„Kinderwunsch, unerfüllter“

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Eigentlich wäre jetzt genau der richtige Zeitpunkt, um eine Familie zu gründen. Zunächst hatten sich Julia und Mirco noch Zeit gelassen, schließlich sollte für das Baby alles perfekt sein, die Familie finanziell abgesichert, eine Wohnung mit genügend Platz, Garten und eigenem Kinderzimmer. Aber jetzt wird sie einfach nicht schwanger. Woran kann das liegen? Sie sind doch beide gesund und im besten Alter. So allmählich stellt sich Ihnen die Frage: "Wieso klappt es bei anderen, nur bei uns nicht?"

Was bedeutet "unerfüllter Kinderwunsch"?

Manche Paare brauchen Geduld, bis sich mit der Schwangerschaft erstmals ein Baby ankündigt oder eine erneute Schwangerschaft ein Geschwisterchen bringt. Dabei sollte jedoch nicht vergessen werden, dass es auch bei einem gesunden Paar mit häufigem Geschlechtsverkehr durchschnittlich vier Monate bis zur Empfängnis dauert. Bei Frauen über 30 Jahren sogar sechs Monate.

Ab etwa 35 Jahren sinkt bei Frauen die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden weiter ab. Die Chance, ein gesundes Kind zur Welt zu bringen, ist mit 35 Jahren nur halb so hoch wie mit 25 und fällt danach sehr schnell weiter ab. Dennoch können Frauen theoretisch bis zur Menopause (der letzten Monatsblutung) schwanger werden.

Zwar sind Männer potentiell bis ins hohe Alter hinein fruchtbar, jenseits des 30. Lebensjahrs geht jedoch auch ihre Fruchtbarkeit schrittweise zurück. Kündigt sich nach einem Jahr oder länger mit regelmäßigem, ungeschütztem Geschlechtsverkehr noch immer kein Kind an, könnte eine Fruchtbarkeitsstörung vorliegen. In solchen Fällen ist es sinnvoll, mit der Hilfe einer Ärztin oder eines Arztes nach den Ursachen für die ausbleibende Schwangerschaft zu suchen.

Entscheidend für die Befruchtung der Eizelle ist die Zeit um den Eisprung herum (neben dem Heranreifen einer Eizelle, dem Stattfinden eines Eisprungs, den Spermien, der Hormonsituation etc.) Wann der stattfindet ist individuell leicht unterschiedlich und abhängig von der Länge des Menstruationszyklus. Beträgt dieser z. B. 28 Tage findet der Eisprung ungefähr um den 14. Tag nach Beginn der letzten Monatsblutung statt. Ab diesem Moment kann die Eizelle etwa 24 Stunden befruchtet werden. Ein gesunder Lebensstil (s. u.) beider Partner kann die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, erhöhen.

In Deutschland bleibt ca. jedes 7. Paar ungewollt kinderlos. Die Ursachen dafür sind vielfältig (s.u.) und liegen zu je einem Drittel bei der Frau, dem Mann oder beiden Partnern. Es kann aber auch sein, dass sich keine Ursache finden lässt. Bei der Frau werden Sterilität (die Frau kann nicht schwanger werden) und Infertilität (die Frau kann das Kind nicht austragen) unterschieden. Beim Mann wird nur der Begriff Sterilität verwendet. Unterschieden wird auch, ob die Frau noch niemals zuvor schwanger war (primäre Sterilität) oder bereits mindestens eine Schwangerschaft vorausgegangen ist  (sekundäre Sterilität).

Ursachen

Mögliche körperliche Ursachen für Sterilität/Infertilität (Definition s.o.) bei der Frau (alphabetisch):

  • Chlamydieninfektion, unbehandelt
  • Diabetes und Infektionskrankheiten
  • Endometriose (gutartige, meist schmerzhafte Wucherungen von Gewebe der Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter)
  • Essstörungen mit extremem Unter- oder Übergewicht
  • Hormonelle Störungen (z. B. Gelbkörperschwäche)
  • Myome (gutartige Tumore in der Gebärmutter)
  • Störungen der Eierstockfunktionen
  • Störung der Eireifung und/oder der Gelbkörperphase (z. B. Polyzystische Ovarien (PCO), hormonelle Störungen
  • Störung des Eitransportes im Eileiter (z. B. durch Fehlbildungen oder Verwachsungen, Infektionen, Entzündungen, Endometriose, vorangegangenen Eileiterschwangerschaften u. a.)
  • Störungen an der Gebärmutter (z.B. Entzündungen/Infektionen, Myome, Endometriose, Fehlbildungen, Vernarbungen u.a.)
  • andere Ursachen

