„Lactose-Unverträglichkeit" (Lactose-Intoleranz)

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Mit Freundinnen im Café sitzen und bei einem großen Latte Macchiato quatschen und lachen. Was gibt es Schöneres? Aber seit einiger Zeit hat Karen das Gefühl, dass sie den Kaffee nicht mehr verträgt. Immer wieder Magengrummeln und Blähungen. Oder ob das an der vielen Milch in ihrem Lieblingskaffee liegt?

Was ist eine Laktose-Unverträglichkeit?

Die Laktose-Unverträglichkeit wird ebenso wie die Milch-Allergie manchmal umgangssprachlich als Laktose-Intoleranz bezeichnet. Die beiden Erkrankungen sind aber völlig unterschiedlich.

Bei der Laktose-Unverträglichkeit vertragen Betroffene einen Bestandteil der Milch, die Laktose (Milchzucker), nicht. Anders als bei der Milch-Allergie, bei der das Immunsystem Antikörper gegen Milcheiweiße bildet, wird die Laktose-Unverträglichkeit durch einen Enzymmangel hervorgerufen und anders als bei

der Milch-Allergie kann manchmal sogar eine begrenzte Menge an Milch oder Milchprodukten ohne Beschwerden konsumiert werden. Treten Beschwerden nach dem Verzehr laktosehaltiger Lebensmittel auf, sind das z. B. (alphabetisch):

  • Bauchschmerzen
  • Blähungen
  • Durchfall
  • Übelkeit
  • Völlegefühl
  • u.a.

Ursachen

Ursache für die Laktose-Unverträglichkeit ist die unzureichende Produktion oder das Fehlen des Verdauungsenzyms Laktase. Laktase wird benötigt, um im Dünndarm Milchzucker in seine Einzelbestandteile Glukose und Galaktose spalten zu können. Nur so aufgespalten kann der Milchzucker (Laktose) ins Blut aufgenommen werden. Andernfalls dient der ungespaltene Milchzucker zahlreichen Bakterien im Darm als „Nahrung“. Sie verstoffwechseln den Zucker, es entstehen Säuren und Gase, die zu Blähungen führen und die Darmtätigkeit anregen, was zu den o.g. Beschwerden führen kann.

Wie schwer eine Laktose-Unverträglichkeit bzw. die auftretenden Symptome sind, ist individuell unterschiedlich und hängt u.a. vor allem auch davon ab, ob das laktosespaltende (milchzuckerspaltende) Enzym Laktase noch in Restmengen vorhanden ist oder gar nicht mehr produziert wird.

Es gibt verschiedene Formen des Laktasemangels:

  • Der primäre adulte Laktasemangel (primäre adulte Hypolactasie)
    ist genetisch bedingt und weltweit der am häufigsten auftretende Enzymdefekt. Dabei nimmt die Menge der produzierten Laktase im Laufe des Lebens kontinuierlich
  • ab. Deshalb treten Symptome häufig auch erst im Erwachsenenalter auf. In Deutschland sollen ca. 15-20% der Bevölkerung betroffen sein.
  • Der primäre kongenitale (angeborene) Laktasemangel (Alactasie)
    ist eine sehr seltene, von Geburt an bestehende Form des (totalen) Laktasemangels, die auf einem vererbten Enzymdefekt beruht. Betroffene müssen sich lebenslang laktosefrei ernähren.
  • Der vorübergehende Laktasemangel der erworbenen (sekundären) Lactose-Unverträglichkeit (Sekundäre Lactosemaldigestion)
    bei der der Laktasemangel nicht genetisch bedingt, sondern Folge einer (vorübergehenden) Schädigung der Dünndarmschleimhaut ist. Letzteres kann durch Erkrankungen wie z.B. Morbus Crohn oder Zöliakie, aber auch durch Chemotherapie, Medikamente u.a. entstehen. Da die Dünndarmschleimhaut die Laktase produziert, bildet sich der durch die Schädigung entstandene Laktasemangel mit erfolgreicher Behandlung der Grundkrankheit (bzw. des Auslösefaktors) und mit Regeneration der Dünndarmschleimhaut wieder zurück.

Diagnose und Abgrenzung

Wer auf den Verzehr von Milch oder Milchprodukten mit Beschwerden reagiert, könnte auch ein anderes gesundheitliches Problem als eine Laktose-Unverträglichkeit haben. Deshalb sollte die Ernährung nicht nur „auf Verdacht“ längerfristig umgestellt werden. Vor allem bei Kindern, Jugendlichen und Personen mit erhöhtem Kalziumbedarf kann Milch zur Deckung des Kalziumbedarfs dienen.

Bei Verdacht auf eine Laktose-Unverträglichkeit kann ein Atemtest oder ein oraler Milchzuckerbelastungstest durchgeführt werden, bei dem der Anstieg des Wasserstoff-Gehalts in der Atemluft bzw. des Blutzuckers Aufschluss über das Vorhandensein eines Laktase-Mangels gibt. Genetische Tests zum Nachweis/Ausschluss eines primären Laktasemangels stehen ebenfalls zur Verfügung. Die Dauer einer laktosefreien Ernährung hängt mit der Form der zu Grunde liegenden Laktose-Unverträglichkeit zusammen (s. o.) und kann sowohl zeitlich begrenzt als auch lebenslang sein.

