder wissenschaftlich konkret tätig war. Die angeführten Zitate Edzard Ernsts zeigen sich dabei als undifferenziert und unsachlich und tragen in keiner Weise zu einer notwendigen Aufklärung bei. Edzard Ernst nimmt zudem keinen Bezug auf zeitgemäße naturwissenschaftliche Erkenntnisse. Die Quantenmechanik beispielsweise, die Analogien zum Konzept des „Qi“ bereits seit knapp einhundert Jahren benennt und nachweist, scheint ihm unbekannt zu sein.

Ebenso keine Erwähnung findet, dass eine der best-evaluierten Kliniken in Deutschland die TCM-Klinik in Bad Kötzting/Bayern ist. Die Ergebnisse aus über 25 Jahren wissenschaftlicher Analyse der Behandlungen in der TCM-Klinik in Bad Kötzting sind überzeugend und stehen im starken Gegensatz zu den Behauptungen des Artikels. Dass der Nobelpreis für Medizin 2016 auch an die Chinesische Medizin ging und die Isolation des Wirkstoffs Artemisin aus der Pflanze Qing Hao (Herba Artemisia annuae) ausgezeichnet wurde, wird ebenfalls nicht zur Kenntnis genommen. Herba Artemisia annuae wird in der Chinesischen Medizin seit Jahrhunderten für die Malaria-Therapie eingesetzt. Die Pharmaindustrie setzt diesen Wirkstoff mittlerweile ebenso im Rahmen der Malaria-Therapie ein.

Die aktuelle und umfangreiche klinische internationale Studienlage im Bereich der Chinesischen Medizin wird nicht nur nicht erwähnt, sondern vielmehr abgestritten. Die bereits seit über zehn Jahren herausgegebene offizielle Empfehlung der World Health Organization (WHO), die weltweit existierenden traditionellen Medizinsysteme in die nationalen Gesundheitssysteme aufzunehmen, bleibt ebenso unerwähnt. Dass zudem die WHO derzeit in Analogie zum ICD-10 einen ICD-11 entwickelt, der die Erkrankungssystematik der traditionellen Medizinsysteme und insbesondere die der Chinesischen Medizin klassifiziert, ist offensichtlich ebenso unbekannt.

Insgesamt halten nur wenige Aussagen der Artikel einer kritischen Überprüfung stand. Die Artikel zeigen erhebliche Lücken in der Recherche, bei den Quellenangaben und in der Schlüssigkeit der Argumentation. Polemisierung, Pauschalisierung, aggressiver Schreibstil und unseriöser Journalismus fallen in erheblichem und erschreckendem Maße auf.

Die Artikel hinterlassen einen deutlich paradoxen Eindruck: Unlautere Methoden, die zu Beginn den in dem komplementärmedizinischen Bereich tätigen Menschen vorgeworfen werden, verwendet der Artikel in überhöhtem Maß.

Dass anhand einer einzigen Patientenerfahrung ganze Medizinsysteme in Abrede gestellt werden, ist in hohem Maße unseriös. Die für ein differenziertes Bild notwendigen analogen Erfahrungen aus der westlichen Medizin werden nicht thematisiert.

Das Unwissen, mit dem hier argumentiert oder vielmehr polemisiert wird, wirft die Frage auf, aus welchen Gründen die Chefredaktion des Spiegel solche Artikel zur Veröffentlichung und auch noch zum Titelthema bestimmt. Vor dem Hintergrund der Strukturen und Verflechtungen im Medienbereich drängt sich der Verdacht auf, dass hier möglicherweise Klientelpolitik zu Lasten von – offensichtlich dringend notwendiger – Aufklärung betrieben wird.

Der Schaden, der durch einen solchen Journalismus angerichtet wird, lässt sich nicht beziffern, die Verantwortlichkeiten für einen solchen journalistischen Stil und erschreckende Polemik und Hetze, die Gräben zieht und Konflikte vertieft, Menschen nicht zusammenbringt, sondern polarisiert, sind in der Chefredaktion des Spiegel und bei den Autoren zu suchen.

