„Haarausfall (Alopezie)“

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Heute Morgen nach der Dusche war es wieder so weit: Ganz vorsichtig hat Lutz das Handtuch um seinen Kopf geschlungen – nur nicht rubbeln! In letzter Zeit waren immer mehr Haare im Handtuch und auf dem Kopfkissen finden sich auch jeden Morgen welche. Dabei war er doch immer so stolz auf seine vollen, gepflegten Haare. Was ist da nur los?

Was ist Haarausfall?

Ein paar Haare morgens auf dem Kopfkissen zu finden, ist kein Problem. Jedes Haar hat nur eine begrenzte Lebensdauer, fällt danach aus und ein neues wächst nach. Aufmerksam werden sollte man, wenn täglich mehr als 100 Haare über

einen Zeitraum von einigen Wochen ausgehen oder wenn einzelne kahle Stellen entstehen. Dann spricht man u. U. von krankhaftem Haarausfall (Alopezie). Darunter leiden in Deutschland ca. 1,5 Millionen Männer und 500.000 Frauen.

Beim Haarausfall werden unterschieden:

  • Androgenetischer (anlagebedingter) Haarausfall bei Männern,
    der zu “Geheimratsecken“ oder dünnem Haar am Hinterkopf (ähnlich einer Tonsur) führen und schon bei Jugendlichen beginnen kann.
  • Androgenetischer (anlagebedingter) Haarausfall bei Frauen,
    bei dem das Haar v. a. im Scheitelbereich dünner wird, während es zur Stirn hin meist erhalten bleibt. Kann z. B. im Zuge einer Schwangerschaft oder der Wechseljahre auftreten.
  • Kreisrunder Haarausfall (Alopezia areata),
    der häufiger Frauen betrifft und bei dem rundliche, etwa münzgroße kahle Stellen im Haar (bei Männern auch im Bart) entstehen.
  • Diffuser Haarausfall,
    bei dem die Haare gleichmäßig lichter (dünner oder weniger) werden.
  • Vernarbende Alopezien,
    B. durch bestimmte Hauterkrankungen.

Ursachen

Haarausfall kann eine Vielzahl von Ursachen haben. Deshalb ist es zunächst wichtig, mögliche organische Erkrankungen abzuklären. Haarausfall kann z. B. Folge sein von

  • Alterungsprozessen (dem „normalen“ Älterwerden)
  • Autoimmunerkrankungen
  • Chemo- oder Strahlentherapie (i. d. R. vorübergehend unter der Therapie)
  • Chemische Haarpflege- bzw. Haarfärbemittel
  • Darmstörungen
  • Diäten oder Fastenkuren
  • Entzündungsprozessen (z. B. Neurodermitis)
  • Hormonstörungen oder hormoneller Umstellung (z. B. Schwangerschaft, Wechseljahre)
  • Infektionen (z. B. Typhus oder Scharlach)
  • Mangelzuständen (z. B. Eisenmangel)
  • Medikamenten (z. B. Heparin, Lipidsenker, Antidepressiva, Beta-Blocker, ACE-Hemmer, „Pille“)
  • Pilzinfektionen
  • Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion
  • Schwermetallvergiftungen (z. B. Arsen)
  • Störungen des Immunsystems
  • Stress und psychische Faktoren
  • u.v a.

Ist der Haarausfall Folge einer Erkrankung, verschwindet er i. d. R. im Laufe der erfolgreichen Therapie dieser Erkrankung.

Konventionelle Behandlung

Die Behandlung des Haarausfalls ist abhängig von der zugrunde liegenden Diagnose. Eine einzige Therapie für alle Arten von Haarausfall gibt es nicht und nicht jeder Haarausfall muss bzw. kann therapiert werden. Ggf. werden Medikamente (z. B. Minoxidil, Finasterid), Hormon- oder Kortisonpräparate verordnet.

Der androgenetische Haarausfall ist mit hoher Wahrscheinlichkeit erblich bedingt und wird auch als hormonell-erblicher Haarausfall bezeichnet. Folge ist, dass der Haarfollikel, die Produktionsstätte des Haares, schrumpft und der Haarfollikel letztendlich abstirbt. Dieser Prozess kann bestenfalls verlangsamt, nicht aber rückgängig gemacht werden.

Beim kreisrunden Haarausfall wird eine Beteiligung bzw. eine Fehlsteuerung des Immunsystems vermutet. Körpereigene Abwehrzellen richten sich dabei gegen Bestandteile des Haares. Da die Haarwurzeln hierbei lediglich „gelähmt“ sind, können sie wieder beginnen, Haare zu produzieren – was in vielen Fällen (manchmal sogar spontan) auch passiert.

Die Ursache des diffusen Haarausfalls sind vielschichtig: Ernährung, Hormonumstellungen, Medikamentenunverträglichkeiten, Schilddrüsenfehlfunktionen, Stress oder vorausgegangene Erkrankungen u. v. m.  Ist die Ursache jedoch gefunden und wird sie behandelt, endet in den meisten Fällen auch der diffuse Haarausfall.

Sind jedoch die Haarfollikel zerstört oder vernarbt (z.B. nach Verbrennungen oder tiefen Infektionen) ist der Haarausfall nicht rückgängig zu machen (irreversibel).

Was können Heilpraktiker für Sie tun?

