„Mittelohrentzündung“ (Otitis media)

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Das hat Familie Möller gerade noch gefehlt. Der kleine Ben hat doch vor kurzem erst eine heftige Erkältung überstanden, jetzt  hat er schon wieder erhöhte Temperatur, dazu Bauchschmerzen und heftige, stechende Ohrenschmerzen. Überhaupt macht er einen ganz jämmerlichen Eindruck. Vor lauter Verzweiflung versucht seine kleine Faust immer wieder an das schmerzende Ohr zu gelangen, als könne er so den Schmerz vertreiben. Doch schon bei der kleinsten Berührung des Ohrs wird alles noch schlimmer. Hoffentlich hat er seine große Schwester Marie nicht angesteckt, die hatte noch versucht, ihn mit Spielen abzulenken…

Was ist eine Mittelohrentzündung?

Stechende oder pulsierende, meist recht heftige Ohrenschmerzen, die innerhalb von Stunden zunehmen, können Zeichen einer akuten Mittelohrentzündung sein. Es kann außerdem zu Druckgefühlen im Ohr, Hörminderung, Ohrgeräuschen (Tinnitus), Schwindel und Fieber kommen. Kleinkinder zeigen häufiger nicht klar zuzuordnende Begleitsymptome wie Bauchschmerzen oder Durchfall. Manchmal staut sich das durch die Entzündung entstandene Sekret hinter dem Trommelfell und es reißt ein. Die Ohrenschmerzen lassen dann sofort nach, das Sekret fließt nach außen in den Gehörgang ab (Ohrenlaufen). Für Kinder im Umfeld gilt: Die

Mittelohrentzündung selbst ist i. d. R. nicht ansteckend (der üblicherweise vorausgehende Infekt natürlich schon).

Vorsicht gilt bei einem Wiederanstieg des Fiebers und sich verschlechterndem Allgemeinzustand. Eine Rötung bzw. Schwellung hinter dem Ohr, die das Ohr abstehen lässt oder Druckschmerz am Warzenfortsatz (Mastoid) hinter dem Ohr – dies alles können Zeichen einer Entzündung des Warzenfortsatzes (Mastoiditis) sein, einer möglichen Komplikation, deren Behandlung unbedingt in die Hände eines Hals-Nasen-Ohrenarztes gehört!

Ursachen

Die akute Mittelohrentzündung entsteht am häufigsten viral oder bakteriell bedingt als Folge eines Infekts der oberen Luftwege. Betroffen sind vor allem (Klein-)Kinder. Die Erreger steigen „von innen“ über die Verbindung zwischen Rachen und Mittelohr (Eustachische Röhre) in die sogenannte Paukenhöhle auf und verursachen dort die Entzündung der Schleimhaut. Es bildet sich ein (bei bakteriellen Infekten eitriges) Sekret. Infektionen über den Blutweg (hämatogen) oder von außen (z.B. bei einer Verletzung des Trommelfells) sind seltener.

Akute Mittelohrentzündungen können auch immer wiederkehrend (rezidivierend) auftreten. Dann sollten neben den eigentlichen Auslösern (z.B. Bakterien) unbedingt auch alle weiteren

begünstigenden Faktoren (z.B. eine mangelnde Immunabwehr) abgeklärt und behandelt werden (s.u. unter „Was kann ein Heilpraktiker für Sie tun?“)

Eine chronische Entzündung des Mittelohrs (Otitis media chronica) entsteht häufig bei Menschen, die schon als Kind mehrfach Mittelohrentzündungen hatten. Meistens findet sich ein Loch im Trommelfell oder eine gestörte Belüftung der Ohrtuben (3-4 cm lange, röhrenförmige Verbindung zwischen der Paukenhöhle im Mittelohr und dem Rachenraum). Bei chronischer Mittelohrentzündung ist in den meisten Fällen eine fachärztliche medikamentöse und chirurgische Therapie angezeigt.

Konventionelle Behandlung

Bei einer  akuten Mittelohrentzündung verordnet der Arzt üblicherweise abschwellende Nasen-Sprays oder Nasen-Tropfen und/oder schmerzstillende Tabletten. Bei bakteriellen Infekten sind meist zusätzlich Antibiotika (Arzneimittel gegen bakterielle Infektionen) erforderlich, um Komplikationen und Folgeschäden zu vermeiden. Bei sehr starkem Druckschmerz im Ohr ist u. U. unter örtlicher Betäubung ein (vom Arzt durchgeführter) kleiner Trommelfell-Schnitt nötig, damit der Paukenerguss abfließen kann. Ein speziell gelegtes Paukenröhrchen, das später wieder entfernt werden kann, sorgt oftmals für die dauerhafte Ableitung des Sekrets und sichert die Belüftung.

Was können Heilpraktiker für Sie tun?

