„Depression“

Schlaflose Frau im Bett
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In letzter Zeit fängt es manchmal schon morgens an. Dann liegt Ellen im Bett und starrt vor sich hin. Keine Chance aufzustehen, bewegungsunfähig wie unter einer schweren Platte aus Stein. Alles um sie herum zerfließt zu einer zähen Suppe aus bedeutungslosen Bildern, sie selbst eine leere Hülle ohne jedes Gefühl. Ist das immer noch einfach ein Zeichen ihrer monatelangen Überlastung oder ist sie allmählich wirklich ernsthaft krank?

Was ist eine Depression?

Stimmungstiefs oder phasenweise Gefühle wie Erschöpfung, Antriebslosigkeit, Selbstzweifel, Mutlosigkeit, Ängste oder Trauer kennt jeder. Sie entstehen oftmals als Reaktion auf ein konkretes auslösendes Ereignis und gehen wieder vorüber, sobald dieses konstruktiv verarbeitet oder eine belastende Situation zum Positiven verändert werden konnte. Auch wenn derartige vorübergehende „normale“ Stimmungstiefs umgangssprachlich häufig als „Depression“ bezeichnet werden, versteht man unter einer Depression im medizinischen Sinne etwas anderes:

Eine Depression (vom lateinischen „deprimere“ für „niederdrücken, herunterdrücken“) im medizinischen Sinne ist eine ernste, behandlungsbedürftige, potentiell lebensbedrohliche Erkrankung (Suizidgefahr!), die sich u.a. durch eine besondere Schwere und Dauer der niedergedrückten Stimmung auszeichnet. Sie ist keine „einfache Traurigkeit“, sondern ein Zustand, in dem häufig alle Empfindungen auf ein „Gefühl der Gefühllosigkeit“ reduziert sind. Auch ein zwanghaftes Nachgrübeln über immer wiederkehrende bedrückende Themen

(„Grübelzwang“) oder schwere, rational nicht zu rechtfertigende Schuld- oder Angstgefühle können Betroffene belasten.

Unterschieden werden leichte, mittelgradige und schwere bzw. – aufgrund ihres oftmals phasenhaften Auftretens – einmalige, wiederkehrende (rezidivierende) depressive Episoden oder chronische Verläufe (sog. Dysthymie, mit weniger stark ausgeprägter depressiver Symptomatik, die aber anhaltend seit mindestens 2 Jahren besteht).

Viele Menschen sind von Depressionen betroffen, Frauen etwa 2-3mal häufiger als Männer. Es wird davon ausgegangen, dass etwa jede 4. Frau und jeder 8. Mann im Laufe ihres Lebens daran erkranken. Untersuchungen haben außerdem gezeigt, dass eine Depression ein wichtiger Risikofaktor für andere Erkrankungen (z.B. Herzleiden) ist und die Sterblichkeit von Herzpatienten deutlich erhöht.

Die möglichen Symptome einer Depression sind zahlreich und breit gefächert, das Erscheinungsbild kann unter Betroffenen - auch geschlechtsabhängig - individuell erheblich bezüglich Vorhandensein, Anzahl und Ausprägung der Beschwerden variieren.

Eine depressive Episode macht sich häufig durch Symptome wie diese bemerkbar:

  • Gedrückte, depressive Stimmung
  • Interesseverlust, Freudlosigkeit
  • Antriebsmangel, erhöhte Ermüdbarkeit

Hinzukommen können:

  • Gestörte Konzentration und Aufmerksamkeit
  • Vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit
  • Negative, pessimistische Zukunftsgedanken
  • Suizidgedanken, -handlungen
  • Schlafstörungen, Morgentief, deutlicher Libidoverlust
  • Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust
  • Körperliche Beschwerden (ohne erkennbare organische Ursache) wie Herz-Kreislauf-Beschwerden, Kopf- und Rückenschmerzen, Magen- und Darmprobleme, Verspannungen, Infektanfälligkeit)
  • selten, eher bei schweren Verlaufsformen Wahnideen (Verarmungswahn, Versündigungswahn u.a.)

Innerhalb der Depression finden sich diverse Sonderformen der Erkrankung wie z. B. Wochenbettdepressionen, klimakterische Depressionen, Altersdepressionen, saisonal abhängige Depressionen wie die Winterdepression und die larvierte (hinter körperlichen Symptomen versteckte) Depression.

