„Schlafstörungen“ (ohne organische Ursachen)

Frau, die schlaflos im Bett liegt
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Michaela fühlt sich völlig zerschlagen. Dabei ist noch nicht einmal Mittagspause. Und schon jetzt kann sie sich kaum noch konzentrieren. Ob die Kollegen wohl merken, dass sie ständig gähnen muss? Schon seit Wochen kann sie nicht mehr richtig schlafen. Meistens dauert es Stunden, bis sie endlich einschläft. Irgendwann ist sie dann so übermüdet, dass sie vor Erschöpfung schon abends vor dem Fernseher wegdämmert. Aber nach ein paar Stunden ist die Nacht für sie dann auch schon wieder vorbei und sie kann nicht wieder einschlafen. Obwohl sie sich schon völlig kraftlos fühlt und sich so nach einer „guten Nacht“ sehnt. Mittlerweile hat sie schon richtig Angst ins Bett zu gehen, aus lauter Sorge, dann wieder nicht schlafen zu können. Wie lässt sich dieser Kreislauf nur unterbrechen?

Was sind Schlafstörungen?

Unter Schlafstörungen hat fast jeder Mensch schon einmal in seinem Leben gelitten. Sie gehören zu den häufigsten Beschwerden, Tendenz steigend. Unterschieden werden Einschlaf- und Durchschlafstörungen.

Dabei ist es normal und nicht behandlungsbedürftig, dass bestimmte

Ereignisse gelegentlich für ein paar Nächte mal „den Schlaf rauben“. Problematisch wird es, wenn länger anhaltende Schlafstörungen das Wohlbefinden, die Lebensqualität und Leistungsfähigkeit so weit einschränken, dass jeder Tag zu einer Belastung wird. Spätestens dann gilt es, aktiv werden.

Ursachen

Schlafstörungen können eine Vielzahl von Ursachen haben. Deshalb ist es zunächst  wichtig, mögliche organische Erkrankungen abzuklären. Mit Schlafstörungen einhergehen können z. B.

  • Bluthochdruck
  • chronische Schmerzen
  • Herzerkrankungen
  • Schilddrüsenüberfunktion
  • Schlafapnoe (nächtliche Atemaussetzer)
  • Restless-Legs-Syndrom
  • u. a.

Werden die Erkrankungen erfolgreich behandelt, verschwinden i. d. R. auch die mit ihnen verbundenen Schlafstörungen.

Auch Depressionen, Suchtmittelmissbrauch oder Medikamente wie koffeinhaltige Schmerzmittel oder Diuretika (harntreibende Arzneimittel) können Einfluss auf die Schlafqualität nehmen, ebenso Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus durch Schichtarbeit o.a. Wenn diese Ursachen sicher ausgeschlossen sind, beginnt die Suche nach möglichen anderen Faktoren.

Konventionelle Behandlung

Schulmedizinisch wird zunächst versucht, die Ursache und Art der Schlafstörungen, eventuell auch in einem Schlaflabor, zu finden und zu beseitigen. Hier kann z. B. eine Schlaf-Apnoe (nächtlicher Atemstillstand) festgestellt werden. Bei psychischen Erkrankungen wie z. B. Depressionen kann eine begleitende Psychotherapie sinnvoll sein. Behandelt wird zudem mit einer Vielzahl unterschiedlich wirkender Schlafmittel – von frei verkäuflich bis hin zu verschreibungspflichtig. Unterschieden werden Hypnotika (Schlafmittel) und beruhigend wirkende Psychopharmaka (Beruhigungsmittel). Schlafmittel  sollten (mit wenigen Einschränkungen wie z. B. bei Demenz verordnet) nicht über einen längeren Zeitraum (max. 3-4 Wochen) regelmäßig eingenommen werden, da es zu Gewöhnungseffekten oder im schlimmsten Fall zu Abhängigkeiten kommen kann!

