Rezensionen

Thomas Genneper und Andreas Wegener: Lehrbuch der Homöopathie

Es gibt eine ganze Reihe von Lehrbüchern zur Homöopathie. Dieses bewährte Standardlehrbuch vermittelt fundiertes Wissen zur klassischen Homöopathie verständlich aufbereitet und methodisch prägnant beschrieben. Maren Siems-Bührmann hat das Buch für Sie gelesen.

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„Das „Lehrbuch der Homöopathie“ ist ein bewährtes Standardlehrbuch für eine systematische und fundierte Ausbildung in klassischer Homöopathie nach Hahnemann. Interessierten, Schülern und Erfahrenen bietet es durch den sehr strukturierten, verständlichen Aufbau einen guten Überblick und geht auf alle wichtigen Themen der Homöopathie ein.

Vor jedem Kapitel gibt es eine kurze Einführung, die das Wichtigste erklärt. Und so startet es mit „Allgemeines“. Hier wird von der allgemeinen Arzneimittellehre, Arzneiprüfung, primäre und sekundäre Materia medica – sehr interessant ist hier ein Auszug einer Nickelprüfung aus einer alten Arzneimittellehre – dem Studium der Arzneimittel bis hin zur Symptomenlehre alles genau erklärt.
Eine Erläuterung vom Unterschied des Symptomenverständnisses in der Schulmedizin und der Homöopathie gibt hier eine anschauliche Erklärung über die unterschiedlichen Sichtweisen von Krankheit.

Der Praxis-Teil beginnt mit kurzen Definitionen von Begriffen wie z.B. Anamnese, Gesamtheit der Symptome, Krankheitsdiagnose, Arzneidiagnose. Darauf folgt die Kunst der Anamnese mit allen Facetten der Vorbereitung, Fallaufnahme, erste Mittelgabe, Folgekonsultation und Dokumentation. Auch auf die besondere Anamnese bei Kindern wie auch der Hinweis auf Fehler, die passieren können, wird hier eingegangen. Bei der Mittelfindung und Repertorisation stellen die Autoren die Methoden von Boger, Bönninghausen und Kent, wie auch die unterschiedlichen Repertorien z.B. die Synthesis von F. Schroyens und das Complete von R. van Zandvoort vor. Nach Gabenlehre und Reaktion auf die Arzneigabe folgt natürlich die zweite Verordnung, Folgemittel und die Verwandtschaft der unterschiedlichen Arzneien.

Im Kapitel Krankheitsformen und ihre Behandlung werden akute, chronische sowie die einseitigen Krankheiten, schwere Pathologien, Nosoden und Sarkoden mit vielen Fallbeispielen erklärt. Auch die Grundlagen, Forschung, Pharmazie und Geschichte nehmen genügend Raum ein, um das Organon, die Chronischen Krankheiten mit ihren Miasmen und den Nosoden sehr gut zu erklären.

Die „Grundlagenforschung“ über die Wirkungsweise der Homöopathie, die Pharmazie des Arzneimittels und wissenschaftlichen Grundlagen der Homöopathie ergänzen das Lehrbuch. Und nicht zu vergessen: Samuel Hahnemanns Leben und Wirken. In diesem Kapitel geht es nur um ein Basiswissen zum besseren Verständnis vom Leben Hahnemanns, seiner Ausbildung, Arbeit, dann Unzufriedenheit mit der damaligen Medizin und die daraus resultierende Entwicklung und Entstehung der Homöopathie.

Fazit
Ein modernes Lehrbuch, das konsequent durch alle Kapitel der klassischen Homöopathie von Hahnemann führt. Die klare Strukturierung in den einzelnen Kapiteln ermöglicht sowohl ein Wiederholen als auch das Lernen und Vertiefen durch die vielen Hinweise auf weiterführende Literatur am Schluss der einzelnen Kapitel. Diese Lektüre erklärt was Homöopathie ist und leisten kann. Für mich ist es ein sehr gutes Buch zum Lernen und Lehren!“

Maren Siems-Bührmann

Bibliografie

Thomas Genneper und Andreas Wegener: Lehrbuch der Homöopathie
Grundlagen und Praxis der klassischen Homöopathie, 4., aktualisierte Neuauflage, Stuttgart: Haug, 2017. Geb., 496 Seiten, ISBN-13: 978-3132403567, EUR (D) 99,99

Irene Matt: Nichts drin?  Ein Homöopathie-Krimi

Im Februar 2017 ist ein spannender Kriminalroman erschienen, bei dem möglicherweise homöopathische Globuli eine Rolle spielen. Maren Siems-Bührmann hat das Buch für Sie gelesen und empfiehlt es für den nächsten Sonnentag im Urlaub.

