„Morbus Crohn“

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Eigentlich hat Helmut sein Job immer Spaß gemacht. Als Paketzusteller ist er viel auf Achse, aber er mag die tägliche Herausforderung. Nur jetzt – mit diesen blöden Durchfällen – das kann er unterwegs gar nicht gebrauchen. Drei, vier Mal Pause machen auf der Tour ist eigentlich gar nicht drin. Und das Tragen schwerer Pakete wird auch immer schwieriger, schließlich hat er in den letzten Monaten ordentlich abgenommen und fühlt sich manchmal richtig schlapp. Zwischendurch geht’s dann mal wieder ein bisschen besser, aber vielleicht sollte er das doch mal untersuchen lassen?

Was ist Morbus Crohn?

Gewichtsverlust, mehrere i. d. R. unblutige Durchfälle pro Tag über einen längeren Zeitraum, Schmerzen häufig im rechten Unterbauch (hier treten die Schmerzen nur auf, wenn das terminale Ileum betroffen ist; bei anderen Lokalisationen können die Schmerzen auch an anderen Stellen auftreten)  – das alles können Zeichen für eine Morbus Crohn-Erkrankung sein. Morbus Crohn zählt (wie die Colitis ulcerosa) zu den chronisch entzündlichen Darmkrankheiten. Im Gegensatz zur Colitis ulcerosa ist nicht nur die Darmschleimhaut entzündet, sondern alle Wandschichten des Darms können betroffen sein. Diese Entzündungen können prinzipiell in jedem Abschnitt des Verdauungstrakts auftauchen – vom Mund bis zum After. Meist ist jedoch das Ende des Dünndarms (Ileum) oder der obere Abschnitt des Dickdarms (Kolon) betroffen.

Typisch sind ein schubweiser Verlauf und ein segmentaler Befall, d.h., gesunde und erkrankte Darmabschnitte wechseln sich ab. Auch außerhalb des Darms (extraintestinal) kann sich die Krankheit zeigen. Manifestationen z. B. an Gelenken, Haut oder Auge können manchmal das erste Symptom darstellen.

Morbus Crohn  wird bei Frauen und Männern etwa gleich häufig diagnostiziert, meist kommt es im Alter von 15 bis 35 Jahren zu einem ersten Schub. Da die Entzündungen bei Morbus Crohn unterschiedlich stark ausgeprägt sein können, rufen sie auch unterschiedlich starke Symptome hervor. Nach längerer Erkrankung kann es zur Bildung von Geschwüren, Abszesse, Stenosen (Engstellen) und Fisteln (Verbindungsgängen zu anderen Organen) kommen. Als heilbar gilt die Krankheit derzeit nicht, aber die Beschwerden lassen sich mindern.

Ursachen

Die Ursachen für Morbus Crohn sind bislang noch nicht genau geklärt. Wahrscheinlich ist eine genetische Veranlagung. "Falsche" Ernährung scheint hingegen keine Rolle zu spielen, weder für das Entstehen der Darmkrankheit noch für die Schübe. Umweltfaktoren beeinflussen die Krankheit aber sehr wohl: In Industrieländern kommt die Erkrankung weitaus häufiger vor als in ärmeren Ländern und Menschen, die rauchen,

haben ein deutlich höheres Risiko, zu erkranken. Zurzeit wird davon ausgegangen, dass psychische Belastungen Morbus Crohn nicht direkt auslösen, den Verlauf aber sehr wohl ungünstig beeinflussen. Außerdem stellt die Krankheit selbst eine psychische Belastung dar, was sich wiederum ungünstig auf den Verlauf auswirken kann.

Konventionelle Behandlung

Als heilbar gilt die Krankheit derzeit nicht. Spezielle Arzneimittel können aber die Beschwerden lindern, die symptomfreien Phasen verlängern und so die Lebensqualität verbessern. Welche Medikamente eingesetzt werden, hängt unter anderem davon ab, wie heftig die Entzündung verläuft und welchen Bereich des Magen-Darm-Trakts sie betrifft. Zum Einsatz kommen können z. B. Kortison, Entzündungshemmer oder Immunsuppressiva (Arzneimittel zur Unterdrückung der körpereigenen Abwehr).

Manchen Erkrankten bleibt zudem eine Operation nicht erspart. Insbesondere dann, wenn Morbus Crohn zu Komplikationen wie Fisteln, Abszessen oder einem Darmverschluss führt. Bei einem Morbus-Crohn-Befall des Dickdarms ist das Darmkrebsrisiko erhöht, in Abhängigkeit vom Ausmaß der Entzündung und der Krankheitsdauer. Dann sind zur Überwachung des Krankheitsverlaufs  regelmäßige Spiegelungen des Dickdarms sinnvoll, bei denen von auffälligen Stellen Gewebeproben entnommen und untersucht werden.

Was können Heilpraktiker für Sie tun?

Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, deren Behandlung v. a. die Anzahl der Schübe und die damit verbundenen Beschwerden reduzieren soll. Einem ganzheitlichen Ansatz entsprechend, nimmt sich Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker viel Zeit, die verschiedenen Faktoren, die diese Erkrankung beeinflussen können, mit Ihnen gemeinsam zu klären. Die Behandlung des Morbus Crohn bedarf eines sehr individuellen Weges und oftmals muss eine jahrelange Leidensgeschichte mit einbezogen werden.

