„Funktionelle Herzbeschwerden“

© saw - adobestock.com

Mitten in der Nacht wacht Ralf auf und ist schon schweißgebadet. Da ist es wieder, dieses Herzrasen. Angst macht sich breit. Hoffentlich kein Herzinfarkt! Er war schon bei mehreren Ärzten, aber keiner konnte eine organische Ursache finden. Demnach ist er ganz gesund. Aber er bildet sich das doch nicht ein. Was ist das bloß?

Was sind funktionelle Herzbeschwerden?

"Funktionelle Herzbeschwerden" bedeutet, dass das Herz organisch ganz gesund ist, aber trotzdem in seiner Funktion – eben „funktionell“ – gestört ist. Es kommt zu diversen Herzbe-schwerden wie Beklemmungsgefühlen, Herzrasen, Herzstolpern oder Schweißaus-brüchen und Atemnot, ohne dass eine organische Ursache zugrunde liegt. Trotzdem sind die Beschwerden real vorhanden, also nicht eingebildet und können als sehr belastend empfunden werden.

Die Diagnose „funktionelle Herzbeschwerden“ ist eine Ausschlussdiagnose, d. h. zuerst muss vom Arzt sichergestellt werden, dass Erkrankungen wie z. B.  Herzinfarkt, Bluthochdruck, Erkrankungen der Lunge, der Wirbelsäule, Magen- Darmerkrankungen (z. B. Roemheld-Syndrom), Elektrolytstörungen, Angst- und Panikstörungen, Depressionen etc., die ebenfalls mit diesen Symptomen einhergehen können, ausgeschlossen werden können.

Ursachen

Wenn durch (u. U. mehrere) Untersuchungen eine organische Ursache für die Beschwerden sicher ausgeschlossen werden kann, sollten - auch wenn es oft zunächst schwer fällt, das zu akzeptieren - psychische Ursachen in Betracht gezogen werden. Vielleicht nehmen sich die Betroffenen „etwas zu Herzen“ oder etwas „bricht ihnen das Herz“. Solche Redewendungen zeigen, dass es eine enge Beziehung zwischen Körper, Geist und Seele gibt. (Starke) Gefühle können etwa über das vegetative Nervensystem (Vegetativum) großen Einfluss auf körperlicher Ebene haben. Das Vegetativum ist der Anteil des Nervensystems, der unwillkürlich, also nicht willentlich von uns beeinflussbar die Körperfunktionen steuert. Es erhöht beispielsweise den Puls und den Blutdruck in Stress-Situationen, was als Herzrasen deutlich und über lange Zeiträume spürbar sein kann –

ohne dass eine organische Störung im Herzen selbst vorliegt.

Die von den Betroffenen empfundenen körperlichen Symptome belasten zusätzlich, das Eine bedingt das Andere, ein Teufelskreis aus Stress, Angst und körperlicher Reaktion entsteht

Ängste, Ärger, Zweifel und Trauer, innere Konflikte, unbewältigte traumatische Erlebnisse, Über- oder Unterforderung, Zeit- und Leistungsdruck, beruflich oder privat, können über einen längeren Zeitraum zu einem übermäßig hohen Stresspegel führen und den Körper dauerhaft in Alarmbereitschaft versetzen. Betroffenen ist ihre übermäßig hohe Stessbelastung oft nicht bewusst oder sie wird verdrängt. Der Körper produziert dann die funktionellen Herzbeschwerden quasi als „Ausgleichshandlung“.

Konventionelle Behandlung

Da keine organische Erkrankung zugrunde liegt, kann der Arzt eine psychosomatische/psychotherapeutische Therapie empfehlen. Im Vordergrund steht (zunächst) der Ausstieg aus der Spirale aus Angst und Herzsymptomen, da diese sich im Extremfall bis zu Panikzuständen mit Todesangst steigern können. Zusätzlich können eventuell Medikamente verabreicht werden, die beispielsweise das vegetative Nervensystem „beruhigen“ (z.B. ß-Blocker, die die Wirkung von Stresshormonen im Körper beeinflussen) oder Mittel, die angstlösend wirken, um die bestehenden Symptome abzumildern.

Was können Heilpraktiker für Sie tun?

Dem Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele kommt in der Naturheilkunde und der Komplementärmedizin eine große Rolle zu. Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker messen diesem Wechselspiel ihrem ganzheitlichen Ansatz folgend seit jeher eine besonders große Bedeutung zu. Deshalb setzt Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker zunächst auf ausführliche Gespräche und Einfühlungsvermögen. Die Zusammenhänge zwischen körperlichen Beschwerden, Ängsten und der daraus wiederum resultierenden weiteren, zusätzlichen seelischen Belastung gilt es zu durchbrechen.

Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker nehmen Sie mit Ihren individuellen Beschwerden ernst und sich die Zeit, die nötig ist, um die vielen Faktoren, die bei Ihnen persönlich die funktionellen Herzbeschwerden auslösen, mit Ihnen gemeinsam zu klären und ihnen bestmöglich zu begegnen. Da das vegetative Nervensystem (s. o.) Körperfunktionen wie Puls und Blutdruck steuert, ist dessen Stabilisierung und Harmonisierung ein wichtiger Behandlungsansatz.