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„Die Kommissarin Alexandra Rau und ihr Kollege Isidor Rogg, ermitteln im Hotzenwald in der Nähe von Freiburg. Zwei ungewöhnliche Todesfälle, beide anfänglich aussehend wie ein Suizid, sollen zu den geschlossenen Akten gelegt werden. Doch etwas stimmt nicht und das ahnt die Kommissarin. Am Anfang des Romans wird eine tragische Lebensgeschichte in Rückblenden erzählt, die immer wieder in die aktuelle Handlung eingebettet wird.

Bei der Suche nach einem verloren gegangenen Ohrring kommt die Kommissarin der Wahrheit näher. Das Geständnis, das die Täterin ablegt, ist unglaublich und beschäftigt die Kriminalbeamten, die Justiz, die Presse und medizinische Gutachter. Sollte wirklich ein  homöopathisches Mittel für den Tod verantwortlich sein? Während die Gerichtsverhandlung angesetzt wird, gehen drei befreundete Männer auf eine Berghüttenwanderung. Eine plötzliche, schwere Erkrankung ruft die Bergwacht zu Hilfe und auch der Bergwohlverleih kommt zum Einsatz. Zurück im Gerichtssaal müssen sich Ermittler, Anwälte, Staatsanwälte und Richter mit Hilfe von Gutachtern mit einer umstrittenen Heilmethode auseinandersetzen. Und vielleicht können wir auch in diesen unterschiedlichen Persönlichkeiten unterschiedliche homöopathische Bilder entdecken.

An der Frage „Nichts drin – ja oder nein?“ entzünden sich seit Hahnemanns Zeiten erstaunlich heftige Diskussionen und diese werden auch in dem fiktiven Gerichtssaal fortgeführt.
Ein Buch für einen Sonnentag im Urlaub oder einem verregneten Sonntag auf dem Sofa.“

Maren Siems-Bührmann

Bibliografie
Irene Matt: Nichts drin?  Ein Homöopathie-Krimi.

Verlag am Eschbach, 2017. geb. 361 S. ISBN: 978-3869175539
15,00 EUR (D)

Elvira Bierbach, Michael Herzog: Handbuch Naturheilpraxis: Behandlungsstandards und -strategien für Heilpraktiker

Das Handbuch Naturheilpraxis ist nun bereits in 3. Auflage erschienen. Es ist das ideale Nachschlagewerk zu allen relevanten Themen der Naturheilkunde. Die Neuauflage wurde nicht nur überarbeitet, sondern auch durch zwei neue Kapitel zu „Erkrankungen der Psyche“ und „Kinderheilkunde“ ergänzt.

Das Werk gibt Einblick in mehr als 20 naturheilkundliche Verfahren und Anwendungen. Darüber hinaus bietet es Diagnostik und Therapieempfehlungen, Rezepturen sowie konkrete Arzneimittelempfehlungen für die 100 häufigsten Krankheitsbilder.

Tobias Rutkowsky hat das Handbuch für Sie gelesen.

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„Schon der Untertitel lässt erahnen, dass das Buch in seiner 3. Auflage ein neues Selbstverständnis erreicht hat. Während die zweite Auflage noch mit ‚Methoden und Therapiekonzepte‘ bezeichnet wurde, versteht sich die neue Auflage als Angebot von ‚Behandlungsstandards und -strategien‘.

Inhaltlich bekommen Sie in bewährtem Layout und bei gleicher Einteilung zunächst eine Übersicht über wichtige naturheilkundliche Verfahren, bevor Sie in den nach Organsystemen sortierten Kapiteln Ideen für Ihre eigene praktische Tätigkeit finden können.