Die AGTCM lädt die Spiegel-Chefredaktion und insbesondere Veronika Hackenbroch ein, in einen wissenschaftlich-sachlichen und konstruktiven Dialog zu treten und im Sinne einer dringend notwendigen Aufklärung die wirklich wichtigen zukunftsgerichteten Fragen zu diskutieren. Fragen zur Zukunft und Ausrichtung unseres Gesundheitssystems, zur individuellen Gesundheitsbildung und zur Prävention sind angesichts der gesundheitlichen Entwicklung in den westlichen Industrieländern dringender denn je. Es gilt die Vorteile der verschiedenen Medizinsysteme und medizinischer Verfahren sinnvoll zu integrieren und die Expertise auf den jeweiligen Gebieten endlich zusammenzuführen. Die Chinesische Medizin als eines der großen
weltweiten Medizinsysteme bietet hoch-interessante Konzepte und Antworten auf diese Fragen.

Für den Vorstand der AGTCM,
Dr. Andrea Hellwig

Schreiben
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Sehr geehrte Damen und Herren,

zu dem Artikel „Hokuspokus – Geld weg“ teile ich Ihnen nachfolgend meine Meinung mit.

Der oben genannte Artikel war für mich sehr aufschlußreich. Er belegt nämlich für mich, daß der „Spiegel“ keine Vorbehalte hat, völlig einseitige Artikel zu veröffentlichen, die sich auf eine äußerst dürftige Faktenlage stützen. Es werden zwei Fälle geschildert, bei denen offensichtlich Patientinnen auf bedauerliche Weise falsch behandelt wurden. Diese Schilderungen machen mindestens ein Drittel des Artikels aus. Ich frage mich wirklich, was dadurch belegt werden soll. Fehldiagnosen und falsch behandelte PatientInnen gibt es leider in allen Bereichen der Medizin. Ich hätte mir gewünscht, daß sich Frau Hackenbroch in gleichem Maße mit den zahlreichen erfolgreichen Behandlungen durch Komplementärmedizin auseinandergesetzt hätte, die es zweifellos gibt.

Homöopathische Globuli auf Moos in Fläschchen
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Ich finde es mehr als fragwürdig, die von der Ärztin Grams eingestandenen Allmachtsfantasien in der von Frau Hackenbroch vorgenommenen Form zu verallgemeinern. Die Heilpraktiker, die mich (auch homöopathisch) zumeist erfolgreich behandelt haben, waren nach meinem Eindruck nicht von solchen Gedanken gesteuert, sondern sich der Grenzen ihrer Möglichkeiten bewußt.

Die in meinen Augen stark verzerrte Sicht der Autorin zeigt sich letztlich am besten in den Äußerungen des emeritierten Professors aus Exeter, auf den sie sich immer wieder bezieht: „Wenn weite Teile der Bevölkerung glauben, es gebe tatsächlich so etwas wie die Lebensenergie Qi oder Meridiane oder Chakren, wenn also jeder Unsinn propagiert und geglaubt wird, dann gibt es keine Maßstäbe mehr. Dann werden die Grenzen zwischen Wahrheit und Unwahrheit unscharf.“ Dieser Mann sieht sich also in der Lage, bei der Frage, was einen Menschen ausmacht, zwischen Wahrheit und Unwahrheit letztgültig zu unterscheiden. Mir scheint, daß auch er ein Problem mit Allmachtsfantasien hat. Mit freundlichen Grüßen

Gerhard Christ, Herford

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Sternartikel „Hokus-Pocus, Geld weg“ Ausgabe 34

Ungeheuerlich ist, wieder einmal wird die ernsthafte Arbeit vieler Heilpraktikerkolleginnen und Kollegen, nebst meiner Wenigkeit herabgewürdigt. Sowie auch der Ärzte, die in den naturheilkunden Therapien eine Möglichkeit sehen Ihren Patienten optimal helfen zu können.

Wieder einmal wird ein negatives Behandlungsbeispiel, einer Patientin an den Pranger gestellt. Fehlte der Journalistin die Zeit zu sorgfältiger Recherche, oder benötigte sie einen Artikel der das „Sommerloch“ füllte.

Die vielzitierte wissenschaftliche (bzw. journalistische) Belegbarkeit sowie die faktenbasierte Sachlichkeit finde ich in diesem Artikel nicht. Sehr, sehr schade. Aber warum ist das so? Warum und wer will der Naturheilkunde, der Homöopathie ganz besonders und insbesondere den Heilpraktikern so an den Kragen? Bitte Frau Veronika Hackenbroch beantworten Sie mir diese Fragen? Gerne auch im persönlichen Gespräch.

Jetzt wende ich mich weiter meinen Patienten zu in der Gewissheit den Menschen die in meine Praxis kommen, optimal helfen zu können!!!