Haarausfall kann seinen Ursprung in einer ganzen Reihe von Gründen haben, oftmals auch in einer Kombination mehrerer situativer, umweltbedingter oder psychischer Faktoren. Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker nimmt sich deshalb ganz besonders viel Zeit für ein intensives, persönliches Gespräch. Da der Haarausfall häufig erst einige Zeit nach der auslösenden Ursache auftritt bzw. bemerkt wird, braucht die Suche nach dem eigentlichen Grund für den Haarausfall Geduld und Ruhe.

Haarausfall geht mit einem individuell unterschiedlich empfundenen Leidensdruck einher. Besonders Frauen leiden sehr, gelten in unserer Gesellschaft doch lange, volle Haare als Inbegriff von Weiblichkeit, Attraktivität und Jugend. Doch auch viele Männer empfinden den Verlust ihrer Haare als emotional belastend. Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker berücksichtigen deshalb neben den körperlichen auch seelische Faktoren und bezieht sie in einen ganzheitlichen Behandlungsansatz mit ein.

Mangelzuständen kann sowohl ernährungstherapeutisch, als auch mittels der orthomolekularen Therapie mit Mikronährstoffen oder der Biochemie nach Schüßler begegnet werden. Kommen Störungen im Darm oder der Leber als Ursache in Frage, gilt es diese Organsysteme in ihrer Funktion zu unterstützen und zu stärken. Das kann mit Hilfe von Ab- und Ausleitungsverfahren, aber auch sehr gut z.B. mit phytotherapeutischen Mitteln geschehen. Aus Sicht der Traditionellen chinesischen Medizin können bestimmte Formen von Haarausfall mit einem Mangel an Nieren-Energie im Zusammenhang stehen, die dann nach Auffassung der Therapeuten z.B. durch Akupunktur oder Kräutermischungen wieder aufgebaut werden kann.

Alle o. g. therapeutischen Verfahren stehen hier nur beispielhaft und keineswegs erschöpfend für die vielen Möglichkeiten, die Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker zur Verfügung stehen. Die verschiedenen Therapieverfahren stehen entweder als in sich geschlossene Behandlungssysteme wie z.B. in der Traditionellen Chinesischen Medizin oder als Kombinationen einzelner Verfahren zur Verfügung. In Frage kommen z.B.  (alphabetisch):

Wenn Sie unter Haarausfall leiden, sprechen Sie vertrauensvoll mit Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker –  sie beraten Sie gerne. Sollten Sie sich besonders für bestimmte Therapien interessieren, hilft Ihnen die BDH-Therapeutensuche dabei, eine Praxis in Ihrer Nähe zu finden.

Was können Sie selber tun?

Obst und Gemuese
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Zunächst versuchen Sie zu akzeptieren, dass Sie (derzeit) unter Haarausfall leiden und zunächst die Ursache dafür gefunden werden muss. Nur so kann eventuell der Haarausfall gestoppt oder im besten Fall sogar rückgängig gemacht werden (nicht bei anlagebedingtem Haarausfall). Achten Sie schon während dieser Zeit darauf, sich ausgewogen und möglichst vitamin- und vitalstoffreich zu ernähren, auf regelmäßige, moderate Bewegung, am besten an der frischen Luft und auf eine gesunde Work-Life-Balance.

Bei mechanisch bedingtem Haarausfall sollte ein übermäßiger Zug auf die Haarwurzeln vermieden werden Das heißt zum Beispiel, auf einen straff gebundenen Pferdeschwanz zu verzichten und die Haare öfters offen zu tragen

Darüber hinaus kann der richtige Haarschnitt oder eine andere Frisur kahle Stellen oder dünner werdende Haarpartien verdecken - lassen Sie sich von Ihrem Friseur beraten.

Wenn der Haarausfall nicht krankheits-, sondern anlagebedingt ist, freuen Sie sich daran, gesund zu sein! Vielleicht ist eine solche Gelassenheit zunächst schwierig, nichtsdestotrotz hilft sie im Umgang mit der Situation. Relativieren Sie Ängste und negative Gefühle, eventuell auch mit Hilfe eines Psychotherapeuten. Sie sind nicht entstellt, sie haben bloß wenige oder eben keine Haare.

Negative Gefühle lassen sich z. B. mit Entspannungstechniken wie Autogenem Training, Progressiver Muskelentspannung nach Jacobsen, mit Atemübungen, Yoga, Tai Qi oder Qi Gong oder Sport jeder Art mindern.

Seelische Stabilität, Lebensfreude, Erfolgserlebnisse und gute Laune finden Sie auch, je nach persönlicher Vorliebe, beim Malen, Musizieren, Singen, Tanzen u.v.m.

Tai Chi übende Frau in Übungsraum
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Helfen kann auch der Kontakt zu anderen Betroffenen, z.B. über die Haarausfall Selbsthilfe oder bei kreisrundem Haarausfall z.B. über die Alopecia Areata Deutschland e.V.

Autoren und Redaktion
Autorin: Kirsten Buschmann, Heilpraktikerin
Redaktion: Ulrich Sümper, Heilpraktiker

Beratung durch
Anita Sprenger-Witte, Heilpraktikerin
Franz-Claas-Straße 6a
33428 Harsewinkel
Tel. 05247 - 40 64 07

Diese Gesundheitsinformation wurde am 02.10.2019 erstellt und wird regelmäßig aktualisiert.