Opa und Enkel
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Konzept und Wirkung
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Die Schematherapie ist eine Form der Psychotherapie, die von dem Amerikaner Jeffrey E. Young (geb. 1950) als Weiterentwicklung der kognitiven Verhaltenstherapie begründet wurde. Die Schematherapie geht davon aus, dass jeder Mensch v. a. in der Kindheit, aber auch im weiteren Verlauf seines Lebens Schemata (Muster aus Erinnerungen, Empfindungen und Wahrnehmungen) erwirbt bzw. entwickelt, die sein Verhalten prägen, beeinflussen und begründen. Wenn diese Schemata der eigenen Persönlichkeit entgegen stehen oder mit ihr unvereinbar sind, können sie als „Lebensmuster“ oder „Lebensfallen“  (also als unangepasste Schemata) die Gefühle, das Selbstbild und die Beziehungen zu anderen Menschen ganz entscheidend beeinflussen und bis hin zu psychischen Störungen oder Erkrankungen führen. Die Schematherapie kennt 18 solcher Schemata, dazu zählen z. B. Verlassenheit, Misstrauen, Abhängigkeit etc. Die Ursachen für die Entwicklung von Schemata sind nach Young gegeben, wenn

  • Grundbedürfnisse nicht erfüllt werden bzw. worden sind
  • es zu einer Traumatisierung (schweren seelischen Verletzungen) kommt bzw. gekommen ist
  • zu viel des Guten vorhanden ist bzw. war
  • fremde Auffassungen, Werte und Normen in die eigene innere Welt übernommen werden bzw. wurden.

Diese Verinnerlichung z. B. fremder Werte findet insbesondere in der Phase statt, in der sich Kinder zu Erwachsenen entwickeln und sich mit wichtigen Bezugspersonen identifizieren. Wird ein Kind z. B. von den Eltern nicht in der Entwicklung seiner Selbstständigkeit unterstützt, entsteht als Schema „Abhängigkeit“. Als Erwachsener wird dieses Kind u. U. dann in seinen Beziehungen ebenfalls unselbstständig und abhängig reagieren (oder aber versuchen, sich mit aller Macht jeglicher Abhängigkeit zu entziehen).

Aus diesem Grund berücksichtigt die Schematherapie besonders Erinnerungen, Erlebnisse und Erfahrungen der Kindheit. Sie werden innerhalb der Therapie mit aktuellen Emotionen und Körperempfindungen in Verbindung gebracht. Ziel ist es, die vorhandenen Schemata zunächst bewusst zu machen und die „alten“ automatischen Reaktions- und Verhaltensweisen durch veränderte, angemessene und „gesunde“ zu ersetzen.

Durchführung
Zu Beginn der Schematherapie werden mit Hilfe von Fragebögen frühe oder frühere Erfahrungen erfasst, die im Zusammenhang mit den aktuellen Schemata stehen. Auch bisher benutzte Bewältigungsstrategien (z. B. vermeiden, sich fügen, überreagieren) kommen zur Sprache. Für die Dauer der Therapie führt der Patient ein Schematagebuch, in dem alle Entwicklungen und Veränderungen dokumentiert werden.

In der Schematherapie besteht eine enge therapeutische Bindung zwischen Patient und Behandler. Beispielsweise werden „Fantasievorstellungen“ (Imaginationen) entwickelt oder der Therapeut übernimmt im Rollenspiel die Figur eines Elternteils. In dieser Rolle vermittelt er dann die fehlenden elterlichen Eigenschaften wie z. B. Fürsorge, Zuwendung oder Stabilität. Im Verlauf der therapeutischen Arbeit werden so korrigierende emotionale Erfahrungen erlebt.

Anwendungsbeispiele (alphabetisch)

Die Schematherapie kann eingesetzt werden z. B. bei

  • Angststörungen
  • Depressionen
  • Essstörungen
  • Persönlichkeitsstörungen
Gegenanzeigen/Kontraindikationen, Nebenwirkungen und Risiken

Nicht angewendet werden darf die Schematherapie z. B. bei schweren Psychosen, lebensbedrohlichen Erkrankungen (z. B. Anorexia nervosa (Magersucht)) oder akuter Alkohol- oder Drogenabhängigkeit.