Mögliche körperliche Ursachen für Sterilität beim Mann (alphabetisch):

  • Anatomische Probleme (z.B. Samenleiterverschluss)
  • Chromosomenstörungen
  • Frühere Infektionen (z.B. Mumps)
  • Hormonstörungen
  • Störungen der Samenzellbildung (z.B. durch erblich bedingte Fehlanlagen, Hormonstörungen, akute Infektionen, frühere Mumpsinfektion, nicht rechtzeitig korrigierten Hodenhochstand im Kindesalter, Krampfadern im Hodensack, Verletzungen der Hoden, Durchblutungsstörungen, Umweltgifte u. a.)
  • Störungen des Transportes der Spermien (z.B. durch Samenleiterverschluss bei/nach Infektionen, Operationen u. a.)
  • andere Ursachen

Einige Ursachen für die ungewollte Kinderlosigkeit betreffen Frauen und Männer gleichermaßen. Mögliche Ursachen können z.B. Entzündungen der Fortpflanzungsorgane, Tumorerkrankungen, Diabetes mellitus, bestimmte Medikamente, Rauchen, Alkohol, Drogen, ungesunde Lebensweise oder auch seelische Aspekte sein: Die durch den unerfüllten Kinderwunsch entstehenden Konflikte können die Fruchtbarkeit beeinflussen und so einen Teufelskreis entstehen lassen.

Konventionelle Behandlung

Ungefähr der Hälfte aller ungewollt kinderlosen Paare helfen Sterilitätsbehandlungen dabei, ihren Wunsch nach einem Kind zu erfüllen. Zunächst müssen die möglichen Ursachen der Unfruchtbarkeit bei beiden Partnern Schritt für Schritt abgeklärt werden. Dabei wird z. B. festgestellt, ob ein Eisprung stattfindet oder die Durchgängigkeit der Eileiter oder die Spermienqualität werden geprüft. Bei der Therapieentscheidung sollten neben der Ursache für die Unfruchtbarkeit auch die mit dem jeweiligen Verfahren einhergehenden Risiken, Belastungen und Erfolgsaussichten berücksichtigt werden.

In Frage kommen können z. B. die Zufuhr fehlender Hormone, mikrochirurgische Eingriffe bei Verklebungen des Eileiters, die In-Vitro-Fertilisation (IVF) bzw. intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI), Befruchtung außerhalb des Körpers („Reagenzglasbefruchtung“) oder das künstliche Einbringen von Sperma in die Gebärmutter (artifizielle/intrauterine Insemination) und andere Verfahren.

Die meisten Behandlungsmethoden greifen tief in den weiblichen Körper ein, auch wenn die Ursache der Fruchtbarkeitsstörung beim Mann liegt. Deshalb ist es wichtig, dass sich beide Partner über die Behandlung informieren und sich gemeinsam entscheiden.

Zuschüsse zu den Kosten der Kinderwunschbehandlungen werden nur unter gewissen Voraussetzungen von den gesetzlichen Krankenkassen gewährt. Informationen dazu finden Sie unter www.informationsportal-kinderwunsch.de.

Was können Heilpraktiker für Sie tun?

Ein unerfüllter Kinderwunsch kann seinen Ursprung in einer ganzen Reihe von Ursachen haben, häufig ist eine Kombination mehrerer Faktoren, körperlicher und seelischer. Eine Therapie, die sich umfassend und ganzheitlich der Situation widmet, verspricht deshalb langfristig den größten Erfolg.

Häufig unterschätzt wird die Wichtigkeit eines gesunden Lebensstils. Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker können Sie z.B. dabei unterstützen, mit dem Rauchen aufzuhören oder mögliches Übergewicht zu reduzieren. Außerdem sind das Warten und Hoffen, die benötigte Geduld und mögliche wiederholte Enttäuschungen sowie die Erwartungen und Reaktionen von Außenstehenden für viele Paare psychisch stark belastend. Auch diese individuellen Probleme finden in der naturheilkundlichen Praxis Beachtung und werden im Sinne einer ganzheitlichen Ausrichtung in das Behandlungskonzept integriert.

