„Heuschnupfen“ (Pollinosis, allergische Rhinitis)

Frau im Grünen mit Heuschnupfen
© absolutimages - AdobeStock.com

Eigentlich liebt Susanne das Frühjahr, wenn die Natur wieder erwacht. Die Sonne genießen, im Garten sitzen, Fahrrad fahren – alles Dinge, die ihr früher viel Spaß gemacht haben. Aber in den letzten Jahren jucken ihr immer öfter die Augen, die Nase läuft und heftige Niesattacken plagen sie. Und sie hat das Gefühl, das wird jedes Jahr schlimmer. Kann sich Heuschnupfen denn auch erst im Erwachsenenalter bemerkbar machen?

Was ist Heuschnupfen?

Heuschnupfen ist die häufigste allergische Erkrankung in Deutschland und tritt bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen auf. Die Betroffenen reagieren mit erkältungsähnlichen Symptomen auf kleinste Blütenstaubteilchen (Pollen) von Bäumen, Gräsern, Getreiden oder Kräutern in der Luft (Aeroallergene). Ihr Körper stuft bei einer solchen allergischen Reaktion eigentlich harmlose Blütenpollen als „Feind“ ein und ihr Immunsystem beginnt, diesen zu bekämpfen. Die typischen Schnupfensymptome sind die Folge der Abwehr- bzw. Entzündungs-prozesse im Gewebe.

Allergien gegen Pollen können zudem weitere Allergien nach sich ziehen (wie alle Erkran-kungen des atopischen (mit Überempfindlichkeit und Allergieneigung assoziierten) Formenkreises (z.B. auch Asthma bronchiale und Neuroder-mitis).

Auch Tierhaare, Schimmelpilze oder Hausstaub-milben können eine solche allergische Reaktion auslösen, dann jedoch nicht nur saisonal wie bei der Pollenallergie, sondern oftmals während des ganzen Jahres. Die Hauptsaison für die Pollenallergie ist die Zeit des Pollenflugs der jeweiligen Pflanzen. Die meisten blühen von April bis August, deshalb ist das Frühjahr „Hauptsaison“ für Heuschnupfen. Früh blühende Pflanzen (z.B. Birke, Hasel, Erle, Ulme, Weide) können aber schon im Februar, spät blühende (z.B: Beifuß, Gerste) noch bis Oktober aktiv sein und Allergikern Beschwerden bereiten.

Die aus den USA eingeschleppte Ambrosia beginnt beispielsweise erst im August zu blühen, ihr Pollenflug kann dann aber bis in den Winter hinein andauern.

Zu den Hauptsymptomen des Heuschnupfens zählen eine „laufende“, juckende oder verstopfte Nase, wässriges Sekret, Niesattacken und oft auch rote, entzündete, tränende, juckende Augen (allergische Konjunktivitis). Außerdem kann es auch zu Brennen der Rachenschleim-haut im Hals, Problemen an den Nasenneben-höhlen, Erschöpfungssymptomen, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Kopfschmerz oder Hautreaktionen wie Schwellungen, Ekzemen oder Ödemen (Wasseransammlungen im Gewebe) kommen.

Nach Schätzungen der Fachleute entsteht im Verlauf bei etwa 30 bis 40 Prozent der Betroffenen ein allergisches Asthma, das durch Symptome wie Husten, Luftnot oder Atem-geräusche charakterisiert ist. Außerdem können so genannte Kreuzallergien entstehen: Allergene in bestimmten Lebensmitteln weisen Ähnlichkeiten mit den allergieauslösenden Pollen auf und das auf letztere empfindlich reagierende Immunsystem reagiert dann auch auf dieses Nahrungsmittel mit entsprechenden Allergiesymptomen. Eine häufige Kreuzallergie besteht z. B. zwischen Gräser- und Getreide-pollen sowie Mehl, Kleie, Tomaten, Erdnüssen oder Hülsenfrüchten.

Ursachen und Auslöser

Heuschnupfen ist eine „Allergie vom Sofort-Typ“, d. h. die Symptome treten innerhalb von Sekunden oder Minuten nach dem Kontakt mit dem Allergen auf. Das passiert aber nie beim ersten Kontakt, denn der Körper muss zunächst spezifische Antikörper gegen das Allergen entwickeln (Sensibilisierungsphase), erst danach kann es bei (jedem) erneutem Kontakt zu den Symptomen kommen.