Auch wenn bei funktionellen Herzbeschwerden definitionsgemäß "die" organische Ursache nicht auszumachen ist, können dennoch verschiedene körperliche Aspekte – oft in ihrem Zusammenspiel – das Beschwerdebild ungünstig beeinflussen: Verspannungen im Rückenbereich beispielsweise (die gern durch Stress gefördert werden) können funktionelle Herzbeschwerden verstärken, aber mittels Osteopathie, Schröpfen, Akupunktur u.v.a.m. meist gut behandelt werden. Stress führt darüber hinaus häufig nicht nur zur Fehlernährung (Fastfood, Kaffee, Alkohol etc.), sondern kann beispielsweise auch allgemein die Verdauungsleistung herabsetzen, was ebenfalls negativen Einfluss auf die Herzbeschwerden haben kann. Auch hier bieten verschiedene naturheilkundliche Therapierichtungen Hilfe.

© Andrey Popov – fotolia.com
© Andrey Popov – fotolia.com

Ausschlaggebend für die naturheilkundliche oder komplementärmedizinische Behandlung sind in erster Linie Ursache, Schwere und persönlicher Leidensdruck. Deshalb stehen alle o. g. therapeutischen Möglichkeiten nur beispielhaft und keineswegs erschöpfend für die vielen Möglichkeiten, die Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker zur Verfügung stehen. Die verschiedenen Therapieverfahren stehen entweder als in sich geschlossene Behandlungssysteme wie z.B. in der Traditionellen Chinesischen Medizin oder als Kombinationen einzelner Verfahren zur Verfügung.

In Frage kommen z.B.  (alphabetisch):

Wenn Sie unter funktionellen Herzbeschwerden leiden, sprechen Sie vertrauensvoll mit Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker –  sie beraten Sie gerne. Sollten Sie sich besonders für bestimmte Therapien interessieren, hilft Ihnen die BDH-Therapeutensuche dabei, eine Praxis in Ihrer Nähe zu finden.

Was können Sie selber tun?

© AboutLife - AdobeStock.com

An dieser Stelle vorab: Bei entsprechenden Symptomen (s.o.), die noch nicht ärztlich abgeklärt sind, sollten Sie auf jeden Fall einen Arzt besuchen bzw. rufen!

Steht die Diagnose „funktionelle Herzbeschwerden“ fest:  Versuchen Sie auf jeden Fall, Ihren Stresslevel zu senken und Ihre Aufmerksamkeit von Ihrer Herztätigkeit weg zu lenken. Grübeln Sie nicht zu viel, sondern werten Sie die Tatsache, dass es für Ihre Beschwerden keine organische Ursache gibt, als positiv! Je mehr Sie sich beobachten, in sich hineinhorchen und ggf. sogar unbewusst auf die nächsten Symptome warten, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass tatsächlich eine körperliche Reaktion provoziert wird.

Lernen Sie Entspannungs- oder Atemtechniken, die Sie in entsprechenden Situationen anwenden können. Sollte es doch einmal zu Beschwerden kommen, trinken Sie ein Glas kaltes Wasser in kleinen Schlucken. Das kann über das unbewusste Nervensystem (Vagusreiz) zu einer Normalisierung des Herzschlags beitragen.

Um ihr Herz zu schonen, meiden viele Betroffene körperliche Belastungen. Doch das bewirkt häufig das Gegenteil: Die Beschwerden werden dadurch noch verstärkt, denn durch mangelndes Training sinkt die Leistungsfähigkeit des Herzmuskels. Bei leichtem Ausdauertraining dagegen haben Sie Gelegenheit zu erleben, wie wunderbar Ihr Herz arbeitet. (übrigens profitiert man auch bei einer organisch bedingten Herzerkrankung von Bewegung). Nehmen Sie deshalb wann immer es geht z. B. die Treppe statt des Aufzugs, fahren Sie nach Möglichkeit mit dem Rad zur Arbeit oder steigen Sie eine Station eher aus dem Bus. Zusätzlich können Sie sich auch eine Sportart suchen, die zu Ihnen passt und Ihnen Spaß macht und regelmäßig trainieren.

Wohltuend und auf das vegetative Nervensystem (das u. a. den Herzschlag steuert) entspannend wirken auch Saunagänge, Kneippanwendungen oder einfach ein schöner Spaziergang oder wenn Sie einem Hobby „nach Herzenslust“ nachgehen. Auch Düfte können harmonisieren. Dazu z.B. je 1 Trpf. Rose, Kamille und Melisse (biologische Duftöle) auf Wasser geben und in der Duftlampe verdampfen.

Mann, der Treppen steigt
© borphloy - adobestock.com

Versuchen Sie möglichst, „Hochdrucksituationen“, Stress und psychische Belastungen zu vermeiden bzw. diese gut zu beenden (z.B. mit Hilfe von Entspannungsverfahren). Der Wechsel von Anspannung und Entspannung erhöht die Anpassungsfähigkeit (auch) des Herzens. Dabei können außerdem Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung nach Jacobson oder auch Mediation, Yoga, Tai Qi oder Qi Gong helfen. Auch eine "herzgesunde" Ernährung (Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker berät Sie dazu gerne) und das Meiden von Genussgiften sind empfehlenswert.

Autoren und Redaktion
Autorin: Kirsten Buschmann, Heilpraktikerin
Redaktion: Ulrich Sümper, Heilpraktiker

Beratung durch
Anita Sprenger-Witte, Heilpraktikerin
Franz-Claas-Straße 6a
33428 Harsewinkel
Tel. 05247 - 40 64 07

Diese Gesundheitsinformation wurde am 01.10.2019 erstellt und wird regelmäßig aktualisiert.