„Gastritis“

Frau, die an Bauchschmerzen leidet
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Manuela fühlt sich gar nicht gut. Schon wieder dieser dumpfe Schmerz im Oberbauch und die Übelkeit. Außerdem muss sie schon wieder sauer aufstoßen. Kein Wunder, dass ihr auch der Appetit vergangen ist. Ob das wohl mit dem ganzen Stress der letzten Zeit zusammenhängt?

Was ist eine Gastritis?

Eine Gastritis ist eine Entzündung der Magenschleimhaut (daher umgangssprachlich, ebenso korrekt, häufig auch als Magenschleimhautentzündung bezeichnet). Sie wird unterteilt in die akute und die chronische Verlaufsform. Die akute Form kann in eine chronische übergehen.

Bei der akuten Gastritis leiden Betroffene z.B. an Magendruck, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen. Bei entsprechender Therapie (s.u.) heilt sie i.d.R. nach einigen Tagen ohne Folgeschäden aus.

Bei einer schweren Verlaufsform (erosive Gastritis kann es zu Blutungen der Magenschleimhaut kommen, die als Bluterbrechen und/oder – zeitversetzt – als Teerstuhl sichtbar werden können.

Eine Gastritis kann in schweren Fällen zu einem Magengeschwür (was die Symptome verschlimmern kann) mit ebenfalls möglichen Magenblutungen führen.

Die chronische Gastritis kommt relativ häufig vor und verläuft i.d.R. ohne oder mit nur geringen Beschwerden wie Schmerzen im Oberbauch, Völlegefühl, Übelkeit oder Brechreiz (meist bei Typ B, s.u.). Sie wird je nach Ursache in drei Untergruppen klassifiziert (s.u.).

Darüber hinaus gehende seltenere Sonderformen der chronischen Gastritis können auch in Zusammenhang mit anderen Erkrankungen wie z.B. Morbus Crohn, Sarkoidose, gastrinproduzierenden (Gastrin = Hormon des Magen-Darm-Trakts) Tumoren (Zollinger-Ellison-Syndrom) oder Allergien auftreten.

Ursachen

Im Magen sammelt sich die aufgenommene Nahrung, wird weiter zerkleinert und mit Magensaft durchmischt. Der Magensaft wird in bestimmten Drüsen der Magenschleimhaut (v.a. Belegzellen) produziert und ist stark säurehaltig (Salzsäure).

Damit diese Säure nicht die Magenwand selbst schädigt („selbst verdaut“), produzieren spezielle Zellen (Nebenzellen) einen Schleim, der die Magenschleimhaut schützt. Wird diese Schutzschicht angegriffen oder wird im Verhältnis zum Schleim zu viel Magensäure produziert, kann sich die Magenschleimhaut  entzünden.

Die akute Form der Gastritis entsteht meist durch auf die Magenschleimhaut einwirkende Schadstoffe, z.B. durch zu viel Alkohol, Nikotin, Kaffee oder bestimmte Medikamente (z.B. Schmerzmittel), die vor allem auch diese Schleimbarriere angreifen, Verätzungen durch Säuren oder Laugen, virale oder bakterielle Infektionen bzw. bakterielle Giftstoffe („Lebensmittelvergiftung“) oder Pilzinfektionen.

Auch „Stress“ auf seelischer (Angst, Trauer, Wut etc.) oder körperlicher Ebene (z.B. Unfälle, Operationen, Verbrennungen) kann zu einer akuten Gastritis führen.

Die Ursachen der chronischen Gastritis werden in 3 Gruppen geteilt, die sog. ABC-Klassifikation:

  • Typ A: Die seltene Autoimmungastritis, bei der der Körper aufgrund einer Störung des Immunsystems Abwehrstoffe gegen bestimmte Zellen (Belegzellen) in der Magenschleimhaut bildet. Die Ursachen hierfür sind noch nicht vollständig geklärt. Hier besteht ein erhöhtes Risiko für ein Magenkarzinom und durch den krankheitsbedingten Vitamin B12-Mangel für Anämie und ggf. neurologische Beschwerden und Schäden. Nicht selten liegen bei Betroffenen weitere Autoimmunerkrankungen (z.B. Hashimoto-Thyreoiditis) vor.
  • Typ B: Die bakterielle Gastritis. Sie ist die häufigste Form (ca. 85%) und entsteht in den meisten Fällen durch die Besiedelung des Magens durch das Bakterium Helícobacter pylori. Helicobacter pylori gilt als Risikofaktor für Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre und für die Entstehung von Magenkrebs.
  • Typ C: Die chemisch-toxische Gastritis, die z.B. durch den Rückfluss von Gallenflüssigkeit (Gallenreflux), die Einnahme bestimmter Medikamente (z.B. nichtsteroidale Antirheumatika wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen, Diclofenac u.a.) oder durch Genussgifte wie Alkohol und Nikotin entstehen kann.

Konventionelle Behandlung

Sicher diagnostiziert werden kann eine Gastritis nur durch eine Magenspiegelung (Gastroskopie mit Gewebeentnahme). Meist wird die Diagnose einer akuten Gastritis jedoch klinisch (anhand der typischen Symptome) gestellt.

Bei einer akuten Gastritis wird je nach Beschwerdebild (symptomatisch) behandelt. Betroffene sollten für mind. 24 Std. nur ungesüßten Tee und Zwieback zu sich nehmen (auf Kaffee, Nikotin, Alkohol, scharf gewürzte Speisen und nicht notwendige Medikamente verzichten). Eine örtliche Wärmeauflage (z.B. ein Wärmekissen auf dem Bauch) kann wohltuend sein (nicht bei Magenblutungen!). Bei stärkeren Beschwerden können Mittel zur Neutralisation (Antazida) oder Reduktion (z.B. Protonenpumpenhemmer – nur kurzfristig –) der Magensäure oder gegen Erbrechen (Antiemetika)) eingesetzt werden.

Die Diagnose chronische Gastritis sollte erst gestellt werden, wenn ein Magenkarzinom sicher ausgeschlossen wurde. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Bei der Typ A Gastritis kann ein Bluttest evtl. Antikörper nachweisen. Danach muss v.a. möglichen Mangelerscheinungen (Vitamin B12) vorgebeugt und der Verlauf regelmäßig kontrolliert werden (keine ursächliche Therapie). Wird Helicobacter pylori (Typ B) nachgewiesen (z.B. mittels Harnstoff-Atemtest oder Stuhluntersuchung), ist eine Helicobacter-Eradikationstherapie (Eradikation = Ausrottung) mit Hilfe von Antibiotika (Arzneimittel gegen bakterielle Infektionen) und Säurehemmern (Protonenpumpenhemmer, hemmen die Säurebildung im Magen) notwendig.

Bei der Typ C Gastritis sollte soweit irgend möglich die Ursache beseitigt bzw. auf die auslösenden Stoffe (s.o.) verzichtet werden.

Was können Heilpraktiker für Sie tun?

Die Naturheilkunde und die komplementäre Medizin kennen zahlreiche Behandlungsmöglichkeiten sowohl bei akuter als auch bei chronischer Gastritis. Bei einer akuten Gastritis geht es v.a. zunächst darum, die jeweiligen Beschwerden wie Oberbauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Sodbrennen u.a. zu lindern und die Gastritis im besten Fall zum Ausheilen zu bringen. In der Homöopathie und der Biochemie nach Schüssler beispielsweise werden die dazu verordneten Mittel sehr genau nach der Art der jeweiligen Beschwerden ausgewählt – angepasst auch an die Persönlichkeit des Erkrankten und je nachdem, ob der Schmerz z.B. als eher brennend, drückend, stechend o.a. empfunden wird, ob sauer aufgestoßen wird, wie der Zungenbelag aussieht u.v.m.

Auch Mittel der physikalischen Therapie wie feucht-warme Auflagen oder Kompressen können von Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker empfohlen werden. Wird übermäßiger Stress als Auslöser der Erkrankung erkannt, kann eine psychotherapeutische Begleitung sinnvoll sein. Sie kann helfen, Konflikte zu lösen und Belastungen, berufliche oder familiäre Überforderungen zu erkennen und damit „gesünder“ umzugehen.

