„Diabetes Typ 1"

© Africa Studio - adobestock.com

Die kleine Nele macht ihrer Mutter zunehmend Sorgen: In letzter Zeit ist sie häufig schlapp und lustlos. Gewicht hat sie auch verloren. Und dann immer dieser Durst. Ob Nele wohl krank ist?

Was ist Typ-1-Diabetes?

Der Typ-1-Diabetes (früher auch als insulinabhängiger bzw. jugendlicher Diabetes mellitus bezeichnet) ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die insulin-produzierenden Beta-Zellen der sog. Langerhans-Inseln der Bauchspeicheldrüse durch Autoantikörper zerstört werden. Als Folge produziert der Körper kein Insulin mehr. Es kommt zu einem „absoluten“ Insulinmangel.

Insulin jedoch ist wichtig, um die in der Nahrung enthaltene Glukose (Traubenzucker) in die Zellen aufnehmen zu können. Ohne Insulin verbleibt die Glukose im Blut, der Blutzuckerspiegel steigt, während in den Zellen ein Mangel an Glukose als Energielieferant herrscht. Der Typ-1-Diabetes zeigt sich i.d.R. schon im Kindes-, Jugend- oder jungen Erwachsenenalter, mit Ausnahme des LADA-Diabetes, der sich erst im Erwachsenenalter manifestiert.

Da ab einem Blutzuckerwert von ca. 180mg/dl Glukose (bei Erwachsenen, Wert gilt nicht für Kinder, Schwangere, alte Menschen) auch über die Nieren ausgeschieden wird (Glukosurie), kommt es zu Symptomen wie vermehrtem Wasserlassen (Polyurie) und starkem Durst (Polydipsie). Trotz der hohen Trinkmenge kann sich eine zunehmende Austrocknung des

Körpers (Exsikkose) entwickeln. Obwohl viele Betroffene reichlich essen (oftmals Süßhunger), nehmen sie häufig an Gewicht ab. Hinzukommen können Müdigkeit, Antriebslosigkeit und bei zunehmender Entgleisung des Stoffwechsels Übelkeit, Schwäche, Schwindel bis hin zu Bewusstseinsstörungen und diabetischem Koma (s.u.).

Langfristig führen erhöhte Blutzuckerwerte zu schweren Schädigungen an den kleinen und großen Blutgefäßen (Mikro- und Makroangiopathien) und somit an fast allen Organsystemen. Bei (einem länger bestehenden schlecht eingestellten) Diabetes besteht ein erhöhtes Risiko für Koronare Herzkrankheit, Schlaganfall, Herzinfarkt und periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) sowie für Erkrankungen v.a. der Augen (z.B. diabetische Retinopathie), der Nieren (diabetische Nephropathie) und für die Entwicklung des diabetischen Fußsyndroms. Es entsteht durch ein Zusammenspiel von Schädigungen der Blutgefäße (Angiopathien), der Nerven (diabetischen Neuropathien) und der erhöhten Infektneigung von Diabetikern.

Ursachen

Bei der autoimmun bedingten Zerstörung der Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse spielen genetische Faktoren eine Rolle, mitunter scheint auch ein Zusammenhang mit Virusinfekten (z.B. Masern) zu bestehen, die die fehlgeleitete Immunreaktion in Gang setzen oder

beschleunigen. Häufig finden sich bei den von Typ-1-Diabetes-Betroffenen noch weitere Autoimmunerkrankungen wie Gluten-Unverträglichkeit (Zöliakie) oder die Schilddrüsenerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis.

Diagnose und Behandlung

Die Diagnose erhöhter Blutzuckerwerte erfolgt durch einen einfachen Test des Blutzuckerspiegels im venösen (aus den Venen entnommen) oder kapillären (aus kleinsten Blutgefäßen z.B. der Fingerkuppe entnommenen) Blut oder mit Hilfe eines Urin-Streifen-Schnelltest. Beim Typ-1-Diabetes ist der Blutzuckerspiegel i.d.R. schon in nüchternem Zustand deutlich erhöht. Außerdem sind ggf. bestimmte Antikörper im Blut nachweisbar. Ab einem Blutzucker von 180mg/dl (s.o.) wird Glukose auch über die Nieren ausgeschieden – dann ist Glukose im Urin durch einen Urin-Streifen-Schnelltest nachweisbar.

Menschen mit Typ-1-Diabetes müssen ihr Leben lang Insulin zuführen. Ohne Insulinzufuhr von außen würde es innerhalb kurzer Zeit zu einer schweren Entgleisung des Stoffwechsels kommen. Die daraus folgenden extrem hohen Blutzuckerwerte können zu einem lebensbedrohlichen Notfall, dem diabetischen Koma (hyperglykämischen Koma), führen. Die Insulinzufuhr muss unbedingt exakt und regelmäßig kontrolliert und immer wieder angepasst werden, denn auch eine Insulinüberdosierung kann lebensbedrohliche Folgen haben (hypoglykämischer Schock).

Es gibt verschiedene Arten von Insulin und verschiedene Möglichkeiten der Insulingabe (z.B. Insulin-Pen, Insulin-Pumpe). Da Insulin immer verschreibungspflichtig ist, berät Sie hierzu Ihr behandelnder Arzt.

