Wechseljahrsbeschwerden (Klimakterisches Syndrom)

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Ausgerechnet jetzt. Als würde Charlotte von einer heißen Welle erfasst, in null Komma nix ist sie schweißnass – am Rücken, dem Nacken, an den Händen. Sie spürt, wie sich kleine Perlen an ihren Schläfen bilden… Ausgerechnet jetzt, wo die ersten Teilnehmer ihres Seminars ankommen, per Handschlag begrüßt werden wollen. Schnell noch mal die Hände am Rock abwischen, hoffentlich sieht das keiner. Dabei ist sie eine alte Häsin, liebt ihren Job seit 20 Jahren, steht mitten im Leben. Stress ist das also nicht, sie fühlt sich fit und gesund – womöglich doch schon die Hormone? Mit gerade mal 45?

Was sind Wechseljahrsbeschwerden?

Die Zeit der hormonellen Umstellung, die in den Jahren vor und nach der letzten Regelblutung stattfindet, wird als Klimakterium („Wechseljahre“ der Frau) bezeichnet. Sie findet üblicherweise etwa zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr statt und ist eine natürliche Phase im Leben einer Frau. Obwohl es sich somit nicht um eine Erkrankung handelt, können - müssen jedoch

 

nicht - in dieser Zeit Beschwerden unterschiedlicher Art, Intensität und Dauer auftreten. Manche Frauen spüren nur geringe  Veränderungen und fühlen sich in ihrem Alltag kaum bis gar nicht beeinträchtigt. Andere aber empfinden die mit den Wechseljahren einhergehenden Beschwerden als mäßig bis schwer belastend, so dass sie sich Hilfe suchen.

Zu den häufigsten Wechseljahrsbeschwerden zählen z. B.:

  • Zyklusstörungen vor der Menopause (Menopause = Zeitpunkt der letzten von den Eierstöcken gesteuerten Menstruationsblutung)
  • anfallsartige Hitzewallungen, Schweißausbrüche und „hektische Flecken“
  • trockene Haut und trockene Schleimhäute, Scheidentrockenheit
  • vegetative und psychosomatische Beschwerden wie Schwindel und Herzklopfen, Nervosität und Schlafstörungen, Energieverlust/Erschöpfung, Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen und Depressionen, Libidostörungen
  • (Neigung zu)Gewichtszunahme und /oder einer Veränderung der Körperfigur
  • Osteoporose als Folge der hormonellen Umstellung in späteren Jahren

Ursachen

Die im Rahmen des ganz normalen Alterungsprozesses biologisch bedingte nachlassende Funktion der Eierstöcke geht mit einer immer geringer werdenden Produktion der Sexualhormone Gestagen und Östrogen einher. Als Folge der Umstellung des Körpers auf diese neue hormonelle Situation können die oben genannten Symptome auftreten. Zu den körperlichen Veränderungen kommt hinzu, dass das Klimakterium bei vielen Frauen in einer Zeit beginnt, die gleichzeitig mit sozialen und familiären Veränderungen einhergeht,

z. B. dem Auszug der Kinder, einer sich verändernden Partnerschaft oder der Rückkehr in den Beruf. Sich auf diese Veränderungen einzulassen, kann eine große Herausforderung darstellen – erst Recht in einer Gesellschaft, die vor allem bei Frauen eher Jugendlichkeit mit Attraktivität und Leistungsfähigkeit gleichsetzt. Das macht es vielen Frauen doppelt schwer, die Veränderungen an Gesicht und Körper zu akzeptieren und diese sogar als mögliche Chance einer Neuorientierung anzunehmen.

Konventionelle Behandlung

Bei stark belastenden Wechseljahrsbeschwerden kann eine Ärztin oder ein Arzt im Einzelfall eine Hormontherapie verordnen. Sie führt dem Körper Hormone zu, die er selbst nicht mehr produzieren kann. Grundsätzlich unterschieden werden die Monohormontherapie, bei der nur Östrogene eingesetzt werden und die Kombinationstherapie, die aus einer Kombination von Östrogen und Gestagen besteht.

Da eine solche Hormontherapie aber mit vielen möglichen Risiken und Nebenwirkungen einhergehen kann, sollte sie gut überlegt und individuell auf jede einzelne Frau abgestimmt sein. Es sollte das Prinzip gelten: So wenig Hormone wie möglich, so viel wie nötig. Hormonpräparate gibt es je nach enthaltenem Hormon in Tablettenform, als Gel, Creme, Zäpfchen, Pflaster, Nasenspray und als Lösung zur Injektion.

Stehen einzelne Beschwerden im Vordergrund, können darauf abgestimmte Medikamente hilfreich sein, so z. B. Antidepressiva bei belastenden depressiven Verstimmungen oder östrogenhaltige Cremes, Zäpfchen oder Gele bei Scheidentrockenheit.

 

Was können Heilpraktiker für Sie tun?

Ein ganzheitliches, naturheilkundliches Behandlungskonzept berücksichtigt möglichst alle Faktoren, die in dieser Zeit des Umbruchs eine Rolle spielen können. Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker sehen den Menschen als Körper-Geist-Seele-Einheit, die es wieder in größtmögliche Balance zu bringen gilt. Ziel der Behandlung wird jedoch nicht sein, sich dem natürlichen Wandlungsprozess entgegen zu stellen und die Menopause an sich zu verhindern, sondern nur ihre nicht tolerierbaren, belastenden Symptome zu lindern oder zu beseitigen.

