Viele Köpfe, ein Haufen Meinungen, eine Stimme: Sieben Jahre Gesamtkonferenz

08.12.2025 - Am 26.09.2018 fand – auf Initiative des BDH – in Kassel das erste Treffen der Gesamtkonferenz Deutscher Heilpraktikerverbände & Fachgesellschaften (GDHP) statt. Zum Sprecherteam wurden der mittlerweile zum BDH-Präsidenten gewählte Christian Blumbach und Beirätin Elvira Bierbach gewählt. Seitdem tragen sie die in der Verbänderunde abgestimmten Themen nach außen, organisieren und moderieren die Sitzungen. Im Gespräch blicken die Beiden zurück auf sieben Jahre Arbeit dieses Kooperationsbündnisses.

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Bierbach: Es ist kaum zu glauben: Nun gibt es die Gesamtkonferenz schon über sieben Jahre.

Blumbach: Ja, das stimmt. Viele haben damals maximal zwei oder drei Treffen für möglich gehalten. Am Anfang haben wir mit 16 Verbänden an einem Tisch gesessen. Heute sind es 40 – je etwa zur Hälfte Berufsverbände und methodenspezifische Fachverbände. Und immer noch keine Mitgliedschaft, kein Eintrittsgeld, keine Hierarchie. Nur Themen und Köpfe – nicht perfekt, aber regelmäßig. Und demokratisch. Es hat funktioniert.

Bierbach: Weil niemand den großen Zampano raushängen ließ. Es wird gestritten, ja. Aber ohne Ellenbogen. So viele unterschiedliche Verbände, die miteinander reden und an gemeinsamen Stellungnahmen und Projekten arbeiten! Und etwas bewirken! Was ich besonders wichtig finde: Die Gesamtkonferenz ist kein elitärer „Club“.

Blumbach: Ganz und gar nicht. Eingeladen sind von Anfang an alle Verbände der Heilpraktikerschaft – und die überwiegende Mehrheit ist inzwischen mit an Bord. Es ist eine bunte, sehr lebendige Runde. Es gibt kleine Vereine mit vielleicht 50 Mitgliedern, aber auch viele der größten Berufsverbände machen mit.

Bierbach: Wenn ich zurückblicke – es war ja reiner Zufall, dass wir beide damals gewählt wurden. Du warst zu der Zeit 1. Vorsitzender der ACON e. V. Aber ich kannte Deinen Namen offen gesagt vor allem aus einem ganz anderen Zusammenhang: Du hast doch mal bei einem Konzert von The Who als Heilpraktiker eingegriffen und Roger Daltrey behandelt.

Blumbach: Ja, das war aufregend! 9000 Leute, ein verrenkter Rücken und später noch ein Daumenkrampf beim Schlagzeuger, Behandlung mitten auf der Bühne! Zum Glück ging alles gut. Aber zurück zur Gesamtkonferenz …

Bierbach: Ich denke schon, dass auch unsere Mitglieder das spannend finden. Aber gut, zurück zum Thema: Wir sind damals sehr vollmundig gestartet mit dem Slogan: „Mit einer Stimme sprechen. Mit vereinten Kräften handeln. Gemeinsam in die Zukunft!“ Haben wir das eingelöst?

Blumbach: Das ist kein Ziel, das man irgendwann abhakt. Es ist ein Prozess, den wir immer weiterentwickeln. Ständig kommen neue Themen, auf die wir reagieren müssen.

Bierbach: Stimmt. Ein Beispiel ist unser täglicher Pressescan.

Blumbach: Genau. Wir beobachten, wie über unseren Berufsstand berichtet wird – und wenn etwas falsch dargestellt wird, reagieren wir sofort. Ich erinnere mich noch an den Artikel, in dem behauptet wurde, Heilpraktiker würden ein Sekret des Titicaca-Riesenfrosches gegen Potenzprobleme einsetzen! Wenn’s nicht so traurig wäre, wäre es fast komisch. Wir haben sofort reagiert, und die Agentur hat sich entschuldigt und die Meldung zurückgezogen.

Bierbach: Gibt es für Dich besondere Highlights aus den sieben Jahren?

Blumbach: Auf jeden Fall. Neben den persönlichen Begegnungen bei den Präsenzkonferenzen freue ich mich natürlich über gute Gespräche mit Politikerinnen und Politikern. Und ich bin stolz auf gemeinsame Positionierungen, zum Beispiel unsere Statements „Wir sind bunt – nicht braun!“ oder die Warnung vor Drip-Spa-Infusionen. Solche Botschaften zeigen, wofür wir stehen. Wir wollen unseren Kollegen nicht den Spaß verderben, sondern sie und damit uns alle, vor Schaden bewahren. Wir stehen unter besonderer Beobachtung der Ärzte, Medien und Politiker. Da ist es sinnvoll, auf Schwierigkeiten, oder vermeidbare Risiken hinzuweisen.

Bierbach: Und das ist der Punkt: Es geht nicht darum, dass wir alle immer einer Meinung sind. Sondern dass wir wissen, wann ’s wichtig ist, zusammen aufzutreten. Weil sonst andere das Bild über uns zeichnen – und das ist selten schmeichelhaft.

Blumbach: Was ich auch gut finde: Immer wieder teilt jemand in der Runde einen Hinweis: „Habt ihr das schon gesehen? Könnte auch für eure Mitglieder interessant sein!“ Das ist Teamgeist.

Bierbach: Das Leben geht ja manchmal verrückte Wege. Noch vor zwei Jahren hätte keiner gedacht, dass du einmal BDH-Präsident wirst. Wir alle freuen uns darüber! Wie war das eigentlich – wurde das in der Gesamtkonferenz gut aufgenommen?

Blumbach: Ja, ausgesprochen positiv. Es kamen nur freundliche Gratulationen – auch von Verbänden, die man früher vielleicht als „Konkurrenz“ gesehen hätte. Erfahrene Verbändevorsitzende haben sogar ihre Unterstützung angeboten. Das ist echte Kollegialität!

Bierbach: Das spürt man auch. Ein anderer Punkt: Neben der Politik gibt´s ja regelmäßig Austausch mit anderen Akteuren – Arzneimittelherstellern, Patientengruppen oder Gesundheitsorganisationen.

Blumbach: Genau. Wir pflegen viele wertvolle Kontakte, ohne viel Aufhebens darum zu machen. Wir lernen voneinander – und manchmal auch, wie andere auf uns schauen.

Bierbach: Das hilft gegen Betriebsblindheit. So begeistert wir von unserem Beruf sind – wir wollen ja nicht immer nur in unserer Blase herumschwimmen.

Blumbach: Absolut. Wissen potenziert sich – manchmal ergibt eins und eins drei. Eines will ich noch sagen: Bei aller Arbeit wird in unserer Runde auch viel gelacht.

Bierbach: Das können wir wirklich feiern. Und ich weiß, dass viele Kolleginnen und Kollegen sich mit uns freuen. Ich bin dem BDH dankbar, dass er dieses Projekt damals auf den Weg gebracht hat.

Blumbach: Wir werden die Gesamtkonferenz auch künftig mit voller Kraft unterstützen. Denn diese Arbeit nützt allen Heilpraktikerinnen und Heilpraktikern.

„Mit einer Stimme sprechen“ ist kein abgedroschener Werbeslogan, sondern unsere Überzeugung.

Bierbach: Ein schönes Schlusswort!

Blumbach: Danke – und wie immer zum Abschluss: Glückauf!