Mit freundlichem Gruß
HP(In) Gabriele Katjo, Recke im Münsterland

Schatz_Perle
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Nieder mit der Alternativmedizin!?

„Die Hexenjagd des 21 Jahrhunderts geht weiter. Nach dem zunächst, angestoßen durch das Münsteraner Memorandum, nur die Berufsgruppe der Heilpraktiker im Fokus stand, weitet sich nun die Hetze auf den gesamten alternativ-medizinischen Bereich aus.“ So beginnt die Stellungnahme der Heilpraktikerin Alex Förster zu den Spiegelbeiträgen.

In ihrem Beitrag kritisiert Förster nicht nur die Autoren der Spiegelartikel und zeigt auf, weshalb die Beiträge so problematisch sind. Vielmehr ruft sie zu einem harmonischen Miteinander auf: „Die konträren Haltungen und verhärteten Fronten, fördern nur den Kampf und reißen die Kluft, die sich zwischen den konservativen und alternativen Sichtweisen auftut tiefer ein und folgen damit dem aktuellen nationalen Trend. Leider verhindert das vehemente Dagegensein jegliches Miteinander. Wir alle tun gut daran unsere begrenzenden Sichtweisen zu lockern, unser Herz zu öffnen, zu fühlen und die Vielfalt des Lebens schätzen zu lernen“.

Da der Beitrag sehr lang ist,  stellen wir ihn als pdf-Version zur Verfügung.

Partnerschaft
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Zum Thema ‘Hokuspokus – Geld weg’ (Ausgabe Nr. 34)

Hand in Hand für den Patienten

Das Beispiel der hilfesuchenden Patientin ‘Aust’ veranschaulicht die folgenschweren Auswirkungen verantwortungslosen Handelns seitens eines Heilpraktikers.
Fälle dieser Art sollten Patienten aufrütteln, im Umgang mit Fachpersonal kritisch zu bleiben, nicht jedoch dazu benutzt werden, pauschal die Kompetenz eines ganzen Berufsstands in Zweifel zu ziehen. Verantwortungslosigkeit im Umgang mit Menschen entspringt im medizinischen Alltag immer dem Versagen Einzelner. Und ja, natürlich könnte der Spiegel in einer künftigen Ausgabe ebenso über leidvolle Erfahrungen von Menschen berichten, die einem Schulmediziner ihr Vertrauen schenkten und infolge kränker wurden als sie es jemals waren. Aber wem, frage ich Sie, ist letztlich damit gedient, wenn sich hier zwei Berufsstände gegenseitigen Respekt verwehren?

Netzwerk
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128.000 Menschen suchen täglich Rat bei Heilpraktikern: Anlass genug, finde ich, für alle Parteien sich an einen runden Tisch zu setzten und einander zuzuhören, anstatt global Naivität zu unterstellen. Denn Patienten, vor allem chronisch Erkrankte, wissen sehr genau was sie tun, bzw. warum sie wohin gehen und was sie bereit sind, dafür zu bezahlen.

Was Therapien angeht, steht das segensreiche Wirkspektrum schulmedizinischer Medikamente wie Antibiotika, Kortison & Co. außer Frage! Entsprechend ist es an diesem Punkt Aufgabe des Heilpraktikers, schulmedizinische Therapien in Form ganzheitlich begleitender Maßnahmen zu unterstützen. Verordnete Pflanzenkraft z.B. vermag medikamentös bedingte Nebenwirkungen auszugleichen, einen geschwächten Organismus insgesamt zu stärken und Lebenskräfte zu wecken. Auch gerätetechnische Errungenschaften seitens der Schulmedizin sind von hervorragendem Nutzen für den Patienten – der sich bei all der Technik am Ende jedoch oft allein gelassen fühlt. Untermauert noch vom engen Zeitfenster: Arzt und Patient.
Körper und Psyche gehören eben zusammen, wenn es darum geht gesund zu werden. Nach diesem Vorbild sollten sich auch Schulmediziner und Heilpraktiker die Hände reichen zum Wohl des Patienten.

