„Reizdarm-Syndrom“

Frau, die an Bauchschmerzen leidet
Frau, die an Bauchschmerzen leidet

Fast jeden Morgen erleidet Alina das Gleiche: Bauchschmerzen schon beim Aufstehen. Mal stärker, mal schwächer, manchmal begleitet von Blähungen oder Durchfall. Und das schon seit ein paar Jahren, sogar langsam schlimmer werdend. Aber die Untersuchungen beim Arzt haben kein Ergebnis gebracht, selbst die Darmspiegelung war ohne Befund. Dabei ist sie doch erst Ende Zwanzig.... Was kann das nur sein?

Was ist ein Reizdarm-Syndrom?

Wenn über einen längeren Zeitraum immer wieder unregelmäßig Beschwerden wie Bauchschmerzen, Durchfall, Verstopfung etc. auftreten und alle (wichtig, um schwere Erkrankungen sicher ausschließen zu können!) Untersuchungsbefunde beim Arzt ohne Ergebnis geblieben sind, kann die Diagnose „Reizdarm“ gestellt werden. Darunter versteht man eine Fehlfunktion bzw. Überempfindlichkeit des Darms auf bestimmte Reize.

Die Folge sind eine Reihe verschiedener, oft auch wechselnder Magen-Darm-Beschwerden, bei denen jedoch der Allgemeinzustand der Betroffenen i.d.R. recht gut ist. Die Beschwerden sind individuell ganz unterschiedlich und obwohl – oder gerade weil - eine organische Ursache nicht gefunden werden kann, ist die psychische Belastung hoch.

Ursachen

Die Diagnose Reizdarm-Syndrom (Syndrom: Auftreten mehrerer charakteristischer Symptome) darf erst nach Ausschluss aller anderen organischen Krankheiten gestellt werden (sogenannte „Ausschlussdiagnose“)! Vor allem bösartige Erkrankungen oder chronisch entzündliche Erkrankungen des Darms wie z. B. Morbus Crohn müssen zunächst abgeklärt werden. Bei Frauen sind ggf. auch gynäko-logische Erkrankungen mit in Betracht zu ziehen.

Werden keine organischen Ursachen gefunden und die Diagnose Reizdarm gestellt, haben psychosomatische Aspekte eine große Bedeutung. Die Beschwerden sind keineswegs eingebildet oder selbstverschuldet! Vielmehr können z.B. verborgene Ängste, Kontrollzwang oder Perfektionismus, der starke Wunsch nach Liebe und Anerkennung u. a. ein Reizdarm-Syndrom begünstigen.

Konventionelle Behandlung

Eine Besserung von heute auf morgen ist i.d.R. nicht zu erwarten. Die Behandlung ist leider häufig langwierig und fordert auch Geduld und die Bereitschaft des Patienten, mitzuarbeiten. Die Schulmedizin behandelt in erster Linie die körperlichen Symptome z. B. mit Medikamenten gegen Durchfall, Blähungen, Bauchschmerz etc. Sie können Symptome lindern, ändern aber nichts an der Ursache der Beschwerden. 

Was können Heilpraktiker für Sie tun?

So unterschiedlich wie die Menschen, die auslösenden Faktoren und die Beschwerden, so individuell muss auch der therapeutische Ansatz sein. Oft ist nach einer jahrelangen Leidensgeschichte bei Betroffenen der Wunsch nach ursächlicher (und nicht nur symptomatischer) Behandlung entstanden. Dabei liegt ein wesentliches Augenmerk auf den vielen Faktoren, die zu einem Reizdarmsyndrom führen können und diese gemeinsam zu klären.

Am Anfang jeder Behandlung steht deshalb zunächst das ausführliche Gespräch. Einer ganzheitlich ausgerichteten Arbeitsweise folgend, geht es dabei darum, Sie als Person mit Ihren individuellen Besonderheiten zu erfassen, gleichzeitig aber sowohl krankheitsbedeutsame Einzelfaktoren als auch eventuelle Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Organsystemen einerseits und Körper, Geist und Seele andererseits zu berücksichtigen. Da im Vorfeld bereits organische Ursachen (z.B. Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten) ausgeschlossen worden sind, ist es naheliegend, dass ein „Reizdarmsyndrom“ häufig das Ergebnis mehrerer Ursachen ist und somit kein „isoliertes Geschehen“, sondern evtl. sogar Zeichen eines gestörten seelisch-körperlichen Gleichgewichts.

