„Colitis ulcerosa“

Junge Frau leidet unter Magen-Darmschmerzen
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Schon wieder dieser schreckliche Durchfall. Und noch schlimmer als in der letzten Zeit, heute war Lena schon fast 15-mal auf der Toilette, mit schlimmen Krämpfen im linken Unterbauch. Und Blutauflagerungen waren auch zu erkennen. Eigentlich hatte sie die bisher auf „normale“ Hämorrhoiden geschoben, aber jetzt macht sie sich doch richtig Sorgen. Kann das etwas Ernstes sein? Mit Mitte Zwanzig? Vielleicht sollte sie sich doch mal fachlichen Rat holen, zumal sie sich in der letzten Zeit immer häufiger auch kraftlos und schlapp fühlt…?

Was ist Colituis ulcerosa?

Wer unter häufigen, teilweise blutigen oder auch mit Schleim versetzten Durchfällen leidet, ist u. U. von einer Colitis ulcerosa, einer chronischen Dickdarmentzündung, betroffen. Neben zwanghaftem Stuhldrang können das ständige Gefühl, den Darm noch immer nicht vollständig entleert zu haben und krampfartige Bauchschmerzen - oft im linken Unterbauch - die Erkrankung begleiten; bei schweren

Entzündungen auch Fieber, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Gewichtsabnahme.

Wenn Sie unter solchen Symptomen leiden, sollten Sie diese schulmedizinisch abklären lassen, da durch die anhaltende Entzündung der Darm dauerhaften Schaden nehmen kann und nach langjähriger Erkrankung das Darmkrebs-risiko erhöht ist.

Ursachen

Colitis ulcerosa ist neben Morbus Crohn die häufigste chronisch entzündliche Darmkrankheit. Die Entzündung beginnt meist am Enddarm (Rektum), kann in Richtung Dünndarm fortschreiten und führt zu (blutigen) Geschwüren. Meistens ist der Dickdarm (Colon) betroffen, die Colitis ulcerosa verläuft in immer wiederkehrenden Schüben mit zwischen-zeitlicher Abheilung. Darüber hinaus kann es zu Krankheitsmitbeteiligungen außerhalb des Darms (extraintestinale Manifestationen, z.B. an Gelenken, Haut, Augen und Leber) kommen.

Die Ursachen der Erkrankung sind weitgehend ungeklärt. Ähnlich wie bei Morbus Crohn nimmt man eine vor allem eine genetische Veranlagung und eine übersteigerte Reaktion des körpereigenen Immunsystems an. Es greift die Darmschleimhaut an und führt dort zu Entzündungen. Aber auch Umweltfaktoren, Hygiene und Ernährung sollen eine Rolle spielen. Darüber hinaus können Stress und seelische Belastungen aktive Schübe der Erkrankung auslösen und einem schwereren Verlauf begünstigen.

Konventionelle Behandlung

Wie auch bei Morbus Crohn wird die Diagnose durch eine Darmspiegelung mit Gewebeentnahme und ggf. einem Kolon-Kontrasteinlauf gesichert. Auch die medikamentöse Therapie ähnelt der des Morbus Crohn. Zum Einsatz können v. a. entzündungshemmende Mittel, Immunsuppressiva (Arzneimittel zur Unterdrückung der körpereigenen Abwehr) und/oder Kortison. Durchfallbedingte Flüssigkeits- bzw. Elekrolytverluste müssen unbedingt ausgeglichen werden, ebenso vorliegende Nährstoffmängel (z.B. Eisen, Vitamine).

Bei langjährigen, schweren Verläufen kann eine Operation erforderlich werden. Dabei  muss der  gesamte Dickdarm einschließlich des Rektums (Proktokolektomie) komplett entfernt werden. Durch eine solche Operation ist die Colitis ulcerosa heilbar (im Gegensatz zum Morbus Crohn). 

Was können Heilpraktiker für Sie tun?

Im akuten Stadium und in schweren Fällen kann die naturheilkundliche oder komplementäre Medizin unterstützend zur medikamentösen oder schulmedizinischen Therapie eingesetzt werden, wobei die schulmedizinische Medikation i.d.R. zunächst beibehalten werden muss. In der beschwerdefreien Zeit lassen sich dann aber oftmals gute Erfolge im Sinne einer langfristigen Reduzierung der Häufigkeit der Schübe und ihrer Heftigkeit bzw. einer Verbesserung des Allgemeinbefindens erzielen. Einem ganzheitlichen Ansatz entsprechend nimmt sich Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker viel Zeit, die verschiedenen Faktoren, die diese Erkrankung beeinflussen können, mit Ihnen gemeinsam zu klären. Wichtig ist dabei v. a. das ausführliche anamnestische Gespräch, Erfahrung und Einfühlungsvermögen, weil die Behandlung der Colitis ulcerosa eines sehr individuellen Weges bedarf und oftmals eine jahrelange Leidensgeschichte mit einbezogen werden muss.