HP Anne Espenkott, Münster

Homöopathische Globuli und Fläschchen
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Sehr geehrte Damen und Herren,

Leider ist der Artikel und deren Autoren vom grassierenden Virus des Populismus befallen, welcher sich selbst mit wissenschaftlichen Methoden nicht beseitigen läßt (nein, dazu braucht es mathematisch nicht errechenbare Arbeit am Geist). Zudem zeigt sich in ihm mangelnde Fähigkeit zum wahrhaft offen betrachtenden und wahrnehmenden Denken; eigentlich die absolute Grundlage des rational-wissenschaftlichen Erkenntnisweges. Sie beengt, begrenzt und beschränkt sich selbst durch ihre wissenschaftliche Struktur und verliert in selbstherrlicher Überheblichkeit den offenen Blick für die Wahrnehmung des Lebendigen auf verschiedenste Weise.

Wo ist sachliche, journalistisch vorurteilsfreie und unvoreingenommene Betrachtung weltweit positiver Erfolge komplementär-medizinischer Verfahren und deren Erforschung? Man liest persönliche Verletzungen, wodurch der Drang zur Aufklärung zu einer Welle der Geißel Andersdenkender wird (wer ist jetzt der „Sektierer“?).

Und diese Seite maßt sich an, über ethisches handeln zu reflektieren? O tempora, o mores!

Ja, es gibt schwarze Schafe, in der Ärzteschaft, als auch in der Heilpraktikerschaft und verantwortliches Denken ist komplementäres Denken, gegenseitig sinnvolle Ergänzung verschiedener, in diesem Fall medizinischer Systeme und Erfahrungen aus dem Verständnis von deren Stärken und Schwächen.

Chinesische Pulsdiagnostik
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Gegenübergestellt seien reale Zahlen über ärztlich herbeigeführte „Kunstfehler“, deren Beweisführung oft aber gegen eine Mauer des Standesschutzes prallt; allein schon der Begriff „Kunstfehler“ schwächt oft drastische Folgen für die betroffenen Personen!

Die Naturheilkunde basiert nicht auf dem Konzept des unbedingt machbaren, wie sie sich aus Kreisen der rationalen Wissenschaft entstehen, z.B. offiziell legitimierte „Ferndiagnosen“ per Bildschirm, ohne reale Inaugenscheinnahme der Patienten, Operationen durch Roboter (auch in Fernsteuerung!), „Gen-Scheren“ etc. Nein, die Naturheilkunde nimmt den Patienten ernst und betrachtet ihn im wahrsten Sinne ganzheitlich, vor Ort in realer Betrachtung und Wahrnehmung.

Und dabei haben ebenso andere tradierte empirisch-medizinische Konzeptionen ihre Berechtigung; zum richtigen Zeitpunkt in kompetenter Anwendung in entsprechender Qualität, auch in selbstkritischer Betrachtung und Hinterfragung.

Jedoch weiß der weit überwiegende Teil der praktizierenden HeilpraktikerInnen in Deutschland um Stärken und Schwächen in komplementär- und alternativ-medizinischen Verfahren und zieht diese in Betracht.

Mit kritischem Gruß

Rolf Rothe, Landsberg

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Ja…in der Naturheilkunde gibt es Scharlatane…und ja…hier kann man viel Geld für wenig Effekt ausgeben. Ich kann nur über die Medizin sprechen, die ich seit 25 Jahren als Heilpraktiker ausübe: die Traditionelle Chinesische Medizin. Hier sehe ich seit Jahrzehnten ernsthafte Kolleginnen und Kollegen ärztlicher oder heilpraktischer Provenienz und ihre Fach- und Berufsverbände, die sich erfolgreich für das Komplement von Schulmedizin und der Chinesischen Medizin zum Wohle der Patientinnen und Patienten und eine hochwertige Qualifizierung der Therapeutinnen und Therpeuten einsetzen. Sehr schade das die Autorin populistisch, pauschal und einseitig Stimmung macht, um ein Sommerloch zu stopfen. Konstruktiv-kritischer Journalismus, der nicht nur verunsichert, sieht anders aus.

Michael van Gorkom, Bad Reichenhall

Naturheilkundliche Forschung
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Schlechter Stil im Hause Spiegel

Als fundiert ausgebildete Journalistin (und zugleich als Heilpraktikerin) muss ich mich doch sehr über die einseitige Berichterstattung des SPIEGELs zum Thema „Alternativmedizin“ wundern: Wo ist in adäquater Weise die andere Sichtweise vertreten? Patientengeschichten gibt es in die eine oder andere Richtung, der SPIEGEL druckt nur die, die zur Titelstory passen. Ein sachlich recherchierter Text hätte den Lesern deutlich mehr genutzt, statt dieser reißerischen einseitigen Darstellung. Die Komplementärmedizin versteht sich als Ergänzung zur evidenzbasierten Medizin, keineswegs als Alternative. Der Begriff der „Alternativmedizin“ ist demnach schon lange überholt, aber das hat die Autorin in ihrer Raserei wohl leider nicht mehr mitbekommen.

