„Tinnitus"

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Alles begann an einem ganz „normalen“ Vormittag. Die Kinder in den Kindergarten gebracht, weiter ins Büro, die nächsten Termine besprochen, Emails gecheckt, die wichtigsten Telefonate erledigt – und jetzt beim nächsten Kaffee will Eric wenigstens in Ruhe durch die Post gucken. Wenn da nicht neuerdings dieses helle, schrille Piepen im linken Ohr wäre. Schon seit ein paar Tagen, vor allem in Ruhemomenten zu bemerken. Eigentlich nicht wirklich schlimm, eher lästig, aber so allmählich wird es doch anstrengend, ermüdend, belastend. Wann hört das bloß wieder auf?

Was ist Tinnitus?

(Unangenehme) Ohrgeräusche, die einen gewissen Zeitraum andauernd und scheinbar aus heiterem Himmel auftreten, werden als Tinnitus bezeichnet. Sie können ganz unterschiedlich sein: konstant oder mit Unterbrechungen, ein- oder beidseitig, sehr hochfrequent oder eher tief, als Brumm-, Klingel- oder Pfeifton, als ein Zischen, Rauschen, Knacken oder Klopfen.

Unterschieden werden „objektiver Tinnitus“ (die Geräusche sind messbar oder auch für andere hörbar, z. B. Fließgeräusche des Blutes) und

„subjektiver Tinnitus“ (nur vom Betroffenen zu hörende Geräusche).

Gemeinsam ist ihnen allen der oftmals hohe Leidensdruck, den das permanente, nicht abzustellende „Hören müssen“ für die Betroffenen bedeutet.

Kommen zum Tinnitus allerdings noch Begleitsymptome wie Schwerhörigkeit, Ohrdruck und Schwindel hinzu, muss eine andere Erkrankung (z.B. ein Hörsturz) angenommen und abgeklärt werden.

Ursachen

Ohrgeräusche sind in der Regel ein Symptom, das ganz verschiedene Ursachen haben kann. Dazu zählen z. B. (alphabetisch):

  • Akustikusneurinom (seltener, gutartiger Tumor am Hörnerv)
  • Arteriosklerose
  • Anämie ( Blutarmut)
  • Bluthochdruck oder zu niedriger Blutdruck
  • Hörsturz (Achtung bei zusätzlichem Hörverlust!)
  • Infekte
  • Innenohr-Erkrankungen (z. B. Morbus Menière)
  • Kiefergelenksbeschwerden
  • Lärm
  • Medikamente (z. B. ACE-Hemmer, Acetylsalicylsäure)
  • Mittelohr-Erkrankungen
  • Multiple Sklerose
  • Muskelverspannungen ( bes. Nacken, Kiefer, Gesicht)
  • Nasennebenhöhlenerkrankungen
  • Ohrenschmalzpfropf
  • Rauchen
  • Stoffwechselerkrankungen (z. B. Diabetes mellitus)
  • Stress
  • Vergiftungen (z. B. Arsen, Quecksilber- und Bleiverbindungen)
  • Wirbelsäulenbeschwerden
  • Zähneknirschen
  • Zahnherde im Oberkieferbereich
  • Zink- und Magnesiummangel
  • v.a.m.

Konventionelle Behandlung

Leider gibt es keine einheitliche Tinnitus-Therapie, behandelt werden die zugrunde liegenden  Ursachen. Diese sind jedoch völlig individuell und können gerade bei dem häufig vorkommenden subjektiven Tinnitus nicht immer schnell und eindeutig geklärt werden. Deshalb werden schulmedizinisch meist Kortison oder eine Kombination aus gefäßerweiternden und die Fließeigenschaften des Blutes verbessernden Medikamenten eingesetzt. Bei akutem Tinnitus können auch Aufenthalte in Druckkammern oder bei chronischem Tinnitus das Tragen eines Tinnitus-Noisers (ein Gerät, das die Ohrgeräusche mit anderen Geräuschen quasi „überdeckt“), helfen.

 

Was können Heilpraktiker für Sie tun?

Viele Betroffene kommen im Anschluss an oder begleitend zur schulmedizinischen Therapie zur Heilpraktikerin oder zum Heilpraktiker. Ohrgeräusche können als so stark und so belastend empfunden werden, dass der Wunsch, selbst aktiv zu werden und alle Möglichkeiten auf Besserung auszuschöpfen, besonders groß ist. Ein Tinnitus kann je nach Ursache auch zu Schlaflosigkeit, Unruhe, Konzentrationsstörungen, Überreiztheit bis hin zu Depressionen und Angstzuständen führen. Hinzu kommt, dass einige Patientinnen oder Patienten sich aufgrund der nicht oder nur schwer zu findenden Ursache und der von Nichtbetroffenen nur selten nachzuvollziehenden Belastung alleingelassen, hilflos oder als „Simulanten“ verdächtigt fühlen.

Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker nehmen sich Zeit, die vielen Faktoren, die zu einem Tinnitus führen können, mit Ihnen gemeinsam zu klären. Dabei können, auch begleitend zu einer schulmedizinischen Behandlung, verschiedene naturheilkundliche oder komplementäre Diagnose- und Therapieverfahren zum Einsatz kommen. Ausgeschlossen werden müssen schwere Erkrankungen wie z. B. mögliche Tumoren, Aneurysmen (Gefäßaussackungen) etc.

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Am Anfang jeder Behandlung steht zunächst das ausführliche Gespräch. Aufgrund einer ganzheitlichen Arbeitsweise werden nicht nur Symptome und Krankheitsverlauf erörtert, sondern auch mögliche Auslöser, Vorerkrankungen, Ihre persönliche Lebenssituation, Stressbelastungen, das familiäre und berufliche Umfeld etc. Ein Tinnitus, der derzeit keine klar zu diagnostizierende körperliche Ursache hat, ist im Sinne einer ganzheitlichen Sichtweise kein „isoliertes Geschehen“, sondern häufig das Ergebnis mehrerer Ursachen und evtl. Zeichen eines gestörten körperlichen oder seelischen Gleichgewichts. Sinnvoll kann es sein, beispielsweise Störungen des Bewegungsapparates wie Wirbelsäulenblockaden abzuklären, die Durchblutung und damit die Sauerstoffversorgung (z.B. durch ab-und ausleitende Verfahren) zu verbessern. Ebenso sollten die Herz-Kreislauffunktion, das Verdauungssystem (z. B. hinsichtlich Nahrungsmittelunverträglichkeiten), der Vitamin- und Mineralstoffstatus sowie Säure-Basen-Haushalt und Ausscheidungsfunktionen Beachtung finden.

Alle diese Möglichkeiten stehen hier jedoch nur beispielhaft für die vielen Methoden, die Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker zur Verfügung stehen. Die richtige Auswahl ist ein individueller Prozess, der Sie als Person mit Ihren persönlichen Voraussetzungen und Wünschen in die Therapie mit einbezieht. Ein solcher ganzheitlicher Ansatz sieht den Menschen als Einheit von Körper, Geist und Seele. Alle diese seine Teile sind miteinander verbunden, stehen miteinander in Kommunikation und wollen im Sinne einer umfassenden Behandlung gesehen werden.

Dafür bieten die Naturheilkunde und die komplementäre Medizin über die bereits genannten Verfahren hinaus weitere an, die auch in Kombination miteinander hilfreich sein können. So z. B. (alphabetisch):

Wenn Sie unter Tinnitus leiden, sprechen Sie vertrauensvoll mit Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker –  sie beraten Sie gerne. Sollten Sie sich besonders für bestimmte Therapien interessieren, hilft Ihnen die BDH-Therapeutensuche dabei, eine Praxis in Ihrer Nähe zu finden.

Was können Sie selber tun?

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Wenn Sie unter Ohrgeräuschen leiden, lassen Sie diese schulmedizinisch abklären, um schwere Erkrankungen auszuschließen. Außerdem gilt: Je eher ein Tinnitus erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Chancen auf spätere Beschwerdefreiheit.

Wenn Sie schon seit längerem betroffen sind  – lassen Sie sich nicht entmutigen! Die Behandlung eines Tinnitus kann langwierig sein und erfordert leider oftmals Geduld. Aber es gibt viele Möglichkeiten, die helfen können, einen Tinnitus erträglicher zu machen und somit den Leidensdruck mindestens zu verringern.

Wichtig auch: Meiden Sie Lärm und rauchen Sie nicht. Beides kann die Symptome nicht nur auslösen, sondern auch verschlimmern.

Versuchen Sie, soweit möglich, Stressbelastungen zu verringern und schaffen Sie Ausgleich z. B. mit Yoga, (geführter) Meditation, Achtsamkeits- und Entspannungsübungen (z. B. Progressive Muskelentspannung). Gehen Sie generell liebevoll mit sich um. Warme Nackengüsse und Auflagen sind angenehm, verbessern die örtliche Durchblutung und Ableitung.

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Helfen kann auch der Kontakt zu anderen Betroffenen, z. B. in Selbsthilfegruppen wie der Deutschen Tinnitus-Liga.

Autoren und Redaktion
Autorin: Kirsten Buschmann, Heilpraktikerin
Redaktion: Ulrich Sümper, Heilpraktiker

Beratung durch
Anita Sprenger-Witte, Heilpraktikerin
Franz-Claas-Straße 6a
33428 Harsewinkel
Tel. 05247 - 40 64 07

Diese Gesundheitsinformation wurde am 20.01.2020 erstellt und wird regelmäßig aktualisiert.