„Menstruationsschmerzen" (Dysmenorrhoe)

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Jeden Monat das Gleiche – wenn Kerstin ihre Regel hat, geht es ihr richtig schlecht. Krampfartige Schmerzen im Unterleib, richtig heftig, manchmal kann sie kaum aufstehen. Und Kopfschmerzen. Da fällt es ihr schwer, sich zu konzentrieren. Dann helfen ihr nur noch Bettruhe und ein leichtes Wärmekissen auf dem Bauch…

Was sind Menstruationsschmerzen?

Alle (nicht schwangeren, gesunden) Frauen im gebärfähigen Alter haben durchschnittlich alle 25-31 Tage für 3-6 Tage lang Monatsblutungen (auch: Menstruation, Menses, Regel oder „die Tage“), mit einem Blutverlust von ca. 60 ml über diesen Zeitraum. Diese Werte können jedoch individuell sehr unterschiedlich sein.

Vor und während der Menstruation kann es zu verschiedensten Beschwerdebildern kommen. Die häufigsten sind das Prämenstruelle Syndrom (PMS) und die „Dysmenorrhoe“, die gekennzeichnet ist durch ein regelmäßiges Auftreten von Schmerzen unmittelbar vor und während der Menstruation (Regelschmerzen).

Die Symptome können neben krampfartigen Unterleibsschmerzen auch Gereiztheit, depressive Verstimmung, Kopfschmerzen, Kreislaufbeschwerden, Spannungsgefühle in den Brüsten, Verdauungsstörungen, Übelkeit, Erbrechen u.v.m. umfassen. Die Stärke der Beschwerden ist von Frau zu Frau sehr unterschiedlich. Manche Frauen leiden unter so starken Schmerzen, dass sie in ihrem normalen Tagesablauf, ihrem Familien- oder Berufsleben davon deutlich beeinträchtigt, eventuell sogar arbeitsunfähig sind. Zusätzlich können (müssen aber nicht) Blutungsdauer, -stärke und -häufigkeit verändert sein. Auch Zwischen- oder Schmierblutungen sind möglich.

Ursachen

Die Dysmenorrhoe wird in eine primäre und eine sekundäre Form mit unterschiedlichen Ursachen eingeteilt:

Lassen sich keine organischen Ursachen für die Regelschmerzen finden, spricht man von einer primären Dysmenorrhoe. Das Beschwerdebild tritt meistens dann auch bereits mit den ersten Regelblutungen auf und wird sozusagen „durch die Menstruation selbst“ hervorgerufen. Bei der primären Dysmenorrhoe ist nach heutigem Kenntnisstand wahrscheinlich eine gesteigerte Prostaglandinbildung für das Geschehen verantwortlich. Prostaglandine sind körpereigene Schmerzbotenstoffe, die u.a. das Zusammenziehen der Gebärmuttermuskulatur zur Abstoßung der Gebärmutterschleimhaut bewirken. Ein zu hoher Prostaglandinspiegel führt u.U. zu Schmerzen aufgrund einer verstärkten Muskelreaktion und einer damit verbundenen Durchblutungsstörungen der Gebärmutter.

Seelische Belastung und Stress u.a. können die Symptome verstärken. Vor allem junge und sehr schlanke Frauen leiden in den ersten Jahren ihrer Regelblutung unter primärer Dysmenorrhoe, die sich im Laufe der Jahre bessern, aber die Betroffenen auch bis zur Menopause (letzte Menstruation vor dem altersbedingten Ausbleiben) begleiten können.

Bei der deutlich selteneren sekundären Dysmenorrhö treten die Schmerzen erst nach einigen Jahren auf, während die Monatsblutungen vorher schmerzarm oder

schmerzlos waren. Die sekundäre Dysmenorrhoe tritt deshalb meist erst nach dem 25. Lebensjahr auf.

Hier sind die möglichen Ursachen vielfältig und müssen ärztlich geklärt werden. Sie kann ausgelöst werden durch gynäkologische Erkrankungen, häufig durch Endometriose (Ansiedlung von der Gebärmutterschleimhaut ähnelndem Gewebe außerhalb der Gebärmutterhöhle, z.B. an Eierstöcken, Blase, Darm oder Bauchfell), aber auch durch Myome (gutartige Wucherungen in der Muskelschicht der Gebärmutter), Zysten (mit Flüssigkeit gefüllte Blasen), Tumore  u.a. oder möglicherweise auch in Folge des Gebrauchs mechanischer Verhütungsmittel (z.B. Intrauterinpessar („Spirale“) oder Diaphragma). Psychische Belastungen können ebenfalls eine Rolle spielen.