Sabine Hoffmann, Bielefeld

Kieselsteine
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Guten Tag,

Ich würde gerne Bezug nehmen zu dem Artikel über Naturheilkunde in Ihrer letzten Ausgabe.

Als aktiver HP und als Lehrer für medizinische Assistenzberufe bin ich wirklich erstaunt bis erschüttert über Inhalt und Form dieses Artikels.

Ich persönlich freue mich über eine Kombination von Naturheilkunde und Schulmedizin, wir haben beide unsere Stärken und Schwächen und können uns gut ergänzen. In den Schulen unterrichten wir fast ausschließlich Schulmedizin, weil die Prüfungen ja vor Amtsärzten abgenommen werden. Persönlich arbeite ich in meiner Praxis viel mit konsequent zu Ende gedachter Schulmedizin , die die einzelnen Facharztsichtweisen vereint. Das würde ich mir bei Hausärzten angesiedelt wünschen und denen eine stärkere Rolle im System zukommen lassen.

Neben vielen inhaltlichen Dingen ( Einzelfälle, die generalisiert werden; selektierte Therapieverfahren u.a.), möchte ich meinem Erstaunen darüber Ausdruck verleihen, warum immer wieder gerade Veronika Hackenbroch eine Plattform bekommt, um Ihren Unmut über Naturheilkunde zu äußern. Da sie offensichtlich an einer echten Diskussion kein Interesse hat, möchte ich einige Fragen formulieren, die bedenkenswert wären.

  • Meinen Sie wirklich die Patienten, die zu uns kommen, sind in der Summe so dumm, sich auf Dauer täuschen zu lassen und dafür auch noch zu bezahlen?
  • Wenn die Patienten in der Schulmedizin glücklich wären. Würden Sie dann zu uns kommen?
  • Kennt Veronika Hackenbroch die Prüfungsrichtlinien für Heilpraktiker, die seid Anfang des Jahres von den Gesundheitsministerien der Länder rausgegeben wurden? Die sind wirklich nicht ohne…
  • Für eine meiner Schulen habe ich neulich mal recherchiert und komme in D auf z. Z. neun Professuren für Naturheilkunde an öffentlichen Universitäten. Sind das auch alles Scharlatane?
  • Haben Sie sich DEREN Studien mal angeschaut?
  • Und warum muss ein Prof. Michalsen von der Charité Gelder der INDISCHEN Regierung verwenden, um eine Studie über Ayurveda zu machen? Wenn Ihnen die Studienlage so wichtig ist, unterstützen Sie deren Fakultäten und Arbeiten?
  • Seine Studien z.B. zu Blutegeln sind mir So einleuchtend, nachvollziehbar und sympathisch. Ich werde mich wundern, wenn diese kleinen Helfer nicht in ein paar Jahren wieder auch in Hausarztpraxen zum Einsatz kommen. Günstiger und oft effektiver geht es bei manchen Krankheitsbildern nicht.
  • Kennen Sie die “ Ernährungsdocs“ von NDR? Da geht mein fachliches Herz auf. Das ist angewendete Naturheilkunde in großem Maßstab :-))) Sind das auch Scharlatane und Geldschneider?
Blutegel
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  • Wenn Sie sich die häufigsten Medikamentengruppen anschauen, die von der Schulmedizin verschrieben werden, z.B. NSAR, Kortison, Antibiotika, Selektive Serotonin Wiederaufnahmehemmer, Cholesterinsenker, Beta Blocker, Chemotherapeutika usw. Das sind ALLES Rezeptorenblocker, die bestehende Kreisläufe unterbrechen. Das finde ich eine unglaublich negative Arbeitsweise. Wo sind da aufbauende Präparate? Und selten kümmert sich der Medikamente verordnende Facharzt dann um die NWebenwirkungen. Und mit dieser Arbeitseinstellung kann man so selbstsicher bis arrogant auftreten ? Erstaunlich für mich.
  • Medikamente der Apotheke fallen ja nicht vom Himmel. Viele der Medikamente kommen aus dem phytotherapeutischen Bereich und werden sowohl von naturheilkundlichen Ärzten, teils klassischen Schulmedizinern und auch HPs angewendet. Ist das schlimm?

