„Schilddrüsenüberfunktion“ (Hyperthyreose)

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Marina fühlt sich fix und fertig, antriebslos, müde. Und wie sie in letzter Zeit aussieht! Der Blick in den Spiegel gefällt ihr gar nicht: die Haare trocken und irgendwie struppig, trotz guter Pflege. Und ihr Hautbild war auch schon mal besser. Blass und kühl, neuerdings sogar leicht schuppig und ein bisschen verquollen. Woran kann das nur liegen?

Was ist eine Schilddrüsenunterfunktion?

Eine mögliche Ursache könnte eine Unterfunktion der Schilddrüse sein. Die Schilddrüse ist ein schmetterlingsförmiges Organ, das sich mittig am Hals vor der Luftröhre und unterhalb des Kehlkopfes befindet. Hier werden die lebenswichtigen Schilddrüsenhormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin) produziert und ins Blut abgegeben. Diesen Vorgang reguliert das in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) gebildete Hormon TSH .

Da die Schilddrüsenhormone  v. a. Stoffwechsel, Kreislauf, Wachstum und Psyche beeinflussen, sind die Symptome bei einer Unterfunktion vielfältig:

  • Kühle, blasse, trockene Haut
  • Spröde, brüchige Nägel und Haare, vermehrter Haarausfall
  • Myxödeme (teigige Schwellung des Unterhautbindegewebes, v. a. an Armen, Beinen und im Gesicht sowie den Lidern (Lid-Ödeme). Betroffene wirken "aufgeschwemmt")
  • Struma („Kropf“)
  • Heisere, tiefe Stimme, langsame, verwaschene Sprache
  • Kälteempfindlichkeit
  • Müdigkeit, erhöhtes Schlafbedürfnis, Antriebslosigkeit
  • Gedächtnisschwäche, depressive Verstimmungen
  • Gewichtszunahme und chronische Verstopfung
  • Bei Frauen unregelmäßige Monatsblutung, unerfüllter Kinderwunsch, reduzierte Empfängnisfähigkeit
  • Bei Männern Verminderung des sexuellen Lustempfindens und der Potenz

Nicht alle diese vielen Symptome müssen auftreten! Bei älteren Menschen machen sich meist nur z. B. eine erhöhte Kälteempfindlichkeit oder eine verminderte körperliche und geistige Leistungsfähigkeit bemerkbar – was oft mit Depressionen oder seniler Demenz verwechselt wird!

Ursachen

Selten ist eine Schilddrüsenunterfunktion angeboren. Eine Über- oder Unterversorgung des Körpers mit Jod kann zur Hypothyreose führen. Als eine der Hauptursachen einer Schilddrüsenunterfunktion gilt heutzutage die chronische autoimmune Schilddrüsenentzündung Hashimoto-Thyreoiditis.

Auch eine operative (Teil-)Entfernung der Schilddrüse oder eine Störung von übergeordneten hormonellen Regelzentren wie dem Hypothalamus (Teil des Gehirns) oder der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) können in selteneren Fällen zu einer Unterfunktion der Schilddrüse führen.

Liegt ursprünglich eine Überfunktion der Schilddrüse vor, können ungewollt auch die

dagegen gerichteten medizinischen Maßnahmen (Medikamente, Radiojodtherapie, Schilddrüsen-OP)  eine Schilddrüsenunterfunktion verursachen.

Diagnostiziert wird eine Schilddrüsenunterfunktion anhand ihrer Symptome, mittels einer Blutuntersuchung zur Bestimmung der Schilddrüsenhormone T3 und T4 sowie des TSH (s. o.) und eventuell vorhandener spezieller Antikörper, einer Schilddrüsenszintigrafie (bei der sich eine zuvor in die Vene gespritzte Substanz sichtbar in den hormonproduzierenden Bereichen der Schilddrüse anreichert) und oft einer Ultraschalluntersuchung (die Größe und Struktur der Schilddrüse ermittelt).