Für Leser, die die ersten beiden Auflagen nicht kennen: das Buch bietet eine gute Einführung in die vielfältigen Möglichkeiten der Naturheilkunde und liefert Therapeuten bei kniffligen Fällen viel Material zum um- und weiterdenken. Beispiel ‚Asthma bronchiale‘: nach Einführung und CAVE-Hinweisen wird Ihnen der schulmedizinische Ansatz kurz erläutert und dann einige persönliche Therapiekonzepte von Kollegen gezeigt. Anschließend bietet das Autorenteam um Bierbach und Herzog eine Zusammenstellung aus Ausleitungsverfahren, Akupunktur, Anthroposophie, Aromatherapie, Bachblüten, Biochemie, Chiropraktik, Eigenbluttherapie, Ernährungstherapie, Phytotherapie, Neuraltherapie, Homöopathie, Reflexzonentherapie am Fuß, Spagyrik und weiteren Behandlungsideen an, außerdem Arzneimittel und Tipps für Eltern (im Kinderkapitel). Man muss sich fast schon Mühe geben, um hier keine Inspiration zu finden!

Für Leserinnen, die die zweite Auflage kennen: Sie fragen sich vielleicht, ob sich ein ‚Update‘ lohnt. Zunächst mal sind in der dritten Auflage natürlich alle Präparate auf den neuesten Stand gebracht worden. Außerdem gibt es zwei neue Kapitel: ‚psychische Erkrankungen‘ und ‚Kinder‘. Das könnten schon Gründe genug sein…

Fazit: sehr gutes Handbuch! Aus der Praxis vieler Kollegen für die Praxis der Leserin / des Lesers geschrieben: Orientierung, Methoden, Mittel. Super Arbeitsbuch.“

HP Tobias Rutkowsky

Elvira Bierbach, Michael Herzog: Handbuch Naturheilpraxis: Behandlungsstandards und -strategien für Heilpraktiker. München: Elsevier, 2016. ISBN 9783437565229, geb., 632 Seiten, 69,99 EUR

Wabner, Dietrich, Theierl, Stefan: Klinikhandbuch Aromatherapie – Pflege, Therapie, Prävention

Anders als die verfügbaren Bücher zur Aromatherapie, die sich vornehmlich mit den einzelnen etherischen Ölen beschäftigen, konzentriert sich dieser Leitfaden auf die Rezepturen in allen Bereichen des Klinikalltags. Kernstück des Leitfadens sind die über 600 Rezepturen zu mehr als 250 EinzeIindikationen aus 16 klinischen Fachgebieten.

Tobias Rutkowsky hat das Handbuch für Sie gelesen und besprochen.

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„Sie bekommen mit diesem Werk eine phantastische Rezeptsammlung mit ca. 600 Rezepten für die Aromatherapie bzw. Aromapflege! Die Anwenderin/ der Anwender kann sich im Buch schnell zurechtfinden und gut ausgewählte Infos zum jeweiligen Indikationsthema finden.

Der springende Punkt bei diesem Buch ist für mich, dass Wabner und Theierl hier nicht eine ‚Tabelle in Buchform‘ herausbringen, sondern viel von der kreativen Kultur im Umgang mit ätherischen Ölen zwischen den Zeilen durchscheint. So werden neben Informationen über Sicherheitsaspekte, Wirkungen, Dosierungen auch Hinweise für ergänzende oder alternative Öle und ggf. verschiedene Anwendungsformen erwähnt. Die vorgestellten Mischungen bleiben so ‚lebendig‘ und wirken nicht ‚theoretisch‘ zusammengetragen, sondern praktisch durchwirkt und erprobt.

Fazit: Das Buch liefert für die Aromatherapie/Aromapflege schnell konkrete Mischungen, wichtige Infos und Ideen zu einem Thema, ohne den respektvollen Umgang mit den Kräften der Natur zu verlieren. An keiner Stelle hat man den Eindruck, dass die Autoren hier in einem ‚technischen Beherrschen‘ der Materie steckenbleiben. Hoffentlich gibt es viele Rückmeldungen und weitere Ideen aus der Praxis zu dieser Rezeptsammlung!“

HP Tobias Rutkowsky

Wabner, Dietrich; Theierl, Stefan: Klinikhandbuch Aromatherapie – Pflege, Therapie, Prävention, Bad Kötzting: Verlag Systemische Medizin, 2016, 608 Seiten, Flexocover, zweifarbig, 49,80 €, ISBN: 978-3-86401-039-2

Margarete Stöcker: Praxislehrbuch Heilpraktiker für Psychotherapie

Das Psychotherapie-Lehrbuch von Margarete Stöcker stellt die psychiatrischen Krankheitsbilder dar und orientiert sich am Curriculum und Prüfungsstoff. Es gibt Anregungen zum nachhaltigen Lernen wie Lernpausen, Arbeiten mit Mind Maps und Bezügen zur Lebenswelt.