Die Ursachen, warum manche Menschen auf Blütenpollen oder überhaupt allergisch reagieren, sind nicht vollständig geklärt. Ausgegangen wird u. a. von einer genetischen Veranlagung. Ist kein Elternteil allergisch, liegt das Allergierisiko des Kindes bei ca. 15 Prozent. Sind dagegen beide Elternteile allergisch, steigt das Risiko auf ca. 50-60 Prozent. Einen gewissen Schutzeffekt dagegen scheint das Stillen zu

haben. Müttern wird deshalb empfohlen, ihre Kinder möglichst mindestens vier Monate lang ausschließlich zu stillen.

Diskutiert wird auch ein Zusammenhang zwischen dem Anstieg allergischer Erkran-kungen und einer übertriebenen Hygiene im Alltag (antibakterielle Reinigungsmittel etc.). Diese so genannte „Hygiene-Hypothese“ stellt die Vermutung auf, dass ein zu geringer Kontakt mit Krankheitserregern in der Kindheit dazu führen kann, dass das Immunsystem „unterfordert“ wird und dann auch eigentlich harmlose Substanzen wie z. B. Blütenpollen als Gefahr einstuft, die es zu bekämpfen gilt.

Weitere Erklärungen für die Zunahme von Allergien können auch in der Zunahme von Umweltschadstoffen und in den Auswirkungen des Klimawandels liegen.

Konventionelle Behandlung

Zunächst wird die Allergie mittels Hauttests, Expositionstests („sich der Substanz aussetzen“) oder Blutuntersuchungen diagnostiziert. Zur Linderung der unmittelbaren Heuschnupfen-Symptome stehen dann verschiedene entzündungshemmende Medikamente als Nasenspray, Augentropfen oder Tabletten zur Verfügung. Antihistaminika (Arzneimittel zur Behandlung allergischer Erkrankungen) zum Beispiel blockieren u.a. den Entzündungsprozess und sind juckreizstillend. Am stärksten wirken Kortisonpräparate, häufig ebenfalls als Nasenspray verschrieben. Diese sollten jedoch nur bei schweren allergischen Symptomen und auch nur kurzfristig eingenommen werden, da sie zahlreiche Nebenwirkungen haben können.

Die wichtigste Möglichkeit der Behandlung des Heuschnupfens ist die Hyposensibilisierung („Heuschnupfen-Impfung“, auch Desensibilisierung oder spezifische Immuntherapie, kurz SIT), die dem Körper die allergische Reaktion wieder „abgewöhnen“ soll. Dabei verabreicht ein*e Ärzt*in in steigender Dosis über einen längeren Zeitraum ein Allergen-Extrakt als Spritze, Tabletten oder Tropfen. Die Methode ist aber nicht für alle Pollenallergiker geeignet.

Was können Heilpraktiker für Sie tun?

Bei der Vielzahl von verschiedenen Stoffen, denen wir täglich ausgesetzt sind, wird es einerseits immer schwieriger, das verantwortliche Allergen auszumachen. Andererseits ist es vielfach auch sehr schwer oder sogar unmöglich, sich diesen Allergenen (z.B. Pollen, Milben, Schimmelpilzen) zu entziehen. Deshalb ist es Ziel der naturheilkundlichen oder der komplementären Medizin, durch Ausbalancieren der körpereigenen Abwehr und Umstimmung des Organismus die (allergische) Körperreaktion der Betroffenen zu verändern. In vielen Fällen lassen sich sehr gute Ergebnisse erzielen, die Beschwerden nehmen ab und die Menge der Medikamente kann verringert oder sogar ganz auf sie verzichtet werden. Auch die Symptome eines akuten Heuschnupfenanfalls sind mit naturheilkundlichen Mitteln oftmals gut behandelbar.

Um ein individuelles Behandlungskonzept auf ganzheitlicher Ebene zu entwickeln, nimmt sich Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker viel Zeit. Dabei stehen Ihre persönlichen Voraussetzungen und Wünsche im Vordergrund. Eine Möglichkeit aus naturheilkundlicher Sicht dabei ist z.B. die Umstimmung des Körpers und die Veränderung seiner Reaktionslage.