Ursachen

Die Ursachen für das Entstehen und die Aufrechterhaltung einer Depression sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird von mehreren möglichen Faktoren ausgegangen (multikausal), die miteinander in Wechselwirkung stehen und sich gegenseitig verstärken können. Dazu zählen

  • körperliche (diskutiert wird z.B. eine Veränderung des Gehirnstoffwechsels) und genetische Einflüsse (Vererbbarkeit der Anfälligkeit für Depressionen (Disposition))
  • psychische und psychosoziale Auslöser (einschneidende oder traumatische Erlebnisse wie Trennungen, Verlust oder Tod von nahestehenden Menschen, Gewalterfahrungen, Missbrauch u.v.a.m., aber auch eigentlich positiv besetzte Lebensereignisse wie die Geburt eines Kindes, der Renteneintritt o.ä.)

Eine Rolle spielen könnte bei den Betroffenen auch eine besondere Form von Verletzlichkeit/Empfindlichkeit (Vulnerabilität) und eine geringe Widerstandskraft (Resilienz) gegenüber seelischen, körperlichen und biografischen Belastungen. Zum Beispiel wird durch belastende Lebensereignisse oft eher eine Depression ausgelöst, wenn bereits genetisch bedingt eine erhöhte Vulnerabilität (s.o.) für die

Erkrankung besteht. Es scheint zudem so, dass gewisse Persönlichkeitsmerkmale auf die Entstehung einer Depression förderlich wirken, so z.B. eine extreme Leistungsorientierung, übertriebener Perfektionismus, hohes Verantwortungsbewusstsein und eine stark selbstkritische Haltung.

Eine Depression kann auch im Rahmen anderer Erkrankungen auftreten, z.B. bei bipolaren affektiven Störungen, Morbus Parkinson, bestimmten Tumoren, hormonellen Störungen (z.B. in den Wechseljahren oder bei Schilddrüsenunterfunktion . Den Ausbruch der Erkrankung begünstigen können außerdem bestimmte Medikamente wie Betablocker, Kortison-Präparate, Antiepileptika (Mittel gegen Krampfanfälle), Verhütungsmittel wie die Antibabypille, Drogen wie Alkohol, Cannabis und andere Stoffe, die die Psyche beeinflussen u.v.a.m.

Es muss jedoch nicht immer einen eindeutigen Auslöser für eine Depression geben – die Erkrankung kann auch ohne jede ersichtliche Belastung oder Vorerkrankung ausbrechen. Letztendlich ist bis heute nicht geklärt, warum einige Menschen eine Depression entwickeln und andere nicht.

Konventionelle Behandlung

Die zentralen Säulen, auf denen die Depressionsbehandlung basiert, sind die Pharmakotherapie (Behandlung mit Medikamenten, hier in erster Linie Antidepressiva) und die Psychotherapie. Diese können auch miteinander kombiniert, sowohl ambulant als auch stationär eingesetzt und unter bestimmten Voraussetzungen durch andere therapeutische Angebote ergänzt werden.

Leichtgradige depressive Episoden und Stimmungsschwankungen oder reaktive depressive Verstimmungen (z.B. eine Trauerreaktion) können oftmals durch verständnisvolle, geduldige Zuwendung und (psychotherapeutische) Gespräche aufgefangen werden. Bei ausgeprägten Depressionen gliedert sich der Ablauf der Behandlung in drei Phasen: Die Akutbehandlung, die Erhaltungstherapie und die Rezidivprophylaxe, die der Rückfallverhütung dient. Die Dauer der einzelnen Phasen ist individuell unterschiedlich und auch von der Schwere der Erkrankung abhängig.

Medikamentös wird i.d.R. mit Antidepressiva (z.B. Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer, Mao-Hemmer u.a.) behandelt. Ergänzend können psychotherapeutische Verfahren (z.B. Verhaltenstherapie), körperbezogene Therapien (Ergotherapie, Bewegungstherapie), Wachtherapie (Schlafentzug), Lichttherapie u.a. sinnvoll sein.

Wenn die ambulante medikamentöse und psychotherapeutische Behandlung nicht ausreicht, ist ein stationärer Aufenthalt in einer Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik sinnvoll. Dies gilt insbesondere bei akuter Suizidgefahr, bei lang anhaltendem, therapieresistentem Verlauf, in schwierigen sozialen Konstellationen oder bei gleichzeitig vorliegenden schweren körperlichen Erkrankungen.

Was können Heilpraktiker für Sie tun?

Bei einer leichten bis ggf. mittelschweren depressiven Episode kann Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker die Behandlung naturheilkundlich und psychotherapeutisch begleiten. Mittelschwere bis schwere Verläufe müssen vom Facharzt, schwere ggf. stationär behandelt werden.

