„Arthrose“

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Ulla ist immer so gerne gewandert, aber in letzter Zeit wird das immer schwieriger. Vor allem in den Bergen merkt sie deutliche Probleme. Das linke Knie macht einfach nicht mehr mit. Dabei ist sie früher jedes Wochenende unterwegs gewesen. Jetzt im Rentenalter hat sie endlich Zeit, schafft das aber einfach nicht mehr. Nach dem "Einlaufen" werden die Schmerzen zwar meistens erst mal besser, aber dann immer schlimmer und das Knie ganz dick. Ob das wohl Verschleißerscheinungen sind?

Was ist Arthrose?

Der Verschleiß des Knorpels an den Gelenken wird als Arthrose bezeichnet und ist die weltweit häufigste Erkrankung der Gelenke. Gesunder Knorpel fungiert wie eine Schutzschicht zwischen den beiden Knochenenden des Gelenks, die verhindert, dass die Knochen aufeinander reiben. Außerdem dient er als „Stoßdämpfer“, der bei Bewegung die Belastung gleichmäßig auf das Gelenk verteilt. Ein Verschleiß des Knorpels kann zu Umbauprozessen im angrenzenden Knochen führen, bei denen die Gelenkfläche nach und nach Schaden nimmt. Eine Arthrose kann längerfristig Schmerzen, Entzündungsschübe, Verdickung, Verformung und Versteifung des Gelenks zur Folge haben.

Davon betroffen sein können alle Gelenke des Körpers, v. a. die, die viel und stark belastet werden (s.u.). Unterschieden werden Monarthrosen (nur ein Gelenk ist betroffen) und Polyarthrosen (mehrere Gelenke sind betroffen).

Zu den ersten Symptomen gehören oft Belastungsschmerzen bei Bewegung (Anlauf- oder Belastungsschmerz) sowie

Häufig tritt die Arthrose am Schultergelenk (Omarthrose) auf, an Hüfte (Koxarthrose), Handgelenk (Radiokarpalgelenk-Arthrose), Daumen (Rhizarthrose), Fingern (Bouchard- bzw.  Heberden-Arthrose), Knie (Gonarthrose) sowie den Füßen (Sprunggelenksarthrose bzw. Hallux rigidus).

Steifigkeitsgefühl und Bewegungsdefizite im betroffenen Gelenk, die zu Anfang auch nur leicht ausgeprägt sein können, im weiteren Verlauf dann aber schon bei leichten Bewegungen und im Ruhezustand auftreten. Arthrose-Symptome können sich auch phasenweise bessern oder verschlimmern. Die Beweglichkeit kann deutlich eingeschränkt sein, was von Betroffenen zusammen mit den Schmerzen häufig als spürbare Minderung der Lebensqualität empfunden wird.

Hinzukommen kann eine Entzündung der Gelenkkapsel (Synovitis), die häufig mit einer Schwellung des Gelenks einhergeht, so dass es dicker aussieht. Bei einem solchen entzündlichen Schub spricht man von einer „aktivierten Arthrose“. An den Händen entwickeln Betroffene teilweise neben Schmerzen, Steifigkeitsgefühl und Kraftlosigkeit auch harte Verdickungen an den Fingergelenken.

Eine Arthrose entwickelt sich schleichend und verursacht im Frühstadium kaum Schmerzen. Diese entwickeln sich erst im fortschreitenden Verlauf. Im belasteten Gelenk können sich Knochenauswüchse zum Druckausgleich bilden (Osteophyten). Dadurch büßt das Gelenk weiter an Beweglichkeit ein, Entzündungen und starke Schmerzen können hinzukommen. Im Spätstadium versteift das Gelenk.

Arthritis oder Arthrose?

Bei einer Arthrose liegt ein chronischer Verschleiß eines oder mehrere Gelenke vor. Bei der Arthritis hingegen ist nicht der Verschleiß, sondern eine Entzündung ursächlich. Es handelt sich also um verschiedene Krankheiten, die sich auch durch die Art der Symptome unterscheiden können: Bei der Arthrose entstehen Probleme bzw. Schmerzen zu Beginn der Bewegung (sogenannter Anlaufschmerz) und bei stärkerer Belastung des betroffenen Gelenks (sogenannter Belastungsschmerz). Symptome der Arthritis sind Beschwerden auch in Ruhe und nachts, außerdem Schwellungen, Wärme und Rötung und z. B. Morgensteifigkeit der betroffenen Gelenke.

