Um den Fortpflanzungsrate zu steigern, synchronisieren viele Arten ihr Fortpflanzungsverhalten mit einer bestimmten Phase des Mondzyklus. Auch der menschliche Menstruationszyklus hat eine ähnliche Dauer wie der Mondzyklus, und aktuelle Studien deuten auf eine vorübergehende Synchronität zwischen Menstruations- und Mondzyklus hin. Dennoch bleibt der Einfluss des Mondes auf das menschliche Fortpflanzungsverhalten umstritten.
Ein Würzburger Wissenschaftlerteam hat deshalb die langfristigen Menstruationsaufzeichnungen einzelner Frauen aus den letzten 24 Jahren analysiert und mit Aufzeichnungen aus dem letzten Jahrhundert verglichen. Ihre Ergebnisse zeigen, dass die Menstruationszyklen von Frauen, die vor der Einführung von Leuchtdioden im Jahr 2010 und der weit verbreiteten Nutzung von Smartphones aufgezeichnet wurden, deutlich mit dem Mondzyklus synchronisiert waren, während diejenigen nach 2010 hauptsächlich im Januar mit dem Mond gekoppelt waren.
Für ihre Studie haben die Forschenden die Menstruationsaufzeichnungen von 176 vorwiegend europäischen Frauen, die nicht oral verhüteten, über einen Zeitraum von 2 bis 37 Jahren (Durchschnitt: 6 Jahre) gesammelt. Als Vergleich diente ihnen eine frühere Studie mit 22 Frauen (4.112 Blutungen), die überwiegend Daten aus dem vergangenen Jahrhundert lieferte.
Diese Daten verglichen die Wissenschaftler*innen mit den Mondzyklen zwischen 1950 und 2024. Es zeigte sich, dass vor 2010 die Menstruationszyklen eine klare Synchronität mit dem synodischen Monat (Neumond–Vollmond–Neumond; circa 29,5 Tage hatte. Nach 2010 konnten sie diese Synchronität nicht mehr nachweisen. Nur noch im Januar, wenn die gravimetrischen Kräfte von Sonne und Mond besonders stark sind, war die Kopplung weiterhin vorhanden. Auch bei den alle 18,6 Jahre auftretenden kleinen Mondstillständen waren Synchronisationsphasen zu beobachten.
Die Forschenden erklären sich die Abnahme der Synchronität seit 2010 mit der seither stark zunehmenden nächtlichen Lichtexposition. Der zunehmende Einsatz von LED-Lampen sowie die starke Verbreitung von Smartphones, Tablets und anderen Bildschirmen habe die Lichtverschmutzung deutlich zugenommen. Allerdings müsse dieser Zusammenhang noch untersucht werden, denn auch andere Umweltfaktoren wie erhöhte Temperaturen durch den Klimawandel, oder CO2-Belastung in der Luft seien mögliche Verursacher. Selbst die Alterung der Studienteilnehmerinnen oder eine Zunahme von Schlafstörungen können verantwortlich sein.
Originalpublikation
Helfrich-Förster C, Domenie ED, Mitesser O, Hovestadt T, Ferlin A, Wehr TA, Costa R, Montagnese S. Synchronization of women’s menstruation with the Moon has decreased but remains detectable when gravitational pull is strong. Science advances 2015; 11(39): eadw4096.
Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 10.10.25
Quelle: Deutsches Diabetes Zentrum
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