Auf körperlicher Ebene können verschiedene Verfahren (z.B. Ab- und Ausleitungsverfahren, Fußreflexzonentherapie (u.a.) zu einer Entgiftung des Körpers und Verbesserung des Stoffwechsels beitragen. Sehr häufig müssen auch Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente ergänzt werden. Die Phytotherapie kennt zahlreiche Pflanzen mit Wirkstoffen, die auf den menschlichen Hormonstoffwechsel eine ähnlich regulierende Wirkung ausüben wie körpereigene Hormone. Zu den wichtigsten Pflanzen mit solchen Wirkungen zählen Mönchspfeffer, Soya, Yams-Wurzel u.v.a. Unabdingbar für ihren Einsatz ist allerdings eine vorausgehende individuelle Diagnostik! Deshalb nimmt sich Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker ganz besonders viel Zeit, um in einem intensiven, persönlichen Gespräch und mittels weiterer Diagnostik (Blutentnahmen, Hormonbestimmungen etc.) mit Ihnen und Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin gemeinsam mögliche Gründe für das Ausbleiben der Schwangerschaft und die „richtige“ Behandlungsform zu finden.

Alle o. g. Behandlungsformen stehen jedoch nur beispielhaft für die vielen Möglichkeiten, die Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker zur Verfügung stehen.  Im Sinne ihres ganzheitlichen Ansatzes verstehen sie den Menschen als Einheit von Körper, Geist und Seele. Alle Teile sind miteinander verbunden, stehen miteinander in Kommunikation und wollen im Sinne einer umfassenden Behandlung gesehen werden, um die besten Voraussetzungen für die Verwirklichung Ihres Kinderwunsches zu schaffen.

Die Naturheilkunde und die komplementäre Medizin bieten dazu viele Möglichkeiten. Verschiedene Therapieverfahren können entweder als in sich geschlossene Behandlungssysteme wie z. B. in der Traditionellen Chinesischen Medizin zum Einsatz kommen oder als Kombinationen einzelner Verfahren untereinander.

Zur Verfügung stehen verschiedene Therapiekonzepte (alphabetisch), häufig z. B.:

Wenn sich Ihr Kinderwunsch noch nicht erfüllt hat, sprechen Sie vertrauensvoll mit Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker – sie nehmen sich gerne für Sie Zeit. Sollten Sie sich besonders für bestimmte Therapien interessieren, hilft Ihnen die BDH-Therapeutensuche dabei, eine Praxis in Ihrer Nähe zu finden.

Was können Sie selber tun?

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So schwer es auch sein mag: Versuchen Sie, den Druck aus der Situation zu nehmen und diese als Paar gemeinsam zu meistern. Rauchen Sie nicht, meiden Sie Alkohol, reduzieren Sie mögliches Übergewicht (beide Partner!), ernähren Sie sich vitamin- und mineralstoffreich. Bewegung an der frischen Luft kann ebenfalls positive Effekte haben und wirkt zudem stressabbauend. Denken Sie auch über mögliche seelische Ursachen Ihrer Kinderlosigkeit – auch miteinander - nach: Sind Sie im Job über- oder unterfordert? Plagen Sie Geldsorgen oder andere Ängste? Sind Sie glücklich in Ihren Beziehungen? Was bedeutet ein Kind für Sie und wäre Ihre Partnerschaft auch ohne ein gemeinsames Kind lebenswert?

Um innere Spannungen abzubauen, ist das Erlernen von Entspannungstechniken wie Autogenem Training, Progressiver Muskelentspannung nach Jacobsen oder von Atemübungen, Yoga, Qi Gong oder Tai Qi hilfreich.

Harmonisierend auf das Nervensystem wirken auch, je nach persönlicher Vorliebe, Malen, Musizieren, Singen, Tanzen u.v.m. Versuchen Sie, möglichst viele Dinge mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin gemeinsam zu erleben, um sich neben dem Wunsch nach einem Kind noch andere gemeinsame und verbindende schöne Ziele zu schaffen.

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Wenn Sie sehr stark unter Ihrem unerfüllten Kinderwunsch leiden, kann eine Ehe- oder Paarberatung Hilfestellung leisten. Im therapeutischen Gespräch können das oft von beiden Partnern unterschiedliche Erleben und Umgehen mit der Kinderlosigkeit oder mit Erwartungen und Enttäuschungen thematisiert werden.

Hilfreich ist evtl. auch der Kontakt zu anderen Betroffenen, z. B. innerhalb der zahlreichen Selbsthilfegruppen, Adressen finden Sie z. B. im Internet.

Autoren und Redaktion
Autorin: Kirsten Buschmann, Heilpraktikerin
Redaktion: Ulrich Sümper, Heilpraktiker

Beratung durch
Anita Sprenger-Witte, Heilpraktikerin
Franz-Claas-Straße 6a
33428 Harsewinkel
Tel. 05247 - 40 64 07

Diese Gesundheitsinformation wurde am 28.04.2020 erstellt und wird regelmäßig aktualisiert.