„Schilddrüsenüberfunktion“ (Hyperthyreose)

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Claudia fühlt sich völlig überdreht. Und das eigentlich ohne wirklichen Grund. Unter übermäßigem Stress leidet sie nicht. Trotzdem machen ihr schon seit Wochen immer wieder Herzrasen, Nervosität, Zittern und Schwitzen zu schaffen. Dabei ist sie doch erst 25 – die Wechseljahre können das nicht sein! Und abgenommen hat sie auch, trotz ihres guten Appetits. Wenn sie wenigstens mal wieder richtig schlafen würde. Könnte das Ganze womöglich doch körperliche Ursachen haben?

Was ist eine Schilddrüsenüberfunktion?

Unruhe, Herzrasen, zittrige Finger, Durchfälle, übermäßiges Schwitzen, Schlafstörungen, Haarausfall, Muskelschwäche oder Gewichtsverlust bei gutem Appetit - das alles können Zeichen einer Schilddrüsenüberfunktion sein. Vor allem Frauen sind von ihr betroffen.

Die Schilddrüse ist ein schmetterlingsförmiges Organ, das sich mittig am Hals vor der Luftröhre und unterhalb des Kehlkopfes befindet. Hier werden die lebenswichtigen Schilddrüsenhormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin) produziert und ins Blut abgegeben.

Diesen Vorgang reguliert das in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) gebildete Hormon TSH .

Da die Schilddrüsenhormone Stoffwechsel, Kreislauf, Wachstum und Psyche beeinflussen, sind die Symptome bei einer Fehlfunktion vielfältig. Produziert die Schilddrüse zu viele Hormone, liegt eine Überfunktion (Hyperthyreose) vor. Auch Jodmangel kann eine Überfunktion der Schilddrüse auslösen. Dabei ist die dann vergrößerte Schilddrüse häufig als Vorwölbung im Halsbereich zu sehen, umgangssprachlich „Kropf“  genannt.

Ursachen

Die Ursachen einer Schilddrüsenüberfunktion sind vielfältig. Hauptursachen sind jedoch die Erkrankung Morbus Basedow oder eine Schilddrüsen-Autonomie (das Schilddrüsengewebe produziert Hormone, ohne auf übergeordnete Kontrollmechanismen zu reagieren).

  • Morbus Basedow
    ist eine chronische Autoimmunerkrankung, deren Ursache ungeklärt ist. Sie ist klassischerweise gekennzeichnet durch eine meistens vergrößerte Schilddrüse (Struma), erhöhten Pulsschlag (Tachykardie), bei ca. 50% der Betroffenen durch das Hervortreten der Augen (Exophthalmus) und, seltener, einer gelblichen oder blauroten, grobporigen Schwellung der Haut, besonders vor dem Schienbein (prätibiales Myxödem). Dieses Vollbild kommt nur selten vor.
  • Schilddrüsenautonomie
    Teile der Schilddrüse oder das gesamte Schilddrüsengewebe bilden selbstständig zu viele T3- und T4-Hormone und unterliegen nicht mehr der Kontrolle durch die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse). Die Ursache hierfür ist oft eine länger
  • bestehende, durch Jodmangel bedingte, häufig knotige Vergrößerung der Schilddrüse (Jodmangelstruma). Die Knoten sind in der Regel gutartige, sogenannte „autonome Adenome“ und werden auch als „heiße Knoten“ bezeichnet, da diese die Überproduktion der Schilddrüsenhormone verursachen.
  • Weitere Ursachen
    Dazu zählen Schwangerschaft, Schilddrüsenentzündungen, eine zu hohe Dosis an medikamentös zugeführten Schilddrüsenhormonen, sehr selten hormonproduzierende Tumore u. w.

Diagnostiziert wird eine Schilddrüsenüberfunktion anhand ihrer Symptome, mittels einer Blutuntersuchung zur Bestimmung der Schilddrüsenhormone T3 und T4 sowie des TSH (s. o.), einer Schilddrüsenszintigrafie (bei der sich eine vorab in die Vene gespritzte Substanz sichtbar in den hormonproduzierenden Bereichen der Schilddrüse anreichert) und oft einer Ultraschalluntersuchung (die Größe und Struktur der Schilddrüse ermittelt).

Morbus Basedow lässt sich durch spezielle Antikörper im Blut oder über eine Gewebeprobe nachweisen.

Konventionelle Behandlung

Eingesetzt werden Medikamente, die die Schilddrüsenfunktion hemmen (Thyreostatika). Eine Schilddrüsenautonomie wird dadurch nicht beseitigt. Hierbei und bei schweren Verläufen dienen die Medikamente der Überbrückung der Zeit bis zu einer Operation (z. B. wenn die vergrößerte Schilddrüse auf die Luftröhre drückt) oder Radiojodtherapie (die Zerstörung des erkrankten Gewebes von innen heraus durch radioaktive Strahlung). In manchen Fällen werden Betablocker verordnet, die den Herzschlag beruhigen und das typische Zittern mildern.