 

Was können Heilpraktiker für Sie tun?

Schlafstörungen ohne organische Ursachen können ihren Ursprung in einer ganzen Reihe von Gründen haben. Oft ist es auch nicht ein einziger Auslöser, sondern die Kombination mehrerer situativer, umweltbedingter oder psychischer Faktoren, die das nächtliche Wachen bedingen. Das ist auch der Grund dafür, dass lange währende Schlafstörungen nur in den seltensten Fällen kurzfristig behoben werden können. Eine Therapie, die sich den Ursachen und nicht nur dem Symptom Schlaflosigkeit widmet, verspricht langfristig den größten Erfolg.

Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker nehmen sich deshalb ganz besonders viel Zeit dafür, in einem intensiven, persönlichen Gespräch mit Ihnen gemeinsam mögliche Gründe für Ihre Schlaflosigkeit zu finden. Gerade weil nichtorganische Schlafstörungen einen sehr individuellen Hintergrund und einen ebenso individuell unterschiedlich empfundenen Leidensdruck haben, ist ein ganzheitlicher Behandlungsansatz so wichtig.

Guter Schlaf kann entstehen auf Basis einer guten Balance von Körper, Geist und Seele. Diese Harmonie (wieder) herzustellen, körperliche Unruhe auszugleichen, den Geist zu beruhigen und die Seele zu befrieden ist Ziel des therapeutischen Konzepts bei Schlafstörungen ohne organische Ursache. Hierbei können häufig sehr effektiv verschiedene naturheilkundliche Verfahren unterstützend eingesetzt werden. Manchmal ist es in diesem Zusammenhang jedoch auch lohnenswert, ungewöhnliche Wege zu gehen. So sind es z. B. nicht immer die naheliegenden beruhigenden und entspannenden Mittel, die zu einer Verbesserung des Schlafes führen. In einigen Fällen kann die Erschöpfung bereits so groß sein, dass die Therapie eine eher stärkende und kräftigende Wirkung haben sollte.

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In Betracht kommen allgemein schlafunterstützend z. B. neben der Einhaltung einer „Schlafhygiene“ oder der Ordnungstherapie auch Mittel der Biochemie nach Schüßler oder Mikronährstoffe aus der Orthomolekularen Therapie mit Mikronährstoffen (hier z.B. Vitamine der B Gruppe).

Alle diese Möglichkeiten stehen hier jedoch nur beispielhaft für die vielen Methoden, die Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker zur Verfügung stehen. Bei der Behandlung nichtorganischer Schlafstörungen ist die richtige Auswahl ein individueller Prozess. Für diesen bieten die Naturheilkunde und die komplementäre Medizin über die bereits genannten Verfahren hinaus weitere an, die auch in Kombination miteinander hilfreich sein können. So z. B. (alphabetisch):

Wenn Sie unter Schlafstörungen leiden, sprechen Sie vertrauensvoll mit Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker –  sie beraten Sie gerne. Sollten Sie sich besonders für bestimmte Therapien interessieren, hilft Ihnen die BDH-Therapeutensuche dabei, eine Praxis in Ihrer Nähe zu finden.

Was können Sie selber tun?

Tai Chi übende Frau in Übungsraum
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Zunächst versuchen Sie zu akzeptieren, dass Sie – noch – nicht so gut schlafen, wie es wünschenswert wäre. Selbstverständlich ist Gelassenheit schwierig, nichtsdestotrotz hilft sie im Umgang mit der Situation.

Schaffen Sie gute Voraussetzungen für einen erholsamen Schlaf. Beseitigen Sie soweit möglich äußere Störfaktoren wie Lärm und grelles Licht. Achten Sie in Ihrem Schlafzimmer auf Ruhe, ein angenehmes, gut gelüftetes, nicht zu kaltes Raumklima, eine bequeme Matratze und atmungsaktive Bettwäsche. Versuchen Sie, immer zur gleichen Zeit ins Bett zu gehen und aufzustehen. So gewöhnt sich ihr Körper an eine feste Schlafenszeit. Und reservieren Sie ihr Bett ausschließlich zum Schlafen und Kuscheln. Ein Mittagsschlaf sowie Essen, Lesen oder Fernsehen im Bett sollten bei Schlafstörungen bis auf weiteres tabu sein.

