„Arthritis“

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 Morgens dauert es jetzt immer länger, bis Rainer in die Gänge kommt. Sein ganzer Körper ist irgendwie „schwergängig“, wie eingerostet. Jetzt ist auch noch sein rechtes Knie geschwollen, gerötet und schmerzhaft. Als wäre das Gelenk entzündet. Ob das wohl Arthritis ist?

Was ist Arthritis?

Das Wort Arthritis setzt sich zusammen aus dem griechischen „Arthr“ für Gelenk und der Wortendung „itis“ für Entzündung, bedeutet also „Entzündung eines Gelenks“, genauer gesagt der Innenschicht der Gelenkkapsel. Diese kann plötzlich auftreten (akute Arthritis) oder immer wieder aufflammen (chronische Arthritis). Die häufigste chronische Form ist die rheumatoide Arthritis („Rheuma“).

Betroffen sein kann jedes Gelenk des Körpers. Unterschieden wird die Krankheit neben dem Verlauf (akut/chronisch) nach der Anzahl der betroffenen Gelenke (Monoarthritis: nur ein Gelenk ist entzündet, Polyarthritis: mehrere Gelenke sind entzündet) oder nach ihrer Ursache (z. B. infektiöse Arthritis, Psoriasis-Arthritis oder Gicht-Arthritis). Je nach Art und Ursache der Erkrankung sind der Verlauf und die Intensität der Beschwerden individuell unterschiedlich.

So können bei der rheumatoiden Arthritis beispielsweise zu Beginn der Erkrankung zunächst eher Allgemeinsymptome auftreten wie z.B. Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, Erschöpfung, Müdigkeit und leicht erhöhte Temperatur. Manchmal bemerken Betroffene anfangs auch eine abnehmende Greifkraft der Hände, zum Beispiel beim Aufschrauben von Drehverschlussflaschen oder Marmeladen-gläsern. Oder sie leiden morgens an steifen

Gelenken (häufig sind die Fingergelenke betroffen) und an Schmerzen. Beides bessert sich dann aber oft im Tagesverlauf.

Bei der rheumatoiden Arthritis bilden sich bei etwa 20 Prozent der Betroffenen auch sogenannte Rheumaknoten – gutartige, derbe und teilweise verschiebbare Knoten unter der Haut oder direkt an den Sehnen.

Durch die Entzündung im Gelenk kommt es im Weiteren zu typischen Schmerzen, die häufig bereits in Ruhe auftreten, nachts oft am stärksten sind und sich bei Druck auf das Gelenk und maximaler Beugung oder Streckung noch verstärken. Zu den Schmerzen und Bewegungseinschränkungen hinzukommen können Rötung, Schwellung, Überwärmung und evtl. ein Gelenkerguss, bei dem sich Flüssigkeit im Gelenk sammelt.

Überwiegend bei Arthritiden, die systemisch (durch Erkrankungen, die sich mehr oder weniger unspezifisch auf den gesamten Körper auswirken, wie z.B. Stoffwechsel- oder Autoimmunkrankheiten) verursacht sind, kann die Arthritis mehrere kleine und große Gelenke betreffen (Polyarthritis). Auch eine Beteiligung anderer Organe, etwa der Augen, der Lunge, des Herz-Kreislaufsystems und der Speichel-und Tränendrüsen sind hier möglich.

Arthritis oder Arthrose?

Eine Arthritis ist die Entzündung eines oder mehrerer Gelenke. Bei einer Arthrose liegt dagegen ein chronischer Verschleiß des Gelenks vor. Es handelt sich also um verschiedene Krankheiten mit unterschiedlicher anfänglicher Ursache (Verschleiß oder Entzündung).

Symptome der Arthritis sind Schwellungen, Wärme und Rötung der betroffenen Gelenke. Auch ein Ruheschmerz oder Nachtschmerz spricht eher für eine Arthritis, während ein Anlaufschmerz oder Belastungsschmerz eher für eine degenerative Arthrose spricht. Unbehandelt können aber auch bei bestimmten Formen der Arthritis die Gelenke zunehmend tagsüber schmerzhaft sein und versteifen.

Ursachen

Die Ursachen der Arthritis sind noch nicht für alle Arten der Arthritis abschließend geklärt. Das Immunsystem scheint in bestimmten Fällen bei der Krankheitsentstehung eine entscheidende Rolle zu spielen. So geht man heute recht gesichert davon aus, dass bei den

rheumatischen Formen Abwehrreaktionen dieses Systems (Autoimmunprozesse) eine Rolle spielen. Auch können Infektionen (infektiöse Arthritis), Borreliose, Schuppenflechte (Psoriasis-Arthritis) oder Gicht (Gicht-Arthritis) u.v.a.m. Ursache sein.

Konventionelle Behandlung

Wenn Sie unter den oben beschriebenen Symptomen leiden, gehen Sie zu Ihrem Hausarzt. Es ist wichtig, bei Arthritis sofort wirksam zu therapieren, um eine Zerstörung der Gelenke zu verhindern!