Bitte begeben Sie sich noch am selben Tag in fachärztliche Behandlung, wenn

  • die Beschwerden ungewöhnlich stark und/oder langanhaltend sind
  • starke Schmerzen plötzlich einsetzten oder neu auftreten
  • ständige, anhaltende, ggf. sich verschlimmernde Schmerzen auftreten
  • ein stechender Schmerz besteht, der stärker wird, wenn Sie Ihren Bauch sanft berühren oder Sie sich leicht bewegen
  • Sie Fieber bekommen
  • ein z.B. eitriger Ausfluss aus der Scheide auftritt

Konventionelle Behandlung

Gegen die Schmerzen werden häufig Analgetika (Schmerzmittel) und nichtsteroidale Antirheumatika (die Prostaglandinbildung (s.o.) hemmende Schmerzmittel wie z.B. Ibuprofen) eingesetzt. Acetylsalicylsäure (ASS) kann allerdings die Blutung verstärken. Bei starken Krämpfen helfen u.U. auch krampflösende Medikamente (Spasmolytika).

Hormonelle Verhütungsmittel (Kontrazeptiva; die „Pille“ oder die Hormonspirale) beeinflussen die hormonellen Vorgänge im Körper und damit auch in der Gebärmutter. Sie reduzieren bei manchen Frauen das Schmerzgeschehen während der Menstruation oder die Menstruationsblutung kann – z.B. bei der Hormonspirale oder dem Verhütungsstäbchen – ganz ausbleiben. Bei Frauen ohne Kinderwunsch können sie verordnet werden. Andererseits können Verhütungsmittel wie z.B. die Kupferspirale u.U. Regelschmerzen hervorrufen oder verschlimmern.

Was können Heilpraktiker für Sie tun?

Regelschmerzen können neben körperlichen Ursachen auch auf weitergehende, seelisch bedingte (psychogene, psychosomatische) Auslöser hinweisen. Ganzheitliche Behandlungskonzepte beziehen deshalb körperliche, geistige UND seelische Aspekte der Patientin mit ein. Beschwerden vor oder während der Menstruationsblutung können ein Projektionsfeld für andere, situative oder persönliche Konflikte, negative Erfahrungen in Bezug auf die eigene Weiblichkeit, die Rolle der Frau, Sexualität, Partnerschaft u.v.m. sein. Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker betrachtet deshalb zunächst einfühlsam Ihr ganz persönliches Beschwerdebild und wird dann darauf abgestimmt aus einer Vielzahl von naturheilkundlichen oder komplementärmedizinischen Behandlungsmöglichkeiten wählen.

Ein großes therapeutisches Spektrum bietet z.B. die Phytotherapie. Die genaue Kenntnis der verschiedensten Heilkräuter, ihrer Wirkungen und Wechselwirkungen vorausgesetzt, können z.B. Gänsefingerkraut, Hirtentäschelkraut, Mönchspfeffer, Schafgarbe, Frauenmantel u.v.m. in Form von Tees, Tropfen oder Kapseln von Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker genau auf Ihre Beschwerdebild angepasst verordnet werden.

Auch die Homöopathie bietet sehr viele, sehr unterschiedliche (Einzel-und Komplex-) Mittel, die individuell auf die ganz persönlichen Bedürfnisse und die Konstitution ("Verfassung") der einzelnen Frau abgestimmt werden können. Je nach ausgewähltem Mittel wirken sie z.B. krampflösend, schmerzlindernd, blutungsregulierend, zyklusstabilisierend oder harmonisierend. Auch Mittel der Gemmotherapie können wohl auch entspannend, krampflösend oder regulierend auf das weibliche Hormonsystem oder die Funktion der Eierstöcke wirken,

Diagnostiziert Ihre Heilpraktikerin einen erhöhten Nährstoffbedarf (z.B. an Magnesium, das Krämpfen vorbeugen kann, oder Eisen, das die Blutbildung unterstützt) kann dieser z.B. mit Hilfe der Orthomolekularen Therapie ausgeglichen werden.