Die Morgensteifigkeit der Gelenke kann sich allerdings auch bei der Arthrose finden. Dann hält sie nur kurz an, bis sich die Gelenke "warmgelaufen" haben. Meist fühlt sich das Gelenk nicht länger als eine halbe Stunde steif an. Bei entzündlichen Gelenkerkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis hält die Steifigkeit dagegen oft über Stunden an.

Ursachen

Der Knorpelverschleiß kann unterschiedliche Ursachen haben - Abnutzung, falsche Belastung u. a. Ein wichtiger Faktor ist das Alter. Je älter ein Mensch, desto mehr wurde das Gelenk gebraucht und belastet. Deshalb entwickelt sich eine Arthrose häufig bei Menschen in der 2. Lebenshälfte. Allerdings müssen die Gelenke nicht zwangsläufig in höherem Alter Schaden nehmen. Auch andere Ursachen (siehe nächster Absatz) können eine Rolle spielen.

Wenn der Verschleiß ohne ersichtlichen Grund (idiopathisch) auftritt, wird das "primäre

Arthrose" genannt. Bei der "sekundären Arthrose" liegen dagegen ein oder mehrere Risikofaktoren vor, die den Gelenkschaden fördern. Dazu zählen vor allem Übergewicht, häufige Fehlbelastungen z. B. beim Tragen von Lasten, extreme oder einseitige Belastungen z.B. beim Sport, aber auch zu wenig Bewegung, Fehlstellungen (z.B. X- oder O-Beine), alte, schlecht ausgeheilte (Knochen-)Verletzungen oder verschiedene Vorerkrankungen wie z.B. Typ-2-Diabetes, Osteoporose oder Gicht.

Konventionelle Behandlung

Eine Arthrose ist nicht heilbar, der Schaden an Knorpel und Knochen lässt sich nach derzeitigem Stand nicht rückgängig machen. Wichtig ist es, das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern und die Beschwerden zu lindern. Hier kommen häufig Physiotherapie und Schmerzmittel (z.B. ASS, Ibuprofen oder Diclofenac) sowie Kortison zum Einsatz. Sie sollen die Schmerzen lindern und Entzündungen bekämpfen. Verbreitet ist auch ein Verfahren, bei dem Hyaluronsäure ins Gelenk gespritzt wird. Die Wirksamkeit ist jedoch nicht erwiesen. Bei schweren Verlaufsformen kommen operative Maßnahmen bis hin zum Einsetzen eines Kunstgelenks (z.B. künstliches Knie- oder Hüftgelenk) in Frage.

Je nach Art bzw. Ort der Arthrose gibt es auch orthopädische Hilfsmittel wie Einlagen oder Schienen, die Belastung und Schmerzen reduzieren können.

Was können Heilpraktiker für Sie tun?

Auch Naturheilverfahren oder die komplementäre Medizin können bereits bestehende Gelenkzerstörungen nicht mehr rückgängig machen. Begleitend und unterstützend zur schulmedizinischen Behandlung ist es Ziel, die Beweglichkeit des Gelenks und Ihr persönliches Schmerzempfinden positiv zu beeinflussen.

Dem Verschleiß des Knorpels kann mit dessen möglichst optimaler Versorgung mit Nährstoffen begegnet werden. Dazu bieten sich neben einer entsprechenden Ernährung oftmals Mittel z.B. der orthomolekularen Medizin an. Phytotherapeutisch wird Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker ggf. an den Einsatz von stoffwechselanregenden Heilpflanzen wie Ackerschachtelhalm und Teufelskralle als orale Zubereitung (über den Mund einzunehmen) oder Rosmarinöl hauptsächlich zur äußerlichen Anwendung denken.

Auch Ab- und Ausleitungsverfahren können zum Einsatz kommen. Cantharidenpflaster, Baunscheidtieren, Blutegel oder Schröpfen regen den Lymphfluss an, leiten Entzündungsstoffe aus und regen den Stoffwechsel im Gewebe an. So helfen sie, die Beschwerden in den betroffenen Gelenkbereichen zu lindern.