Beschließen Sie Ihren Tag mit einem festen Feierabendritual (z.B. mit umziehen und duschen, einem Spaziergang und einer Tasse Tee, bewegen Sie sich regelmäßig, am besten an

frischer Luft, aber meiden Sie Sport mindestens
3 Stunden vor dem Zubettgehen. Ein Spaziergang ist allerdings ausdrücklich erlaubt! Essen Sie abends nur leichte Mahlzeiten, aber gehen Sie nicht hungrig ins Bett. Alkohol ist übrigens keine gute Idee: Er hilft zwar u. U. einzuschlafen, Sie wachen aber schneller wieder auf, der Schlaf ist weniger tief und erholsam.

Da keine organischen Ursachen für Ihre Schlafstörungen gefunden werden konnten: Denken Sie auch über mögliche seelische Ursachen nach. Sind Sie im Job über- oder unterfordert? Plagen Sie Geldsorgen oder andere Ängste? Sind Sie glücklich in Ihren Beziehungen oder durchleben Sie Krisenzeiten? Um innere Spannungen abzubauen, ist das Erlernen von Entspannungstechniken wie Autogenem Training, Progressiver Muskelentspannung nach Jacobson oder von Atemübungen, Yoga, Qi Gong oder Tai Qi hilfreich. Harmonisierend auf das Nervensystem wirken auch, je nach persönlicher Vorliebe, Malen, Musizieren, Singen, Tanzen u.v.m.

chinesischer Tee
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Es ist wissenschaftlich nicht sicher nachweisbar, dass bestimmte Nahrungsmittel Akne verstärken. Dennoch sollten Sie sich gut beobachten und bei individueller Verschlimmerung auf Eier, Schokolade, Schweinefleisch, Tomaten, Milchprodukte und Produkte, die den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen lassen und/oder viele gesättigte Fettsäuren enthalten (Fastfood, Weißmehlprodukte, zuckerhaltige Lebensmittel, Bier etc.) ebenso wie auf Alkohol und Nikotin verzichten.

Die Entgiftungsfunktion Ihres Körpers können Sie beispielsweise durch einen Leberwickel mit Kohl unterstützen. Dazu die äußeren Blätter eines Bio-Weißkohls waschen, mit einem Nudelholz walken bis die Rippen brechen und Saft austritt. Im Liegen 3-4 Lagen der Kohlblätter über die Leberregion auf den rechten Rippenbogen auflegen, mit einem Tuch und evtl. einer zusätzlichen Wolldecke abdecken und ca. ½ bis 1 Stunde wirken lassen und dabei ruhen. Besonders gut wirkt der Leberwickel, wenn er abends angewandt wird.

Auch Stress und Ärger verschlimmern i. d. R. die Symptome, da sie die Talgproduktion verstärken können. Achten Sie auf ausreichend Schlaf und lernen Sie Methoden, die die Entspannung fördern wie z. B. Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training, Tai Qi oder Qi Gong. Auch regelmäßige Bewegung, am besten an frischer Luft, kann dazu dienen, Stress abzubauen.

Autoren und Redaktion
Autorin: Kirsten Buschmann, Heilpraktikerin
Redaktion: Ulrich Sümper, Heilpraktiker

Beratung durch
Anita Sprenger-Witte, Heilpraktikerin
Franz-Claas-Straße 6a
33428 Harsewinkel
Tel. 05247 - 40 64 07

Diese Gesundheitsinformation wurde am 30.08.2019 erstellt und wird regelmäßig aktualisiert.