„Reizblase“

© Siam - AdobeStock.com

Wo um Himmels Willen ist die nächste Toilette? Hier in der Stadt kann man richtig in Not geraten! Um genau das zu vermeiden ist Elke extra zu Hause sogar zweimal direkt hintereinander auf die Toilette gegangen. Um sicherzugehen, dass ihre Blase auch wirklich ganz leer ist. Sind zwar nur noch Tropfen gekommen, aber jetzt ist es schon wieder so was von dringend. Wohin nur? Ins nächste Café? Die gucken dann immer so komisch. Aber das muss jetzt egal sein, nicht mehr auszuhalten. Nicht mehr aufzuhalten. Nur schnell…

Was ist eine Reizblase?

Wer von ständigem, oft überfallsartigem Harndrang geplagt wird, dann aber nur geringe Harnmengen ausscheiden kann, leidet womöglich unter einer Reizblase. Bei einer Reizblase (hyperaktive bzw. überaktive Blase) ist die normale Funktion der Harnblase gestört, sie reagiert überaktiv. Menschen mit Reizblase verspüren wesentlich öfter Harndrang, als körperlich nötig wäre, bis hin zu unkontrolliertem Harnverlust. Betroffen sind v. a. Frauen zwischen 30 und 50 Jahren.

Die Reizblase kann mit einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität einhergehen, die Belastung für die Betroffenen ist hoch. Viele schweigen aus Scham, trauen sich nicht mehr

aus dem Haus, weil sie befürchten, nicht rechtzeitig eine Toilette zu finden oder denken, die Reizblase sei eine normale Alterserscheinung, mit der sie leben müssten.

Dabei gibt es Möglichkeiten der individuellen Therapie – je eher, desto besser. Denn: Die häufigen Toilettengänge führen dazu, dass die Blase „normale“ Harnmengen mit der Zeit nicht mehr aufnehmen kann. Sie schrumpft und reagiert dann bei immer kleineren Harnmengen mit Harndrang. Ein Teufelskreis, denn dann muss man nur noch häufiger zur Toilette. Gute Gründe also, eventuelle Bedenken zu überwinden und sich vertrauensvoll an Ihre Heilpraktikerin oder Ihren Heilpraktiker zu wenden.

Ursachen

Von einer Reizblase sind sehr häufig Frauen im mittleren Alter betroffen. Eine organische Ursache kann meist nicht gefunden werden. Es gibt aber eine Anzahl begünstigender Faktoren: Bei Frauen z.B. wechseljahresbedingter Östrogenmangel eine Gebärmutter- oder Scheidensenkung oder infolge häufig wiederkehrender Blasenentzündungen, bei Männern z.B. eine gutartige Prostatavergrößerung oder auch nach Prostata-Operationen.

Auch wer an Typ 2-Diabetes, Parkinson oder Multipler Sklerose leidet oder einen Schlaganfall hatte, kann durch die schlechter funktionierende

Nervenreizleitung unter verfrühtem Harndrang leiden.

Ebenso kommen Blasensteine, Medikamente und Tumoren als Auslöser in Betracht. (Bei diesen Grunderkrankungen wäre die Bezeichnung aber nicht Reizblase, da diese ja keine organische Ursache hat).

Außerdem begünstigen Kaffee, Tee, kohlensäurehaltiges Wasser, Alkohol und Chili sowie Rauchen eine Reizblase. Nicht vergessen werden darf vor allem auch die psychische Komponente – Stress oder Konflikte jeglicher Art begünstigen das Ganze zusätzlich.

Konventionelle Behandlung

In der Regel wird zunächst versucht, organisch bedingte Ursachen für die Reizblase zu finden. Kann die auslösende Grunderkrankung behandelt werden, verschwindet i. d. R. auch das Folgesymptom Reizblase. Leider liegen jedoch nur in den wenigsten Fällen organisch behandelbare Ursachen vor, so dass es keine einheitliche Reizblasen-Therapie gibt. Je nach individuellen Voraussetzungen und persönlichem Beschwerdebild kann die Reizblase mit Blasentraining, medikamentös, psychologisch und ggf. auch chirurgisch und mit anderen Verfahren behandelt werden. Die Therapie gestaltet sich jedoch oft langwierig und fordert Geduld.

Was können Heilpraktiker für Sie tun?

Ganz wichtig bei der Behandlung der Reizblase ist ein offenes und vertrauensvolles  Gespräch. Nur so können die ganz individuellen Aspekte der Erkrankung und die vielen Faktoren, die zu einer Reizblase führen können, in ausreichendem Maße berücksichtigt werden, Erwartungen realistisch formuliert und Enttäuschungen vorgebeugt werden. Oft sind nach einer jahrelangen Leidensgeschichte Verständnis und Geduld gefragt.