Vielleicht wäre es einmal Zeit für einen Artikel, der eine Symbiose darstellt, z.B.:

  • Akutversorgung eines Verletzten, mit späterer unterstützender Therapie zur Wundheilung.
  • Antibiotika mit späterer „Probiose“ in Form von Bakterienkulturen und passender Ernährung.
  • Begleitende Aufbautherapie bei/nach Chemo in Form von „Kräuterblut“ , aufbauenden Infusionen und gezielter Ernährung.
  • Naturheilkundliche Begleitung von Bluthochdruckpatienten, über Gewichtsreduktion, Ernährung, Stressbewältigung u.ä.
  • Naturkheilkundliche Therapien, um bei chronischen Entzündungspatienten die schulmed. nötigen NSAR u.a. zu reduzieren …

Zur Datenlage gibt es genug und guten Willen auch. Ich weise auch im Unterricht immer wieder darauf hin, dass man nicht nur die Studien zur Kenntnis nehmen sollte, die in das persönliche Weltbild passen.

Persönlich finde ich es sehr schade immer wieder diese Art Schützengräben aufzumachen. Das macht für mich keinen Sinn und zeigt mir eher eine gereizt-aggressive Frustration der polarisierenden Protagonisten.

Und letztendlich: Selbst wenn man unseren Therapien nicht glaubt, unsere Art zu arbeiten ist kostengünstiger als klassische Schulmedizin und der Staat profitiert davon enorm in Form von Beihilfeeinsparungen.

Sie sehen mich weiter erstaunt, dass der Spiegel so einen Artikel „durchlässt“ und frage mich, warum das so geschehen kann. Alle mir einfallenden möglichen Antworten sind nicht gut.

Mit freundlichen Grüßen und einem ernstgemeintem Angebot der Zusammenarbeit an einem “ Symbioseartikel“ 😉

HP Benno Stüve, Bielefeld

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Betr.: Artikel: „Die Macht der Heiler“ von Veronika Hackenbroch, Marcel Pauly
Spiegelausgabe Nr. 34 – 18.08.2018

Zunächst muss man ja wohl dem Spiegel gratulieren zu diesem Artikel. Er ist ausgesprochen beeindruckend, wenn man ihn liest. Das zu behandelnde Thema ist in Bausch und Bogen und recht pointiert abgeurteilt worden, was ja auch sicher der Anlass war. Ausgangslage für die Beurteilung und Einordnung der beschriebenen überwiegend esoterischen Phänomene ist ja die Annahme, dass die wissenschaftliche Medizin sozusagen mit der Wahrheit gleichgesetzt wird und dass dadurch alles andere nicht nur unwissenschaftlich sondern überhaupt unwahr sei. Dieser Meinung kann man sein. Ausführlich beklagt wird im zweiten Teil, dass das öffentliche Geld, das den Betrieb der VHS unterstützt, missbraucht wird für die Thematisierung von esoterischen Randgebieten – und das nicht nur zur Erläuterung derselben, sondern zur Anwendungsempfehlung im Gesundheitsbereich. Auch gut.

Nur in den Gesamtzusammenhang stellen Sie gleichzeitig den Berufsstand der Heilpraktiker, als seien diese die verantwortlichen Vertreter dieser Esoterikwelle, die seit geraumer Zeit über uns hinwegschwappt. Dem ist allerdings nicht so.
Wir haben in Deutschland ein sehr gutes flächendeckendes wissenschaftliches Gesundheitssystem, das den Bedarf aller Bürger decken kann und das ja auch besonders in seiner bewundernswerten Spitzen- und Akutmedizin tut. Dennoch gibt es Menschen, für die sind Gesundheit und Krankheit auch sehr persönliche Dinge und diese suchen für ihre gesundheitlichen Bedürfnisse Ansprechpartner – besonders im Bereich allgemeiner gesundheitlicher Ungleichgewichtigkeiten.