Die Entwicklung einer Depression ist Ausdruck eines komplexen Geschehens und erfordert eine individuelle therapeutische Herangehensweise. Um herauszufinden, was bei Ihnen zu der Erkrankung geführt hat, nimmt sich Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker ganz besonders viel Zeit. Im Sinne einer ganzheitlichen Ausrichtung werden Sie in Ihrer ganz persönlichen Situation mit Ihren individuellen Problemen wahrgenommen und unterstützt. Im Vordergrund steht dabei das Wiedererlangen der seelischen Widerstandskraft und eine Stabilisierung auf individueller körperlicher, seelischer und geistiger Ebene.

Um den Genesungsprozess zu unterstützen bieten sich z. B. die Psychotherapie, die Ordnungstherapie (sie will Menschen darin unterstützen, im persönlichen Alltag einen gesundheitsförderlichen Lebensstil zu entwickeln) oder die Hypnosetherapie an. Außerdem können verschiedene naturheilkundliche Medikamente zur Stärkung und Stabilisierung des Nervensystems und der Psyche eingesetzt werden. Bekannt sind v.a. Johanniskrautpräparate zur Stimmungsaufhellung. Aber Vorsicht: Viel hilft nicht viel und schon in niedriger Dosierung können einige Präparate Neben- und Wechselwirkungen mit vielen anderen Medikamenten hervorrufen bzw. deren Wirksamkeiten verändern (Pille, Diabetesmedikamente, Antidepressiva u.v.a.m.). Auch tritt die Wirkung erst nach einer gewissen Einnahmedauer ein. Eine Alternative können homöopathische oder spagyrische Präparate sein. Auch dazu berät Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker Sie gerne.

Therapiegespräch
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Da aus ganzheitlicher Sicht eine Übersäuerung des Körpers eine Depression negativ beeinflussen kann, werden Heilpraktiker ihrem ganzheitlichen Therapieansatz entsprechend u.U. auch eine Entsäuerung mittels ab- und ausleitender Verfahren oder z.B. mit Mitteln der Biochemie nach Schüßler in Erwägung ziehen. Die Erfahrungsheilkunde beobachtet zudem seit langem einen möglichen Zusammenhang zwischen depressiver Verstimmung und Leberschwächen. Dann kann neben anderen z.B. die Phytotherapie zur Unterstützung der Leberfunktion mit Bitterkräutern wie die der Mariendistel weiterhelfen.

Auch Darm, Galle, Niere, Herz oder Lunge können bei ganzheitlicher Betrachtung Einfluss auf das seelische Befinden eines Menschen haben und somit in Zusammenhang mit einer Depression stehen. Dabei muss das entsprechende Organ nicht im schulmedizinischen Sinne manifest erkrankt sein (organisch manifeste Störungen müssen ja auch vor der Diagnose „Depression“ ausgeschlossen worden sein), es handelt sich dann eher um „Schwächen“ oder „Funktionsstörungen“, die das Depressionsgeschehen beeinflussen können. Diese Organe können – je nach Notwendigkeit – über verschiedene naturheilkundliche oder komplementärmedizinische Therapiemethoden entlastet und gestärkt werden, neben den oben stehenden beispielhaften Möglichkeiten z. B. auch durch (alphabetisch):

Wenn Sie unter einer Depression leiden, sprechen Sie vertrauensvoll mit Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker – sie nehmen sich für Sie Zeit. Sollten Sie sich besonders für bestimmte Therapien interessieren, hilft Ihnen die BDH-Therapeutensuche dabei, eine Praxis in Ihrer Nähe zu finden.

Haben Sie Suizidgedanken? Es gibt professionelle Hilfe! Wenden Sie sich bitte umgehend an das Fachpersonal in einer Arzt-, Psychotherapie- oder Heilpraktiker-Praxis oder an eine der unten stehenden Adressen!

Was können Sie selber tun?

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Eine Depression ist eine Krankheit, keine persönliche Schwäche. Dennoch haben viele Betroffene Schwierigkeiten, offen über ihre Erkrankung zu sprechen – weil sie sich schämen, schuldig fühlen oder befürchten, dass ihnen sowieso nicht geholfen werden kann. Diese Hoffnungslosigkeit ist aber Ausdruck und Teil der Erkrankung - und somit behandelbar!

Wenn Sie befürchten, an einer Depression erkrankt zu sein, ist der zunächst wichtigste Schritt, Hilfe und Unterstützung in einer Arzt-, Psychotherapie- oder Heilpraktiker-Praxis zu suchen. Wenn es Ihnen hilft, können Sie auch eine vertraute Person mitnehmen, die Sie unterstützt.