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Arthritis (s. o.). Grundsätzlich zum Einsatz kommen können bei einer Gelenkentzündung je nach Schwere der Erkrankung z.B. bei akuten Infektionen Arzneimittel gegen bakterielle Infektionen (Antibiotika), entzündungshemmende Medikamente, Medikamente, die die körpereigene Abwehr unterdrücken (Immunsuppressiva), Schmerzmittel (nichtsteroidale Antirheumatika wie z.B. Ibuprofen oder Diclofenac) oder bei rheumatoider Arthritis  spezielle „Rheumamedikamente“ (sog. Basistherapeutika). In einigen Fällen können Operationen sinnvoll sein.

Begleitend dazu helfen Ruhigstellung, Kühlung und Hochlagerung bei akuter Arthritis sowie Krankengymnastik, physikalische Therapie und Ergotherapie bei chronischen Gelenkentzündungen, um einer (fortschreitenden) Versteifung des Gelenks entgegen zu wirken.

Was können Heilpraktiker für Sie tun?

Bereits bestehende Gelenkzerstörungen können nicht mehr rückgängig gemacht werden. Deshalb sollte auch eine naturheilkundliche Therapie möglichst früh und vor dem Auftreten dauerhafter Schäden begonnen werden. Auch - und gerade - bei chronischen Erkrankungen kann die Lebensqualität der Betroffenen durch naturheilkundliche Maßnahmen oftmals deutlich verbessert werden. Die Naturheilkunde und die komplementäre Medizin bieten vielfältige Möglichkeiten begleitend und unterstützend zur schulmedizinischen Behandlung. Damit können Entzündungsprozesse und die Symptome positiv beeinflusst und so u.U. Medikamente reduziert werden.

Abhängig von der Ursache der Arthritis und je nachdem wie Ihr*e Heilpraktiker*in arbeitet wird er*sie aus einer Reihe verschiedener Möglichkeiten ein für Sie individuelles Behandlungskonzept zusammenstellen. So können z.B. Ab- und Ausleitungsverfahren angewendet werden, um den Lymphfluss anzuregen, Entzündungsstoffe auszuleiten und den Gewebestoffwechsel günstig zu beeinflussen. Verschiedenste bewährte schmerzlindernde oder entzündungshemmende Mittel finden sich zur äußeren (z.B. für Einreibungen) oder inneren Anwendung (z.B. als Tee, Tropfen) in der Aroma- oder der Phytotherapie. Ebenso hilfreich können manchmal Injektionen oder eine Akupunktur sein um Blockaden zu lösen oder Störfelder (z.B. Operationsnarben) zu neutralisieren. Auch hier wird Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker das für Sie am besten geeignete Vorgehen auswählen.

Pipette mit Tropfen
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Da bei der rheumatoide Arthritis auch psychische Aspekte eine Rolle spielen können, wird Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker auch möglichen seelischen Faktoren Aufmerksamkeit schenken. Einem ganzheitlichen Ansatz entsprechend fließt der Grundsatz vom Menschen als Einheit aus Körper, Seele und Geist in das Behandlungskonzept mit ein.

Alle o. g. therapeutischen Möglichkeiten stehen jedoch nur beispielhaft und keineswegs erschöpfend für die vielen Möglichkeiten, die Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker zur Verfügung stehen. Die Naturheilkunde und die komplementäre Medizin verfügen über verschiedenste Therapieverfahren, die entweder als in sich geschlossene Behandlungssysteme wie z.B. in der Traditionellen Chinesischen Medizin oder als Kombinationen einzelner Verfahren zur Verfügung stehen. In Frage kommen z. B. auch (alphabetisch):

Wenn Sie unter Gelenkentzündungen leiden, sprechen Sie mit Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker – sie nehmen sich für Sie Zeit. Sollten Sie sich besonders für bestimmte Therapien interessieren, hilft Ihnen die die BDH-Therapeutensuche dabei, eine Praxis in Ihrer Nähe zu finden.

Was können Sie selber tun?

Fischmahlzeit
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Bei chronischen Arthritisformen unterstützen Sie die Behandlung aktiv, in dem Sie konsequent die Ihnen empfohlenen physiotherapeutischen Übungen durchführen. Auch Kneipp-Güsse, Trockenbürstungen oder regelmäßige Saunabesuche können einen positiven Effekt haben.

Ebenso wie eine nährstoffreiche, vollwertige Ernährung mit Omega-3-Fettsäuren, bestimmten Nährstoffen und Vitaminen. Tierische Lebensmittel wie Fleisch oder Milch hingegen stehen in Verdacht, Entzündungsprozesse im Körper zu fördern und sollten deshalb eher gemieden werden.

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Bei akuter Arthritis können je nach persönlicher Empfindung Anwendungen von z. B. kalten Kompressen mit Quark wohltuend wirken. Fragen Sie dazu Ihre Heilpraktikerin oder Ihren Heilpraktiker – sie beraten Sie gerne ausführlich!

Helfen kann unter Umständen auch der Kontakt zu anderen Betroffenen, z. B. über den Bundesverband Deutsche Rheuma Liga www.rheuma-liga.de

Autoren und Redaktion
Autorin: Kirsten Buschmann, Heilpraktikerin
Redaktion: Ulrich Sümper, Heilpraktiker

Beratung durch
Anita Sprenger-Witte, Heilpraktikerin
Franz-Claas-Straße 6a
33428 Harsewinkel
Tel. 05247 - 40 64 07

Diese Gesundheitsinformation wurde am 24.09.2019 erstellt und wird regelmäßig aktualisiert.