„Gluten-Sensitivität"

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Seit einigen Wochen hat Pia kaum Zeit für Ihre Mittagspause. Sie ist dann meist noch unterwegs, da reicht dann ein schnelles Brötchen oder Teilchen auf die Hand, das spart Zeit. Und abends ist sie dann oft so abgekämpft, dass Sie keine Lust mehr hat, zu kochen. Da schiebt sie lieber schnell eine Pizza in den Ofen oder isst wieder nur ein paar Scheiben Brot. Ob das wohl der Grund dafür ist, dass sie sich oft aufgebläht fühlt und Probleme mit dem Stuhlgang hat?

Was ist eine Gluten-Sensitivität?

Bei der Gluten-Sensitivität (auch Weizensensitivität) reagieren die Betroffenen mit diversen Beschwerden auf den Verzehr von gluten- oder weizenhaltigen Produkten. Gluten ist ein Klebereiweiß, das in Getreiden wie Dinkel, Hafer, Gerste, Grünkern, Roggen und Weizen, Triticale, Kamut, aber auch in älteren Sorten wie Einkorn und Emmer vorkommt. Die Bezeichnung Klebereiweiß hat das Proteingemisch bekommen, da es den Teig beim Backen „zusammenhält“ und geschmeidig macht.

Zu den Symptomen können zählen (alphabetisch):

  • Abgeschlagenheit
  • Bauchschmerzen
  • Blähungen
  • Durchfall
  • Gelenkschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Muskelschwäche
  • Reizbarkeit
  • Verstopfung
  • u.a.

Ursachen

Bei der Gluten-Sensitivität handelt es sich um eine Unverträglichkeitsreaktion, deren genaue Ursache noch nicht geklärt ist. Es liegen nach heutigem Erkenntnisstand weder allergische (wie bei der Weizenallergie, s.u.) noch autoimmun bedingte Reaktionen (wie bei der Zöliakie) den Beschwerden zugrunde. Diskutiert wird derzeit ein Zusammenhang mit veränderten Umweltbedingungen (z.B. der Niederschlagsmenge) oder den Inhaltsstoffen neugezüchteter, ertragreicherer Weizensorten.

Deren industrielle Verarbeitung mit immer geringeren Back-Teig-Reifezeiten (die längere Reifezeit trägt zum Abbau des Glutens und anderer Getreidebestandteile im Teig bei) oder auch ein generell gesteigerter Verzehr von gluten- bzw. weizenhaltigen Lebensmitteln wie Brot, Pita, Pizza, Nudeln aus Hartweizengries, CousCous, Seitan, Burgern, Cornflakes etc. könnten Einfluss haben. Dies ist aber keinesfalls wissenschaftlich gesichert.

Diagnose und Abgrenzung

Die Diagnose Gluten-Sensitivität ist bisher eine Ausschlussdiagnose und wird anhand der Symptomatik und dem Fehlen der Marker für Zöliakie und Weizen-Allergie (z.B. „Bäckerasthma“, Nachweis durch den sog. Pricktest und IgE-Antikörper im Blut) gestellt. Außerdem anhand der Beschwerdefreiheit bei entsprechender Diät bzw. Rückkehr der Beschwerden bei Provokation durch die entsprechenden Lebensmittel.

Bei der Gluten-Sensitivität, die deshalb auch als „Nicht-Zöliakie-Nicht-Weizenallergie-Weizensensitivität“ bezeichnet wird, stehen u.a. Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATI) im Verdacht, Eiweiße, die in glutenhaltigem Getreide vorkommen. Sie können sich an die Darmschleimhaut anlagern und so bei entsprechend empfindlichen Menschen Beschwerden auslösen.

Was können Heilpraktiker für Sie tun?

Besteht bei Ihnen der Verdacht auf eine tatsächliche oder relative Gluten-Sensitivität (und konnten andere Ursachen wie z.B. eine Zöliakie ausgeschlossen werden), kann Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker Sie umfassend beraten. Das reicht z.B. von fachlich angeleitetem Heilfasten über die sehr grundlegenden, umfangreichen diätetischen Maßnahmen der Ayurvedischen Medizin bis hin zur Traditionellen Chinesischen Medizin, bei der nicht nur die Auswahl der Lebensmittel und Gewürze, sondern auch z.B. die Zubereitungsart eine große Rolle spielt.