Da häufig bei einer Colitis ulcerosa der Darm mit Bakterien fehlbesiedelt ist, die eine gesunde Verdauungstätigkeit nicht gewährleisten können und /oder den Körper schädigen (Darmdysbiose), kann Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker nach entsprechender Diagnostik eine mikrobiologische Therapie für sinnvoll erachten. Sie dient dazu, krankmachende Keime zu reduzieren und die gesunde Darmflora wiederherzustellen. Auch Lebensmittelunverträglichkeiten (z.B. gegen Milch) sollten abgeklärt werden. Da die Aufnahme von Nährstoffen über den Darm (Resorption) durch die Erkrankung gestört ist, könnte es u. U. auch notwendig sein, fehlende Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente z.B. mit Hilfe der orthomolekularen Medizin zu ergänzen und einem Nährstoffmangel durch eine Ernährungstherapie so weit wie möglich vorzubeugen. Bei manchen Betroffenen beeinflusst eine Ernährungsumstellung den Krankheitsverlauf sogar insgesamt positiv. Gar nicht so selten liegen mitverursachende Probleme an ganz anderen Stellen im Körper. So kann beispielsweise eine (oft unbemerkte) chronische Nasennebenhöhlenentzündung manchmal das Ausmaß und die Schwere einer Colitis ulcerosa mit beeinflussen.

Bakterien
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Auch seelische Aspekte der Erkrankung finden im Sinne einer ganzheitlichen Herangehensweise Beachtung. Sie sieht den Menschen als Einheit aus Körper, Geist und Seele. Alle diese seine Aspekte sind miteinander verbunden, stehen miteinander in Kommunikation und wollen im Sinne einer umfassenden Behandlung gesehen werden.

Alle obenstehenden Möglichkeiten einer Behandlung sind hier jedoch nur beispielhaft und nicht vollständig für die vielen Methoden, die Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker zur Verfügung stehen. Die richtige Auswahl ist ein individueller Prozess, der Sie als Person mit Ihrer Krankengeschichte, Ihren persönlichen Voraussetzungen und Wünschen mit einbezieht. Dafür bieten die Naturheilkunde und die komplementäre Medizin weitere Therapien an, die auch in Kombination miteinander hilfreich sein können. So z.B. (alphabetisch):

Wenn Sie unter Colitis ulcerosa leiden, sprechen Sie vertrauensvoll mit Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker – sie beraten Sie gerne. Sollten Sie sich besonders für bestimmte Therapien interessieren, hilft Ihnen die BDH-Therapeutensuche dabei, eine Praxis in Ihrer Nähe zu finden.

Was können Sie selber tun?

Entspannung am Meer
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Versuchen Sie vor allem, geduldig und liebevoll mit sich zu sein. Colitis ulcerosa kann (außer mit einer kompletten Entfernung des Dickdarms und des Rektums) nicht geheilt, die Schübe aber sehr wohl gelindert und im besten Fall die Häufigkeit und Stärke der Entzündungsreaktionen deutlich vermindert werden.

Im akuten Schub helfen Ruhe und Entspannung, Stress und Ärger hingegen verschlimmern i.d.R. die Symptome. Sorgen Sie deshalb unbedingt für ein vernünftiges Gleichgewicht zwischen Anspannung und Entspannung – auch für die oft zitierte Life-Work-Balance (der Ausgewogenheit zwischen beruflichen Anforderungen und (entspannendem) Ausgleich im Privaten).

Tai Chi übende Frau in Übungsraum
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Lernen Sie Methoden, die die Entspannung fördern wie z. B. Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training, Tai Qi oder Qi Gong. Auch regelmäßige Bewegung an frischer Luft, Wechselduschen, Kneippanwendungen u. ä. fördern das allgemeine Wohlbefinden.

Achten Sie außerdem auf eine mögliche Reaktion auf Milchprodukte, da ca. 30% der Betroffenen zusätzlich unter einer Laktoseintoleranz leiden. Eine ballaststoffreiche Ernährung, die die Darmtätigkeit zusätzlich anregt, ist nicht empfehlenswert.

Helfen kann auch der Kontakt zu anderen Betroffenen, z. B. über die Deutsche Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung e. V.

Autoren und Redaktion
Autorin: Kirsten Buschmann, Heilpraktikerin
Redaktion: Ulrich Sümper, Heilpraktiker

Beratung durch
Anita Sprenger-Witte, Heilpraktikerin
Franz-Claas-Straße 6a
33428 Harsewinkel
Tel. 05247 - 40 64 07

Diese Gesundheitsinformation wurde am 30.08.2019 erstellt und wird regelmäßig aktualisiert.