Was können Heilpraktiker für Sie tun?

Die Naturheilkunde und die komplementäre Medizin kennen einige Möglichkeiten, vor allem bei einer milden Schilddrüsenüberfunktion regulierend einzugreifen bzw. eventuelle leichtere Nebenwirkungen einer notwendigen medikamentösen schulmedizinische Therapie zu verringern. Dazu bieten z.B. die Ernährungstherapie und die Orthomolekulare Therapie mit Mikronährstoffen (so z.B. Selen) einige Möglichkeiten während die Neuraltherapie auf eine sanfte hormonelle Umstimmung abzielt.

Eine Schilddrüsenüberfunktion läßt sich oftmals auch mittels der Phytotherapie günstig beeinflussen. Dafür wählt Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker aus einer Vielzahl wirksamer Heilpflanzen, die je nach Ihrem persönlichen Beschwerdebild verordnet werden können. So hemmen spezielle Phytotherapeutika die Ausschüttung des Schilddrüsenhormons Thyroxin, setzen den Umsatz von Jod im Körper herab und wirken allgemein beruhigend.

Einem ganzheitlichen Ansatz entsprechend ist es sinnvoll, die Schilddrüse hier nicht als isoliertes „problematisches“ Organ zu sehen, sondern den Blick darüber hinaus auf mit ihr in enger Wechselwirkung stehende Organe und Organsysteme (z.B. das Hormonsystem als Ganzes, die Leber, das Immunsystem, das Nervensystem u.v.a.m.) und ebenso auf die Psyche zu richten. Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker beraten und begleiten Sie individuell.

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Die o. g. therapeutischen Möglichkeiten sind nur beispielhaft genannt und keineswegs erschöpfend für die vielen Möglichkeiten, die Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker bei der Behandlung zur Verfügung stehen. Die Naturheilkunde und die komplementäre Medizin kennen viele Verfahren, die die Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion positiv beeinflussen können. Zum Einsatz können verschiedene Therapieansätze kommen, entweder als in sich geschlossene Behandlungssysteme wie z. B. in der Anthroposophische Medizin  oder auch Kombinationen einzelner Verfahren untereinander, häufig z.B. (alphabetisch):

Wenn Sie unter einer Schilddrüsenüberfunktion leiden, sprechen Sie vertrauensvoll mit Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker –  sie beraten Sie gerne. Sollten Sie sich besonders für bestimmte Therapien interessieren, hilft Ihnen die BDH-Therapeutensuche dabei, eine Praxis in Ihrer Nähe zu finden.

Was können Sie selber tun?

Entspannung am Meer
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Da die typischen Stress-Symptome wie Unruhe, Herzrasen, zittrige Finger, Durchfälle, übermäßiges Schwitzen, Schlafstörungen etc. schon zum Krankheitsbild gehören, sollten Sie nach Möglichkeit zusätzlichen Stress und seelische Belastungen meiden. Suchen Sie stattdessen nach einer ausgewogenen Balance zwischen Anspannung und Entspannung, zwischen Bewegung und Ruhe.

Lernen Sie, sich Auszeiten zu nehmen und planen Sie neben regelmäßiger Bewegung möglichst an der frischen Luft auch Pausen ein – das beugt auch den häufig auftretenden Muskelverspannungen vor.

Dabei können feste, bewusst eingeplante Ruhezeiten sinnvoll sein. Da sich in der Ruhe die Unruhe aber auch verstärken kann, ist es manchmal besser, durch intensive Bewegung und Sport eineEntspannung zu erreichen. Probieren Sie aus, was für Sie das Beste ist.

Vermeiden Sie zudem anregende Getränke wie Kaffee, Tee oder Alkohol und ernähren Sie sich gesund und vitalstoffreich. Besprechen Sie mit Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker, ob Sie besser auf jodiertes Speisesalz verzichten sollten, da es die Symptome noch verstärken kann.

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Darüber hinaus helfen Entspannungstechniken, Stress abzubauen, zum Beispiel mit Hilfe von Autogenem Training, Progressiver Muskelentspannung nach Jacobsen oder mit Atemübungen, Yoga, Qi Gong oder Tai Qi. Harmonisierend auf eine eventuell auftretende niedergedrückte Stimmung wirken auch, je nach persönlicher Vorliebe, Malen, Musizieren, Singen, Tanzen u.v.m.

Unterstützung kann auch der Kontakt zu anderen Betroffenen, z.B. über die Schilddrüsenliga Deutschland e. V.  bieten.

Autoren und Redaktion
Autorin: Kirsten Buschmann, Heilpraktikerin
Redaktion: Ulrich Sümper, Heilpraktiker

Beratung durch
Anita Sprenger-Witte, Heilpraktikerin
Franz-Claas-Straße 6a
33428 Harsewinkel
Tel. 05247 - 40 64 07

Diese Gesundheitsinformation wurde am 03.08.2020 erstellt und wird regelmäßig aktualisiert.