Die Naturheilkunde und die komplementäre Medizin kennen einige Verfahren, die eine Reizblasensymptomatik langfristig positiv beeinflussen können. Dabei können verschiedene Diagnose- und Therapieverfahren zum Einsatz kommen. Aus ganzheitlicher Sicht werden im vertrauensvollen Gespräch nicht nur Symptome und Krankheitsverlauf erörtert, sondern auch mögliche Auslöser, Vorerkrankungen, Ihre persönliche Lebenssituation, psychische und Stressbelastungen, Ihr familiäres und berufliches Umfeld etc. Wenn keine zu diagnostizierende organische Ursache vorliegt, ist in der ganzheitlichen Denkweise die Reizblase kein „isoliertes Geschehen“, sondern häufig das Ergebnis mehrerer Ursachen und evtl. Zeichen eines gestörten Gleichgewichts verschiedener Körperfunktionen. Alle auslösenden Faktoren wollen gefunden und wahrgenommen werden. Linderung oder Heilung sind ein Weg, den Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker mit Ihnen gemeinsam versuchen werden, zu gehen.

© WavebreakmediaMicro - fotolia.com

Für diesen bieten die Naturheilkunde und die komplementäre Medizin diverse Verfahren an, die auch in Kombination miteinander hilfreich sein können. Ziel aller Therapien ist v. a. die Verbesserung der Lebensqualität, um Zuversicht und Lebensfreude (wieder) zu stärken. Die verschiedenen Therapieverfahren stehen entweder als in sich geschlossene Behandlungssysteme wie z.B. in der Traditionellen Chinesischen Medizin oder als Kombinationen einzelner Verfahren zur Verfügung. In Frage kommen z.B.  (alphabetisch):

Wenn Sie unter einer Reizblase leiden, warten Sie nicht länger, sondern sprechen Sie vertrauensvoll mit Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker – sie beraten Sie gerne. Sollten Sie sich besonders für bestimmte Therapien interessieren, hilft Ihnen die BDH-Therapeutensuche dabei, eine Praxis in Ihrer Nähe zu finden.

Was können Sie selber tun?

© weixx - AdobeStock.com

Zunächst ist es wichtig, mögliche körperliche Ursachen abklären zu lassen. Wenn keine körperlichen Ursachen für Ihre Beschwerden gefunden werden konnten – lassen Sie sich nicht entmutigen! Im Gegenteil: Sie sind körperlich gesund. Diese Einsicht kann helfen, denn die Behandlung einer Reizblase kann langwierig sein und erfordert leider oftmals Geduld. Aber es gibt viele Möglichkeiten, die den Leidensdruck verringern können.

Blasentraining und Beckenbodengymnastik sollen dabei helfen, die Intervalle zwischen den Toilettengängen zu verlängern. Bei sehr häufigem und starkem Harndrang kann geübt werden, den Urin bewusst zurückzuhalten. So wird das eigene Gefühl für das Fassungsvermögen der Blase trainiert. So ein Training ist langwierig und kann zeitweise auch frustrierend sein – umso wichtiger ist es, dass Sie sich von kompetenter Seite unterstützen lassen.

Beugen Sie Harnwegsinfekten, die die Symptomatik noch verschlimmern können, nach Möglichkeit vor und halten Sie Ihre Füße immer gut warm. Trinken Sie kurz vor dem Schlafen keine größeren Flüssigkeitsmengen mehr. Aber achten Sie tagsüber weiterhin auf eine ausreichende Trinkmenge. Sie sollte keinesfalls  aus Angst vor einer noch stärkeren Symptomatik reduziert werden, da eine zu geringe Trinkmenge die Symptomatik langfristig noch verschlimmert!

Wichtig auch: Seien Sie geduldig mit sich und sorgen Sie für ein vernünftiges Gleichgewicht zwischen Arbeit und Ruhe. Manche Betroffenen haben nur am Arbeitsplatz Probleme und im Urlaub nicht – ein mögliches Zeichen für einen  Zusammenhang zwischen Symptomatik und Stressbelastung. In diesem Fall lernen Sie Methoden und Entspannungstechniken wie Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training, Tai Qi oder Qii Gong.

© AboutLife - AdobeStock.com

Lassen Sie sich in Ihren Aktivitäten nicht einschränken, auch nicht aus Sorge um „ein stilles Örtchen in der Not“. In  vielen Städten und Gemeinden gibt es mittlerweile die Aktion „Nette Toilette“, bei der Händler oder die Gastronomie Toiletten zur kostenlosen öffentlichen Nutzung bereitstellen. Mehr Informationen dazu finden Sie unter http://www.die-nette-toilette.de

Helfen kann auch der Kontakt zu anderen Betroffenen, z. B. in Selbsthilfegruppen wie der Inkontinenz Selbsthilfe e. V.

Autoren und Redaktion
Autorin: Kirsten Buschmann, Heilpraktikerin
Redaktion: Ulrich Sümper, Heilpraktiker

Beratung durch
Anita Sprenger-Witte, Heilpraktikerin
Franz-Claas-Straße 6a
33428 Harsewinkel
Tel. 05247 - 40 64 07

Diese Gesundheitsinformation wurde am 15.06.2020 erstellt und wird regelmäßig aktualisiert.