Konventionelle Behandlung

Die Schilddrüsenunterfunktion gilt – von wenigen Ausnahmen (z.B. vorübergehender Jodmangel, der ausgeglichen werden kann) abgesehen – als nicht heilbar. Daher muss eine Tablettentherapie mit synthetisch hergestelltem Thyroxin (T4 s.o., da T3 im Körper aus T4 i. d. R. in erforderlicher Menge hergestellt werden kann) meist lebenslang erfolgen. Ziel ist es, den Hormonmangel medikamentös auszugleichen und so die Beschwerden zu beseitigen oder wenigstens zu lindern. Regelmäßig werden Kontrolluntersuchungen durchgeführt.

Was können Heilpraktiker für Sie tun?

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion sind die Medikation mit Schilddrüsenhormonen und die regelmäßige ärztliche Kontrolle unverzichtbar. Dennoch kennen die Naturheilkunde und die komplementäre Medizin einige Möglichkeiten, insbesondere eine leichte Schilddrüsenunterfunktion positiv zu beeinflussen und z. B. eventuelle Nebenwirkungen der medikamentösen schulmedizinischen Therapie zu verringern.

Einem ganzheitlichen Ansatz entsprechend nimmt sich Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker Zeit, Sie individuell zu beraten und zu begleiten. Dazu bieten z.B. die Ernährungstherapie und Zink- oder Selenpräparate der Orthomolekulare Therapie mit Mikronährstoffen einige Möglichkeiten, während die Neuraltherapie auf eine sanfte hormonelle Umstimmung abzielt.

Auch Akupunktur und Moxibustion können begleitend zur schulmedizinischen Therapie eingesetzt werden.

Neuraltherapie
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Die o. g. therapeutischen Möglichkeiten sind nur beispielhaft genannt und keineswegs erschöpfend für die vielen Möglichkeiten, die Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker bei der begleitenden Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion zur Verfügung stehen. Die Naturheilkunde und die komplementäre Medizin kennen viele Verfahren, die die Symptome positiv beeinflussen können. Zum Einsatz können verschiedene Therapieansätze kommen, entweder als in sich geschlossene Behandlungssysteme wie z. B. (alphabetisch):

Wenn Sie unter einer Schilddrüsenunterfunktion leiden, sprechen Sie vertrauensvoll mit Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker –  sie beraten Sie gerne. Sollten Sie sich besonders für bestimmte Therapien interessieren, hilft Ihnen die BDH-Therapeutensuche dabei, eine Praxis in Ihrer Nähe zu finden.

Was können Sie selber tun?

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Da zur Produktion der Schilddrüsenhormone Jod benötigt wird, sollten bei bestehendem Jodmangel ausreichend jodhaltige Lebensmittel auf Ihrer Einkaufsliste stehen: Fisch und Meeresfrüchte, Zwiebel- und Lauchgemüse, Kresse, Algen und jodreiche Mineral- und Heilwasser.

Tun Sie sich und Ihrem Körper etwas Gutes und stimulieren Sie Ihren Stoffwechsel z. B. mit Spaziergängen an der frischen Luft,

Ausdauersport, Trockenbürsten-Massagen, Wechselduschen u.a.

Als wohltuend werden oftmals durchblutungsfördernde, warme Halswickel empfunden. Probieren Sie es aus: Dazu ein feuchtes, warmes, gut ausgewrungenes  Tuch um den Hals legen, mit einem Zwischentuch abdecken und mit einem weiteren Tuch, am besten aus Wolle, das die Wärme gut hält, abdecken.

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Entspannungstechniken wie zum Beispiel  Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen oder Atemübungen, Yoga, Qi Gong oder Tai Qi tun auch der Seele gut. Harmonisierend auf eine niedergedrückte Stimmung wirken auch, je nach persönlicher Vorliebe, Malen, Musizieren, Singen, Tanzen u.v.m.

Kuraufenthalte an der See oder in jodhaltigen Solebädern können die Schilddrüsenfunktion anregen. Unterstützung bieten kann auch der Kontakt zu anderen Betroffenen, z. B. über die Schilddrüsenliga Deutschland e. V.

Autoren und Redaktion
Autorin: Kirsten Buschmann, Heilpraktikerin
Redaktion: Ulrich Sümper, Heilpraktiker

Beratung durch
Anita Sprenger-Witte, Heilpraktikerin
Franz-Claas-Straße 6a
33428 Harsewinkel
Tel. 05247 - 40 64 07

Diese Gesundheitsinformation wurde am 04.08.2020 erstellt und wird regelmäßig aktualisiert.