Patientengespräch in der Heilpraktikerpraxis
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Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker schenken deshalb auch seelischen oder umweltbedingten Ursachen Aufmerksamkeit. Leistungsdruck, Über- oder Unterforderung, verborgene Ängste, ungelöste Konflikte in Partnerschaft, Familie oder am Arbeitsplatz – all das kann ebenfalls eine Rolle spielen und sollte mit bedacht werden. Ab- und Ausleitungsverfahren wie z.B. das Schröpfen, krampflösende, regulierende, entspannende Mittel aus der Phytotherapie oder die Wahl eines genau auf Sie und Ihre Beschwerden abgestimmte homöopathischen Mittels – Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker nimmt Sie als Person mit Ihren persönlichen Voraussetzungen und Wünschen wahr und wird diese in die Therapie mit einbeziehen.

Alle o. g. therapeutischen Möglichkeiten stehen jedoch nur beispielhaft und keinesfalls erschöpfend für die vielen Methoden, die Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker zur Verfügung stehen. Die Naturheilkunde und die komplementäre Medizin verfügen über die bereits genannten Verfahren hinaus über weitere, die auch in Kombination miteinander bei der Behandlung eines Reizdarms hilfreich sein können. So z. B. (alphabetisch):

Wenn Sie unter einem Reizdarmsyndrom leiden, sprechen Sie vertrauensvoll mit Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker –  sie beraten Sie gerne. Sollten Sie sich besonders für bestimmte Therapien interessieren, hilft Ihnen die BDH-Therapeutensuche dabei, eine Praxis in Ihrer Nähe zu finden.

Was können Sie selber tun?

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Wenn Sie längerfristig unter unregelmäßig auftretenden Bauchschmerzen unterschiedlicher Stärke und Lokalisation leiden, häufig begleitet von Blähungen, Durchfall, Verstopfung u. a., lassen Sie diese schulmedizinisch abklären, um organisch bedingte Erkrankungen auszuschließen.

Wenn keine körperlichen Ursachen für ihre Beschwerden gefunden werden konnten  – lassen Sie sich nicht entmutigen!

Die Behandlung eines Reizdarmsyndroms kann langwierig sein und erfordert leider oftmals Geduld. Aber es gibt viele Möglichkeiten, die den Leidensdruck zumindest verringern können.

Wichtig ist: Seien Sie geduldig und liebevoll mit sich und sorgen Sie für ein vernünftiges Gleichgewicht zwischen Arbeit und Ruhe – die oft zitierte Life-Work-Balance (einem ausgewogenen Verhältnis zwischen (beruflichen) Anforderungen und (privaten) Bedürfnissen).

Tai Chi
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Lernen Sie Methoden, die die Entspannung fördern wie Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training, Tai Qi oder Qi Gong und bauen Sie regelmäßige, moderate Bewegung in Ihren Alltag ein. Essen Sie in Ruhe, kauen Sie gründlich und achten Sie auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr über den Tag verteilt. Bei akuten Beschwerden können feuchtwarme Auflagen, z.B. eine Bauchkompresse helfen. Dazu  ätherisches Melissen- und Pflanzenöl im Verhältnis 1: 10 mischen, auf eine angewärmte Kompresse träufeln, diese auf den Bauch legen, ein Wolltuch und evtl. eine Wärmflasche darauf und ruhen.

Helfen kann auch der Kontakt zu anderen Betroffenen, z.B. in Selbsthilfegruppen wie der Deutschen Reizdarmselbsthilfe e. V.

Autoren und Redaktion
Autorin: Kirsten Buschmann, Heilpraktikerin
Redaktion: Ulrich Sümper, Heilpraktiker

Beratung durch
Anita Sprenger-Witte, Heilpraktikerin
Franz-Claas-Straße 6a
33428 Harsewinkel
Tel. 05247 - 40 64 07

Diese Gesundheitsinformation wurde am 30.08.2019 erstellt und wird regelmäßig aktualisiert.