Anita Sprenger-Witte hat es für Sie gelesen und besprochen.

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Das „Praxislehrbuch Heilpraktiker für Psychotherapie“ von Margarete Stöcker ist in erster Linie als Lehrbuch zur Vorbereitung auf die amtsärztliche Überprüfung für Heilpraktiker für Psychotherapie konzipiert.

Das Buch gliedert sich in 4 farblich unterschiedlich gestaltete Teile:
Im Eingangsteil geht es um Allgemeines zum Thema Lernen, Lernmethoden und um eine sehr knappe Einführung in die Anatomie des Nervensystems und die Geschichte der Psychiatrie. Auch die Themen Diagnostik, Klassifikationssysteme und Psychopathologie (inklusive praktischer Tipps zur Erhebung) werden hier abgehandelt.

Der 2. Teil beschäftigt sich mit den psychiatrischen Störungsbildern. Diese werden entlang der ICD10-Kategorien dargestellt und die relevantesten Krankheiten nach dem bekannten Schema eines Medizinbuchs (bedauerlicherweise aber nicht immer mit der ausreichenden stofflichen Tiefe) beschrieben: Definition, Epidemiologie, Ätiologie/Pathogenese,
Symptome, Diagnostik, Verlauf und Therapieansätze. Am Ende einer Störungskategorie werden darüber hinaus Mindmaps und Multiple-Choice-Prüfungsfragen zur Verfügung gestellt.

Teil 3 befasst sich mit einer kurzen Darstellung verschiedener medikamentöser, psychotherapeutischer und sonstiger Therapiemethoden. Dabei werden neben „klassischen“ und bekannteren Psychotherapieverfahren auch solche vorgestellt, die die Autorin selbst praktiziert. Eine Seite zu psychiatrischen Notfällen findet sich in diesem Teil ebenso wie Grundlagen zur Gesetzeskunde, ICD10-Tabellen und kurze, allgemeine Hinweise und Ratschläge zur HPPsych-Prüfung und Praxisgründung.

Im Anhang (Teil 4) finden sich letztendlich neben einem Glossar auch die
(unkommentierten) Lösungen der Prüfungsfragen.

Insgesamt ist das Buch fachlich gut strukturiert und die Texte sind in einer anschaulichen, angenehmen Sprache geschrieben und Inhalte verständlich sowie praxisnah dargestellt.
Zudem gibt es – neben den bereits erwähnten Mindmaps – zahlreiche „Käst(ch)en“ unterschiedlichen Inhalts: „Faktenkästchen“ mit ICD10-Diagnosekriterien, Hintergrundinformationen, Zusatzinformationen, Vergleichstabellen und Übersichtstabellen, die den Textinhalt nochmals grafisch darstellen. Ergänzt werden diese durch (grafisch anders gestaltete) „didaktische Kästchen“ wie Merkkästchen, Lerntippkästchen und Pausenkästchen, die das Lernen erleichtern und zu regelmässigen Pausen und deren aktiven Gestaltung einladen bzw. anregen sollen.

Fazit

Das Buch kommt frisch und sympathisch daher.
Es vermittelt den Stoff so verständlich, dass auch Laien bzw. Neueinsteiger einen guten Zugang zu der komplexen Thematik finden werden.
Diejenigen, die ihre Lernstruktur und Lernmethode noch suchen oder neue ausprobieren möchten, haben die Möglichkeit, sich auch didaktisch an die Hand nehmen lassen.
Klassische Fliesstext-Leser könnten sich aufgrund der stellenweise doch hohen Dichte an – in den Text eingestreuten – „Kästchen“ in ihrem Lesefluss gestört fühlen. Auch wenn die Autorin anmerkt, dass bestimmte Kästen übersprungen werden können, muss der/ die LeserIn sich immer erst orientieren, ob das Kästchen wichtig ist oder nicht.
Als Begleitbuch in der Praxis bzw. Nachschlagewerk für „Psychiatrie-Profis“ und Nicht-Profis wird es sicher gute Dienste leisten, da gerade hier unter anderem die grafischen Darstellung von großem Nutzen sein können.
Als alleinige Grundlage zur Prüfungsvorbereitung HPPsych halte ich das Lehrbuch für nicht ausreichend, da es (meiner Erfahrung als Beisitzerin für HPPsych-Prüfungen und HPPsych-Dozentin nach) leider fachlich an einigen Stellen zu sehr an der Oberfläche bleibt. Hier sollte auf jeden Fall stofflich tiefergehende Fachliteratur zusätzlich zur Hand genommen werden.