Eine Mittelohrentzündung kann von Heilpraktikerinnen oder Heilpraktikern gut begleitend und nachsorgend behandelt werden. Zudem kennen die Naturheilkunde und die komplementäre Medizin einige Verfahren, die einer Mittelohrentzündung vorbeugen, ihren Verlauf verkürzen oder das Risiko eines Rückfalls deutlich reduzieren bzw. minimieren. Dabei steht am Anfang jeder Behandlung zunächst das ausführliche Gespräch (Anamnese): Aufgrund der ganzheitlichen Arbeitsweise Ihrer Heilpraktikerin oder Ihres Heilpraktikers werden nicht nur Symptome und Krankheitsverlauf erörtert, sondern auch bestehende Vorerkrankungen, Belastungen, die das Immunsystem schwächen können, in Frage kommende begünstigende Faktoren, eventuelle Auslöser und Möglichkeiten ihrer Vermeidung u.v.m.

Daraus ergibt sich dann ein mögliches Behandlungskonzept. Gab es im Vorfeld z. B. eine Antibiotikatherapie oder finden sich Hinweise auf eine geschädigte Darmflora? Dann wird Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker z.B. mittels mikrobiologischen Therapie beginnen, die Darmflora wieder zu aufzubauen (Darmsanierung), da der Darm „Sitz“ eines wichtigen Teils unseres Immunsystems ist und eine gesunde Darmflora häufig einen positiven Effekt bei wiederkehrenden Infektionen haben kann.

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Eine akute Mittelohrentzündung kann oftmals z.B. mit homöopathischen oder spagyrischen,  phytotherapeutischen oder aromatherapeutischen Mitteln und Mischungen wirksam ergänzend behandelt werden. Diese wirken nicht nur schmerzlindernd, sondern fördern gleichzeitig die Ab-und Ausheilung.

Chronische oder rezidivierende Mittelohrentzündungen bedürfen meistens eines umfassenderen Therapiekonzeptes: So kann hier eine Unterstützung des Lymphsystems, das Auskurieren eventueller chronischer Infektionen z.B. der Nasennebenhöhlen, eine Ernährungsumstellung, eine Unterstützung des Immunsystems, bei Erwachsenen aber auch eine "Störfeldsuche" (z.B. Zahninfektionen oder tote Zähne) und Weiteres vonnöten sein.

Alle diese Methoden stehen hier jedoch nur beispielhaft, keinesfalls erschöpfend, für die vielen Möglichkeiten, die Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker zur Verfügung stehen. Es können noch viele weitere Therapieverfahren zum Einsatz kommen, entweder als in sich geschlossene Behandlungssysteme wie z. B. in der Traditionellen Chinesischen Medizin oder als Kombinationen einzelner Verfahren untereinander.

Es kommen verschiedene Therapiekonzepte zum Einsatz (alphabetisch), häufig z.B.:

Sprechen Sie über das Thema Mittelohrentzündung mit Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker – sie beraten Sie gerne. Sollten Sie sich besonders für bestimmte Therapien interessieren, hilft Ihnen die BDH-Therapeutensuche dabei, eine Praxis in Ihrer Nähe zu finden.

Was können Sie selber tun?

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Begleitend sind Bettruhe und Wärme bei vielen Entzündungen im Körper ein altbewährtes Mittel. Bei Fieber können Wadenwickel fiebersenkend wirken.

Auch die Anwendung von Zwiebelsäckchen hat sich bewährt. Sie steigern die Durchblutung des Ohrs und lindern Schmerzen. Bestimmte Inhaltsstoffe der Zwiebel können außerdem Entzündungsprozesse hemmen, Krankheitserreger abtöten und so die Heilung einer Mittelohrentzündung positiv beeinflussen.

Für ein Zwiebelsäckchen hacken Sie zunächst 1-2 Zwiebeln klein und wickeln sie „wie eine Wurst“ in ein trockenes Leinentuch. Dieses erwärmen Sie über einem Topf mit kochendem Wasser (bitte keine Mikrowelle), bis es handwarm ist. Die „Wurst“ rund um das Ohr auflegen (auch

den Bereich hinter dem Ohr bedecken), mit einem Schal o. ä. fixieren und  für etwa eine halbe bis eine Stunde wirken lassen. Die Behandlung 2-3mal täglich wiederholen.

Auch die Wärmebehandlung mit einer kleinen Rotlichtlampe kann Schmerzen lindern und die Entzündung schneller abklingen lassen. Die Wärme verflüssigt die Sekrete, die sich im Ohr durch die Mittelohrenzündung gebildet haben und lässt sie schneller abfließen.

Bei wiederkehrenden Beschwerden ist v.a. die Stärkung der körpereigenen Abwehr wichtig. Dabei helfen z. B. eine ausgewogene Ernährung, Trockenbürstenmassagen, Wechselduschen, Saunagänge und regelmäßige Bewegung an der frischen Luft.

Eine gesunde Ernährung - Gemüse
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Achtung: Bei hohem Fieber, Ausfluss aus dem Ohr oder Schwellungen hinter dem Ohr suchen Sie aufgrund der Gefahr einer Ausbreitung der Infektion z.B. auf den Warzenfortsatz (Mastoiditis) bitte umgehend einen Arzt auf!

Autoren und Redaktion
Autorin: Kirsten Buschmann, Heilpraktikerin
Redaktion: Ulrich Sümper, Heilpraktiker

Beratung durch
Anita Sprenger-Witte, Heilpraktikerin
Franz-Claas-Straße 6a
33428 Harsewinkel
Tel. 05247 - 40 64 07

Diese Gesundheitsinformation wurde am 12.05.2020 erstellt und wird regelmäßig aktualisiert.