Dazu gehört, diesen Wandlungsprozess als „(unver)wechselbare“ Lebensphase anzunehmen und aktiv zu gestalten. Was wäre dabei hilfreich für Sie? Wie nehmen Sie sich und Ihren Körper in dieser besonderen Phase wahr? Sind es in erster Linie die körperlichen Veränderungen aufgrund der hormonellen Umstellung? Oder spielen persönliche und seelische Aspekte eine wesentliche Rolle? Oder beides?

Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker nimmt sich die Zeit, die nötig ist, um die vielen Faktoren, die in dieser Lebensphase zusammenkommen können, mit Ihnen gemeinsam zu klären und ihnen bestmöglich zu begegnen. Die Wechseljahre können als Umstellungsprozess verstanden werden, bei dem Dysbalancen im Hormonsystem zu den genannten Beschwerden führen. Viele unterschiedliche naturheilkundliche Arzneimittel sind in der Lage, die Regulationskräfte des Körpers anzuregen und so die Hormone schneller wieder in ein (neues) Gleichgewicht zu bringen. So finden sich z.B. in der Phytotherapie Pflanzen mit östrogenähnlich wirkenden Inhaltsstoffen, den sog. Phytoöstrogenen, die die Auswirkungen des sinkenden Östrogenspiegels im Körper abmildern können. Hitzewallungen, Nervosität oder depressive Stimmungen können z.B. durch Johanniskraut oder Salbei gelindert werden. Bei Scheidentrockenheit wird Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker möglicherweise versuchen, anstelle östrogenhaltiger Cremes o.ä. mit speziellen Ölmischungen der Aromatherapie zu helfen und auch die Homöopathie bietet sehr viele, sehr unterschiedliche Mittel, die auf die ganz persönlichen Bedürfnisse der einzelnen Frau abgestimmt werden können. Ebenso mögen eine Anpassung der Ernährung und die Veränderung ungünstiger Lebensgewohnheiten, der gezielte Einsatz bestimmter Mikronährstoffe, eine Stärkung der Leberfunktion u.v.a.m. notwendig und hilfreich sein.

Johanniskraut
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Alle diese Möglichkeiten stehen hier jedoch nur beispielhaft für die vielen Methoden, die Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker zur Verfügung stehen. Die richtige Auswahl ist ein individueller Prozess, der Sie als Person mit Ihren persönlichen Voraussetzungen und Wünschen in die Therapie mit einbezieht. Ein solcher ganzheitlicher Ansatz sieht den Menschen als Einheit von Körper, Geist und Seele. Alle diese seine Teile sind miteinander verbunden, stehen miteinander in Kommunikation und wollen im Sinne einer umfassenden Behandlung gesehen werden.

Die Naturheilkunde und die komplementäre Medizin bieten über die bereits genannten Verfahren hinaus weitere an, die auch in Kombination miteinander hilfreich sein können. Zum Einsatz kommen können verschiedene Therapiekonzepte (alphabetisch), häufig z. B.:

Wenn Sie unter Wechseljahrsbeschwerden leiden, sprechen Sie vertrauensvoll mit Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker –  sie beraten Sie gerne. Sollten Sie sich besonders für bestimmte Therapien interessieren, hilft Ihnen die BDH-Therapeutensuche dabei, eine Praxis in Ihrer Nähe zu finden.

Was können Sie selber tun?

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Zunächst einmal: Versuchen Sie, die Wechseljahre als eine natürliche Phase im Leben jeder Frau anzunehmen. Die Veränderungen können zwar mit teilweise durchaus belastenden Symptomen einhergehen, doch es besteht auch die Chance, diesen Prozess nicht nur mit Verlust und Alterung zu verbinden, sondern mit Gewinn und Gelassenheit.

Entdecken Sie das Abenteuer, sich zu verändern und einen neuen Lebensabschnitt zu genießen. Vielleicht bietet sich gerade jetzt die

 

Gelegenheit, eigenen Wünschen nachzugehen und Ihrer Persönlichkeit (wieder) mehr Raum zu geben. Probieren Sie sich aus und entdecken Sie Neues – egal, ob Tanzen, Malen, Singen - die eigene Kreativität zu leben, schenkt Lebensfreude. Immerhin verbringen Frauen aufgrund der heute hohen Lebenserwartung häufig mehr als ein Drittel ihres Lebens NACH der Menopause. Viel Zeit also für eine aktive, lustvolle, lebenswerte Gestaltung!

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Vorbeugen kann man Wechseljahrsbeschwerden nur bedingt. Eine gesunde Lebensweise mit Entspannung, Saunabesuchen, sanften Bürstenmassagen, einer guten Hautpflege und ausgewogener Ernährung tragen aber bei vielen zum allgemeinen Wohlbefinden bei. Regelmäßige Bewegung, am besten in frischer Luft, kann Unruhezustände, depressive Stimmungen und Schlafstörungen lindern.

Autoren und Redaktion
Autorin: Kirsten Buschmann, Heilpraktikerin
Redaktion: Ulrich Sümper, Heilpraktiker

Beratung durch
Anita Sprenger-Witte, Heilpraktikerin
Franz-Claas-Straße 6a
33428 Harsewinkel
Tel. 05247 - 40 64 07

Diese Gesundheitsinformation wurde am 23.01.2020 erstellt und wird regelmäßig aktualisiert.