Da so viele unterschiedliche Einflussfaktoren bei Morbus Crohn eine Rolle spielen (können), bedarf es eines umfassenden Behandlungskonzeptes, bei dem erfahrungsgemäß verschiedene Therapieverfahren gleichzeitig oder abwechselnd eingesetzt werden müssen. Ihre belastende Situation und Ihre individuellen Probleme wollen wahrgenommen und im Sinne einer ganzheitlichen Ausrichtung alles dafür getan werden, Ihnen wieder zu mehr Lebensqualität zu verhelfen.

Darm
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Neben wichtigen psychologischen Aspekten stehen die körperlichen Faktoren im Mittelpunkt des Behandlungskonzepts. Morbus Crohn als Autoimmunerkrankung veranlasst Ihre Heilpraktikerin oder Ihren Heilpraktiker möglicherweise dazu, Faktoren zu finden, die das Immunsystem z.B. aufgrund einer Dauerbelastung aus der Balance gebracht haben könnten (dazu können zählen Störfeldsuche, Schwermetallbelastungen, Narben, unbemerkte andere chronische Entzündungen z.B. der Zähne u.a.).

Die Orthomolekulare Medizin kann nicht nur einen Nährstoffmangel ausgleichen, sondern auch einen direkten positiven Effekt auf die Entzündungsprozesse haben. In Frage kommen könnten außerdem die Ernährungstherapie, ggf. Fastenkuren, die Osteopathie, der Check von Wirbelsäule, Diaphragma, der Sphinktermuskulatur, Leber, Pankreas u.a.

Alle o. g. therapeutischen Maßnahmen stehen hier deshalb nur beispielhaft und keineswegs erschöpfend für die vielen Möglichkeiten, die Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker zur Verfügung stehen. Zum Einsatz kommen können verschiedene Therapieverfahren entweder als in sich geschlossene Behandlungssysteme wie z. B. in der Anthroposophischen Medizin oder Kombinationen einzelner Verfahren untereinander. In Frage kommen z. B. auch (alphabetisch):

Wenn Sie unter Morbus Crohn leiden, sprechen Sie vertrauensvoll mit Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker –  sie beraten Sie gerne. Sollten Sie sich besonders für bestimmte Therapien interessieren, hilft Ihnen die BDH-Therapeutensuche dabei, eine Praxis in Ihrer Nähe zu finden.

Was können Sie selber tun?

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Versuchen Sie vor allem, geduldig und liebevoll mit sich zu sein. Morbus Crohn kann derzeit nicht geheilt werden, die Schübe aber sehr wohl gelindert und im besten Fall die Häufigkeit und Stärke der Entzündungsreaktionen deutlich vermindert werden.

Da ein Schub häufig mit Beschwerden wie schweren Durchfällen einhergeht, ist in erster Linie eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr wichtig, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Die nötige Kalorienzufuhr sollte über leicht bekömmliche und gut verträgliche Nahrungsmittel erfolgen, die den Körper jedoch nicht zusätzlich belasten, z. B. mit Weißbrot oder leichten, pürierten Gemüsesuppen. Bei länger andauernden Durchfällen müssen Nährstoffe und Vitamine gezielt zugeführt werden. Die sog. „Astronautenkost“ wird vollständig im oberen Dünndarm resorbiert (aufgenommen) und kann so tiefer liegende Darmabschnitte entlasten. Achten Sie außerdem auf eine mögliche

Laktoseintoleranz, die bei ca. 30% der Betroffenen zu finden ist und ernähren Sie sich dementsprechend. Im akuten Schub helfen Ruhe und Entspannung. Bei leichteren, nicht akut entzündlichen Darmreizungen und Durchfall wirkt eine Melissen-Auflage entspannend: Dazu Melissenöl und Pflanzenöl 1:10 vermischen, auf eine angewärmte Kompresse träufeln, auf den Bauch legen und mit einer Wolldecke und einem Körnerkissen abdecken.

Stress und Ärger hingegen verschlimmern i. d. R. die Symptome. Sorgen Sie deshalb unbedingt für ein vernünftiges Gleichgewicht zwischen Anspannung und Entspannung – auch für die oft zitierte Life-Work-Balance. Lernen Sie Entspannungstechniken wie z. B. Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training, Tai Qi oder Qi Gong. Auch regelmäßige Bewegung an der frischen Luft, Wechselduschen, Kneippanwendungen u. ä. fördern das allgemeine Wohlbefinden.

Tai Chi
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Helfen kann auch der Kontakt zu anderen Betroffenen, z. B. über die Deutsche Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung e.V. 

Autoren und Redaktion
Autorin: Kirsten Buschmann, Heilpraktikerin
Redaktion: Ulrich Sümper, Heilpraktiker

Beratung durch
Anita Sprenger-Witte, Heilpraktikerin
Franz-Claas-Straße 6a
33428 Harsewinkel
Tel. 05247 - 40 64 07

Diese Gesundheitsinformation wurde am 15.01.2020 erstellt und wird regelmäßig aktualisiert.