Den Umgang mit der Erkrankung lernen Typ-1- und Typ-2-Diabetes-Betroffene in Diabetikerschulungen. Inhalt sind z.B. Entstehung die Folgen der Erkrankung, Blutzuckermessung, die richtige Ernährung und Bewegung, der Umgang mit Medikamenten oder Insulin, Haut- und Fußpflege und das frühe Erkennen möglicher Komplikationen z.B. an Füßen oder Augen.

Was können Heilpraktiker für Sie tun?

Für die Behandlung des Typ-1-Diabetes gibt es keine ursächliche Therapie. Dennoch kann Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker Sie begleitend therapeutisch unterstützen. Ein Typ-1-Diabetes verlangt von den Betroffenen beim Umgang mit der Erkrankung ein hohes Maß an Disziplin und Selbstkontrolle. Das kann für Kinder oder junge Erwachsene gerade in der Anfangszeit nach Diagnosestellung eine große Herausforderung und Belastung bedeuten. Da Heilpraktiker den Menschen ganzheitlich als Körper-Seele-Geist-Einheit betrachten, können verschiedene therapeutische Mittel und Verfahren der naturheilkundlichen und komplementären Medizin dabei helfen, den Akzeptanzprozess zu unterstützen, Ängste zu nehmen und den Menschen im Umgang mit der Erkrankung zu stärken.

© WavebreakmediaMicro - fotolia.com

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Therapie bei Diabetes liegt in der Vermeidung bzw. Vorbeugung und ggf. Mitbehandlung von Spätfolgen und Komplikationen. Therapien der Naturheilkunde und komplementären Medizin können z.B. helfen, das Immunsystem zu unterstützen (Diabetes erhöht das Risiko von Infektionen), den Stoffwechsel positiv beeinflussen, Organfunktionen zu stärken und die Durchblutung oder die Wundheilung zu verbessern. Die Auswahl der geeigneten therapeutischen Maßnahmen ist allerdings ein ganz individueller Prozess, die unten genannten Therapieformen stehen hier deshalb nur beispielhaft und keineswegs erschöpfend für die vielen Möglichkeiten, die Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker zur Verfügung stehen.

Zum Einsatz kommen können entweder in sich geschlossene Behandlungssysteme oder Kombinationen einzelner Verfahren untereinander. In Frage kommen z. B. (alphabetisch):

Wenn Sie unter Typ-1-Diabetes leiden, sprechen Sie mit Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker –  sie nehmen sich für Sie Zeit. Sollten Sie sich besonders für bestimmte Therapien interessieren, hilft Ihnen die BDH-Therapeutensuche dabei, eine Praxis in Ihrer Nähe zu finden.

© Syda Productions - Fotolia.com

Was können Sie selber tun?

Der Typ-1-Diabetes verlangt von den Betroffenen eine konsequent disziplinierte Lebensführung. Nur so können lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisungen verhindert werden. Es ist daher zwingend notwendig, dass Sie Ihren Blutzuckerspiegel regelmäßig mehrmals täglich kontrollieren, sich ggf. Insulin verabreichen und nach den in der Diabetikerschulung (s.o.) vermittelten Empfehlungen richten. Dazu zählen bei einem Typ-1-Diabetes neben der streng blutzuckerkontrollierten Diabetes-Diät  auch die Tipps hinsichtlich der Haut- und Fußpflege und dem frühzeitigen Erkennen möglicher Komplikationen z.B. an Füßen oder Augen. Bei Fragen oder Problemen wenden Sie sich umgehend an Heilpraktiker oder behandelnde Ärzte um Spätfolgen vorzubeugen.

Sinnvoll ist auch regelmäßiger Sport - Spazierengehen, Radfahren oder auch Mannschaftssport. Da Bewegung jedoch blutzuckersenkend wirkt, müssen Sie Ihren Blutzuckerspiegel im Blick behalten, um eine „Unterzuckerung“ (Hypoglykämie) unbedingt zu vermeiden. Ungeeignet sind deshalb Sportarten, die „einsam“ ausgeübt werden (alleine im Wald), nicht unterbrochen werden können (z.B. Tauchen) oder mit einer hohen Selbst- oder Fremdgefährdung (z.B. Segelfliegen) einhergehen.

Auch Autofahren ist für Diabetiker, die mit Insulin behandelt werden, schwierig, da die Gefahr einer Unterzuckerung erhöht ist. Das kann im Straßenverkehr sowohl für Sie selbst als auch für andere gefährlich werden. Besprechen Sie deshalb Ihre Verkehrs- und Fahrtauglichkeit unbedingt mit Ihrem behandelnden Arzt.

Weiterführende Adressen zum Thema finden Sie auch verlinkt unter Diabetes mellitus und unter

https://www.diabetesstiftung.de
https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de
https://www.diabetesde.org
https://www.diabetikerbund.de
https://www.bmbf.de/de/deutsches-zentrum-fuer-diabetesforschung-397.html

Autoren und Redaktion
Autorin: Kirsten Buschmann, Heilpraktikerin
Redaktion: Ulrich Sümper, Heilpraktiker

Beratung durch
Anita Sprenger-Witte, Heilpraktikerin
Franz-Claas-Straße 6a
33428 Harsewinkel
Tel. 05247 - 40 64 07

Diese Gesundheitsinformation wurde am 12.02.2021 erstellt und wird regelmäßig aktualisiert.