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Verschleißbedingte Beschwerden können u.U. mit Hilfe neuraltherapeutischer und segmentgezielter Injektionen gelindert werden. Stellt Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker fest, dass ein Ungleichgleichgewicht in der Belastung oder körperlichen Statik mit ursächlich für Ihren Gelenkverschleiß ist, wird er*sie eventuell eine osteopathische oder chiropraktische Behandlung in Betracht ziehen, um die Beweglichkeit des betroffenen Gelenks zu verbessern oder zu erhalten. Das kann z.B. sinnvoll sein, wenn Fehlstellungen der Gelenke, Muskelverkürzungen o.a. die Arthrose verschlimmern und Schmerzen verstärken oder Schonhaltungen an anderen Gelenken zu Problemen führen.

Grundlage der naturheilkundlichen oder komplementären Behandlung ist selbstverständlich immer das Stadium der Erkrankung und der Grad der bereits bestehenden Gelenkdeformation. Deshalb stehen alle o. g. therapeutischen Möglichkeiten nur beispielhaft und keineswegs erschöpfend für die vielen Möglichkeiten, die Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker zur Verfügung stehen. Die verschiedenen Therapieverfahren stehen entweder als in sich geschlossene Behandlungssysteme wie z.B. in der Traditionellen Chinesischen Medizin oder als Kombinationen einzelner Verfahren zur Verfügung. In Frage kommen z.B. ebenso (alphabetisch):

Wenn Sie unter Arthrose leiden, sprechen Sie mit Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker – sie nehmen sich für Sie Zeit. Sollten Sie sich besonders für bestimmte Therapien interessieren, hilft Ihnen die die BDH-Therapeutensuche dabei, eine Praxis in Ihrer Nähe zu finden.

Was können Sie selber tun?

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Bei der sekundären Arthrose (s.o.) ist Vorbeugung das A und O. Vermeiden Sie konsequent beeinflussbare Risikofaktoren - Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker berät Sie dazu gerne.

Für übergewichtige Personen gilt: Reduzieren Sie nach Möglichkeit Ihr Gewicht. Weniger Gewicht bedeutet weniger Belastung z.B. für die Kniegelenke. Unterstützen Sie aktiv den Behandlungsprozess, indem Sie möglichst konsequent die Ihnen empfohlenen physiotherapeutischen Übungen

durchführen. Betroffene neigen dazu, aufgrund des Schmerzes und aus Angst, durch Bewegung den Verschleiß des Gelenks zu fördern, das Gelenk zu schonen. Dadurch entsteht jedoch ein Teufelskreis: Der Knorpel wird schlechter mit Nährstoffen versorgt, verschleißt schneller und eine eingenommene Schonhaltung belastet häufig noch andere Gelenke. Deshalb: Bewegen Sie sich unbedingt weiterhin ausreichend, aber gelenkschonend! Geeignet sind z. B. Schwimmen, Tai Chi, Qi Gong oder Nordic Walking, am besten auf federndem Grund, z.B. auf Waldwegen.

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Auch Wärme- oder Kältereize können die Durchblutung am betroffenen Gelenk verbessern und so Schmerzen lindern. Je nach persönlicher Empfindung können Anwendungen von z.B. kalten Kompressen mit Quark oder warmen Wickeln z.B. mit Ingwer oder zerdrückten, gekochten Kartoffeln wohltuend wirken. Fragen Sie dazu Ihre Heilpraktikerin oder Ihren Heilpraktiker – sie beraten Sie gerne ausführlich!

Helfen kann unter Umständen auch der Kontakt zu anderen Betroffenen, z.B. über den z. B. über den Bundesverband Deutsche Rheuma Liga www.rheuma-liga.de oder die Deutsche Arthrose-Hilfe e. V. https://www.arthrose.de/index.php?id=88

Autoren und Redaktion
Autorin: Kirsten Buschmann, Heilpraktikerin
Redaktion: Ulrich Sümper, Heilpraktiker

Beratung durch
Anita Sprenger-Witte, Heilpraktikerin
Franz-Claas-Straße 6a
33428 Harsewinkel
Tel. 05247 - 40 64 07

Diese Gesundheitsinformation wurde am 24.09.2019 erstellt und wird regelmäßig aktualisiert.