Wohlbefinden
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Der Heilpraktiker wendet in erster Linie die Traditionelle Naturheilkunde an, in deren Zentrum die Pflanzenheilkunde steht mit einer sanfteren umstimmenden Wirkung zur Entfaltung auch der Selbstheilungskräfte. Die Heilpflanzen beruhen auf einer Jahrhunderte alten Empirie, die über diesen Zeitraum einem Selektionsprozess ausgesetzt war, der Gutes hinzugefügt und Unbrauchbares hat fallengelassen. Dieser Prozess wird in der Phytotherapie auch in unserer Zeit fortgesetzt, auch wissenschaftliches Erkenntnismaterial wird der Tradition der Heilpflanzen hinzugefügt. Das steht im Behandlungszentrum der Heilpraktiker und was in dem Artikel an Esoterikmethoden beschrieben wird, sind auch im Selbstverständnis des Heilpraktiker eher Randgebiete – falls überhaupt.

Im Übrigen: in seiner Systematik geht Ihr Artikel auch unwissenschaftlich vor. Es werden ein paar schaurige Einzelerlebnisse als Aufhänger für eine Gesamtbeurteilung herangezogen. Es fehlt schließlich eine statistisch wissenschaftlich korrekte Umfrage, wie zufrieden Patienten beim Heilpraktiker eigentlich sind? Wenn ich ein paar Storys, die ich von ärztlichen Fehlern kenne, auch zu einem Artikel aufbereiten würde, der Leser würde denken, er sei auf dem Mond. Aber darum sollte es ja eigentlich nicht gehen.

Fazit: Bin Spiegelleser seit Anfang an (Jahrgang 38). Deshalb habe ich mir erlaubt, auch einmal Kritik zu üben. Noch dazu nach Ihrem sehr guten Artikel letztes Jahr über das Problem der „offenen Plazebos“.

Mit freundlichen Grüßen

Karl F. Liebau, Burglauer

Gänseblümchen
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Leserbrief zum Artikel „Die Macht der Heiler“ im aktuellen Spiegel-Magazin mit der Titelstory „Hokuspokus-Geld weg“

Ich bin fassungslos über den aktuellen Bericht im Magazin Spiegel über die Alternativmedizin, entsetzt über unbewiesene Behauptungen („wissenschaftliche Studien sind immer wieder zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen“) und die unglaubliche Polemik (von der Homöopathie als der „absurdesten aller Heilmethoden“ ist hier die Rede sowie von „unappetitlichen Ausgangsprodukten“). Zitiert wird ein Professor, der mit dem belustigten Anzweifeln der Existenz der Meridiane gleich komplett die jahrtausendalte bewährte Traditionelle Chinesische Medizin (und die Akupunktur) ad absurdum stellt. Auf dem gleichen Level befindet sich die naiv-kindliche Aussage „in Deinen homöopathischen Mitteln ist ja gar nichts drin!“ des Ehemanns der Patientin Aust (die ohne Zweifel nicht richtig behandelt wurde). Sie ließe mich in einen Lachkrampf verfallen, … wenn das Thema nicht so ernst wäre.

Die vielzitierte wissenschaftliche (und journalistische!) Belegbarkeit sowie die faktenbasierte Sachlichkeit sind in diesem Artikel nicht zu finden. Schade. Aber warum ist das so? Warum und wer will der Naturheilkunde, der Homöopathie ganz besonders und insbesondere den Heilpraktikern so an den Kragen?

Rauch
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Natürlich gibt es in allen Berufsfeldern, bei Schulmedizinern wie auch bei Heilpraktikern, „schwarze Schafe“ und schlecht ausgebildete Therapeuten. Aber die 128.000 Menschen in Deutschland, die sich tagtäglich von Heilpraktikern behandeln lassen, sind nicht alle dumm, naiv und blöd. Sie sind schulmedizinisch austherapiert und benötigen weiterhin therapeutische Hilfe. Oder sie haben chronische Befindlichkeitsstörungen, die auch mit sanften Heilmethoden ohne Risiko behandelt werden können. Dies leisten seriöse und qualifizierte Heilpraktiker/innen, die meist auch einem Berufsverband angeschlossen sind.

Eine Studie der unabhängigen Bertelsmann Stiftung aus dem Jahr 2014 zeigt, dass sich in Deutschland bei mehr als 80 Prozent der Patienten, die von einem Homöopathen behandelt wurden, die Verfassung und das Allgemeinbefinden verbesserten.

Während die Diskussionen um die Alternativmedizin und die Homöopathie sicher weitergehen, widme ich mich als studierte Naturwissenschaftlerin und Heilpraktikerin in meiner Praxis für Homöopathie nun lieber meinen Patienten. Und tue weiterhin mein Bestes, damit es ihnen gut geht.