HP Anita Sprenger-Witte

Margarete Stöcker: Praxislehrbuch Heilpraktiker für Psychotherapie.
1. Auflage 2016; Stuttgart: Haug-Verlag 2016;
368 Seiten, gebunden, 49,95 EUR, ISBN 978-3-13-219201-0

Wilfried Rappenecker, Meike Kockrick: Atlas Shiatsu, 3., überarbeitete Auflage

Der Atlas Shiatsu liefert Ihnen eindrucksvoll in Wort und Bild detaillierte Beschreibungen über alle 14 Meridiane und den Verlauf an den großen Gelenken – für eine bestmögliche Orientierung beim Lernen der Meridianverläufe.

Dr. med. Harald Kämper hat es für Sie gelesen und rezensiert.

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Auf 192 Seiten im Format DIN A 4, gebunden und sehr übersichtlich dargestellt, liegt die überarbeitete 3. Auflage des „Atlas Shiatsu“ des Allgemeinmediziners Wilfried Rappenecker und der Heilpraktikerin Meike Kockrick vor, beide erfahrene Praktiker dieser Methode. Einer sehr interessanten Einleitung über das Wesen der Meridiane des Zen- Shiatsu und der Wirkung und Anwendung des Shiatsu folgen 14 Kapitel, in denen das erweiterte Meridiansystem nach Masunaga der 12 Hauptleitbahnen und des „kleinen Himmelskreislaufes“- Konzeptions- und Lenkergefäß anschaulich und mit mehr als 250 Abbildungen dargestellt sind. Kapitel 16 und 17 gehören sicher zu den Highlights dieser Arbeit. Sie zeigen die Meridianverläufe an den großen Gelenken und – das ist nach meiner Kenntnis einzigartig – anatomische Querschnitte von Hals, Thorax und Extremitäten, die auf plastische Art und Weise die Meridianverläufe auch in der Tiefe darstellen. Sehr positiv ist auch, dass neben den anatomisch anspruchsvollen Abbildungen ein gut verständlicher Fließtext die Besonderheiten der jeweiligen Körperregion und der Akupunkturpunkte erläutert. Damit wird dieser Atlas zu einem wertvollen Begleiter in der Shiatsu-Praxis. Nur dort?

Ich bin eigentlich keine Koryphäe in der Kunst des „Fingerdruckes“ (wörtlich Shiatsu), aber die TCM und speziell die Akupunktur sind mir nicht fremd. Daher hat es mich interessiert, wie eine andere, japanische Sichtweise der energetischen Umläufe zu einem wirksamen Behandlungskonzept wird. Denn auch in der Akupunkturpraxis werden Punkte vor dem Einstich der Nadel mit dem Daumen oder Mittelfinger gedrückt – und dies ist gemäß Ling Shu für die Effektivität der Nadelbehandlung von Bedeutung. Auffällig waren natürlich die zusätzlichen Meridianverläufe von Masunaga, die doch sehr von der TCM abweichen. Aber gibt es denn eine objektiv richtige und allgemein gültige Meridiantafel? Sicher nicht – auch nicht in der TCM. Vielleicht ist das Erfühlen des energetischen Disharmoniemusters beim Kontakt zwischen Patient und Behandler sinnvoller als das Stechen von Punktkombinationen, selbst wenn diese eine lange Tradition haben. Daher glaube ich, dass es auch dem TCM- Therapeuten gut zu Gesicht stünde, die Grundgedanken des Shiatsu und die erweiteten Meridianverläufe zu studieren. Mich jedenfalls hat es zum Nachdenken angeregt. Aufgrund der Wertigkeit von Text und Bildmaterial ist dieser Atlas jeden der 69,99 € wert.