Stellen Sie sich darauf ein, dass die Therapie Zeit braucht. Ihre Depression ist i.d.R. nicht von heute auf morgen entstanden und wird auch nicht von jetzt auf gleich wieder verschwinden. Bleiben Sie geduldig! Auch kleine positive Veränderungen sind wichtige Schritte, mit denen es Ihnen Stück für Stück wieder besser gehen kann. Sind Ihnen Medikamente (Antidepressiva u.a.) verschrieben worden, nehmen Sie sie bitte unbedingt gemäß Verordnung!

Es gibt einige Dinge, die die Behandlung der Depression unterstützen können. Allerdings setzen sie eine gewisse Motivation voraus – und die ist für Menschen mit Depressionen häufig nur schlecht aufzubringen, bei schwerer Depression oftmals gar nicht. Auch das ist Ausdruck der Erkrankung und auch das somit behandelbar. Vielleicht finden Sie im Folgenden trotzdem ein paar Ideen, die Sie für sich umsetzen können:

Wichtig ist, dass Sie Ihren Alltag auch mit der Depression strukturieren. Stehen Sie möglichst immer zur gleichen Zeit auf und gehen Sie zur gleichen Zeit ins Bett, gewöhnen Sie sich (wieder) an feste Essenszeiten und behalten Sie Pflichten, Gewohnheiten, Rituale und alles, was vor der Erkrankung zu Ihrem Leben gehört hat und von Ihnen als positiv empfunden wurde, möglichst bei. Vielleicht machen Sie sich einen einfachen Tagesplan – nicht als Druckmittel, sondern als kleine Erinnerung.

Fast jede Depression geht mit Schlafstörungen einher. Aber auch wenn Sie tagsüber müde sind, sollten Sie nach Möglichkeit auf einen Mittagsschlaf o.ä. verzichten, um den Schlafdruck am Abend zu erhöhen und den Nachtschlaf zu fördern. Trinken Sie keinen alkoholhaltigen „Schlummertrunk“. Alkohol verstärkt Schlafstörungen.

Sich tagsüber zu bewegen, vor allem an frischer Luft, kann hingegen sehr positive Effekte auf die Erkrankung und das Schlafverhalten haben. Sie profitieren dann gleichzeitig von den positiven Effekten des Sauerstoffs und des Tageslichts, das eine „antidepressive“ Wirkung haben kann. Sie müssen auch keine Hochleistungen vollbringen. Versuchen Sie gerade am Anfang, sich kleine erreichbare Ziele zu setzen. Ein Spaziergang, eine kleine Radtour, geeignet sind auch Walken, Wandern, Schwimmen, Tanzen - Hauptsache Sie fangen an!

Um in Zukunft einen neuen Umgang mit psychischem Stress zu finden, eignen sich Entspannungstechniken, Meditation, Achtsamkeitsübungen die Atemtherapie, aber auch Tai Qi, Qi Gong oder einfach Musik hören oder ein gutes Buch lesen.

Tai Chi übende Frau in Übungsraum
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Wenn Sie sich in einer akuten Krise befinden, wenden Sie sich bitte an Ihren behandelnden Arzt oder Psychotherapeuten, die nächste psychiatrische Klinik oder den Notarzt unter 112.

Außerdem können Sie sich an überregionale Krisentelefone wenden oder nach Krisendiensten in Ihrer Nähe suchen.

Telefonseelsorge www.telefonseelsorge.de
Telefon der Telefonseelsorge, 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr für alle (Betroffene, Angehörige, unabhängig von einer/der Religionszugehörigkeit), kostenfrei und anonym unter
Tel. 0800-111 0 111  oder 0800-111 0 222 oder 116 123
per Mail und Chat unter www.online.telefonseelsorge.de

Weitere Notfallnummern unter: www.depressionen-depression.net/notfaelle/notfallnummern.htm

Weitere Informationen:
Aktionsbündnis Seelische Gesundheit www.seelischegesundheit.net

Stiftung Deutsche Depressionshilfe www.deutsche-depressionshilfe.de

Kinder- und Jugendtelefon, Mo - Sa 14:00 - 20:00 Uhr, anonym und kostenlos unter Tel. 116 111
www.nummergegenkummer.de

Autoren und Redaktion
Autorin: Kirsten Buschmann, Heilpraktikerin
Redaktion: Ulrich Sümper, Heilpraktiker

Beratung durch
Anita Sprenger-Witte, Heilpraktikerin
Franz-Claas-Straße 6a
33428 Harsewinkel
Tel. 05247 - 40 64 07

Diese Gesundheitsinformation wurde am 06.01.2021 erstellt und wird regelmäßig aktualisiert.