HP Jeannette Hölscher-Schenke, Gütersloh

Weg
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Leserbrief zum Thema „Hokuspokus – Geld weg“. Quo vadis Spiegel?

„Bravo“ Spiegel herzlichen Glückwunsch! Jetzt gehen auch Sie den Weg der gerade sehr erfolgreich zu sein scheint, den Weg mit dem Namen „Populismus“.

Unter dem marktschreierischen Titel „Hokuspokus – Geld weg“ versuchen Sie ein Thema aufzuarbeiten, das wahrlich eine fundiertere Diskussion verdient hätte.

47.000 Heilpraktiker mit mehr als 100.000 Patientenkontakten pro Woche wenden naturheilkundliche Therapien an, die Sie mit ganz geringen Ausnahmen als wirkungslos und sogar absurd bezeichnen. Dazu ca. 70.000 Ärzte. Alle diese Mediziner, die tagtäglich Ihre ganze Kraft in den Dienst kranker Mensch stellen, auf eine Stufe mit Scharlatanen zu stellen, ist schlichtweg unerhört.

Aber diese Art der Darstellung ist man ja als Naturheilkundler in der letzten Zeit auch von anderen Seiten gewohnt.

Was mich als treuen Spiegelleser allerdings aufs Tiefste beunruhigt, ist die Art und Weise der Darstellung dieses Themas. Da werden wie immer einige schwarze Schafe bemüht, um die gesamte Naturheilkunde incl. TCM und Homöopathie zu diskreditieren. Da hätte ich Ihnen mehr Niveau zugetraut.

Zusammenhalt
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Es wäre eine Leichtes, den Spieß umzudrehen und nach all den Kunstfehlern, die von Ärzten begangen werden, das Verbot ihres Berufstandes zu fordern. Sie merken, hier wird die Darstellung absurd.
Ein Aspekt liegt mir aber besonders am Herzen.

Die Position der Unwirksamkeit von Naturheilverfahren wird immer mit dem Argument, dass es an wissenschaftlichen Beweisen fehle, belegt. Das ist so nicht durchgängig korrekt. Darüber hinaus: wenn Sie e eine wirklich Wissenschaftsdiskussion vom Zaum brechen wollten, die fundiert und konstruktiv wäre, und ich glaube, dazu hätten Sie die Kompetenz, würden wir uns alle freuen. Das würde uns wirklich weiterbringen. Aber dazu hat dieser Betrag leider nicht das Niveau.
Bei diesem Thema wäre es durchaus sinnvoll gewesen, einmal bei den wissenschaftlich arbeitenden ärztlichen Kollegen aus den Fachbereich Psychoneuroimmunologie zu recherchieren. Sie wären erstaunt gewesen, was Sie dort über den Einfluss von feinsten Reizen auf unseren Körper gelernt hätten. Erkenntnisse, die vor ein paar Jahren undenkbar gewesen wäre.

Sie aber bleiben lieber bei der Position: „Was nicht wissenschaftlich bewiesen ist, existiert auch nicht.“

Schade – eine Riesenchance verpasst, aber dafür bestimmt viele Exemplare Ihres Spiegels verkauft.

Michael Herzog Heilpraktiker, Dipl. Theologe

Megafon
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Zunächst einmal: Herzlichen Glückwunsch zum Cover, das errinert doch sehr an die Bild-Zeitung.

Leider setzt sich das im Bericht fort. Selten habe ich (als bislang treue Spiegel-Leserin) einen so einseitigen-reisserischen Artikel lesen müssen.

Ohne auf die einzelnen Aussagen Bezug nehmen zu wollen (dies würde mehrere Seiten in Anspruch nehmen), möchte ich hiermit meiner Enttäuschung ob dieser Berichterstattung Raum geben.

Dokumentation
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Vielleicht sollten Sie bei der Auswahl Ihrer Redakteure und dem, was recherchiert und geschrieben wird, etwas mehr Aufmerksamkeit auf eine ausgewogene und realistische Grundhaltung bei den entsprechend Verantwortlichen achten. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier die Pharma- und Ärztelobbyisten ganz massiv mit im bösen Spiel sind.

Sehr schade! Allerdings wird auch dieser Artikel nichts daran ändern, dass immer mehr Patienten die Unterstützung und therapeutische Hilfe von gut ausgebildeten und verantwortungsvollen Heilpraktikern in Anspruch nehmen.

Marita Erhardt-Albrecht, Heilpraktikerin