Wird hingegen eine Darmdysbiose (Ungleichgewicht der Darmflora) festgestellt, kann über den Einsatz von Präparaten der Mikrobiologischen Therapie nachgedacht werden. Hier werden Mikroorganismen, ihre Bestandteile oder Stoffwechselprodukte therapeutisch eingesetzt, um das gesunde bakterielle Gleichgewicht im Darm wieder herzustellen.

Auch Mittel der Homöopathie, Spagyrik oder Phytotherapie, die die Regeneration der Darmschleimhaut unterstützen, allgemein ausgleichend auf den Magen-Darm-Trakt wirken und die Symptome lindern, können zum Einsatz kommen.

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Bei einer längerfristigen, nicht ausgewogenen glutenfreien Diät kann es zu einer Unterversorgung mit Ballaststoffen und einem Mangel an Vitaminen kommen. Um nicht in Mangelsituationen zu kommen, können Heilpraktiker Sie entsprechend ernährungstherapeutisch beraten und ein vitalstoffreiches, vielseitiges Ernährungskonzept erarbeiten, dass die in diesen Getreiden vorkommenden Mineralien, Spurenelemente und Nährstoffe in ausreichendem Maße berücksichtigt. Neben einer entsprechend angepassten Ernährung können darüber hinaus zusätzlich auch Mittel der Orthomolekularen Therapie mit Mikronährstoffen zum Einsatz kommen.

Alle diese Möglichkeiten stehen hier jedoch nur beispielhaft für die vielen Methoden, die Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker zur Verfügung stehen. Die ganzheitliche Sichtweise von Heilpraktikern erfasst Patienten bzw. Betroffene ganz individuell und bietet entsprechend umfangreiche therapeutische Möglichkeiten - bis hin zur Berücksichtigung von z.B. Wirbelsäulenproblemen, die ebenfalls eine Auswirkung auf die Funktion des Verdauungstrakts haben können und bei denen z.B. die Osteopathie hilfreich sein kann.

Über die bereits genannten Verfahren hinaus bieten die Naturheilkunde und die komplementäre Medizin noch weitere an, die auch in Kombination miteinander hilfreich sein können. So z. B. (alphabetisch):

Wenn Sie unter einer Gluten-Sensitivität leiden oder es vermuten, sprechen Sie mit Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker –  sie beraten Sie gerne. Sollten Sie sich besonders für bestimmte Therapien interessieren, hilft Ihnen die BDH-Therapeutensuche dabei, eine Praxis in Ihrer Nähe zu finden.

Was können Sie selber tun?

Schreiben
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Wenn andere Erkrankungen ausgeschlossen werden konnten (Ausschlussdiagnose, s.o.), finden Sie zunächst heraus, was genau bei Ihnen Beschwerden verursacht. Im Unterschied zu Zöliakie-Betroffenen müssen Sie sich nicht strikt und lebenslang glutenfrei ernähren. Die Schwelle, bis zu der die einzelnen Lebensmittel vertragen werden, ist individuell unterschiedlich und sollte von Ihnen selbst herausgefunden werden. Sinnvoll hierzu kann das Führen eines Ernährungstagebuchs sein. Es hilft Ihnen dabei

zu erkennen, auf was genau Sie mit Beschwerden reagieren. Daran sollte sich dann Ihre Ernährung orientieren. Probieren Sie z.B. Buchweizen, Hirse, Amaranth oder Quinoa aus und greifen Sie naturbelassenen Milchprodukten und Käsesorten wie Emmentaler, Gouda, Edamer, Parmesan, Mozzarella, Schafkäse u.a. Finden Sie heraus, was Ihnen schmeckt und gut bekommt. Achten Sie beim Einkauf außerdem auf Nahrungsmittel, die keine Geschmacksverstärker enthalten.

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Zahlreiche Tipps zu glutenfreier Ernährung, geeigneten Lebensmitteln, Rezepten etc. erhalten Sie u.a. bei

Deutsche Zöliakie Gesellschaft e. V.
Kupferstr. 36
70565 Stuttgart
www.dzg-online.de

Autoren und Redaktion
Autorin: Kirsten Buschmann, Heilpraktikerin
Redaktion: Ulrich Sümper, Heilpraktiker

Beratung durch
Anita Sprenger-Witte, Heilpraktikerin
Franz-Claas-Straße 6a
33428 Harsewinkel
Tel. 05247 - 40 64 07

Diese Gesundheitsinformation wurde am 14.09.2020 erstellt und wird regelmäßig aktualisiert.