„Fibromyalgie“

Frau, die schlaflos im Bett liegt
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Am liebsten würde Nicole einfach im Bett liegenbleiben. Wieder so schlecht geschlafen, bleierne Müdigkeit und alle Glieder steif und schmerzend. Sie ist jetzt 35 und fühlt sich uralt. Dabei gucken schon alle ganz komisch, wenn sie von ihren Schmerzen, der damit verbundenen Unsicherheit und Ängstlichkeit spricht. Aber das bildet sie sich doch nicht ein! Die Schmerzen sind ganz real, auch wenn die Blutuntersuchung beim Arzt kein Ergebnis gebracht hat. Alles ganz normal. So allmählich ist sie richtig deprimiert. Was kann das denn nur sein?

Was ist Fibromyalgie?

Am ganzen Körper auftretende, organisch nicht zu erklärende Schmerzen der Muskeln und Sehnen können auf eine Fibromyalgie hindeuten. Fibromyalgie bedeutet so viel wie Faser-Muskel-Schmerz (die Erkrankung wird fälschlicherweise oft auch Weichteilrheumatismus genannt) und trifft zu 80% Frauen zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr. Typisch sind druckschmerzhafte Muskeln und Sehnenansätze (sog. Tender Points, s. u.), hinzukommen können Müdigkeit bis hin zu starker Erschöpfung, Morgensteifigkeit, Konzentrations- und Schlafprobleme. Auch eine Tendenz zu Depressionen und Ängsten lässt sich beobachten. Allerdings sind die Beschwerden individuell ganz unterschiedlich.

Die genannten Symptome treten außerdem auch bei vielen anderen Erkrankungen auf – das macht die Erkrankung "Fibromyalgie" schwer diagnostizierbar; letztendlich handelt es sich um eine Ausschlussdiagnose.

Unbedingt ausgeschlossen werden müssen z.B. Morbus Bechterew, Muskelentzündungen, neurologische Erkrankungen des zentralen oder peripheren Nervensystems, Polymyalgia rheumatica, rheumatoide Arthritis, systemischer Lupus erythematodes Schilddrüsenüberfunktion, andere hormonelle Erkrankungen u. a.

Einen spezifischen Fibromyalgie-Test gibt es derzeit noch nicht – viele Betroffene haben deshalb eine regelrechte Diagnose-Odyssee hinter sich, auch weil Gelenke und Muskulatur nicht krankhaft verändert sind und Laborwerte wie BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit als Entzündungszeichen), Rheumafaktoren oder antinukleäre Antikörper (als Zeichen einer möglichen Autoimmunerkrankung) ohne Befund bleiben. Der Verdacht erhärtet sich bei Druckschmerzhaftigkeit der sogenannten Tender Points (s. o.):  Reagieren 11 von 18 Punkten auf Druck schmerzhaft, ist das ein Hinweis auf Fibromyalgie.

Ursachen

Die Ursachen der Fibromyalgie sind bis heute nicht geklärt. Es handelt sich aber weder um eine verschleißbedingte noch um eine entzündlich-rheumatische Erkrankung. Eine familiäre Häufung ist zu beobachten. Die Annahme, die Symptome seien rein psychosomatischer Natur ist mittlerweile widerlegt, auch wenn die Psyche bei der Entstehung der Krankheit eine Rolle spielen kann.

Auch andere Erkrankungen, wie z. B. Virusinfektionen können den Ausbruch der Erkrankung begünstigen. Diskutiert wird zurzeit die Hypothese, dass eine Störung der Schmerzverarbeitung im zentralen Nervensystem, die die Patienten für Reize überempfindlich macht, eine Ursache sein könnte.

Konventionelle Behandlung

Da die Ursachen der Fibromyalgie unbekannt sind, gibt es auch keine ursächliche Therapie. Behandelt werden die individuell sehr unterschiedlichen Symptome. Zum Einsatz kommen können (immer in Abwägung mit den zu erwartenden Nebenwirkungen wie z. B. Gewichtszunahme oder  Mundtrockenheit) z. B. Antidepressiva (Arzneimittel gegen krankhaft niedergedrückte Stimmung) oder Schlafmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine.  Hinzukommen können physiotherapeutische Maßnahmen, z.B. Haltungsschulung, Wärmetherapie u. a. oder auch Psychotherapie.

Antirheumatika (Arzneimittel zur Hemmung von Entzündungen bei rheumatischen Erkrankungen wie z.B. Diclofenac oder Ibuprofen) sind zur Behandlung nicht geeignet, da die Schmerzen bei der Fibromyalgie nicht durch Entzündungen verursacht sind.

Was können Heilpraktiker für Sie tun?

Fibromyalgie kann nicht ursächlich behandelt, aber die Symptome gelindert werden. Dazu ist es auch wichtig, die begünstigenden Faktoren, Konflikte, Widersprüche aufzuspüren. Oft sind mehrere situative, umweltbedingte oder psychische Faktoren, die nur in den seltensten Fällen kurzfristig behoben werden können, an der Entstehung und Aufrechterhaltung einer Fibromyalgie beteiligt.

Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker nimmt sich in persönlichen Gesprächen gemeinsam mögliche auslösende Faktoren zu finden und so neben der Symptomlinderung im besten Falle auch ein weiteres Fortschreiten der Erkrankung mit entsprechenden Folgen zu verhindern.

Ihre belastende Situation und Ihre individuellen Probleme werden wahrgenommen und im Sinne einer ganzheitlichen Ausrichtung alles dafür getan, Ihnen wieder zu mehr Lebensqualität zu verhelfen. Linderung auf körperlicher Ebene kann z.B. durch stoffwechselregulierende und entsäuernd wirkende Verfahren erlangt werden; Linderung auf seelischer Ebene durch Psychotherapie, Heilhypnose oder Ordnungstherapie. Da jedoch so viele unterschiedliche Einflussfaktoren bei der Fibromyalgie eine Rolle spielen (können), bedarf es hier eines umfassenden Behandlungskonzeptes, bei dem erfahrungsgemäß verschiedene Therapieverfahren gleichzeitig oder abwechselnd eingesetzt werden müssen.

Patientengespräch in der Heilpraktikerpraxis
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Gerade weil die Fibromyalgie einen sehr individuellen und meist komplexen Hintergrund und einen ebenso individuell unterschiedlich empfundenen Leidensdruck hat, ist also ein ganzheitlicher Behandlungsansatz besonders wichtig. Alle o. g. therapeutischen Maßnahmen stehen hier nur beispielhaft und keineswegs erschöpfend für die vielen Möglichkeiten, die Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker zur Verfügung stehen. Die verschiedenen Therapieverfahren stehen entweder als in sich geschlossene Behandlungssysteme wie z.B. in der Traditionellen Chinesischen Medizin oder als Kombinationen einzelner Verfahren zur Verfügung. In Frage kommen auch z.B.  (alphabetisch):

Wenn Sie unter Fibromyalgie leiden, sprechen Sie vertrauensvoll mit Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker – sie nehmen sich für Sie Zeit. Sollten Sie sich besonders für bestimmte Therapien interessieren, hilft Ihnen die BDH-Therapeutensuche dabei, eine Praxis in Ihrer Nähe zu finden.

Was können Sie selber tun?

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Zunächst versuchen Sie zu akzeptieren, dass die Fibromyalgie zwar einerseits als nicht zu heilen und nur symptomatisch zu behandeln gilt, Sie aber andererseits durchaus Einfluss auf Verlauf und Intensität der Erkrankung nehmen können. Es lohnt sich in jedem Fall, verschiedene Dinge auszuprobieren, denn erst ab dem 60. Lebensjahr wird gelegentlich eine therapieunabhängige Tendenz zur Besserung beobachtet.

Probieren Sie aus, was Ihnen ganz persönlich gut tut. Bleiben Sie in Bewegung: Mit Gymnastik, Schwimmen in warmem Thermalwasser, Qi

Gong oder Tai Qi. Regelmäßige Saunabesuche, entsäuernde Basenbäder, Trockenbürstungen oder Kneippsche Güsse (nicht bei Herzinsuffizienz oder Bluthochdruck) wirken wohltuend; bei Hüftgelenksschmerzen Schenkelgüsse, bei Kniegelenksschmerzen Kniegüsse oder bei schmerzenden Armgelenken Armgüsse. Dazu den entsprechenden Körperteil von einem breiten, weichen (Dusch-)Strahl  umfließen lassen, rechtsseitig beginnend, von außen nach innen. Die Wassertemperatur  sollte kühl, aber als noch angenehm empfunden werden.

Atemübung des Yogas Pranayama
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Denken Sie auch über mögliche seelische Ursachen Ihrer Fibromyalgien nach: Sind Sie im Job über- oder unterfordert? Plagen Sie Geldsorgen oder andere Ängste? Sind Sie glücklich in Ihren Beziehungen oder durchleben Sie Krisenzeiten? Seelische Probleme können die körperlichen Beschwerden zusätzlich verstärken. Um innere Spannungen abzubauen, ist das Erlernen von Entspannungstechniken wie Autogenem Training, Progressiver Muskelentspannung nach Jacobson, Yoga oder von Atemübungen hilfreich. Harmonisierend auf das Nervensystem wirken auch, je nach persönlicher Vorliebe, Malen, Musizieren, Singen, Tanzen u.v.m.

Helfen kann auch der Kontakt zu anderen Betroffenen, z. B. über die Deutsche Fibromyalgie Vereinigung e. V.  (DFV), die Fibromyalgie-Liga Deutschland e.V. und vielen anderen Selbsthilfeeinrichtungen.

Autoren und Redaktion
Autorin: Kirsten Buschmann, Heilpraktikerin
Redaktion: Ulrich Sümper, Heilpraktiker

Beratung durch
Anita Sprenger-Witte, Heilpraktikerin
Franz-Claas-Straße 6a
33428 Harsewinkel
Tel. 05247 - 40 64 07

Diese Gesundheitsinformation wurde am 01.10.2019 erstellt und wird regelmäßig aktualisiert.