Dr. med. Harald Kämper

Bibliografie

Wilfried Rappenecker, Meike Kockrick: Atlas Shiatsu
3., überarbeitete Auflage, München: Elsevier, geb. 192 S., 69,99 EUR
ISBN Print 978-3-437-57342-2
ISBN e-Book 978-3-437-18057-6

Hanne Marquardt: Fußreflexzonenarbeit am Fuß

Dieses bewährte Einsteigerwerk zur Reflexzonenarbeit am Fuß bietet alle wichtigen Informationen zu Lage und Verlauf der Reflexzonen, demonstriert ein umfassendes Behandlungsspektrum der Reflexzonenarbeit am Fuß und erklärt, wie Sie mögliche Organ- und Gewebebelastungen anhand von Sicht- und Tastbefunden erkennen. Tobias Rutkowsky hat es für Sie gelesen.

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Herzlichen Glückwunsch! Die 25. Auflage dieser Schrift schaut nun auf über 40 Jahre Geschichte der Fußreflexzonentherapie nach Hanne Marquardt zurück! Mit der ersten Auflage der „Fußreflexzonenarbeit“ hat 1975 quasi „alles“ angefangen, knapp 20 Jahre später kam dann die „Fußreflexzonentherapie am Fuß“ heraus.

Für die Fußreflex-Interessierten im Dunstkreis des BDH-Newsletters wird wohl das umfangreichere Therapiebuch interessanter sein als diese vergleichsweise „abgespeckte“ Einführung in die Arbeit am Fuß. Doch für Einsteiger und interessierte Laien ist das Werk nach wie vor relevant: Man bekommt mit einer übersichtlichen Einführung, rechtlichen Hinweisen zur Behandlung, Grifftechniken sowie Karten mit den jeweiligen Organzonen ein ‚Grundset‘ an Information, um sich in die Thematik einzuarbeiten. Gerade die Karten sind hier angenehm handwerklich und übersichtlich gehalten. Eine Ausbildung will, wird und kann das Buch selbstverständlich nicht ersetzen.

Sehr anschaulich finde ich ein Kapitel, in dem 6 Kasuistiken zum Thema Kopfschmerz vorgestellt werden. Auf die jeweilige Fallbeschreibung folgt die Abbildung der Karte mit den Fußreflexzonen, die behandelt wurden. So wird sehr schnell (im wahrsten Sinne des Wortes) sichtbar, wie unterschiedlich ein Symptom „hinterlegt“ sein kann und unter Umständen behandelt werden muss. Der reflexinteressierte Laie hat hier ein wunderbares  Einstiegsangebot in die naturheilkundliche „Denke“.

Fazit: Als ersten Kontakt mit der Therapieform oder für sehr interessierte Laien gut zu empfehlen, als Grundlage der therapeutischen Arbeit sollte sicher das umfangreichere Zwillingswerk gewählt werden.

Bibliografie

Hanne Marquart: Fußreflexzonenarbeit am Fuß, 25. Auflage
Stuttgart: Haug-Verlag, 2016. 200 S. , 47 Abb. , geb., ISBN: 9783132048751
EUR [D] 29,99

Rainer-Michael Franke, Regina Franke: MET-Klopftherapie in der Praxis

Dieses Praxisbuch für Therapeuten und Berater führt in die MET (Meridian-Energie-Technik)- Klopftherapie ein. Diese Methode soll helfen, Energieblockaden bei einer großen Bandbreite an Erkrankungen aufzulösen. Tobias Rutkowsky hat das Buch für Sie gelesen.

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„Vielleicht kennen Sie den einen oder anderen Titel, die diesem Buch vorrausgegangen sind, z.B. ‚Klopfen Sie sich reich!‘, ‚Klopfen Sie sich rauchfrei!‘, ‚Klopfen für ein besseres Leben.‘, oder ‚Sorgenfrei in Minuten!‘. Wenn Sie diese Titel bereits erworben und durchgearbeitet haben, werden Sie, reich, rauchfrei und resistent wie Sie jetzt sind, auf dieses Werk getrost verzichten können.

Sollten Sie – wie ich – noch keinen Kontakt zu der Klopfszene haben und sich mit einer Mischung aus Eso-Airbag und naturheilkundlicher Neugier auf unkonventionelle Versuche auch in diese Gebiete vorwagen, könnte das Buch recht interessant werden.