Des Weiteren sollte die Diagnostik auch anderer Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten erfolgen, da die Lactoseunverträglichkeit nicht selten z.B. mit einer ebenfalls bestehenden Fructose-Malabsorption einhergeht.

Was können Heilpraktiker für Sie tun?

Bei einer Laktose-Unverträglichkeit muss immer zwischen der genetisch bedingten primären und einer sekundär erworbenen Form unterschieden werden, da dies für die Therapie entscheidend ist. Obwohl ein primärer Laktasemangel (s.o.) genetisch bedingt ist, ist es trotz der Erkrankungen mit einer entsprechenden Ernährung möglich, (relativ) beschwerdefrei zu leben. Beim sekundären Laktasemangel ist es wichtig, die genaue Ursache herauszufinden und zu behandeln bzw. zu berücksichtigen.

Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker kann Sie hinsichtlich eines individuell angepassten Ernährungsplans beraten und Sie dank einer ganzheitlichen Betrachtungsweise umfassend unterstützen, ggf. auch bei der Therapie der Grundkrankheit (z.B. M. Crohn). Wird eine Darmdysbiose (Ungleichgewicht der Darmflora) festgestellt, kann über den Einsatz von Präparaten der Mikrobiologischen Therapie nachgedacht werden. Hier werden je nach Notwendigkeit und entsprechender Vorbereitung des Darms u.a. bestimmte Mikroorganismen, ihre Bestandteile oder Stoffwechselprodukte therapeutisch eingesetzt, um das gesunde bakterielle Gleichgewicht im Darm wieder herzustellen.

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Je nach Befund und Krankenvorgeschichte können Mittel der Homöopathie, Spagyrik oder Phytotherapie darüber hinaus die Regeneration der Darmschleimhaut unterstützen, allgemein ausgleichend auf den Magen-Darm-Trakt wirken und parallel zur (eingeschränkt) laktosefreien Diät die Symptome lindern. Unterstützend kann auch mit der Colon-Hydro-Therapie der Darm von eventuellen Schad- und Schlackenstoffen befreit werden.

Alle diese Möglichkeiten stehen hier jedoch nur beispielhaft für die vielen Methoden, die Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker zur Verfügung stehen. Über die bereits genannten Verfahren hinaus bieten die Naturheilkunde und die komplementäre Medizin weitere an, die auch in Kombination miteinander hilfreich sein können. So z. B. (alphabetisch):

Wenn Sie unter einer Lactose-Unverträglichkeit leiden oder es vermuten, sprechen Sie mit Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker –  sie beraten Sie gerne. Sollten Sie sich besonders für bestimmte Therapien interessieren, hilft Ihnen die BDH-Therapeutensuche dabei, eine Praxis in Ihrer Nähe zu finden.

Was können Sie selber tun?

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Bei einer schweren Laktose-Unverträglichkeit müssen alle Lebensmittel, die von Natur aus oder durch Zusätze Laktose enthalten, gemieden werden. Bei den meisten Patienten ist eine Restaktivität des Enzyms vorhanden, so dass individuell ermittelt werden muss, wie viel Laktose vertragen wird. Der Laktosegehalt z.B. von Käse ist abhängig vom Herstellungsprozess. Hartkäse, Schnittkäse, halbfester Schnittkäse, Sauermilch- und Weichkäse weisen meistens einen geringen Laktosegehalt auf und können von vielen Betroffenen beschwerdefrei verzehrt werden. Von Natur aus laktosefrei und i. d. R.

problemlos zu vertragen sind Lebensmittel wie Eier, Fisch, Fleisch, Gemüse, Getreide u.v.m.

Neben Milch- und Milchprodukten kann Laktose auch „versteckt“ in Brot, Fertiggerichten, Kuchen, Medikamenten, Süßigkeiten vorkommen. Fragen Sie im Zweifelsfall nach und achten Sie beiverpackter Ware in der Zutatenliste auf Bezeichnungen wie Laktose, Milchzucker, Milchpulver, Molkepulver, Magermilchpulver, Molke oder -erzeugnisse. Mittlerweile gibt es im Lebensmittelhandel laktosefreie Milch und eine Vielzahl ihrer Produkte.

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Bei einer leichten Laktose-Unverträglichkeit werden gesäuerte Milchprodukte (z.B. Joghurt, saure Sahne) oftmals noch gut vertragen. Für „Ausnahmesituationen“ wie Feierlichkeiten oder auf Reisen können Heilpraktiker auch Laktase-Tabletten verordnen. Als „Diät-Ersatz“ ist eine Tabletteneinnahme jedoch nicht empfehlenswert.

Autoren und Redaktion
Autorin: Kirsten Buschmann, Heilpraktikerin
Redaktion: Ulrich Sümper, Heilpraktiker

Beratung durch
Anita Sprenger-Witte, Heilpraktikerin
Franz-Claas-Straße 6a
33428 Harsewinkel
Tel. 05247 - 40 64 07

Diese Gesundheitsinformation wurde am 18.09.2020 erstellt und wird regelmäßig aktualisiert.