Für Kinder und Jugendliche ist die Schematherapie nur eingeschränkt geeignet, da sie sich noch in einem aktiven Abhängigkeitsverhältnis zu den Eltern befinden und die kritische Beleuchtung der frühen Kindheit mit möglichem Fehlverhalten der Eltern zu erheblichen Loyalitätskonflikten führen kann.

Kosten
Die Kosten können variieren und sind z. B. abhängig vom Zeitaufwand. In der Regel dauern die Termine jeweils zwischen 60-90 Minuten und kosten zwischen 60-90 EUR. Wie viele Termine sinnvoll sind, hängt von den individuellen Voraussetzungen und Zielsetzungen ab. Sprechen Sie  darüber schon im Vorfeld mit Ihrem Heilpraktiker – er berät Sie gern.

Abrechnung
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Autoren, Redaktion und Beratung
Autorin: Kirsten Buschmann, Heilpraktikerin
Redaktion: Elvira Bierbach, Heilpraktikerin; Ulrich Sümper, Heilpraktiker

Beratung durch:
Hermann Galle, Heilpraktiker für Psychotherapie
Mozartstraße 33
46359 Heiden
mail@hermann-galle.de
www.hermann-galle.de

Weiterführende Literatur   

  • Burkhard G.: Das Leben in die Hand nehmen. Arbeit an der eigenen Biografie. 16. Aufl., Freies Geistesleben, Stuttgart 2014
  • Young . J. E., Klosko J. S.: Sein Leben neu erfinden. Wie Sie Lebensfallen meistern. 4. Aufl., Junfermannsche Verlagsbuchhandlung, Paderborn 2006
  • Young J. E., Klosko J. S., Weishaar M. E.: Schematherapie. Ein praxisorientiertes Handbuch. 2. Aufl.,  Junfermannsche Verlagsbuchhandlung, Paderborn 2008
  • Roediger, E. (Hrsg.): Schematherapie: Grundlagen, Modell und Praxis. 3. Aufl., Schattauer, Stuttgart 2016
  • Reiss, N.; Shaw, I.; Farrell, J.: Schematherapie erfolgreich anwenden: Ressourcen für Aufbau und Umsetzung in Einzel-, Gruppen- und kombinierten Settings. Junfermann, Paderborn 2015

Informationen zu wissenschaftlichen Studien und anderen Quellen z. B. unter

Eine Zusammenfassung der drei großen Studien zur Wirksamkeit der Schematherapie bei Borderline-Persönlichkeitsstörungen durch George Lockwood (auf Englisch) finden Sie unter:www.isst-online.de/pressroom

Die dazu gehörigen wissenschaftlichen Artikel:

  • Farrell, J.; Shaw, I.; and Webber, M. A schema-focused approach to group psychotherapy for outpatients with borderline personality disorder: A randomized controlled trial. Journal of Behavior Therapy and Experimental Psychiatry. Volume 40, Issue 2, June 2009, Pages 317-328
  • Josephine Giesen-Bloo, MSc; Richard van Dyck, MD, PhD; Philip Spinhoven PhD; Willem van Tilburg MD, PhD; Carmen Dirksen, PhD; Thea van Asselt, Msc; Ismay Kremers, PhD; Marjon Nadort, MSc; and Arnoud Arntz, PhD. Outpatient Psychotherapy for Borderline Personality Disorder: a randomized trial of Schema focused therapy versus Transference focused therapy. Archives of General Psychiatry, 2006 , Vol. 63, No. 6, pp. 649-658.
  • Nadort, M.; Arntz, A.; Smit, J.; Giesen-Bloo, J.; Eikelenbooma, M.; Spinhoven,P.; van Asselt, T.; Wensing, M.; van Dyck, R.; Implementation of out patient schema therapy for borderline personality Disorder with versus without crisis support by the therapist outside office hours: A randomized trial Behaviour Research and Therapy xxx (2009) 1–13

Diese Gesundheitsinformation wurde am 21.06.2016 erstellt und wird regelmäßig aktualisiert.