Aromaöl
© tycoon101 / Fotolia.com

Finden sich Hinweise auf eine geschädigte Darmflora („Sitz“ eines wichtigen Teils unseres Immunsystems) wird Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker z. B. mittels einer Mikrobiologische Therapie beginnen, die Darmflora wieder zu stärken. Der Säure-Basen-Haushalt und das Thema "Übersäuerung" kann bei vielen akuten und chronischen Beschwerden eine Rolle spielen. Falls nötig, könnte also auch hier ein Therapieansatz liegen.

Alle diese Methoden stehen hier jedoch nur beispielhaft für die vielen Möglichkeiten, die Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker zur Verfügung stehen. Es können je nach Einzelfall ganz verschiedene Therapieverfahren zum Einsatz kommen, entweder als in sich geschlossene Behandlungssysteme wie z. B. in der Traditionellen Chinesischen Medizin oder als Kombinationen einzelner Verfahren untereinander, häufig z. B. (alphabetisch):

Wenn Sie unter Heuschnupfen leiden, sprechen Sie vertrauensvoll mit Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker – sie beraten Sie gerne. Sollten Sie sich besonders für bestimmte Therapien interessieren, hilft Ihnen die BDH-Therapeutensuche dabei, eine Praxis in Ihrer Nähe zu finden.

Was können Sie selber tun?

Bei Allergien und Heuschnupfen ist Staubsagen wichtig
© auremar - AdobeStock.com

Zunächst einmal lassen Sie bestimmen, auf welche Allergene Sie mit Heuschnupfen reagieren und sich einen Allergiepass ausstellen. Dann ist es wichtig, den Kontakt mit dem Allergen so gut es geht zu vermeiden. Ein Pollenflugkalender gibt Auskunft darüber, wann „Ihre“ Pollen am stärksten verbreitet sind. Beachten Sie auch die aktuelle Pollenflug-Vorhersage.

Auch abends zu duschen und Haare zu waschen hilft, das Schlafzimmer möglichst pollenfrei zu halten. Wischen oder saugen Sie täglich. Für Staubsauger gibt es spezielle Pollenfilter, die verhindern, dass die Pollen mit der Abluft wieder in die Wohnung gelangen. Informieren Sie sich auch über Pollenschutzgitter, spezielle Matratzenbezüge gegen Hausstaubmilben etc., die z. T. sogar von der gesetzlichen Krankenversicherungen bezahlt werden.

Fernblick
© Aleksei Potov / Fotolia.com

Und noch ein Tipp: Versuchen Sie Ihren Urlaub in der Zeit zu verbringen, wenn an Ihrem Wohnort die Pollen am stärksten fliegen (dann natürlich an einem Ort, wo es die entsprechenden Pollen nicht gibt). Klimakuren im Gebirge oder an der See wirken z. B. oft wohltuend.

Des Weiteren: Rauchen, auch Passivrauchen, reizt die Schleimhäute zusätzlich. Luftschadstoffe wie Stickoxide, Stäube, Gase oder Dieselruß sollten Sie so weit möglich meiden und z. B. die Zeit nach einem Regenguss (reinigt die Luft) für einen Spaziergang nutzen. Beugen Sie außerdem unbedingt Infekten der Atemwege vor. Zur Abhärtung eignen sich Wechselduschen, Trockenbürstenmassagen oder Saunabesuche.

Die Beschwerden lindern können z. B. Nasenspülungen mit lauwarmem Salzwasser. Dazu 1 EL Salz auf 1 Liter Wasser geben, aufkochen und handwarm abkühlen lassen. Mit Hilfe einer Nasendusche die Nase damit durchspülen.

Weitere Informationen finden Sie z. B. auch bei der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst, beim Allergieinformationsdienst oder beim Deutscher Allergie und Asthmabund (DAAB).

Autoren und Redaktion
Autorin: Kirsten Buschmann, Heilpraktikerin
Redaktion: Ulrich Sümper, Heilpraktiker

Beratung durch
Anita Sprenger-Witte, Heilpraktikerin
Franz-Claas-Straße 6a
33428 Harsewinkel
Tel. 05247 - 40 64 07

Diese Gesundheitsinformation wurde am 30.08.2019 erstellt und wird regelmäßig aktualisiert.