Da eine chronische Gastritis häufig ohne größere Beschwerden verläuft, geht es bei ihrer Behandlung vorrangig um eine generelle Umstimmung und Harmonisierung. Aus ganzheitlicher bzw. naturheilkundlicher Sicht lassen sich Erkrankungen des Magens nicht isoliert betrachten. Gemäß einer solchen Betrachtungsweise bestehen enge Wechselbeziehungen mit sowohl anderen Oberbauchorganen (z.B. Leber, Galle, Bauchspeicheldrüse) als auch dem Darm. Deshalb ist es nach Auffassung von Heilpraktikern sinnvoll, neben dem Gastritis-Typ und der Konstitution der Betroffenen, auch diese Organe im Therapiekonzept mit zu berücksichtigen und ggf. zu behandeln.

Echerichia coli Bakterien
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Nicht selten liegt ein Ungleichgewicht der Darmbakterien vor (Darmdysbiose) vor. In diesen Fällen können Mittel der Mikrobiologische Therapie oftmals helfen, die angegriffene Darmschleimhaut wieder aufzubauen. Die Phytotherapie setzt bei der Behandlung bestimmter Formen der chronischen Gastritis häufig auf bitterstoffhaltige Pflanzen wie Wermut oder Enzianwurzel, z.B. als Tees. Nach Auffassung der Traditionelle Chinesische Medizin   können z.B. ein Mangel an Milz-Qi oder Magen-Qi bestimmte Formen einer chronischen Gastritis begünstigen. Auch hier sind Diagnose und Behandlungskonzept sehr individuell und beziehen ggf. z.B. auch Akupunktur mit ein.

Alle oben stehenden Möglichkeiten einer Behandlung sind hier jedoch nur beispielhaft und nicht vollständig für die vielen Methoden, die Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker zur Verfügung stehen. Die richtige Auswahl ist ein individueller Prozess, für den sich Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker viel Zeit nimmt. Die Naturheilkunde und die komplementäre Medizin bieten viele weitere Therapien an, die auch in Kombination miteinander hilfreich sein können. So z. B. (alphabetisch):

Wenn Sie unter einer Gastritis leiden, sprechen Sie vertrauensvoll mit Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker – er berät Sie gerne. Sollten Sie sich besonders für bestimmte Therapien interessieren, hilft Ihnen die BDH-Therapeutensuche dabei, eine Praxis in Ihrer Nähe zu finden.

Was können Sie selber tun?

Mann lehnt das Angebot einer Zigarette ab
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Bei einer akuten Gastritis helfen zunächst beispielsweise Tee-Zwieback- oder Hafer und Reisschleim-Fasten (s.o.) für mindestens 24-48 Stunden und eine reizarme, leichte Kost danach.

Um den Magen so wenig wie möglich zu belasten, sollten auch Medikamente, die nicht

zwingend notwendig sind, während der Karenz abgesetzt werden.

Meiden Sie Alkohol, Nikotin, Kaffee, stark zuckerhaltige Lebensmittel und säureanregende Gewürze wie Meerrettich oder Senf. Bevorzugen Sie stattdessen eine basenreiche Kost.

Gruppe, die auf einer Wiese Tai Chi praktiziert
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Auch Ruhe, Entspannung und ggf. Wärme fördern den Heilungsverlauf. Bei immer wiederkehrenden Beschwerden sorgen Sie für ein gesundes Gleichgewicht zwischen Anspannung und Entspannung – auch für die oft zitierte Life-Work-Balance. Ärger und Stress verschlimmern i.d.R. die Beschwerden. Lernen Sie deshalb Entspannungsmethoden wie z. B. Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training, Tai Qi oder Qi Gong.

Wichtig: Bei auftretenden bzw. sichtbaren Blutungen und/oder einer sich deutlich verschlimmernden Symptomatik muss unbedingt zeitnah medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden!

Autoren und Redaktion
Autorin: Kirsten Buschmann, Heilpraktikerin
Redaktion: Ulrich Sümper, Heilpraktiker

Beratung durch
Anita Sprenger-Witte, Heilpraktikerin
Franz-Claas-Straße 6a
33428 Harsewinkel
Tel. 05247 - 40 64 07

Diese Gesundheitsinformation wurde am 06.07.2022 erstellt und wird regelmäßig aktualisiert.