Ein großes Missverständnis, welches einem die Lektüre des vorliegenden Textes gründlich versalzen mag, liegt in den oben erwähnten Titeln. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass es hier darum geht, sich selbst sorgenfrei und ichbezogen zu ‚designen‘ und sich dann so lange zu beklopfen, bis man diesen Zustand entweder erreicht hat, oder einen neuen Trend entdeckt, dessen kompakte Buchtitel einen dann ansprechen.

Dass die Welt des Klopfens so einfach nicht ist, wird dem/der LeserIn recht schnell deutlich. Das eine Schema, mit dem sich ‚alles einfach wegmachen‘ lässt, wird hier nicht aufgezeigt. Die Autoren bleiben bei der Individualität Ihrer Klienten im Hier und Jetzt, stellen sich auf die Themen und Gefühle ein, die gerade im Vordergrund stehen. Der Kern des Buches ist das bewusste Aufsuchen und Eintauchen in die Gefühlswelt des Gegenübers. Was im Alltag viele schon überfordert, verlangt in der Therapie eine professionelle Ausbildung  jenseits des Klopfens, vor allem, wenn es in die Bereiche Trauma, Sucht und psychische Störungen geht.

Mit der Gefühlsarbeit fassen die Frankes an einen unangenehmen Punkt in der Therapie und im gesellschaftlichen Umgang mit Krankheit. Das Buch tut, wenn man es zulässt, an der richtigen Stelle weh: welche Benefits haben die Patientin, ihr System, wir als TherapeutInnen von der Krankheit? Welchen Fragen weichen wir durch unsere Art des Umgangs mit dem Thema Krankheit aus? Ist eine Medizin, an die man glauben muss, damit sie wirkt, wirklich so verwerflich? Wie wäre eine Kultur, die die Gefühle und den Glauben in den Fokus nimmt und stärkt? Die beiden Autoren verschanzen sich nicht hinter esoterischen Verschwörungstheorien, sondern schauen diesen Themen relativ offen ins Auge. Sie experimentieren mit der Messbarkeit und Nachvollziehbarkeit ihrer Beobachtungen und sammeln auch wissenschaftliche Studien.

Was das Buch für mich persönlich auszeichnet, sind die Ideen, wie sich die MET in die Behandlung einbauen ließe. Praxisnahe Elemente der Systemischen Therapie und der Gestalttherapie werden übersichtlich und nachvollziehbar beschrieben. Die Arbeit mit solchen Techniken, darauf wird mehrfach verwiesen, erfordert sicher eine eigene Ausbildung.

Die Autoren bleiben auch im Umgang mit sich selbst lebendig, sie revidieren Meinungen voriger Bücher, beschreiben, wie und warum sie umgedacht und sich entwickelt haben. Der Prüfstein bleibt dabei stets die Praxis.

Abschließend zwei kleinere Denkanstöße: Den Text durchzieht manchmal noch eine Atmosphäre von ‚Das klopft man einfach alles weg.‘ Für mich persönlich ist nicht deutlich, warum alles möglichst schnell ‚weg‘, ‚aufgelöst‘ und ‚überwunden‘ sein muss. Ich finde, auch Gefühle können sich entwickeln, wieder kommen, mal stärker und schwächer sein. Aber auch mit dieser Meinung kann man die MET gut anwenden.

Und: für Menschen, denen Inhalte in Texten nur schwer zu vermitteln sind, wäre etwas mehr Grafik eine große Erleichterung. Die Inhalte laden ja förmlich zur Visualisierung ein! Sie könnten dem/der LeserIn die Faszination der Autoren zusätzlich non-verbal veranschaulichen.
Fazit

Für TherapeutInnen die sich nicht vor dem Kontakt mit den Emotionen des Gegenübers scheuen und den Patienten professionell mit Teilen seiner Selbstwirksamkeit in Berührung bringen möchten, ein richtig gutes, naturheilkundliches Fachbuch! Vielleicht erscheint von den Autoren ja mal ein Werk, welches nicht mehr das Klopfen im Titel trägt, sondern sich ganz auf die Gefühlsarbeit konzentriert.“

HP Tobias Rutkowsky

Bibliografie

Rainer-Michael Franke, Regina Franke: MET-Klopftherapie in der Praxis, Handbuch für Therapeuten und Coaches, Stuttgart: Haug-Verlag, 2016. 224 S. , 26 Abb. , Broschiert (KB)
ISBN: 9783132195516, 39,99 EUR (D)

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