Ein weiterer Ansatz, um Regelschmerzen zu lindern, findet sich auch in der Osteopathie oder der Chiropraktik. Verspannungen, z.B. im Rückenbereich, können einerseits die Schmerzen im Unterleib verstärken, andererseits auch durch die Schmerzen hervorgerufen werden. Auch die Akupunktur kann helfen. Die Stimulation bestimmter Punkte mit Hilfe von Nadeln wirkt reflektorisch  und kann erfahrungsgemäß sowohl das Wiederkehren der Schmerzen als auch die Schmerzen im akuten Zustand positiv beeinflussen.

Homöopathische Globuli
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Auch bei sekundärer Dysmenorrhoe bieten die Naturheilkunde und die Komplementärmedizin oftmals differenzierte Möglichkeiten, die zugrundeliegenden Erkrankungen ebenfalls therapeutisch anzugehen.

Alle diese Möglichkeiten stehen hier jedoch nur beispielhaft für die vielen Methoden, die Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker zur Verfügung stehen. Die richtige Auswahl ist ein individueller Prozess, der Zeit, Sorgfalt, Erfahrung und Einfühlungsvermögen benötigt. Über die hier bereits genannten Verfahren bieten die Naturheilkunde und die komplementäre Medizin weitere an, die auch in Kombination miteinander hilfreich sein können, häufig z. B.:

Wenn Sie unter Regelschmerzen leiden, sprechen Sie vertrauensvoll mit Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker –  sie beraten Sie gerne. Sollten Sie sich besonders für bestimmte Therapien interessieren, hilft Ihnen die BDH-Therapeutensuche dabei, eine Praxis in Ihrer Nähe zu finden.

Was können Sie selber tun?

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In sehr vielen Fällen werden Wärmeanwendungen, z.B. eine Wärmflasche oder ein Körnerkissen auf dem Unterleib oder am unteren Rücken, als sehr wohltuend empfunden. Wärme entspannt den Körper und wirkt krampflösend. Auch warme Füße sind wichtig, da kalte Füße reflektorisch die Durchblutung des Unterleibs vermindern. Bei kalten Füßen hilft z.B. ein ansteigendes Fußbad, dessen Temperatur von ca. 33 °C auf max. 42°C  in ca. 15 Minuten ansteigen sollte.

Versuchen Sie auch, besonders während Ihrer Menstruation, auf sich und Ihre Bedürfnisse zu achten und möglichst keine sehr wichtigen und anstrengenden Termine auf diese Tage zu legen.

Gönnen Sie sich soweit es geht Ruhe und sorgen Sie für ausreichend Schlaf. Und tun Sie möglichst, was Ihnen gut tut – das kann ein Bad sein, eine sanfte Massage, aber auch ein Spaziergang, Yoga oder Pilates. Bewegung lockert die Muskulatur, wirkt krampflösend und entspannend.

Bei starken Regelschmerzen ist das manchmal allerdings nicht möglich und sportliche Aktivitäten sollten auf die beschwerdefreie Zeit verlegt werden. Frauen, die regelmäßig Sport treiben, leiden seltener an Dysmenorrhoe und PMS. Positiv kann sich auch das Erlernen und Anwenden von Entspannungstechniken, Tai Chi oder Chi Gong  auswirken.

Mann lehnt das Angebot einer Zigarette ab
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Darüber hinaus kann es sinnvoll sein, auf die Ernährung zu achten und ggf. das Gewicht zu regulieren, da Zyklusstörungen sowohl bei unter- als auch übergewichtigen Frauen häufiger auftreten. Sehr oft ist eine salzreduzierte, entblähende und entwässernde Kost empfehlenswert. So lassen sich mit der Menstruation einhergehende Wassereinlagerungen oder Blähungen günstig beeinflussen. In einigen Fällen kann auch der Verzicht auf Alkohol, Nikotin, Kaffee, schwarzen oder grünen Tee und Mate (stattdessen z.B. Kräutertees oder stilles Wasser) hilfreich sein. Zu weiteren ernährungstherapeutischen Maßnahmen informieren Sie auch Heilpraktiker gerne.

Autoren und Redaktion
Autorin: Kirsten Buschmann, Heilpraktikerin
Redaktion: Ulrich Sümper, Heilpraktiker

Beratung durch
Anita Sprenger-Witte, Heilpraktikerin
Franz-Claas-Straße 6a
33428 Harsewinkel
Tel. 05247 - 40 64 07

Diese Gesundheitsinformation wurde am 15.09.2021 erstellt und wird regelmäßig aktualisiert.